Zinshoffnung setzt sich gegen geopolitische Unsicherheit durch
Konjunktur & Rentenmärkte
Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt das beherrschende Thema der Woche und hat sich zum Wochenende noch einmal zugespitzt. Nach Angriffen auf verschiedene Tanker und vermehrt ins Stocken geratene Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran ist die Handelsschifffahrt durch die Meerenge drastisch eingebrochen. Der Rückgang zeigt, wie stark die Region mittlerweile auf den globalen Schiffsverkehr und damit potenziell auf die Energieversorgung durchschlägt. Widersprüchliche Nachrichten und zwischenzeitliche Entspannungssignale sorgten im Wochenverlauf zwar phasenweise für etwas Beruhigung, aber eine tragfähige Lösung ist aber weiterhin nicht in Sicht.
Zusätzliche Unruhe brachte ein Zwischenfall in Rumänien. Dort schoss ein NATO-Kampfjet vom Typ F-18 eine unerlaubt eingedrungene Drohne über rumänischem Luftraum ab, laut Verteidigungsministerium sei dies bereits der vierte derartige Vorfall in diesem Jahr. Ein NATO-Sprecher äußerte den Verdacht auf russische Herkunft des Flugobjekts, die Untersuchungen laufen jedoch noch.
Im Zentrum des Anlegerinteresses standen in der vergangenen Woche die US-Inflationsdaten. Sowohl Verbraucher- als auch Erzeugerpreise fielen im Rahmen der Erwartungen aus und zeigten keine erneute Beschleunigung des Preisauftriebs. Das nährte die Hoffnung, dass die Fed ihren Leitzins vorerst unverändert lässt und damit einen deutlichen Stimmungswechsel gegenüber dem Wochenauftakt zeigt, wo geopolitische Risiken und steigende Energiepreise noch für Inflationssorgen gesorgt hatten.
Zum Wochenschluss kam allerdings ein Dämpfer aus den USA. Die Einzelhandelsumsätze gingen im Juli überraschend zurück, obwohl Ökonomen mit einem leichten Plus gerechnet hatten. Gleichzeitig trübte sich auch die Verbraucherstimmung ein, so fiel der Konsumklima-Index der University of Michigan im August stärker als erwartet. Die Zahlen sind dabei ambivalent zu interpretieren. Einerseits stützen sie die Erwartung stabiler Leitzinsen, andererseits wächst die Sorge vor einer spürbareren Konjunkturabkühlung in den USA.
Auch aus Japan kamen schwache Signale. Das BIP wuchs hier im zweiten Quartal nur annualisiert um 1,1 %, statt der erwarteten 2,0 %. Im Quartalsvergleich blieb das Plus von 0,3 % ebenfalls hinter der Prognose (0,5 %) zurück. Der stagnierende private Konsum wird dabei vor allem durch höhere Rohstoffkosten und Lieferengpässe infolge des Nahost-Konflikts belastet, während die Unternehmensinvestitionen um 1,2 % schrumpften. Positiv stachen immerhin die Exporte hervor, getragen von einer starker US-Nachfrage nach japanischen Hybridfahrzeugen und der weltweiten Investitionswelle rund um Künstliche Intelligenz.
An den Rentenmärkten blieb die Bewegung angesichts dieses gemischten Bilds insgesamt verhalten. US-Staatsanleihen gaben renditeseitig zwischenzeitlich nach und schlossen die Woche kaum verändert, zehnjährige Bundesanleihen verzeichneten nur einen leichten Renditeanstieg. Der Rentenmarkt befindet sich damit weiterhin in einer Phase der Neuausrichtung zwischen nachlassendem Inflationsdruck, aufkommenden Konjunktursorgen und fortbestehenden geopolitischen Risiken.
Am Rohstoffmarkt zog der Ölpreis im Wochenverlauf spürbar an, getrieben von der Zuspitzung der Hormus-Krise. Gold profitierte von seiner historischen Funktion als sicherer Hafen sowie von den gesunkenen US-Zinserwartungen und konnte somit moderat zulegen. Der Dollar zeigte sich derweil robust, gestützt durch die insgesamt noch positiven US-Wirtschaftsaussichten.
Aktienmärkte
Die internationalen Börsen zeigten sich über weite Strecken der Woche widerstandsfähig gegenüber den geopolitischen Belastungsfaktoren. Nach einem verhaltenem Wochenauftakt drehte die Stimmung zur Wochenmitte, als die freundlichen US-Inflationsdaten die Zinsfantasie beflügelten.
Die Leitindizes in den USA profitierten im Wochenverlauf von der verbesserten Zinsperspektive, angeführt von Technologiewerten, sowie von soliden Unternehmenszahlen und der ungebrochenen Nachfrage im Bereich KI und digitale Infrastruktur. Zum Wochenschluss bremsten dann jedoch die schwachen Konjunkturdaten die Kauflaune, sodass die Indizes den Freitagshandel im Minus beendeten.
Beim Nasdaq 100 stand am Ende ein Minus von 0,13 % auf 30.046,14 Punkte zu Buche, die Wochenbilanz blieb mit +1,1 % dennoch positiv. Der Dow Jones Industrial büßte 0,20 % ein und schloss bei 53.732,41 Punkten, auf Wochensicht ergab sich damit ein Minus von 0,6 %. Auch der S&P 500 tendierte schwächer und verlor 0,17 % auf 7.785,76 Zähler, nachdem er am Vortag noch ein neues Rekordhoch erreicht hatte. Die Wochenbilanz fiel mit +0,4 % dennoch leicht positiv aus.
Auch die europäischen Börsen präsentierten sich stark, der DAX markierte zwischenzeitlich ein neues Rekordhoch, ehe moderate Gewinnmitnahmen einsetzten. Der Euro STOXX 50 beendete die Woche im Plus. Getragen wurde die Entwicklung von einer überzeugenden europäischen Berichtssaison sowie der Aussicht auf nachlassenden Zinsdruck aus den USA.
Einzelwerte
Nvidia: Über das klassische Chipgeschäft hinaus übernimmt Nvidia zunehmend eine aktive Rolle in der Finanzierung von KI-Infrastruktur. Zusammen mit sieben großen Namen der Finanzbranche, darunter BlackRock, Goldman Sachs, Apollo und KKR, baut der Konzern unabhängige Finanzierungsplattformen auf, um den weltweiten Ausbau von KI-Rechenzentren voranzutreiben. Angepeilt wird ein Volumen von über 500 Milliarden Dollar an Drittkapital. An den Kreditmärkten bleibt das nicht unbemerkt. Die Absicherungskosten für Nvidia-Anleihen sind zuletzt gestiegen, da Gläubiger genauer hinschauen, wie viel Fremdkapital für die ambitionierten Projekte nötig ist.
Parallel dazu hat sich Nvidia verstärkt als Investor positioniert, mit Milliardenbeteiligungen an Unternehmen wie CoreWeave und Intel sowie der rund 20 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Groq. Damit erweitert der Konzern seine Präsenz im KI-Ökosystem über die klassische Chipentwicklung hinaus.
Das Kerngeschäft bleibt weiterhin das Geschäft mit KI-Beschleunigern, in dem Nvidia einen Marktanteil von rund 80 % hält. Technologisch stützt sich das Unternehmen aktuell auf die Blackwell-Architektur, während mit "Vera Rubin" bereits die nächste Plattform-Generation vorbereitet wird. Vor diesem Hintergrund, starke Nachfrage und volle Auftragsbücher, blicken Analysten mit Zuversicht auf die nächsten Quartalszahlen am 26. August.
Reddit: Für Aufsehen sorgte in der vergangenen Woche Reddit. Die Aktien des Social-Media-Unternehmens sprangen am Freitag zeitweise um 13,9 % auf 180,17 US-Dollar, im weiteren Handelsverlauf sogar um 16,5 % auf 184,20 US-Dollar, nachdem S&P Dow Jones Indices die Aufnahme in den S&P 500 bestätigt hatte. Reddit ist nach Meta erst das zweite reine Social-Media-Unternehmen im wichtigsten US-Index. Die Aufnahme erfolgt vor Börsenbeginn am 18. August und ersetzt AvalonBay Communities, das im Zuge einer Fusion mit Equity Residential aus dem Index ausscheidet.
RWE: Durch den Einstieg beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion investiert RWE in diesem Jahr mehr Geld. Statt der bisher angepeilten 6 bis 8 Milliarden Euro sind unter Berücksichtigung der Amprion-Transaktion nun Nettoinvestitionen von 9 bis 11 Milliarden Euro geplant, wie der DAX-Konzern am Donnerstag bei Vorlage des Halbjahresberichts in Essen mitteilte. Bis 2031 wollen sie nun insgesamt 42 statt bisher 35 Milliarden Euro netto investieren, davon rund 7 Milliarden Euro allein in den Netzausbau. Auch operativ überzeugte RWE, das bereinigte EBITDA stieg im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich um 44 % auf gut 3 Milliarden Euro, das bereinigte Nettoergebnis verbesserte sich sogar um fast 60 % auf knapp 1,3 Milliarden Euro. Erst rund zwei Wochen zuvor hatte RWE bereits seine Ergebnisziele für 2026 und 2027 angehoben. Die Anleger reagierten positiv: Die Aktie legte kurz nach Handelsbeginn rund ein Prozent zu, seit Jahresbeginn steht ein Kursplus von mehr als einem Viertel zu Buche.
Märkte in der vergangenen Woche:

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