AfD-Erfolg, hybride Bedrohungen, Notenbank-Nervosität: Politik als Marktfaktor
hybride Bedrohungen,
Notenbank-Nervosität: Politik als Marktfaktor
Konjunktur & Rentenmärkte
Die vergangene Woche war von verschiedenen innen- und geopolitischen Ereignissen geprägt. Die Afd hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit 43 % klar für sich entschieden und ihr Ergebnis von 2021 damit mehr als verdoppelt, die absolute Mehrheit verpasste sie jedoch knapp. Mit 39 von 83 Sitzen bleibt sie auf eine Koalition angewiesen, wobei vor allem das neu in den Landtag eingezogene BSW (5,3 %) als möglicher Partner gilt, da sich die etablierten Parteien CDU, SPD, Grüne und Linke bislang klar gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD aussprechen. Die CDU erlitt mit 17,2 % deutliche Verluste, SPD, Grüne und Linke landeten allesamt im einstelligen Bereich, die FDP verpasste den Einzug klar.
Spitzenkandidat Ulrich Siegmund zeigte sich in ersten Reaktionen kompromisslos. Eine Regierungsbeteiligung komme für ihn nur infrage, wenn die AfD ihre politischen Ziele auch tatsächlich umsetzen könne. Ein Kooperationsangebot des BSW wies er deutlich zurück und brachte im Falle eines Scheiterns der Regierungsbildung sogar Neuwahlen ins Spiel, bei denen er sich weitere Stimmengewinne erhofft.
Nach dem vereitelten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz erstmals öffentlich geäußert und Russland vor einer Fortsetzung hybrider Angriffe gewarnt. Auch aus den Nato-Kreisen kommen mahnende Töne. Der US-Botschafter bei der Nato bezeichnete den Vorfall als ernsteren Fall als bisherige, mutmaßlich versehentliche Drohnensichtungen und forderte die Bündnispartner zu erhöhter Wachsamkeit auf, auch mit Blick auf mögliche Angriffe auf kritische Infrastruktur wie Energieanlagen. Die Verantwortung für Gegenmaßnahmen liege primär bei den einzelnen Staaten, die USA sicherten den Betroffenen aber Unterstützung zu.
Der Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung entwickelt sich zu einem Sicherheitsvorfall von erheblichem Ausmaß. Seit Freitag sind rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Gesamtvolumen von 5,8 Terabyte im Darknet aufgetaucht, die Tragweite dürfte weit über Berlin hinausreichen. Passend dazu meldet das Institut der deutschen Wirtschaft, dass mittlerweile jedes fünfte deutsche Unternehmen von hybriden Bedrohungen aus dem Ausland betroffen ist, von Cyberangriffen über Spionage bis hin zu Sabotage und Desinformation, mit spürbaren Folgen für Sicherheitsvorkehrungen und operative Abläufe.
In der ostukrainischen Region Dnipro kamen bei einem russischen Raketenangriff auf ein Stahlwerk des Konzerns Metinvest fünf Menschen ums Leben, die Produktion wurde vollständig eingestellt. Das Unternehmen wertet den Angriff auf die ausschließlich zivil genutzte Anlage als weiteren Beleg für systematische russische Angriffe auf die ukrainische Industrie.
Die Geldpolitik blieb das beherrschende Thema an den Anleihemärkten. Zu Wochenbeginn trieben die restriktiven Töne der US-Notenbank, hartnäckige Inflationssorgen und die wachsende US-Staatsverschuldung Renditen beiderseits des Atlantiks nach oben, langfristige Papiere markierten zeitweise mehrjährige Höchststände. Im Wochenverlauf kippte die Stimmung dann jedoch. Schwächere US-Arbeitsmarktdaten sowie erste Signale nachlassenden Preisdrucks dämpften die Zinserwartungen und ließen die Renditen wieder zurückkommen. Den vorangegangenen Anstieg konnten sie damit aber nicht vollständig ausgleichen, sowohl deutsche als auch US-Langläufer beendeten die Woche letztlich auf höherem Niveau als zuvor.
Auch an den Rohstoff- und Devisenmärkten stand die Woche im Zeichen der geopolitischen und geldpolitischen Entwicklungen. Die immer wiederaufkommenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie Sorgen um die Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus trieben den Ölpreis deutlich nach oben und befeuerten damit zusätzlich die Inflationssorgen. Gold geriet ebenfalls unter Druck, da steigende Zinsen die Attraktivität des Edelmetalls schmälerten, konnte sich zum Wochenschluss dank fallender Renditen und eines schwächeren US-Dollars aber teilweise erholen, auf Wochensicht blieb dennoch ein leichtes Minus. Der Euro notierte gegenüber dem US-Dollar nahezu unverändert.
Ein Blick nach vorne zeigt, dass die kommenden zwei Wochen richtungsweisend werden dürften. Im Zentrum steht dabei die Fed-Sitzung am 16. September, aktuelle Markteinschätzungen sehen eine Wahrscheinlichkeit von rund 58 % für eine Zinsanhebung. Entscheidend für die weitere Einschätzung dürften aber auch die US-Inflationsdaten für August sein, die am kommenden Freitag veröffentlicht werden. Bereits am Donnerstag wird zudem die EZB über ihren Leitzins entscheiden, wobei breits mit einem Schritt von 25 Basispunkten gerechnet wird. Belastend wirkt weiterhin die anhaltend hohe Staatsverschuldung, die durch steigende Zinsen und politische Unsicherheit zusätzlich in den Fokus rückt.
Aktienmärkte
Die Erwartung einer baldigen Zinserhöhung schwand, fallende Kapitalmarktzinsen gaben den US-Börsen Rückenwind. Die US-Indizes behaupteten sich damit robust und schlossen die Woche mit moderaten Gewinnen, während die europäischen Märkte trotz Erholungstendenzen insgesamt schwächer aus der Woche gingen.
Für die kommenden Wochen bleibt an den Aktienmärkten die grundlegende Spannung bestehen zwischen der Euphorie rund um den KI-Boom, der nach wie vor als zentraler Treiber der Aktienrallye gilt und beispiellose Investitionen sowie kräftige Kursgewinne bei entsprechend positionierten Unternehmen ermöglicht, und einer wachsenden Zahl an Risikofaktoren, von geopolitischen Spannungen über hohe Staatsverschuldung bis hin zu Zinsunsicherheit, Verteilungsfragen und der zunehmenden Konzentration einzelner Technologiewerte an den Indizes.
Der US-Aktienhandel bleibt am Montag wegen des Labor-Day-Feiertags geschlossen. Zum Wochenauftakt zeigen sich die asiatischen Börsen uneinheitlich, angeführt von deutlichen Gewinnen bei KOSPI und Nikkei 225, während Hang Seng und Sensex nachgeben, die europäischen Terminmärkte notieren leicht schwächer, US-Futures nahezu unverändert.
Einzelwerte
Adobe: Adobe stand zuletzt stark im Fokus der Wall Street. Vielversprechende Fortschritte bei den generativen KI-Funktionen, allen voran die "Firefly"-Suite, hatten bei vielen Investoren Hoffnung auf einen anhaltenden Aufwärtstrend geweckt. Erst im August erweiterte das Unternehmen sein Kreativstudio um Funktionen zur Generierung von Musik, Sprache und Soundeffekten, der Markt honorierte diese Innovationskraft zeitweise mit zweistelligen Kursgewinnen. Mittlerweile rückt jedoch verstärkt die Kostenseite in den Fokus der Anleger. Internationale Finanzquellen berichten von einer branchenweiten Skepsis gegenüber Software-Unternehmen, da die stark gestiegenen Infrastruktur- und Rechenkosten für generative KI auf die operativen Margen drücken. Zudem verläuft die Konvertierung von Gratis-Nutzern zu zahlenden Premium-Abonnenten bislang schleppender als erhofft. Diese Neubewertung zeigt sich auch im Kursverlauf. Die Aktie notiert aktuell bei rund 283 US-Dollar und hat sich damit spürbar von den höheren Kurszielen des Vorjahres entfernt, konnte zuletzt aber mit einem Plus von rund 6 % zur Vorwoche erste Stabilisierungstendenzen zeigen. Die fundamentale Wachstumsthese bleibt dank der tiefen KI-Integration in etablierte Standards wie Photoshop oder Premiere Pro zwar intakt, kurzfristig fordert die Wall Street jedoch handfestere Beweise für eine profitable Monetarisierung der KI-Investitionen.
Huawei: Auch außerhalb der etablierten US-Technologiebörsen sorgte der Wettbewerb um KI- und Premium-Hardware für Bewegung. Huawei brachte am Montag die neue Version seines faltbaren Flaggschiff-Smartphones auf den Markt, um seine Führungsposition im chinesischen Premiumsegment gegenüber Apple und Xiaomi zu verteidigen, die am selben Tag beziehungsweise im Laufe der Woche ebenfalls neue Produkte vorstellen. Das neue Mate XT2 lässt sich zweifach ausklappen und verfügt über Huaweis neuen Kirin-9050-Pro-Chip, der laut Unternehmensangaben mehr Rechenleistung bei geringerem Stromverbrauch ermöglicht, ein Fortschritt, mit dem Huawei die bestehenden US-Beschränkungen beim Zugang zu fortschrittlicher Technologie kompensieren will. Neben einem überarbeiteten Faltmechanismus und verbesserter Wasserresistenz bietet das Gerät auch einen optionalen Sichtschutzbildschirm sowie verbesserte Kameras, laut firmeneigenen Tests liegt die Gesamtleistung 42 % über der des Vorgängermodells. Huawei führt den chinesischen Smartphone-Markt im zweiten Quartal mit einem Marktanteil von 22,6 % an, vor Apple (18,1 %) und Xiaomi (12,4 %). Bei faltbaren Smartphones ist die Dominanz noch deutlicher ausgeprägt, hier entfielen im zweiten Quartal 68 % der Auslieferungen in China auf Huawei.
Märkte in der vergangenen Woche:
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