hybride Bedrohungen, Notenbank-Nervosität: Politik als Marktfaktor
Konjunktur & Rentenmärkte
Zu Wochenbeginn keimte im Nahen Osten die Hoffnung auf eine diplomatische Annäherung auf, doch im Verlauf blieben Fortschritte aus, und neue Spannungen dämpften die Zuversicht. So griffen die Huthi Saudi-Arabien mit einer Rakete an, während US-Präsident Trump einen iranischen Vorschlag zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus als nicht annehmbar zurückwies. Zugleich erklärte er, er rechne noch in dieser Woche mit einer Wiederaufnahme der Gespräche. Beides schließt sich nicht aus, doch das Muster aus Annäherungen und Rückschlägen kennt man seit dem Winter. Das Vertrauen in ein baldiges Ende des Konflikts ist entsprechend gering, zumindest solange die Fronten verhärtet bleiben, auch wenn Berichten zufolge über einen Stufenplan verhandelt wird.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnt vor neuen Aktionen Moskaus in Europa. Vor einem Treffen der EU-Verteidigungsminister in Brüssel verwies sie auf Erkenntnisse von Geheimdiensten, wonach Russland weitere Sabotageakte und gezielte Angriffe auf die europäischen Demokratien vorbereitet. Aus ihrer Sicht will der Kreml damit anfangen die Gesellschaften zu spalten und die Bevölkerung durch Einschüchterung dazu bringen, die Unterstützung für die Ukraine aufzugeben. Europa müsse deshalb weiter wachsam bleiben. Parallel geht der Krieg in der Ukraine unvermindert weiter. In Charkiw schlug eine russische Lenkbombe in ein Wohnhaus ein. Nach Angaben von Bürgermeister Ihor Terechow wurden 15 Menschen verletzt, darunter auch Kinder.
Am 3. November finden in den USA außerdem die Zwischenwahlen statt. Sie gelten als bisher wichtigster Stimmungstest für Präsident Trump in seiner zweiten Amtszeit. Zugleich entscheiden sie auch über seine restliche Regierungszeit. Derzeit halten die Republikaner die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, verlören sie eine der beiden Kammern an die Demokraten, würde es für Trump deutlich schwieriger, seine Gesetzesvorhaben umzusetzen. Die Ausgangslage ist heikel, denn die Regierung steht bei Inflation und Zinsen unter Druck, und steigende Benzinpreise belasten die Verbraucher. Zudem geht Trump gegen die Briefwahl vor. Eine am 31. März unterzeichnete Verordnung verschärft die Regeln landesweit, in jedem Bundesstaat sollen Listen aller Wahlberechtigten erstellt werden, und nur wer darauf steht, soll Briefwahlunterlagen erhalten. Außerdem strebt Trump den "Save America Act" an, der bei der Registrierung einen Nachweis der Staatsbürgerschaft verlangt. Kritiker warnen, davon könnten Millionen Menschen betroffen sein, da vielen, vor allem Angehörigen von Minderheiten, Ausweisdokumente fehlen.
Erstmals seit mehr als zehn Jahren reiste vergangene Woche Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping zu einem Staatsbesuch in die USA. Im Vorfeld gab sich Peking betont freundlich und beschrieb beide Länder in einem Video als Chance füreinander statt als Bedrohung. Die Gegensätze sind dennoch erheblich, China nutzt seinen Zugang zu seltenen Erden weiter als Druckmittel, Washington beklagt Bürokratie im Handel und beschränkt selbst die Ausfuhr von Hochleistungschips. Hinzu kommen der Iran-Krieg, in dem China als strategischer Partner Teherans gilt, sowie die Lage im Indopazifik. Größter Streitpunkt bleibt aber der Wettlauf um die Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz. Immerhin einigte man sich darauf, einen Gesprächskanal für Notfälle zu prüfen. In China hoffe man vor allem auf eine Verlängerung des bis Anfang November geltenden Zoll-Moratoriums. Nach Einschätzung von Experten braucht Xi ohnehin keinen Durchbruch, sondern Zeit. Im November soll ein weiteres Treffen in China folgen.
Auch wenn die deutsche Wirtschaft wieder an Aufschwung gewinnt, spüren die Beschäftigten davon bislang wenig. So legte im September das ifo Beschäftigungsbarometer geringfügig auf 95,1 Zähler zu, nach 94,8 Zählern im Vormonat. Befragt wurden dafür tausende Firmen aus Industrie, Dienstleistungssektor, Handel und Baugewerbe. Experten sehen den Stellenmarkt damit in ruhigerem Fahrwasser, von einem echten Aufschwung könne aber noch keine Rede sein. Besonders in der Industrie und im Handel streichen die Unternehmen weiterhin Arbeitsplätze, während sich die Lage in den übrigen Branchen zumindest nicht weiter verschlechtert.
Am Rentenmarkt begann die Woche zunächst ruhig und mit Rückenwind. Sinkende Ölnotierungen und die Aussicht auf Annäherung zwischen Washington und Teheran nahmen den Anlegern einen Teil ihrer Sorgen vor anhaltend hohen Preissteigerungen, sodass die Renditen zunächst zurückgingen. Zur Wochenmitte kippte die Stimmung. Die neuen Angriffe im Bereich der Straße von Hormus verteuerten die Energie wieder, und gleichzeitig deuteten kräftige Einkaufsmanagerindizes in den USA und in Europa darauf hin, dass die Konjunktur robuster ist als gedacht. Beides zusammen ließ Investoren wieder mit einem härteren Zinskurs der Notenbanken rechnen, besonders in den Vereinigten Staaten. Verkaufsdruck gab es vor allem bei amerikanischen Staatstiteln, deren Kurse spürbar nachgaben. Über die gesamte Handelswoche gerechnet standen die Renditen in den USA wie auch in Europa deutlich höher als noch zum Wochenauftakt.
An den Rohstoffmärkten bestimmte anfangs die Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten das Bild und drückte die Ölpreise zwischenzeitlich merklich nach unten. Doch die politischen Entwicklungen sorgten für erneute Preisanstiege. Der Ölmarkt bleibt damit eng an die jeweilige Nachrichtenlage aus der Krisenregion gekoppelt.
Der Goldpreis gab im Wochenverlauf nach. Die deutlich gestiegenen Anleiherenditen machten das Edelmetall, das selbst keine Zinsen abwirft, weniger attraktiv. Am Devisenmarkt wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar leicht ab.
Aktienmärkte
Trotz erneut kräftig anziehender Ölpreise startete der Dax stabil in die neue Woche. Der deutsche Leitindex bewegte sich in den ersten Handelsminuten bei 25.418 Punkten knapp im Plus, der MDax der mittelgroßen Werte gab um 0,1 Prozent auf 31.017 Zähler nach. Die Anleger üben sich vorerst in Geduld, denn US-Präsident Trump rechnet in dieser Woche mit weiteren Verhandlungen mit Teheran. Dem Portal Axios zufolge könnte bereits zum Wochenauftakt eine neue Runde indirekter Gespräche stattfinden. Die Stimmung bleibt allerdings auch hier anfällig.
Auch technisch sucht der Dax weiter seine Richtung, der Index pendelt seit rund zweieinhalb Wochen zwischen der 50-Tage-Linie als Obergrenze und der 100-Tage-Linie als Untergrenze, ohne dass ein nachhaltiger Ausbruch gelungen wäre. Solange die Lage im Nahen Osten unklar bleibt, könnte das auch zunächst so weitergehen.
Aus Asien kommen gemischte Signale. Der japanische Nikkei bewegte sich kaum von der Stelle, während die chinesischen Börsen deutlich nachgaben. Dort belasteten schwache Konjunkturdaten. Die Gewinne der Industrieunternehmen legten im August nur noch um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu, nachdem es im Juli noch 11,2 Prozent gewesen waren. Ursache ist die schwache Binnennachfrage, während die Exporte weiter gut laufen.
Einzelwerte
Nvidia: Für Nvidia rückt der chinesische Markt wieder in den Blick. Laut einem Bericht des Portals The Information, über den Reuters berichtete, könnte Peking heimischen Konzernen wie Alibaba und ByteDance den Kauf des neuen Nvidia-Chips RTX PRO 5500 erlauben. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie soll mehrere Unternehmen aufgefordert haben, ihren geplanten Bedarf zu melden, samt Stückzahlen und Einsatzzweck. Einigen Firmen habe es zudem signalisiert, dass es die Käufe genehmigen wolle. Der Grafikprozessor für professionelle Hochleistungsrechner kam erst im September auf den Markt. Manche Branchenvertreter erwarten, dass er nicht unter die US-Exportbeschränkungen fällt. Bestätigt ist bislang jedoch noch nichts, Reuters konnte den Bericht nicht überprüfen und Alibaba und ByteDance äußerten sich ebenfalls nicht. Nvidia selbst verwies darauf, dass US-Unternehmen weiter durch veraltete US-Exportkontrollen für Gaming-Produkte und durch chinesische Importbeschränkungen eingeschränkt seien. Für Anleger bleibt die Meldung damit vor allem ein Signal, dass sich die Lage in China bewegen könnte.
Siemens Energy: Siemens Energy: Das Unternehmen steht für die Infrastrukturseite des KI-Themas und geriet zu Beginn vergangener Woche dennoch unter Druck. Im frühen Handel verloren KI-nahe Dax-Werte, Infineon gab 1,3 Prozent ab, Siemens Energy fiel mit minus 2,2 Prozent an das Dax-Ende. Operativ läuft es für den Konzern dagegen weiter aussichtsreich. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte der Auftragseingang mit 17,9 Milliarden Euro erneut einen Rekord, getragen von Gas Services sowie starken Zuwächsen bei Grid Technologies und Transformation of Industry. Der Auftragsbestand stieg auf 162 Milliarden Euro. Siemens Gamesa schrieb erstmals seit dem Geschäftsjahr 2022 wieder schwarze Zahlen, und die angehobene Jahresprognose wurde bestätigt.
Märkte in der vergangenen Woche:
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