In Platin investieren: Diese 5 Faktoren sollten Sie beachten

In Platin investieren - Figur aus Platin auf Motorhaube von Auto
Wer in Platin investieren will sollte einige Faktoren beachten. Wovon hängt der Platinpreis ab? Hat Platin als Investment eine Zukunft? Das und mehr erfahren Sie in diesem Beitrag.

Inhaltsverzeichnis

Platin zählt genauso wie Gold und Silber zu den Edelmetallen. Doch nicht seine Eigenschaft als inflationsgeschützter Sachwert oder Zahlungsmittel machen seinen Wert aus. Beim Investieren in Platin zählen vielmehr die zeitlose Eleganz von Platinschmuck und die für die Industrie vorteilhaften physikalischen Eigenschaften des Metalls.

Im Gegensatz zum Gold hängt der Platinpreis nicht nur von der Nachfrage am Kapitalmarkt ab. Weit stärkeren Einfluss haben die Auto- und Schmuckindustrie, welche 66 Prozent der Gesamtnachfrage im Jahr 2019 ausmachten. Die Bedeutung von Platin als Wertanlage ist mit einem Anteil von 3,6 Prozent eher gering. Seit 2014 kann der Platinpreis nicht mit der Goldrallye mithalten. Doch das war nicht immer so. Ein Rückblick auf die Geschichte des Platinpreises verrät, was Anleger beim Investieren in Platin beachten müssen.

Um mehr über das Edelmetall als Wertanlage zu erfahren, lesen Sie am besten zuerst unseren umfangreichen Beitrag Investieren in Edelmetalle.

Faktor 1: Angebot und Nachfrage bestimmen den Platinkurs

Der Platinpreis war in der Geschichte schon immer stark von physischem Angebot und Nachfrage abhängig. Russland prägte im 19. Jahrhundert die erste und einzige staatliche Umlaufmünze in Platin und die ersten Platinpreise entwickelten sich. Der Erwerb dieser Münzen war für Europäer zu dieser Zeit die einzige Möglichkeit, das Edelmetall Platin physisch zu beziehen. Entsprechend hoch war die Nachfrage. Diese fand mit dem Ausfuhrverbot des Platinrubels im Jahr 1845 ein abruptes Ende und die Überproduktion von Platin führte zum Kursverfall.

Im 20. Jahrhundert stieg mit der Nachfrage nach Platin auch wieder dessen Preis. Dies lässt auf zwei Faktoren zurückführen: Monarchien auf der ganzen Welt entdeckten ihr Faible für Platin. Es bereicherte die Schmucksammlungen von Kaisern und Königen, wo es mit seiner Schlichtheit die Brillanz von Diamanten unterstreichen sollte.

In dieser Zeitspanne gewann auch die wirtschaftliche Nutzung von Platin an Fahrt. Es wurde schon vorher für Schaltkontakte in Telegrafen und als Glühfaden in Glühlampen verwendet.

Doch mit der Patentierung des Ostwaldverfahrens, das Platin als Katalysator zum Herstellen von Salpetersäure verwendet, wurde 1902 der Grundstein seine Verwendung in der Kfz-Technik gelegt. Wegen der damit einhergehenden Verknappung des Edelmetalls betrug der Platinpreis bis zum Jahr 1924 teilweise das Sechsfache des Goldpreises. Eine umfangreiche Betrachtung der Entwicklung des Goldpreises lesen Sie in unserem Artikel Investieren in Gold.

In Platin investieren - Glühfaden Glühbirne
Verwendung von Platin im Glühfaden von Glühlampen.

Faktor 2: Platin profitiert von der Silberhausse 1971 bis 1980

Nach der Aufgabe des Goldstandards profitierte auch der Platinpreis von den Silberspekulationen der Gebrüder Hunt, die durch ihre Monopolstellung und künstliche Verknappung der physischen Silberbestände den Silberpreis um 3.000 Prozent in die Höhe trieben. In dieser Zeitspanne stieg der Platinpreis trotz schwacher Wirtschaftsentwicklung, niedriger Produktivität und hoher Arbeitslosigkeit um das Elffache.

Auch die hohe US-Verschuldung und massive Ausweitung der Geldwerte sowie die hohe Unsicherheit durch die Ölkrise dürfte Platin als Sachwert zum Aufschwung verholfen haben. Als die Notenbank auf die Silberpreisblase mit Auflagen bei Terminkontrakten reagierte, brach sowohl der Silber- wie auch der Platinpreis ein. Er notierte im Juni 1982 77 Prozent unter seinem Jahreshoch und konnte sich in den folgenden 20 Jahren nicht aus der Preisspanne von 300 bis 600 US-Dollars befreien.

Wer in Platin investieren will sollte also auch immer die Entwicklung des Silberpreises verfolgen. Mehr dazu in unserem Artikel Investieren in Silber.

Faktor 3: Platinknappheit in Aufschwungphasen treibt die Preise zusätzlich

Erst in den Jahren 2000 bis 2008 begannen die Kurse von Platin wieder zu steigen. Dabei stieg der Platinpreis deutlich stärker als der Goldpreis: er legte von 400 auf 2.000 US-Dollar pro Feinunze zu.

Im Zuge der internationalen Finanzkrise nahm er 2008 dann noch einmal richtig Fahrt auf. Allein im ersten Quartal legte er um 40 Prozent zu. Der Preis des Goldes als viel bekannteren Zufluchtsort von Kapital stieg in dieser Zeit nur um 20 Prozent. Der Grund: Platin wird als industrielles Edelmetall eher verbraucht und nicht wie Gold aufbewahrt.

So sorgte in dieser Zeit das knappe Angebot und der verhältnismäßig enge Markt für Platin für überproportionale Preissteigerungen, wie folgende Grafik zeigt:

Entwicklung Platinpreis 2004 bis heute - Chart
Investieren in Platin: Nach der starken Aufwärtsphase in der Finanzkrise 2008 folgte ein starker Preisrutsch. (Chart: VWD)

Grundsätzlich lässt sich beim Investieren in Platin beobachten: In wirtschaftlichen Aufschwungphasen kann es schnell zu einem Angebotsdefizit von Platin am physischen Markt kommen, das dann zu überproportional starken Preisanstiegen führt. Diesen Mechanismus machen sich langfristig orientierte Investoren zunutze und investieren in Abschwungphasen in Platin, um später Überrenditen zu erwirtschaften.

Faktor 4: Platin seit 2014 so günstig wie nie & unterbewertet?

Dass bei Abschwüngen das Gegenteil der Fall ist und der Angebotsüberhang für starken Preisverfall sorgen kann, zeigt sich an der Preisentwicklung ab 2014. Seit der Platinpreis im Zuge der Finanzkrise Mitte 2008 dann doch zusammen mit anderen Assetklassen einbrach, hat er sich nicht wieder erholt. Der Plan von Investoren, die auf einen raschen Preisanstieg im nächsten Wirtschaftsaufschwung setzten, ist bis jetzt nicht aufgegangen.

In Platin investieren - Vergleich Platin und S&P500 Kurs - Chart
Im Vergleich zum S&P500 ist der Platinpreis derzeit eher unterbewertet. (Chart: VWD)

Obwohl die Weltwirtschaft dank ständiger Geldspritzen der Notenbanken am Laufen gehalten wird, erklimmen Aktienindizes und der Goldpreis seit 2019 immer neue Allzeithochs und auch Silber zieht nach. Mit dem Platinpreis geht es stetig bergab. Das Platin-Gold-Ratio ist nun schon seit 2011 negativ, mit neun Jahren die längste Zeitspanne in der Kurshistorie der Edelmetalle. Die starke Abhängigkeit von der seit dem Abgasskandal schwächelnden Automobilwirtschaft macht dem Edelmetall, das vor allem in Dieselkatalysatoren zu finden ist, zu schaffen.

In Platin investieren - Vergleich Platin und Gold Kurs - Chart
Der Goldpreis und der Platinpreis im Vergleich. (Chart: VWD)

Faktor 5: Investieren in Platin – Industrie 4.0 und die Zukunft

Dass der Platinpreis dauerhaft sinkt, ist unwahrscheinlich, denn er spielt bei vielen Zukunftstechnologien und in der Industrie 4.0 eine bedeutende Rolle.

Platin steigert die Effizienz von Brennstoffzellen (und ist daher auch für Brennstoffzellen Aktien interessant) oder ist ein beliebtes Material in Mikrochips und digitalen Schaltkreisen. Die zunehmende Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten könnte dem so lange verschmähten Edelmetall in den nächsten Jahren zu neuem Glanz verhelfen.

Investieren in Platin – Fazit

Der Platinpreis war schon immer mehr von seiner wirtschaftlichen Bedeutung als von seiner Funktion als Wertaufbewahrungsmittel geprägt. Wegen physischer Verknappung und Nachfrageüberhängen entwickeln sich seine Kurse oft überdurchschnittlich stark nach oben bzw. andersherum nach unten und machen das Edelmetall auch für Spekulanten interessant.

Die derzeit historische Unterbewertung dürfte sich in den nächsten Jahren auflösen, wenn heutige Zukunftstechnologien zum Standard werden und die Nachfrage nach Platin wieder ansteigt.

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Dieser Beitrag stellt eine Meinungsäußerung und keine Anlageberatung dar. Bitte beachten Sie die rechtlichen Hinweise.

Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Fondsmanagement, Personal und Compliance. Er agiert außerdem seit 2020 neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance. Zuvor war Kai Heinrich Leiter des Wertpapiergeschäftes der Commerzbank AG Region Taunus und Direktor des Wealth Managements bei der Commerzbank AG Region Rhein Saar.

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