Wie sich trotz Negativzinsen mit Anleihen Geld verdienen lässt

Wie sich trotz Negativzinsen mit Anleihen Geld verdienen lässt

Die Anlagewelt für Zinsanleger ist eine andere geworden. Lange herrschte die Meinung vor, dass Zinsen positiv sein müssen. Rational betrachtet schien es logisch, dass nach unten bei null Schluss sein muss, schließlich sind Zinsen die „Bezahlung“ für das Verleihen von Geld.
Doch weit gefehlt.

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Negativzinsen weiter im Vormarsch

Neben dem klassischen Bankkonto, letztendlich ein unbesicherter Kredit an die Bank, stellen auch Anleihen nichts anderes als einen Kredit an Unternehmen oder Staaten dar. Ihre Verzinsung ist der Ausgleich für das Risiko, dass die Rückzahlung nicht erfolgen könnte. Doch alles ist relativ. Was früher kaum jemand für möglich gehalten hätte, ist heute Realität: Seit 2014 müssen Banken für ihre Einlagen bei der EZB Strafzinsen für Einlagen zahlen, die sie nicht als Kredite an die Wirtschaft weitergeben. Dadurch sind negative Zinsen auf Anlegerkonten sind salonfähig geworden. Bisher sind vor allem vermögende Kunden betroffen, doch auch das könnte sich bald ändern.

Doch die Anlagealternativen werden knapp. Mittlerweile weist fast ein Viertel aller ausstehenden Anleihen negative Renditen auf. Wer eine solche Anleihe kauft und bis zum Laufzeitende hält, verliert garantiert Geld. Am 21. August emittierte die Bundesfinanzagentur eine 30-jährige Anleihe, die während ihrer gesamten Laufzeit keine Zinszahlungen vorsieht. Obwohl sich die Nachfrage in Grenzen hielt, wurden von einem geplanten Emissionsvolumen Papiere im Nennwert von 824 Millionen Euro verkauft. Einige Tage danach rentierte die Anleihe bereits mit 0,22% im Minus. Seit Anfang August weisen sämtliche deutschen Bundesanleihen eine negative Rendite aus.

Anleihen werden zum Spekulationsobjekt

Obwohl es paradox klingt, lässt sich mit solchen Anleihen Geld verdienen. Denn sie verfügen über eine Besonderheit: Ihr Kurs steigt und fällt entgegengesetzt zum Zinsniveau bzw. der Zinserwartung am Markt. Werden Zinssenkungen erwartet steigt die Nachfrage nach den Anleihen am Markt, und entsprechend steigt auch ihr Preis. Der Kurs der genannten Bundesanleihe stieg innerhalb einer Woche auf fast 107 %. Ein stattlicher Kursgewinn für alle, die bei der Zeichnung zugegriffen haben. Doch auch bei Anleihen ist die Börse keine Einbahnstraße. Wenn das Hauptmerkmal einer Anleihe, also die regelmäßige Zinszahlung, wegfällt, ist es Investoren nur noch möglich über deren geschickten An- und Verkauf Erträge zu erzielen. Sie spekulieren auf Veränderungen der Zinserwartungen, müssen künftige Zinsentwicklungen vorhersehen, um davon zu profitieren. Die Anleihe wird zum Spekulationsobjekt. Mehr noch als die Aktie. Die unterliegen zwar ebenfalls Schwankungen, schütten aber immerhin noch Dividenden aus, die über lange Sicht einen Risikoausgleich schaffen können.

Loslösen von überholten Denkweisen

Solange sich die konjunkturellen Aussichten nicht bessern, dürfte sich am aktuellen Zinsgefüge nichts ändern. Im Gegenteil, die Notenbanken könnten sich gezwungen sehen, die Zinsen noch weiter zu senken um die Wirtschaft am Laufen zu halten. Es ist eine Situation, die es noch nie zuvor gab. In welche Tiefen Anleiherenditen fallen und Anleihekurse steigen können, weiß heute wohl keiner so genau. Vergleichswerte, an denen man sich orientieren könnte, fehlen. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so. In einer Welt, in der nichts mehr so ist wie es mal war, sollten wir uns ohnehin überholten Denkweisen und Investitionsmodellen freimachen.

Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Unternehmenssteuerung, Bestandskundenbetreuung, Fondsmanagement und Organisation. Zusätzlich ist er Fondsmanager des Kana NEB Funds und agiert neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance.

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