Episode #93

„Debt Ceiling“- Krise in den USA | Kai Heinrich

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Wie wirkt sich die „Debt Ceiling“- Krise in den USA auf die Weltwirtschaft aus? Kai Heinrich beantwortet diese Frage in unserem heutigen Podcast.

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Wie sich die „Debt Ceiling“- Krise in den USA auf die Weltwirtschaft auswirkt

Willkommen zu unserem Podcast. Heute befassen wir uns mit einem ziemlich großen Thema – der „Debt Ceiling“-Krise in den USA. Zumindest kurzfristig scheint das Problem beseitigt zu sein. Warum es eher eine Problemverschiebung als eine Lösung ist, wollen wir heute besprechen. Unser Vorstand, Kai Heinrich hat die Situation und die Daten beobachtet. Hallo, Herr Heinrich, schön, dass Sie hier sind.

Hallo Herr Becker.

Zunächst einmal, was genau ist die „Debt Ceiling“-Krise und warum ist sie so wichtig?

Die „Debt Ceiling“ oder Schuldenobergrenze ist eine gesetzlich festgelegte Obergrenze, bis zu der sich die USA verschulden dürfen. Bis gestern lag diese Grenze bei 31,4 Billionen Dollar. Hätten sich die Demokraten und Republikaner nicht auf eine Erhöhung geeignet, wäre die Grenze somit diesen Donnerstag, am 01.06.2023 erreicht gewesen und das Land zahlungsunfähig.

Dass dies natürlich nicht nur die USA in eine Krise gestürzt hätte, sondern mitunter die Weltwirtschaft, liegt auf der Hand.

Wie vernetzt die USA und andere Märkte – vor allem die EU-Märkte – miteinander sind, dürfte damals die Subprime-Krise im Jahr 2008 demonstriert haben.

Können Sie uns Beispiele geben, wo die US-Regierung zuerst auf Sparflamme gehen würde?

In einer solchen Krisensituation könnte an verschiedenen Stellen gespart werden. Dazu könnten Investitionen, Gehälter für Beamte, Pensionen und Zuschüsse für die Krankenversicherungen gehören.

Und inwiefern könnte sich dieser „Sparmodus“ auf die Kapitalmärkte auswirken?

Bei fehlender Einigung könnten US-Schulden kurzfristig nicht mehr bedient werden. Dies hätte dramatische Folgen für die Kapitalmärkte, da US-Staatsanleihen als einer der sichersten Vermögenswerte gelten. Ein generelles Misstrauen könnte das globale Handelsvolumen zum Erliegen bringen.

Welche globalen Auswirkungen könnte das haben?

Angesichts der immens wichtigen Bedeutung des US-Dollars als Schmiermittel der Weltwirtschaft und US-Staatsanleihen als wichtiger Wertspeicher können die Folgen schwer vorstellbar sein. Diese Situation könnte zu einer weitreichenden globalen Finanzkrise führen, deren Ausmaß und Folgen im Moment noch schwer abzuschätzen sind.

Das klingt ziemlich ernst. Wie haben denn die Marktteilnehmer bisher auf diese potenzielle Krise reagiert?

Erstaunlicherweise hat der Markt äußerst ruhig reagiert. Trotz der bevorstehenden Krise konnte der Dollar in den letzten Wochen gegenüber dem Euro zulegen und der US-Aktienmarkt verzeichnete leichte Gewinne.

Dafür hielt sich die Euphorie nach Bekanntgabe einer Einigung auch in Grenzen. Schließlich war nahezu vollends eingepreist, dass es zu einer Einigung kommen würde, was nun auch geschehen ist.

Warum haben die Verhandlungen überhaupt so lange gedauert. Was waren die Hauptstreitpunkte?

Die Verhandlungen waren in der Tat zäh. Präsident Joe Biden und Kevin McCarthy – der Führer der Republikaner im Abgeordnetenhaus – konnten sich bis kurz vor knapp nicht einigen. Die Demokraten fordern eine uneingeschränkte Anhebung der Schuldenobergrenze, während die Republikaner umfassende Ausgabenkürzungen durchsetzen wollen, die nicht nur die Staats- und Sozialausgaben beeinträchtigen, sondern auch den „Inflation Reduction Act“ betreffen. Hierbei handelt es sich um ein Programm zur Umgestaltung der US-Wirtschaft zu mehr Ökologie.

Es ist jedoch Vorsicht geboten: Zwar klingt es schön und gut, dass die Demokraten die staatlichen Leistungen aufrechterhalten wollen, aber die langfristige Rechnung könnte teuer werden. Die USA sind jetzt schon bei einer Schuldenquote von knapp 140 Prozent in Relation zum BIP. Zum Vergleich: Hier in Deutschland sind es rund 60 Prozent. Die Summe unserer Schulden ist also weit unter der Summe unserer „Produktivität“. Kurzfristig lassen sich Schuldengrenzen beliebig verschieben, je nach politischer und gesellschaftlicher Präferenz. Langfristig droht eine Volkswirtschaft und eine Erstickung unter den Schulden.

Das klingt wie ein Klassiker des politischen Tauziehens. Ist das in der Vergangenheit schon einmal passiert?

Ja, das ist ein ziemlich regelmäßiges Ereignis. Seit 1960 wurde die Schuldenobergrenze bereits 78 Mal angehoben. In der Vergangenheit gab es aber auch Zeiten, in denen die politische Atmosphäre weniger gespannt war und die Schuldenobergrenze ohne großen Aufwand angehoben wurde. Doch heute sind die Fronten zwischen Demokraten und Republikanern verhärtet.

Dennoch: Diese – man muss schon sagen Routine – dürfte erklären, warum die Marktteilnehmer bisher so entspannt bleiben. Es wird offensichtlich eingepreist, dass sich die Demokraten und Republikaner einigen, bevor es kracht.

Nun haben sich seit gestern beide Seiten geeinigt. Wie sieht jene Einigung aus?

Die Parteien in Washington haben sich grundsätzlich darauf geeinigt, die Schuldengrenze für zwei Jahre anzuheben, um damit einen drohenden Zahlungsausfall zu verhindern. Nun müssen Republikaner und Demokraten den Vorschlag noch durch beide Kammern des Kongresses bringen.

Generell scheint diese Lösung keine wirklich langfristige Lösung zu sein, sondern lediglich das Problem vor sich herzuschieben.

Am 31.05.2023 soll das Repräsentantenhaus über die Vorlage abstimmen. Wird das Gesetz nicht bis zum 05.06.2023 verabschiedet, droht ein Default der USA. Die Tatsache, dass sich selbst die derart verhärteten Fronten beider Parteien auflösten, zeigt, dass das Problem äußerst ernst genommen wird. Das die Vorlage also verabschiedet wird, scheint sehr wahrscheinlich.

Kann die Erfahrung aus der Vergangenheit uns also einen Hinweis darauf geben, was sonst – am wahrscheinlichsten – passieren könnte?

Es könnte sich lohnen einen Blick auf das Jahr 2011 zu werfen. Damals gerieten die USA in eine ähnliche Situation als sich die Parteien nicht über eine Anhebung der Schuldenobergrenze einigen konnten. Das führte dazu, dass die Kreditwürdigkeit der USA von der Rating-Agentur Standard & Poor’s herabgestuft wurde. Dieser Fall war beispiellos und hatte weltweit Auswirkungen auf die Finanzmärkte.

Das klingt beängstigend. Aber wie Sie sagten: Das ist sehr unwahrscheinlich, richtig?

Richtig, wir sind an diesem Punkt aktuell noch nicht angekommen. Aber wenn die Vorlage nicht durch den Kongress genehmigt wird, kann es durchaus dazu kommen. Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit könnte beispielsweise dazu führen, dass Investoren weniger bereit sind, in US-Anleihen zu investieren, was zu steigenden Zinsen und letztlich zu höheren Kosten für die US-Regierung führen könnte.

Ein gefährlicher Teufelskreis, der im Endeffekt die Schuldenlast bzw. die Rate der Schuldenlast erhöht. Denn neben der Tilgung müsste die US-Regierung die höheren Zinsen ebenso zurückzahlen.

Was sind die möglichen Szenarien und wie könnten sie sich auf die globalen Märkte auswirken?

In einem Worst-Case-Szenario wird die Vorlage schlichtweg abgelehnt. Das könnte dazu führen, dass die USA ihre Schulden nicht mehr bedienen können, was als technischer Zahlungsausfall bezeichnet wird. Dies könnte weltweit Unsicherheit und Volatilität auf den Finanzmärkten auslösen.

Auf der anderen Seite: Wenn die Parteien sich doch einigen können, könnte das den Märkten eine gewisse Erleichterung bringen und die Unsicherheit reduzieren. In diesem Fall würden
wir wahrscheinlich eine positive Reaktion auf den globalen Märkten sehen.

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