Der neue Dax: Das können Sie vom Dax 40 erwarten

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Seit dem 20. September 2021 notieren im deutschen Leitindex 40 statt bisher 30 Werte. Mit den zehn neuen, wachstumsstarken Aktien aus dem MDax könnte dem Dax 40 eine glänzende Zukunft bevorstehen. Wie sich die Neulinge nach einer Woche schlagen und was man von dem neuen Dax erwarten kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Im Herbst 2020 wurde die Umstellung des deutschen Leitindexes beschlossen. Künftig sollten nicht mehr nur 30, sondern 40 Werte die deutsche Wirtschaft repräsentieren. Seit einer Woche ist es nun so weit: Der Dax 40 startet mit 10 wachstumsstarken Unternehmen in seine neue Zukunft. Die erste Handelswoche verlief durchwachsen. Doch die weiteren Aussichten sind gar nicht so schlecht. 

Die wichtigsten Fakten zur Dax-Umstellung

Nachdem der Fall Wirecard die deutsche Aktienwelt erschüttert hatte, konnte sich die Deutsche Börse einer Anpassung des Dax-Regelwerks nicht mehr entziehen. Hierzu hatten wir schon vor der Umsetzung des Dax 40 berichtet. Obwohl das Skandalunternehmen seine Pflichtveröffentlichungen nicht vorlegte und der Bilanzbetrug aufgeflogen war, konnte es nicht ohne Weiteres aus dem Dax ausgeschlossen werden. Zudem sorgte die Aufnahme des verlustträchtigen Lebensmittellieferanten Delivery Hero für Fragen hinsichtlich der Aufnahmemodalitäten in den Index. Nun müssen mögliche Dax-Kandidaten strengere Regeln erfüllen und können bei Nichterfüllung sofort aus dem Leitindex fliegen.

Um in den Dax aufgenommen zu werden, müssen Konzerne nun Gewinne machen und zwei Jahre hintereinander ein positives EBITDA (Gewinne vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und sonstigen Aufwendungen) vorweisen. Zudem müssen sie testierte Geschäftsberichte und Quartalsmitteilungen einreichen. Geschieht das nicht fristgerecht, droht der sofortige Ausschluss aus dem Dax.

Die Zusammensetzung wird nun zweimal statt einmalig im Jahr überprüft. Für die Bemessung wird jedoch nur noch die Marktkapitalisierung der frei handelbaren Unternehmensanteile berücksichtigt. Der Börsenumsatz spielt künftig keine Rolle mehr.

Das sind die Neuen im Dax

Seit 20. September 2021 sind nun 40 Werte im Dax gelistet. Die neu aufgenommenen Aktien stammen allesamt aus dem M-Dax, der im Gegenzug von 60 auf 50 Unternehmen reduziert wurde:

  • Airbus (Flugzeughersteller)
  • Brenntag (Chemiehändler)
  • HelloFresh (Lebensmittellieferdienst)
  • Porsche Automobil Holding (Autokonzern)
  • Puma (Sportartikelhersteller)
  • Qiagen (Biotech)
  • Sartorius (Laborausrüster)
  • Siemens Healthineers (Medizintechnik)
  • Symrise (Duft- und Aromenspezialist)
  • Zalando (Modeversand)

Start des Dax 40 im Schatten der Evergrand-Krise

Vergangenen Montag startete der Deutsche Aktienindex dann mit zehn zusätzlichen Unternehmen in ein neues Leben. Dabei erwischte er einen schweren Start. Der „neue“ DAX 40 eröffnete zu Handelsbeginn am Montag mit einem dicken Minus. Das lag jedoch nicht an der Indexumstellung an sich. Wegen der möglichen Pleite der chinesischen Immobilienfirma „Evergrande“ rutschte der Dax 40 zwischenzeitlich auf bis zu 15.019 Punkte ab. Die erste Handelswoche schloss der deutsche Leitindex aber dank positiver Vorgaben aus den USA noch versöhnlich ab. Am Ende stand ein Plus von 2,7 %. Wir berichteten bereits in dieser Marktrunde über den Dax 40 und Evergrande.

Indexwerte entwickeln sich unterschiedlich

Doch nicht alle der neuen Indexwerte profitierten gleichermaßen von der Neuaufnahme. Zwar schließen sieben der neuen Werte die Woche positiv ab. Der Großteil der Indexentwicklung ist jedoch auf die althergebrachten Indexwerte zurückzuführen.

Besonders stark entwickelten sich unter den Neulingen die Aktien des deutsch-französischen Flugzeugherstellers Airbus mit einem Zuwachs von +5,1 % sowie die Porsche Vorzugsaktien mit +4,5 %. Auch die Aktien von Laborausrüster Sartorius und Medizintechnik-Tochter Siemens Healtineers machen mit +2,5 und +2,1 % Zuwachs in der ersten Woche eine gute Figur.

Die Titel des Online-Versandhändlers Zalando erwischten den schwächsten Einstand. Die Talfahrt der Aktien hatte schon vor ihrem Dax-Debüt begonnen. Sie verlieren wegen Gewinnmitnahmen und einer gestrichenen Kaufempfehlung weitere 8,4 % in der ersten Handelswoche. Der Stimmungsumschwung kommt zur Unzeit und macht dem stark gelaufenen und vergleichsweise hoch bewerteten Titel noch weiter zu schaffen. Mit einem Gewicht von 1,16 % schlagen sich die Kursverluste jedoch nicht allzu stark auf die Indexentwicklung nieder.

Die zweite Handelswoche scheint es für die neuen Indexwerte noch mehr in sich zu haben. Für fast alle geht es am Montag bergab. Per Montagabend, 27. September 2021, weisen nur noch die drei Titel von Porsche, Airbus und Brenntag ein Plus seit Dax-Start auf.

Erste Woche des Dax 40 - Quelle comdirect.png
Erste Woche des Dax 40 – Quelle: 20.-27. September 2021; comdirect

Was ist in Zukunft vom Dax 40 zu erwarten?

Die neuen Auflagen für die Dax-Konzerne sollen grundsätzlich für mehr Qualität unter den Indexwerten sorgen. So können Unternehmen, die noch kein erprobtes Gewinnmodell haben, gar nicht erst aufsteigen. Mit den neuen Regelungen zu den Pflichtveröffentlichungen sind die Konzerne gezwungen, ihre Abschlüsse testiert zulassen und rechtzeitig vorzulegen. So werden Unregelmäßigkeiten von Anfang an erschwert. Zwar lassen sich Finanzmanipulationen damit auch künftig nicht vollständig ausschließen, doch mit einem frühzeitigen Ausschluss vom Index lassen sich größere Auswirkungen auf die Indexentwicklung und etwaige Imageschäden verhindern.

Mit der Ausweitung des Index auf 40 Werte ist der Dax 40 nun breiter gestreut. Das sorgt für mehr Stabilität, da branchen- und unternehmensspezifische Einzelereignisse somit weniger durchschlagen. Im früher sehr industrielastigen Leitindex gewinnen Gesundheitssektor und Konsum an Bedeutung. Mit den beiden E-Commerce-Aktien spielt auch die Digitalisierung eine größere Rolle. Weiterhin untergewichtet sind Digitalisierungsunternehmen zum Beispiel aus dem Bereich Halbleiter oder Speichermedien.

Ob die sinkende Exportlastigkeit dem Index zum Vor- oder Nachteil wird, bleibt abzuwarten. Zwar wird der DAX seines früheren Alleinstellungsmerkmals beraubt. Der Leitindex könnte jedoch die Lücke zu den stets besser laufenden US-Börsen schließen. Er hinkte seinen amerikanischen Pendants bei Problemen in den einzelnen dominierenden Branchen immer hinterher, wie beispielsweise während des Abgasskandals im Automobilsektor. 

Mit dem Nachrücken starker Werte aus dem MDax, ist es denkbar, dass die Performance des DAX 40 in der nahen Zukunft besser ausfallen wird als die des um seine Wachstumsperlen beraubten MDax. Der schlug nicht selten seinen Mutterindex, doch damit könnte es nun erst einmal vorbei sein. Mit den größeren Kurschancen ist künftig auch eine höhere Dynamik zu erwarten.

Die Dax-Neulinge sind in der Vergangenheit bereits gut gelaufen und haben mögliche Kursanstiege möglicherweise vorweggenommen. Das ist der Nachteil des Indexsystems: Mit der Marktkapitalisierung als einziges Aufnahmekriterium steigen nur hoch im Kurs stehende Aktien auf, bei denen die größten Potenziale möglicherweise bereits ausgeschöpft sind. Sie bringen das Risiko einer bereits hohen Unternehmensbewertung mit entsprechenden Kursrisiken mit sich. Die zehn neuen Dax-Unternehmen weisen eine um 50 % höhere Gewinnbewertung als die bestehenden Indexwerte auf und zahlen zudem eine geringere Dividende. Dies kann im Fall eines wirtschaftlichen Abschwungs für stärkeren Verkaufsdruck gegenüber den althergebrachten Unternehmen führen.

Schaut man einmal genauer hin, gibt es ein paar wesentliche Unterschiede zwischen den Neuen. Das Wachstum der noch jungen Unternehmen Hello Fresh und Zalando war in den vergangenen Jahren bemerkenswert und verhalf den beiden zum Aufstieg. Mit einem KGV von 30 bzw. 100 sind sie gegenüber dem Gesamtindex (KGV 16) mittlerweile jedoch hoch bewertet. Beide zahlten bisher keine Dividende. Ob die noch jungen Wilden ihre Erfolgsgeschichte auch nach der Corona-Pandemie fortsetzen können, bleibt abzuwarten. Zwischenzeitliche Unsicherheiten werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu größeren Kursturbulenzen führen, wie es aktuell bei Zalando zu beobachten ist. Gelingt es ihnen jedoch, ihre Gewinne zu verstetigen und künftig sogar eine Dividende in Aussicht zu stellen, besteht die Chance auf weitere deutliche Kursgewinne.

Ein wenig anders sieht es bei Symrise, Siemens und Sartorius aus. Die Unternehmen sind mit KGVs von 50, 28 und 80 ebenfalls hoch bewertet. Doch sie blicken bereits auf eine langjährige Unternehmensgeschichte zurück, in der sie ihre Krisentauglichkeit unter Beweis gestellt haben. Auch die Dividende dürfte im Ernstfall ein Grund für Anleger:innen sein, die Aktien nicht blindlings abzustoßen und in den freien Fall zu schicken.

Dax 40 – Fazit: sowohl Chancen als auch Risiken

Der Dax 40 als Index wird durch die Neuaufstellung einerseits in ruhigeres Fahrwasser geschickt. Er wird durch eine größere Titelanzahl und die breitere Streuung über verschiedene Branchen von einer höheren Stabilität profitieren. Gleichzeitig hat man sich durch die Aufnahme wachstumsstarker Unternehmen eine höhere Schwankungsbreite, aber auch größere Wachstumschancen ins Haus geholt. Es ist bereits jetzt abzusehen, dass die verschiedenen Indexneulinge mit unterschiedlichen Qualitäten, Chancen und Risiken ausgestattet sind. Mit ihnen hat der neue Leitindex die Chance auf eine Fortsetzung seines Erfolgskurses.

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Michael Scholtis

Michael Scholtis

Michael Scholtis ist Senior Relationship Manager und Partner der Plutos Vermögensverwaltung AG. Er ist außerdem Fondsmanager unseres Kana NEB Fund, wo er sich auf trendstarke Qualitätsaktien fokussiert. Zuvor war Michael Scholtis Wertpapierspezialist der Commerzbank AG Region Taunus und später Geschäftsführer bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung im Taunus tätig.

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