Episode #067

ESG – Investing | Steffen Leditschke

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Obwohl ESG-Ratings nicht direkt miteinander vergleichbar sind, lassen sich zumindest die ESG-Ratingagenturen selbst untereinander vergleichen. Mehr dazu hier.

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Was ist unter ESG-Investing zu verstehen?

Die Abkürzung ESG steht für Environmental, Social und Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung – und beschreibt die drei Hauptkriterien, auf die bei diesem Investitionsansatz besonders geachtet wird. Neben positiven Renditen stehen dabei hauptsächlich langfristig positive Auswirkungen auf Gesellschaft und Umwelt im Fokus. ESG-konformes Investieren kann für Investoren zwei Funktionen erfüllen: Es stellt die Möglichkeit dar, eigene Wertvorstellungen und Überzeugungen in die Geldanlage einfließen zu lassen. Weiterhin sind ESG-Kriterien eine sinnvolle Ergänzung bei der Unternehmensanalyse, um möglichst nachhaltig wirtschaftende Unternehmen identifizieren zu können. Durch die Klimakrise und das wachsende Bewusstsein der Anleger in Bezug auf ihr ökologisches Handeln, steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Investitionsmöglichkeiten rapide an. Für die Bewertung der ESG-Kriterien gibt es verschiedene Ansätze, wobei die Kernfrage meistens ist, wie strikt der Nachhaltigkeitsansatz verfolgt werden soll. Ein vergleichsweise großzügiger Ansatz ist das sogenannte „Negative Screening“. Hierbei werden Unternehmen lediglich nach groben Kriterien wie beispielsweise ihrer Branchenzugehörigkeit ausgeschlossen. Branchen wie zum Beispiel die Rüstungsindustrie oder Tabakproduzenten werden dementsprechend häufig nicht in Betracht gezogen. Dieser Ansatz grenzt lediglich wenige Unternehmen aus und ist somit zwar leicht anwendbar, aber auch nicht immer als sonderlich nachhaltig zu bewerten. Striktere Ansätze verfolgen die Bewertung von Unternehmen nach den drei Kriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Die Gewichtung dieser kann dabei zwischen den verschiedenen Rating-Anbietern recht unterschiedlich ausfallen.

Welche ESG-Ratingagenturen gibt es und sind diese vergleichbar?

Obwohl ESG-Ratings nicht direkt miteinander vergleichbar sind, lassen sich zumindest die ESG-Ratingagenturen selbst untereinander vergleichen.
MSCI Research ist eine Rating-Agentur mit Hauptsitz in New York, die mit über 1.500 verschiedenen ESG-Indizes und 130 Analysten der weltweit größte Anbieter in diesem Bereich ist. MSCI bewertet Unternehmen danach, wie gut ESG-Risiken im Vergleich zu Mitbewerbern gehandhabt werden. Neben den klassischen ESG-Faktoren werden aber auch Kennzahlen wie das Eigenkapital berücksichtigt. Am Ende der Bewertung erfolgt eine Klassifizierung in sieben Stufen. Die besten Unternehmen bekommen das Rating Tripple-A und die schlechtesten das Rating Tripple-C.
Sustainalytics, das inzwischen zu Morningstar gehört, ist ein Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, die Zukunftsfähigkeit von Konzernen hinsichtlich ihrer ESG-Kriterien zu bewerten. Es wird zunächst zwischen „Managable Risk“ und „Unmanagable Risk“ unterschieden. Aus den handhabbaren Risiken werden dann solche herausgefiltert, denen noch nicht aktiv entgegengetreten wird. Diese bezeichnet man als das „Management Gap“. Aus diesem und dem „Unmanagable Risk“ bildet Sustainalytics das „ESG-Risk-Rating“ und anhand von diesem Wert wird das bewertete Unternehmen einer von fünf Risikokategorien zugeordnet.
Der Anbieter „Institutional Shareholder Services“ ist bereits seit 30 Jahren in dem Bereich tätig. Für das ESG-Rating werden bis zu 100 Kriterien herangezogen und ähnlich wie bei den anderen Anbietern wird zwischen neun Ausprägungen unterschieden. Auffällig ist hier jedoch, dass bisher keines der bewerteten Unternehmen eine Klassifizierung innerhalb der drei Top-Kategorien erreichen konnte, was auf eine strengere Bewertung hindeutet.

Inwiefern stellt Greenwashing eine Problematik dar?

Wie die Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern bereits zeigen, gibt es noch keine klaren Vorgaben für die Bewertung seitens der Regulatoren. Das führt dazu, dass Unternehmen oft den Anbieter auswählen, welcher die für sie beste Bewertung abgibt. Ein weiteres Problem ist das so genannte Greenwashing bei vielen Investments. Immer mehr Fonds tragen beispielsweise das Label „ESG“, mit Blick auf die gehaltenen Titel lässt sich jedoch feststellen, dass diese sich nur selten von denen der konventionellen Fonds unterscheiden. Noch im Juni 2022 sah sich die Deutsche Bank Tochter DWS mit dem Vorwurf des Greenwashings konfrontiert. Laut Aussagen der Frankfurter Staatsanwaltschaft fanden sich hinreichende Hinweise darauf, dass entgegen den Angaben in den Verkaufsprospekten der DWS-Fonds die ESG-Kriterien nur bei einem kleinen Teil der Investments eine Rolle spielen. Schwachstellen bei der Bewertung nach ESG-Kriterien tun sich auch bei dem sogenannten Best-in-Class-Ansatz auf. Den Titel „Best-in-Class“ erhält bei dieser Vorgehensweise das Unternehmen, welches den besten ESG-Score innerhalb einer bestimmten Branche erreicht. Sind jedoch alle Unternehmen in dieser Branche nicht sonderlich auf das Einhalten von ESG-Kriterien fokussiert, ist dieser Titel mehr Schein als Sein.

Wie lautet die Schlussfolgerung?

Anleger, die sicherstellen wollen, dass ihr Geld ausschließlich in nachhaltige Investitionen fließt, sollten bei der Auswahl entsprechender Finanzprodukte sehr genau hinschauen. Die ESG-Kriterien sind ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch müssen die Regulatoren in Zukunft dafür sorgen, dass die Bewertungskriterien einheitlich definiert werden und schwarze Schafe vom Markt verschwinden. Nur so erhöhen sich die Chancen mit zielgerichteten Investitionen die Unternehmen zu nachhaltigerem Handeln zu bewegen.

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