Konjunktur & Rentenmärkte
Die Finanzmärkte entwickelten sich in der letzten Woche zunehmend wechselhaft. In den USA hoffte man zunächst auf eine Entspannung im Nahen Osten und auch der Technologiesektor sowie die Erwartungen rund um Künstliche Intelligenz sorgten für Auftrieb. Zunehmend gerieten jedoch Zweifel an der Rentabilität von Investitionen in neue Technologien in den Fokus, was vor allem wachstumsstarke Segmente an Schwung verlieren ließ. Im Iran-Konflikt standen weiteren Gesprächen zunächst gezielte Luftschläge der USA gegen iranische Stellungen, iranische Gegenangriffe auf Ziele in Kuwait und Bahrain sowie der israelische Vormarsch im Libanon gegen die Hisbollah-Miliz im Weg. In Europa sorgt die schwächere Nachfrage in Branchen wie Auto- und Maschinenbau für wachsende Sorgen. Die Aufträge der deutschen Industrie sind im April fast doppelt so stark eingebrochen wie erwartet.
Die unsichere Lage im Nahen Osten bestimmte auch den Rohstoff- und Devisenmarkt. Der Ölpreis ist bis Mitte der Woche gestiegen, unter anderem auch aufgrund der möglichen Angebotsrisiken. Die höheren Zinsen in den USA sorgten in der vergangenen Woche für einen zuletzt starken Dollar. Auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten zeigte sich weiterhin robust. Für Europa wird vor allem die am Donnerstag stattfindende EZB-Sitzung interessant. Vor dem Hintergrund des Iran-Krieges, der immer noch hohen Abhängigkeit von Energieimporten und der gestiegenen Inflation, ist hier mit einer Anhebung des Leitzinses zu rechnen.
Sowohl die stabilen Konjunkturdaten der USA als auch die höheren Energiepreise sorgten kürzlich für einen Aufwärtsdruck der Renditen an den Anleihemärkten. Zusätzlich wurde in Europa die Risikoprämie erhöht, abermals eine Folge der geopolitischen Unsicherheiten. Insgesamt lässt sich eher eine Anpassung der Märkte an die aktuellen Rahmenbedingungen beobachten als eine zunehmende Drucksituation.
Aktienmärkte
Der besonders stark ausgefallene Arbeitsmarktbericht in den USA sorgte für Kursverluste. So wurden mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze im Mai geschaffen, als von Volkswirten erwartet. Im Technologiesektor sorgte die Neigung zur Gewinnmitnahme für Kursverluste. Auch der Börsengang von SpaceX und die bald stattfindende Kapitalerhöhung von Meta, für die Anleger womöglich ihre Technologieaktien verkauften, trugen dazu bei. Letztlich machten auch die gestiegenen Marktzinsen den Technologietiteln zu schaffen.
In Europa war zu sehen, wie sensibel der Markt auf die geopolitischen Unsicherheiten reagiert. Durch die neuen Risiken fielen im Laufe der letzten Woche die Kurse. Der positiv ausgefallene Arbeitsmarktbericht aus den Vereinigten Staaten bekräftigte noch einmal die Zinserhöhungserwartungen, das Steigen der Anleiherenditen und somit den Druck auf den Aktienmärkten. Eine Erholung konnte erst durch eine Entspannung der Ölpreise sowie neue Bewegungen im Ukraine-Krieg herbeigeführt werden. So schlug der ukrainische Präsident Selenski seinem russischen Pendant Putin in einem offenen Brief ein persönliches Treffen vor, was die Rüstungswerte aber nicht mehr belastete.
Einzelwerte
SpaceX-IPO: Elon Musk plant mit dem IPO von SpaceX, den wohl größten Börsengang der Geschichte, voraussichtlich am kommenden Freitag. Das Unternehmen soll mit 1,75 Billionen Dollar bewertet werden und damit sogar Saudi Aramco übertreffen. Trotz eines Umsatzes von 18,7 Milliarden Dollar verzeichnete SpaceX zuletzt einen Verlust von 2,6 Milliarden Dollar. Dennoch soll der Börsengang rund 75 Milliarden Dollar einbringen, die in Mondmissionen und langfristig in die Besiedlung des Mars fließen sollen. Musk behält durch eine Zwei-Klassen-Aktienstruktur mit 85,1 Prozent der Stimmrechte die volle Kontrolle über das Unternehmen. Am Wochenende gab Trade Republic dann noch bekannt, seine Kunden beim SpaceX-IPO mitmachen zu lassen. Damit hielt der Neobroker sein Versprechen, Privatanlegern Zugang zu Börsengängen zu verschaffen. Die Zuteilung erfolgt bei SpaceX wohl pro rata, also proportional zum Zeichnungsvolumen.
Airbus: Lars Wagner, der Chef des Zivilflugzeuggeschäfts, gab in der FAZ bekannt, die Produktion von mehr Flugzeugen anzustoßen. Auf dem internationalen Markt gäbe es dafür die entsprechende Nachfrage, so müsse laut Wagner auch schnell gehandelt werden.
BIONTECH: Dem Handelsblatt zufolge überträgt BIONTECH den sich trennenden Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci einen Großteil der Frühforschung an ihre neue Firma. Darunter zählt die sogenannten CAR-T-Zelltherapien und die Forschung zu RiboMAB, einer Klasse von mRNA-codierten Antikörpern zur Tumoreliminierung, während auch BIONTECH künftig mit mRNA eines seiner Krebsforschungsprojekte (iNEST) voranbringen will. Die Werteermittlung der zu übertragenden Patente steht dabei noch aus.
Märkte in der vergangenen Woche:

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