Tesla, VW und die Elektromobilität

Tesla, VW und die Elektromobilitaet - Elektroauto tanken
„VW ist das neue Tesla“ jubelten etwa tausende von jungen Aktienneulingen, die in der Corona-Zeit ihre Liebe zu Aktien entdeckt haben. Doch sind die beiden Autowerte vergleichbar? Welche Rolle spielen BWM und Daimler in der Rallye auf dem Elektromobilität-Markt? Mehr dazu in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Aktuell dominieren immer wieder Neuigkeiten rund um den Markt der Elektromobilität die Nachrichten. Volkswagen (VW) versucht sich als echte Konkurrenz zu Tesla durchzusetzen. Daimler und BMW ziehen nach. Wir beleuchten die Hintergründe.

Kein Gleichschritt an den Börsen

Es ist gut ein Jahr her, als die Corona-Krise auch die Aktienmärkte in ihren Bann gezogen hat. Die Angst vor einem Absturz der Weltwirtschaft ging um, die Aktienkurse stürzten um rund ein Drittel, 25 Billionen US-Dollar an Börsenwert wurden quasi über Nacht vernichtet.

Der Schock währte allerdings nicht lang. Schnell erholten sich die Kurse und damit natürlich auch die Werte der Anleger*innen – wenn sie denn nicht vorschnell ausgestiegen sind. Heute klettern sowohl der deutsche Leitindex Dax als auch die New Yorker Wall Street von einem Rekord zum Nächsten. Das geht nicht im Gleichschritt. Manche Werte erholen sich schneller und deutlicher als Andere. Manchmal haben deutsche Aktien die Nase vorn, dann wieder die US-Werte, allen voran Tech-Riesen wie Apple oder Google oder auch der Versandprimus Amazon. 

Vergleich Dax vs. Dow Jones über 5 Jahre - Quelle VWD.de
Vergleich Dax vs. Dow Jones über 5 Jahre – Quelle: VWD.de

Das Problem der VW-Aktie

Aber auch die deutschen Autowerte konnten deutlich zulegen. „VW ist das neue Tesla“ jubelten etwa tausende von jungen Aktienneulingen, die in der Corona-Zeit ihre Liebe zu Aktien entdeckt haben. Bei VW spielen die Internetforen, in diesem Fall „Wall Street bets“ und Onlineplattformen wie Reddit, offenbar eine wichtige Rolle. Weil VW-Aktien nicht direkt an der New Yorker Börse gehandelt werden, müssen sich die Anleger*innen dort über ADR-Scheine (ADR = American Depositary Receipt) engagieren. 

Das Problem dabei ist allerdings, dass sich die ADRs auf die VW-Stammaktie beziehen, die eigentlich gar nicht so liquide ist. Mehr als 90 Prozent der Stämme liegen in der Hand der Großaktionäre Porsche SE, dem Land Niedersachsen und dem Emirat Katar. Die Umsätze mit den VW-Scheinen in den USA war aber in den vergangenen Wochen extrem hoch. An manchen Tagen mehr als das Zehnfache. Ausschläge beim Kurs der Stammaktie machen sich wegen der relativ wenigen handelbaren Papiere deutlich stärker bemerkbar. 

Hier kommt eine weitere Spekulation ins Spiel. Manche Experten vermuten, dass ein großer Investor, möglicherweise ein Hedgefonds, auf eine bessere Kursentwicklung der Vorzugsaktien gewettet hatte, nun von dem Run der Stämme überrascht wurde und entsprechende Wetten „auflösen“ musste. Sprich, möglichst schnell Aktien zurückkaufen und damit den Kurs weitertreiben. Genaues aber weiß man nicht. Klar ist nur, dass hinter den extremen Kursbewegungen bei VW nicht nur das gute wirtschaftliche Abschneiden und die positiven Aussichten des Herbert Diess stecken. 

Die „frühzyklische“ Automobilbranche

Die Automobilbranche zählt insgesamt zu den eher „frühyzklischen“ Werten, das heißt, dass in der Autoindustrie eine Rezession zwar eher zu spüren ist, weil Autokäufe aufgeschoben werden. Auf der anderen Seite werden die Käufe aber auch schnell nachgeholt, wenn die Erholung kommt. 

Davon konnten, neben VW, auch die Konkurrenten BMW und Daimler profitieren. Deren Aktien stehen in der Gunst der Käufer derzeit hoch im Kurs. Schon 2020 war der Daimler-Kurs deutlich gestiegen. Der Kurs hat sich in nur zwölf Monaten von seinem Tief bei 21 auf fast 75 Euro mehr als verdreifacht.  

Vergleich VW vs. Daimler über 5 Jahre - Quelle VWD.de
Vergleich VW vs. Daimler über 5 Jahre – Quelle: VWD.de

Damit konnte Daimler nicht nur mit der guten Entwicklung des Leitindex Dax mithalten, sondern lag auch im Gleichklang mit den anderen Autowerten. Daimler konnte, zumindest im vergangenen Jahr, die Konkurrenz aus München und Wolfsburg sogar an der Börse abhängen. 

Tesla – Pionier der Elektromobilität

Die Einschätzung der Beobachter für die Autoindustrie hat sich in den vergangenen Monaten grundsätzlich geändert. Der Umstieg auf die Elektromobilität werde inzwischen von den Investoren*innen anerkannt. Bei Volkswagen werde dieser Weg konsequent und mit viel Geld verfolgt. Aber auch bei Daimler hat sich unter Ola Källenius eine klarere Strategie gezeigt, wie man schneller auf alternative Antriebe umsteigen wird. Berücksichtigt man dann noch, dass der Elektropionier Tesla an der Börse mit über 500 Milliarden US-Dollar bewertet wird, steckt auch in den deutschen Autowerten noch viel Potenzial. Daimler wird nach der aktuellen Kursrallye mit gut 75 Milliarden Euro bewertet, Volkswagen bringt es auf 135 Milliarden Euro. 

Tesla, VW und die Elektromobilitaet - Tesla Ladestation Autos

Weniger ausgeprägt sind die Unterschiede bei den Anleihen der drei deutschen Autokonzerne. Für Euro-Anleihen von Daimler, BMW und VW mit fünf Jahren Laufzeit geben sich Investoren*innen mit einer Rendite von etwas über einem Prozent zufrieden. Die Bonitätsnoten der Autokonzerne haben sich stabilisiert. Im vergangenen Jahr hatten die Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der Konzerne zum Teil gesenkt. Nach wie vor ist aber die Bonität aus Sicht der Ratingagenturen bei BMW etwas besser als bei Daimler. Die Bonität von Tesla, dessen Aktien an der Börse mehr als dreimal so viel wert sind wie alle drei deutschen Autokonzerne zusammen, sehen die Ratingagenturen dagegen im Junk-Bereich für schwache Schuldner. Entsprechend verlangen Investoren*innen für die wenig liquide, einzige Dollar-Anleihe von Tesla auch eine deutlich höhere Rendite als für Anleihen der deutschen Autokonzerne.

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Michael Scholtis

Michael Scholtis

Michael Scholtis ist Senior Relationship Manager und Partner der Plutos Vermögensverwaltung AG. Er ist außerdem Fondsmanager unseres Kana NEB Fund, wo er sich auf trendstarke Qualitätsaktien fokussiert. Zuvor war Michael Scholtis Wertpapierspezialist der Commerzbank AG Region Taunus und später Geschäftsführer bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung im Taunus tätig.

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