Konjunktur & Rentenmärkte
Die vergangene Handelswoche verlief an den internationalen Finanzmärkten zum größten Teil positiv. Die rückläufigen Energiepreise und eine Beruhigung der Lage im Nahen Osten verliehen den Aktienmärkten zusätzlichen Auftrieb. Ebenfalls im Fokus der Anleger standen zudem die Zinserwartungen gegenüber den Notenbanken. Insbesondere der enttäuschende US-Arbeitsmarktbericht prägte die Stimmung zum Ende der Woche und verhalf so immerhin den europäischen Aktien sowie dem Goldpreis zu spürbaren Gewinnen.
Im Iran begann eine sechstägige Trauerfeierlichkeit für den getöteten Ayatollah Khamenei, ein weiteres Zeichen, dass der Konflikt im Nahen Osten noch lange nicht vorbei ist. So gab es zwar Fortschritte bei den Gesprächen zwischen den USA und dem Iran, jedoch aber auch weiterhin keine endgültige Einigung. Die deutsche Marineeinheit macht sich derweil auf einen Einsatz in der Straße von Hormus bereit. Dieser war schon länger diskutiert worden, auch wenn ein Bundestagsmandat dafür nach wie vor fehlt.
Am 07. und 08. Juli wird der NATO-Gipfel in Ankara stattfinden. Schwerpunkt sei demnach vor allem die Neuausrichtung der Lastenteilung. Zuvor gab es bereits Spannungen zwischen U.S.-Präsident Trump und den europäischen Verbündeten bezüglich Verteidigungsausgaben und mangelnder Unterstützung im Iran-krieg. Die erwarteten Milliardenzusagen für die Ukraine sowie ein mögliches Rüstungsgeschäft im Bereich U-Boote zwischen Kanada und TKMS werden bei den Anlegern in der Rüstungsbranche weiterhin für Spannung sorgen.
Zudem gab es im Ukrainekonflikt weitere Eskalationen. Ukrainische Drohnen griffen folglich ein Ölterminal in St. Petersburg an, aber auch Russland startete einen weiteren Großangriff auf Kiew. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) äußerte infolge des AfD-Parteitags eine Warnung vor einer Weitergabe geheimer Informationen, sollte es zu einer AfD-Landesregierung in Sachsen-Anhalt nach der nächsten Landtagswahl kommen.
Im Pazifik hat die chinesische Marine nach eigenen Angaben erfolgreich eine strategische Rakete mit einem Übungssprengkopf getestet. Das Geschoss wurde von einem atomgetriebenen U-Boot aus abgefeuert und traf demnach präzise im vorgesehenen Zielgebiet ein. Zu diesem eher ungewöhnlichen Waffentest machte die Armee zunächst keine weiteren Details publik. Die chinesische Armee bezeichnete den Vorgang als routinemäßigen Test im Rahmen der jährlichen Militärmanöver, der vollständig im Einklang mit dem internationalen Recht stehe.
Mit einer ungewöhnlich politischen Rede hat Trump die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit eröffnet. Vor dem Nationaldenkmal Mount Rushmore warnte er am Freitagabend vor einer neuen „kommunistischen Bedrohung“ und einem Angriff auf die amerikanische Identität. Man könnte nicht gleichzeitig Kommunist und Patriot sein. Attackiert hatte er zuletzt wiederholt den linken Flügel der Demokraten.
Im Fokus der Anleihemärkte standen diese Woche vor allem die Zinserwartungen. Die robusten US-Konjunkturdaten ließen die Renditen zu Wochenbeginn deutlich steigen, da Anleger von einem anhaltend restriktiven Kurs von Fed und EZB ausgingen. Im weiteren Verlauf rückten die Inflationsdaten aus dem Euroraum sowie der US-Arbeitsmarktbericht in den Blick. Der überraschend schwache US-Jobbericht am Freitag nährte Spekulationen auf einen eher weniger straffen Fed-Kurs und sorgte zeitweise für Entspannung. Insgesamt blieben die Renditen zum Wochenschluss aber dennoch höher als zu Wochenbeginn.
Auch an den Rohstoffmärkten war die Entspannung im Nahostkonflikt deutlich zu spüren. Der Ölpreis geriet im Wochenverlauf jedoch unter Druck, da Anleger die geopolitische Risikoprämie zurücknahmen und mit einer Normalisierung des Angebots rechneten.
Der Goldpreis präsentierte sich dagegen eher freundlich, wenn auch mit wechselnden Vorzeichen. Zu Wochenbeginn belasteten die zwar nachlassenden Inflationssorgen das Edelmetall, zum Wochenschluss überwog dann aber die Reaktion auf den schwachen US-Arbeitsmarktbericht. Die Aussicht auf einen vorsichtigeren Fed-Kurs beflügelte die Nachfrage, begünstigt zusätzlich durch einen nachgebenden US-Dollar, der gegenüber dem Euro merklich an Wert verlor und Gold für europäische Anleger wieder etwas attraktiver machte.
Aktienmärkte
Der DAX hat am Montag mit einem Sprung über die 25.900-Punkte-Marke ein neues historisches Hoch erreicht, wenngleich dafür nur ein geringer Anstieg nötig war. Unter Analysten mehren sich jedoch die Zweifel, ob sich diese positive Entwicklung fortsetzen lässt. Am Mittag notierte der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 25.852 Punkten. Damit setzte er den Aufwärtstrend fort, nachdem bereits am Donnerstag der bisherige, fast sechs Monate alte Rekordstand übertroffen und am Freitag die 25.800-Punkte-Schwelle überschritten worden war. Der MDAX legte zuletzt um 0,9 Prozent auf 33.301 Zähler zu. In den USA blieben die Börsen Freitag feiertagsbedingt geschlossen. In Asien zeigte sich der besonders volatile, technologielastige koreanische Kospi zunächst leicht schwächer, konnte sich von seinem Tagestief, zeitweise mehr als 3 % im Minus, aber fast vollständig erholen. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen bei einigen der zuletzt stark gestiegenen Halbleiterwerte. Gestützt wurde der Markt hingegen von weiter sinkenden Ölpreisen sowie einer beruhigten Nachrichtenlage aus der Krisenregion Nahost.
Einzelwerte
Porsche: Der Sportwagenbauer stellte im Zuge seiner Restrukturierung die Vertriebsorganisation grundlegend neu auf. Laut Handelsblatt-Informationen sollen die bisher getrennt geführten Märkte Deutschland und Europa zu einer gemeinsamen Einheit verschmolzen werden. Der aktuelle Deutschland-Verantwortliche Robert Ader solle diese dann übernehmen. Die derzeitige Europa-Chefin Iryna Kauk würde dabei ihren Posten einbüßen. Auch die Region „Übersee und Wachstumsmärkte" verlöre demnach ihren eigenständigen Status, ein Einschnitt für deren Leiterin Christiane Zorn, die erst vor rund einem Jahr von Audi zu Porsche wechselte. Hinzu kommt eine geplante Umstrukturierung der Abteilung für Luxus- und Exklusivitätsprogramme, woraufhin deren Leiterin Maryam Djavadi den Konzern dem Bericht zufolge verlassen soll.
Continental: Der Autozulieferer hat den geplanten Verkauf seiner Industriesparte Contitech an den Finanzinvestor Lone Star nun endgültig besiegelt und die entsprechende Vereinbarung mit dem Käufer unterzeichnet. Bereits am Freitag hatte Continental angekündigt, kurz vor Vertragsabschluss zu stehen. Der im Rahmen der Transaktion angesetzte Unternehmenswert beläuft sich derweil auf 4,0 Milliarden Euro. Hinzu kommen auch noch mögliche erfolgsabhängige Zahlungen von bis zu 250 Millionen Euro in den Folgejahren.
Der Abschluss der Transaktion könnte noch bis Ende 2026 erfolgen, steht allerdings unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Continental rechnet beim Vollzug des Deals mit einem Mittelzufluss von rund 3,1 Milliarden Euro. Ein Teil dieser Summe soll so zum Abbau der eigenen Finanzschulden verwendet werden.
Aber auch die Aktionäre sollen an dem Erlös beteiligt werden. Rund 2,5 Milliarden Euro plant der Konzern, für eine Sonderdividende oder eine Kombination aus Aktienrückkauf und Sonderausschüttung einzusetzen. Wie sich die Transaktion auf den Unternehmensausblick für das laufende Geschäftsjahr auswirkt, werde derzeit noch geprüft, eine entsprechende Anpassung solle zu einem noch späteren Zeitpunkt erfolgen.
Rheinmetall: Überraschend äußerte sich Konzernchef Armin Papperger öffentlich zum geplatzten Fregatten-Auftrag F126, einem Projekt, das dem Rüstungskonzern einen milliardenschweren Auftrag gekostet hat. Gegenüber dem Spiegel räumte Papperger ein, die Absage habe das Unternehmen unvorbereitet getroffen und stelle einen herben Dämpfer dar. Trotz dieses Rückschlags verteidigte er den Einstieg von Rheinmetall in die maritime Rüstungssparte durch die Übernahme der Werftengruppe Naval Vessels Lürssen (NVL). Angesichts der großen Nachfrage, die sich keineswegs auf die Bundeswehr beschränke, sei dieser strategische Schritt weiterhin richtig gewesen, so schrieb es der Spiegel.
Märkte in der vergangenen Woche:

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