Konjunktur & Rentenmärkte
Die US-Administration und der Iran beeinflussten auch in der vergangenen Woche mit ihren Verhandlungen das Börsengeschehen. So zeigten sich zuletzt erneut minimale Entspannungssignale, denn die beiden schafften es, sich auf einen gemeinsamen Kommunikationskanal für den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus zu einigen. Künftig sollen dadurch vor allem militärische Zwischenfälle umgangen werden. Auch die Auseinandersetzungen, die es zuletzt mit dem Libanon gab, sollen in Zukunft vermieden werden. Teheran hatte zudem nach eigenen Angaben die Freigabe von eingefrorenem Vermögen im Wert von 12 Mrd. US-Dollar genehmigt. Die USA bestanden jedoch darauf, dass auf der Straße von Hormus in Zukunft keine Maut erhoben werden dürfe. Auch klar ist jedoch, dass Präsident Donald Trump zunehmend unter Druck steht, und das seit Beginn des Iran-Kriegs auch seitens der eigenen Reihen. Zuletzt wurde nämlich eine Resolution des republikanisch dominierten Senats verabschiedet, die auf eine Beendigung des Iran-Kriegs abzielt. Welche Folgen das für den weiteren Verlauf des Konflikts haben wird, bleibt jedoch abzuwarten.
Weitere bedeutende Ereignisse trugen sich in der letzten Woche im Vereinigten Königreich zu. So gab der britische Premierminister Starmer seinen Rücktritt bekannt. Nach einem dramatisch schlechten Wahlergebnis auf kommunaler und regionaler Ebene im Mai wurde ihm die Entscheidung von seiner eigenen Partei, der Labour Party, zunehmend nahegelegt.
Im Ukraine-Krieg hat der russische Präsident Wladimir Putin den gegenseitigen Verzicht auf Langstreckenangriffe zurückgewiesen. Russland sei gerade dabei, sich seinem Ziel, vier ukrainische Regionen vollständig einzunehmen, zu nähern. Dementsprechend sei der nach seinen Worten von der Ukraine vorgeschlagene Verzicht ein Ablenkungsmanöver. Zuletzt forderte Putin eine stärkere Luftabwehr gegen ukrainische Drohnenangriffe auf die Ölinfrastruktur in Russland. Auch ein zunehmend bekanntwerdender Engpass bei der Treibstoffversorgung Russlands und die Erwägung eines Exportverbots für Diesel beschäftigt das Land. So sollen sogar Arbeitsgruppen gebildet werden, die die landesweite Versorgung sicherstellen.
Eine positive Entwicklung zeigte sich zu Wochenbeginn in den US-Makrodaten. Die S&P-Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor fielen deutlich stärker aus als erwartet. Zudem erreichte das US-BIP im ersten Quartal ein Wachstum von 2,1 %.
Die Anleihemärkte verliefen in der letzten Woche gegenläufig zu den Aktienmärkten. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen gaben sowohl in den USA als auch in Europa spürbar nach. Zum einen sanken die Energiepreise deutlich, nachdem aus dem Nahen Osten erste Entspannungssignale kamen. Dies dämpfte nicht nur die Inflationserwartungen, sondern auch die Zinsen.
Zum anderen sorgte die wachsende Unsicherheit im Technologiesektor dafür, dass Anleger verstärkt auf sichere Anlagen umschichteten. Trotz der anhaltenden Debatten darüber, ob die Notenbanken die Zinsen noch länger auf erhöhtem Niveau halten werden, blieb der Druck auf die Rentenmärkte insgesamt doch in Maßen. Die Entwicklungen der Woche deuten damit eher auf eine schrittweise Stabilisierung des Zinsumfeldes hin, auch wenn die Unsicherheit über den weiteren geldpolitischen Kurs noch lange nicht vollständig ausgeräumt ist.
Auf den Rohstoffmärkten spiegelte sich eine deutlichere Entspannung wider. Der Ölpreis sank so gegen Ende der Woche laufend und unterstützte damit die positive Marktstimmung. Der zumindest zwischenzeitlich festere US-Dollar sorgte für einen tendenziell schwächeren Goldpreis. Die stabilen Zinserwartungen machten sich positiv im Dollar bemerkbar.
Aktienmärkte
Die Aktienmärkte präsentierten sich in der vergangenen Woche insgesamt schwächer, wenngleich der Wochenverlauf unterschiedliche Phasen durchlief. Die Fortschritte in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran dämpften zunächst die Sorgen vor den derzeitigen Krisen, so herrschte zu Beginn noch eine vorsichtig positive Stimmung. Doch im weiteren Wochenverlauf verstärkte sich die bereits abzeichnende Abwärtsspirale im Technologiesektor. Wachsende Zweifel an der Rentabilität der massiven Investitionen in Künstliche Intelligenz sowie die Erwartungen eines länger anhaltend hohen Zinsniveaus belasteten insbesondere Technologie- und Halbleiterwerte. Die großen US-Indizes gaben daraufhin deutlich nach und die Schwäche strahlte auch auf Europa aus, wo der Technologiesektor ebenfalls deutlich nachgab. Der technologielastige Nasdaq 100 fiel am Freitag um 1,09 % auf 29.118,24 Punkte und machte damit auf Wochensicht einen Verlust von 4,24 %. Der marktbreite S&P 500 fiel vor dem Wochenende, um 0,05 % auf 7.354,02 Punkte. Der Dow Jones machte zuletzt einen Gewinn in Höhe von 0,6 %, am vergangenen Donnerstag hatte er sein Rekordhoch erreicht.
Einzelwerte
Rheinmetall: Vergangene Woche entschied Bundesverteidigungsminister Pistorius, dass das F126-Fregatten-Projekt der Bundeswehr eingestellt werden soll. Die Fregatte sollte eine Länge von 166 Metern erreichen und kostete bis zum Projektabbruch bereits ca. 10 Mrd. Euro. Ausschlaggebend für die Beendigung waren laut Pistorius insbesondere die massiven Verzögerungen bei der niederländischen Werft Damen sowie eine drohende Kostenexplosion. Das Projekt galt als das bisher größte in der Geschichte der deutschen Marine, dementsprechend stark verlor der DAX Titel nach Ankündigung, zeitweise rund 18 bis 19 % und rutschte damit deutlich unter die Marke von 1.000 Euro. Als Ersatz sollen dafür nun acht kleinere Meko-200-Fregatten des deutschen Herstellers und Rheinmetall-Konkurrenten TKMS beschafft werden.
Volkswagen: Der Autobauer scheint gemäß der Aussage eines Zeitungsberichts der "Bild" vor dem Ausstieg aus der Entwicklungspartnerschaft für autonomes Fahren mit dem Zulieferer Bosch zu stehen. Zuletzt seien insbesondere fehlende Fortschritte und der zunehmende Sparzwang zum Problem des Projekts geworden. Die Technik könnte sich demnach nicht auf dem Markt beweisen, und das trotz der Tatsache, dass bereits 1,5 Milliarden in das Projekt geflossen sind. Die mangelnde Konkurrenzfähigkeit sehe VW vor allem beim sogenannten Level 2+++, also dem Fahren ohne Hände am Lenkrad im Stadtverkehr.
Nagarro: Der Münchner Softwareentwickler steht kurz vor einem Verkauf nach Indien. Mit mehr als 20 % hat sich Rivale PERSISTENT SYSTEMS Anteile von dessen Großaktionär, der Familie Dürenschmidt gesichert, wie die beiden Firmen mitteilten, er bietet 1,05 Milliarden Euro. Nagarros Bewertung liege derzeit einschließlich Schulden bei 1,36 Milliarden Euro. Nach dem Verkauf soll Nagarro nicht mehr an der Börse gehandelt werden, dafür bieten die Inder 81 Euro je Aktie. Der Kurs war zuletzt um fast 20 % auf 40,44 Euro nach oben gestiegen.
Märkte in der vergangenen Woche:

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