Kai Heinrich | 19. Oktober 2026 |

Ölpreise steigen, Technologiesektor unter Druck

Inhaltsverzeichnis

Konjunktur & Rentenmärkte

Die vergangene Woche stand im Zeichen hartnäckiger Inflation, steigender Energiepreise und wachsender Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Booms. In den USA sorgten die Inflationsdaten für den September für neue Unsicherheit hinsichtlich des geldpolitischen Kurses der Federal Reserve. Die Erzeugerpreise stiegen im Monatsvergleich um 1,3 % und damit so stark wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Auf Jahressicht lag der Anstieg bei 6,3 %. Besonders kräftig verteuerten sich Benzin und Diesel. Gleichzeitig legten die Einzelhandelsumsätze um 0,8 % zu, wobei höhere Kraftstoffkosten einen Teil des Anstiegs erklärten. Damit blieb das Bild einer widerstandsfähigen, aber durch den Preisdruck belasteten US-Wirtschaft bestehen.

Am Anleihemarkt zeigte sich trotz der erhöhten Inflationsrisiken eine gegenläufige Entwicklung. Die Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen gingen im Wochenverlauf zurück, weil Anleger angesichts der Turbulenzen an den Aktienmärkten verstärkt sichere Anlagen suchten. Durch diese erhöhte Nachfrage stieg der Kurs der Anleihen, was zum Sinken der Rendite führte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf rund 5,09 %, nachdem sie zuvor deutlich höher gelegen hatte. Die Entwicklung verdeutlichte, dass die Sorge um die Finanzierung des KI-Ausbaus und die Stabilität der Finanzmärkte zeitweise schwerer wog als die Inflationsdaten. Die Erwartungen an die Fed blieben dennoch angespannt: Eine unmittelbare Zinserhöhung galt als eher unwahrscheinlich, während weitere Schritte im Dezember im Markt diskutiert wurden.

Auch am Energiemarkt blieb die Lage angespannt. Der Ölpreis wurde durch die geopolitischen Risiken im Nahen Osten und mögliche Einschränkungen der Lieferwege durch die Straße von Hormus gestützt. Brent-Öl verteuerte sich bis zum Freitag auf rund 110 US-Dollar je Barrel und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai. Der US-Dollar gab gegenüber dem Euro auf Wochensicht leicht nach, da die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen in den USA etwas zurückgingen.

In der kommenden Woche stehen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für die USA und Europa sowie neue Konjunkturdaten aus China im Mittelpunkt. Darüber hinaus dürften die geopolitische Lage, die Entwicklung der Ölpreise und die weitere Neubewertung von KI-Investitionen die Finanzmärkte maßgeblich beeinflussen.

 

Aktienmärkte

Die internationalen Aktienmärkte entwickelten sich in der vergangenen Woche uneinheitlich. Besonders deutlich gerieten die US-Technologiewerte unter Druck. Auslöser waren Sorgen über die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz, die zunehmende Verschuldung von Rechenzentrumsbetreibern und Zweifel daran, ob die erwarteten Erträge die enormen Ausgaben rechtfertigen. Hinzu kamen die überraschend kräftigen Erzeugerpreisdaten, die neue Diskussionen über mögliche Zinserhöhungen auslösten. Am Freitag setzte sich der Abverkauf bei Technologie- und Halbleiteraktien fort. Auf Wochensicht verlor daher der Nasdaq Composite 4,5 %, der S&P 500 gab um 1,9  % nach. Der Dow Jones entwickelte sich dagegen robuster und legte um 0,7 % zu.

In Europa fiel die Entwicklung freundlicher aus. Nach zwischenzeitlichen Verlusten erholten sich die Börsen zum Wochenschluss, gestützt durch solide Unternehmensberichte und eine Stabilisierung der Marktstimmung. Der STOXX Europe 600 beendete die Woche mit einem Plus von mehr als 2 % und verzeichnete damit seine beste Wochenentwicklung seit Ende Juni. Auch der DAX legte zu und schloss am Freitag bei 25.622,61 Punkten. Auf Wochensicht ergab sich ein Anstieg von rund 2,1 %. Damit zeigte sich der deutsche Leitindex deutlich widerstandsfähiger als die US-Technologiebörse.

Die unterschiedliche Entwicklung unterstreicht die zunehmende Bedeutung einer breiteren Branchen- und Länderdiversifikation. Während hoch bewertete Technologie- und Halbleiterwerte unter dem Zweifel an der Rentabilität von KI-Investitionen litten, konnten europäische Standardwerte von der relativen Stärke anderer Branchen profitieren. Für die neue Woche dürfte die Berichtssaison entscheidend werden: Vor allem die Geschäftszahlen und Investitionspläne großer US-Technologiekonzerne werden zeigen, ob die jüngsten Kursverluste eine kurzfristige Korrektur oder eine nachhaltigere Neubewertung des KI-Sektors darstellen.

 

Einzelwerte

ASML: Der Halbleiterausrüster stand in der vergangenen Woche im Fokus der Anleger. Die Quartalszahlen und der Ausblick des Unternehmens gehörten zu den wichtigen Ereignissen der Berichtssaison. Trotz der positiven Signale aus dem Halbleitergeschäft geriet die Aktie unter Druck und verlor am Mittwoch rund 3,9 %. Ausschlaggebend war vor allem die allgemeine Schwäche im Technologiesektor. Anleger hinterfragten zunehmend, ob die hohen Investitionen in KI-Infrastruktur langfristig ausreichende Renditen erzielen werden. Damit zeigte sich, dass selbst solide Geschäftsaussichten die Aktienkurse nicht vor einer branchenweiten Korrektur schützen konnten.

TSMC: Der weltgrößte Auftragsfertiger für Halbleiter meldete ebenfalls starke Geschäftszahlen und gab einen zuversichtlichen Ausblick. Die Nachfrage nach leistungsfähigen Chips blieb insbesondere im Zusammenhang mit Anwendungen künstlicher Intelligenz hoch. Dennoch fiel die Aktie am Donnerstag um rund 3,4 %. Die Reaktion verdeutlichte die zunehmende Diskrepanz zwischen der operativen Entwicklung der Unternehmen und den Erwartungen am Kapitalmarkt. Während die Nachfrage nach KI-Chips weiterhin robust war, sorgten Zweifel an der Finanzierung des Ausbaus von Rechenzentren und an der künftigen Profitabilität zu Verkaufsdruck.

Rheinmetall: Der Rüstungskonzern gehörte in der vergangenen Woche zu den stärksten Werten im DAX. Die Aktie gewann am Freitag 6,26 % und war damit der Spitzenreiter im deutschen Leitindex. In einem insgesamt volatilen Marktumfeld profitierte das Papier von seiner defensiven Positionierung gegenüber den Sorgen um hoch bewertete Technologiewerte. Die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die Bedeutung europäischer Verteidigungsausgaben blieben wichtige Faktoren für die Bewertung des Unternehmens. Auf Wochensicht unterstützten solche Einzelwerte die positive Entwicklung des DAX.

 

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