Kai Heinrich | 10. August 2026 |

Nervosität vor US-Jobreport: DAX trotzt Zweifeln am KI-Boom

Halbleiter
Inhaltsverzeichnis

Konjunktur & Rentenmärkte

Die vergangene Handelswoche verlief an den internationalen Finanzmärkten uneinheitlich. Im Mittelpunkt stand erneut die Frage, ob die hohen Erwartungen an den KI-Boom gerechtfertigt sind. Die zuletzt zu beobachtende Kursschwäche im Halbleitersektor werten Marktbeobachter eher als sektorale Rotation denn als generellen Ausverkauf, da sich Bereiche wie Gesundheit, nichtzyklische Konsumgüter und Finanzwerte in der Breite widerstandsfähig zeigten.

Geopolitisch bleibt die Lage im Nahen Osten angespannt, nachdem der Iran-Krieg wieder aufgeflammt ist. Das Wall Street Journal berichtete zwar über eine mögliche Einigung zwischen Iran und Oman zur Einrichtung zweier Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus, unklar blieb jedoch die Haltung der USA dazu. In den USA rückte zudem der zweite Auftritt von Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender in den Fokus, ebenso wie der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht für Juli, der über die Zinserwartungen für September mitentscheidet.

Aus China kamen solide Konjunktursignale: Die Exporte legten im Juli um 23,9 % zum Vorjahr zu und übertrafen damit die Prognose von 22,0 % deutlich, auch wenn sich das Wachstum gegenüber dem Vormonat (+27,0 %) etwas abschwächte. Auch aus Deutschland gab es positive Signale: Die Industrieproduktion stieg im Juni den dritten Monat in Folge um 0,2 %, während die Exporte mit einem Plus von 0,9 % auf 139,3 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert erreichten, deutlich mehr als die von Reuters befragten Ökonomen erwartet hatten.

An den Rentenmärkten zogen die Renditen leicht an. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf 3,140 %, die zehnjährige US-Treasury-Rendite notierte bei 4,678 %. Am Ölmarkt sorgte die geopolitische Risikoprämie für steigende Preise: Brent verteuerte sich auf 83,68 US-Dollar (+1,44 %). Auch der Goldpreis legte auf 4.294,21 US-Dollar zu (+1,29 %), begünstigt durch die Nachfrage nach sicheren Häfen und einen schwächeren US-Dollar.

 

Aktienmärkte

Der DAX zeigte sich zum Wochenschluss fest und schloss am Freitag bei 26.319,45 Punkten (+0,69 %, YTD +7,47 %). Der DAX-Future startete am Freitagmorgen bei 26.245 Punkten in den Handel. Der EURO STOXX 50 legte um 0,39 % zu, während der Schweizer SMI leicht nachgab.

In den USA zeigten sich die Börsen etwas leichter: Der Dow Jones verlor 0,85 %, der Nasdaq 100 gab um 0,39 % nach. Händler sprachen von wieder erwachten Zweifeln an der Tragfähigkeit der massiven KI-Investitionen sowie von Belastungen durch die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. In Asien war das Bild uneinheitlich: Der Nikkei gab leicht nach, belastet von Abgaben bei Chip-Werten wie Lasertec. Der koreanische KOSPI verlor 0,60 % und steuert damit auf den siebten wöchentlichen Rückgang in Folge zu, vor allem wegen Index-Schwergewicht SK Hynix. Die chinesischen Börsen tendierten dagegen nach den guten Außenhandelsdaten leicht fester. In Europa hatten die Indizes am Vortag noch etwas fester geschlossen, gestützt von einer insgesamt positiven Berichtssaison: Die Werbeagentur-Holding WPP sprang nach starken Zahlen um über 28 %, Diageo gewann 5,6 %.

 

Einzelwerte

Porsche SE / Volkswagen: Der VW-Großaktionär Porsche SE drängt aus Sorge um die Zukunft seiner Kernbeteiligung auf rasche Entscheidungen im Streit um Stellenabbau und Werksschließungen bei Volkswagen. Holding-Chef Hans Dieter Pötsch sprach von einem „historischen Wendepunkt“, VW-Chef Oliver Blume war Ende Juni mit seinem Kostensenkungsplan am Widerstand der Arbeitnehmervertreter gescheitert. Nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen auf VW und Porsche führten bei der Porsche SE im ersten Halbjahr zu einem Nettoverlust von 2,2 Milliarden Euro.

 

Daimler Truck: Der Lkw-Bauer baut eine weitere Fabrik in Nordamerika, um besser auf die US-Zollpolitik reagieren zu können. Im zweiten Quartal sank der bereinigte Betriebsgewinn trotz eines Umsatzanstiegs von 6 % um 18 % auf 838 Millionen Euro, belastet durch höhere US-Einfuhrzölle. Wegen des kräftig gestiegenen Auftragseingangs in den USA hob der Konzern dennoch den Jahresausblick an.

 

Allianz: Europas größter Versicherer steigerte den operativen Gewinn im zweiten Quartal um 10,6 % auf 4,87 Milliarden Euro und übertraf damit die Erwartungen deutlich. Unter dem Strich verdiente der Konzern wegen eines Sondereffekts im Vorjahr mit 2,6 Milliarden Euro etwas weniger. Den Jahresausblick von 17,4 Milliarden Euro operativem Gewinn bestätigte die Allianz.

 

Brenntag: Der Chemikalienhändler hob seine Ergebnisprognose für 2026 bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen an, auf ein operatives Ebitda von nun 1,35 bis 1,45 Milliarden Euro. Grund ist die robuste Nachfrage und die gestiegenen Preise im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg und der Blockade der Straße von Hormus.

 

Märkte in der vergangenen Woche:

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