ChatGPT: Ein Update und Einblicke in die KI-basierte Vermögensverwaltung

Der Hype um ChatGPT, dem KI-basierten Chatbot, hält nach wie vor an. Jeden Tag werden neue Anwendungsbeispiele der Applikation und der zugrundeliegenden Technologie vorgestellt. In unserem Podcast haben wir ChatGPT bereits vorgestellt. Heute thematisieren wir weitere Entwicklungen, welche es seitdem in der KI-Welt rund um ChatGPT gegeben hat. Insbesondere wird die Frage behandelt, ob und inwiefern sich ChatGPT und KI generell für die Vermögensverwaltung eignen. Doch vorerst ein kleines Recap.

Inhaltsverzeichnis

Was sind die Gründe für den Hype um ChatGPT und warum ausgerechnet jetzt?

Künstliche Intelligenz und Algorithmen übernehmen zunehmend menschliche Aufgaben und beeinflussen somit das Verhalten von Menschen. In immer mehr Bereichen interagiert KI als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Dies wurde gegen Ende des letzten Jahres erneut untermauert, nachdem das US-amerikanische Startup OpenAI seinen neuartigen Chatbot ChatGPT auf seiner Webseite frei zur Verfügung stellte. Das Unternehmen, welches unter anderem von Tesla-Gründer Elon Musk und von Microsoft unterstützt wird, löste damit einen weltweiten Hype aus. ChatGPT war das beherrschende Thema in der Finanzwelt. Aber auch Social-Media-Plattformen waren übersät mit Infos und Anwendungsbeispielen der neuen Technologie. Sam Altman, der Gründer von OpenAI, vermeldete über eine Million registrierte Nutzer und das binnen fünf Tagen. Insbesondere die unbegrenzte und schnelle Anwendbarkeit dieses Chatbots befeuerte den Hype. Spätestens die Verkündung des Konzerns, man wolle bis zu zehn Milliarden Dollar in das Startup investieren, und in den eigenen Search-Engine „Bing“ integrieren, lies die Technologie-/ und Finanzbranche aufhorchen.

Welche Entwicklungen hat es in den letzten Wochen rund ums Thema ChatGPT gegeben?

Eine sehr interessante Entwicklung hat es abseits von ChatGPT bei Google gegeben. Microsoft‘s Direktinvestment in OpenAI wurde von zahlreichen Experten in der Branche als Frontalangriff auf Google’s Hauptgeschäftsfeld gewertet. Dies ließ auch Google aufwühlen. Nach internen Quellen zufolge sollen die ehemaligen Gründer „Larry Fink“ und „Sergey Brin“, welche das Unternehmen vor drei Jahren verlassen hatten, zurückgerufen worden sein, um ein Krisenmeeting abzuhalten. Des Weiteren soll Google’s KI-Strategie genau unter die Lupe genommen worden sein, um die aktuelle Marktposition des eigenen Unternehmens in der KI-Welt zu evaluieren. Unter anderem sollen die beiden Gründer die Idee gepitcht haben, einen eigenen KI-basierten Chatbot in Google zu integrieren. Die Zurückholung der beiden Gründer, welche nach ihrem Verlassen kaum Zeit bei Google verbracht hatten, wird von vielen Branchenkennern als Hilferuf gewertet und unterstreicht die Notwendigkeit, Microsoft’s Plänen schleunigst entgegenzutreten. 

Eine weitere Entwicklung ergab sich im Rahmen einer Forschung, welche durch Darmstädter Wissenschaftler durchgeführt wurde. Diese warnen nun vor erheblichen Datenschutzlöchern und anderen Risiken, welche angesichts des aktuellen Hypes unter den Teppich gekehrt werden. Ruth Stock-Homburg, BWL-Professorin an der Technischen Universität Darmstadt, brachte es auf den Punkt: „Ich habe das Gefühl, dass man dieses System kaum kritisch reflektiert“. Im Rahmen eines Projektes der TU Darmstadt, wurden in den letzten zwei Monaten, tausende von Anfragen ohne Verwendung persönlicher Daten an das System gestellt, um Schwachstellen zu identifizieren. Das Fazit ist deutlich: ChatGPT lässt sich manipulieren. TU-Doktorand Sven Schultze zeigte in einer Präsentation die Schwachstellen des Chatbots. Falsche Quellenangaben sowie antisemitische und rassistische Äußerungen sind keine Seltenheit. Des Öfteren führen Quellenangaben ins Leere oder zu völlig zusammenhangslosen Websiten. Ein weiteres Problem ist, nachzuvollziehen, welche Quellen in die jeweiligen Aussagen eingeflossen sind.

Viel kritischer jedoch sind Fragen mit krimineller Absicht. Somit generiert der ChatGPT in kürzester Zeit Beispieltemplates für betrügerische Mails oder eine Anleitung für einen Enkeltrick-Betrug. Auch eine Anleitung zum Wohnungseinbruch wird vorgeschlagen. Auf die Rückfrage, was passiere, sollte man auf Bewohner treffen, wird der Einsatz von Waffen oder physische Gewalt vorgeschlagen.

Das Thema Datensicherheit stellt ein weiteres Risikomerkmal dar. ChatGPT speichert alle Kundeneingaben. Diese Daten werden auf Servern gespeichert, welche ausschließlich in den USA stehen. Eine datenschutzkonforme Lösung werde es zeitnah nicht geben.

Inwiefern eignet sich ChatGPT als Vermögensverwalter?

Die Wirtschaftsagentur Bloomberg machte in den vergangenen Tagen Schlagzeilen, nachdem sie ChatGPT bat, ein Portfolio aus US-amerikanischen Aktien zu erstellen, das den Markt schlagen soll. Die erste Antwort war recht ernüchternd aber vorhersehbar: „Es ist mir nicht möglich, einen ETF zu konzipieren, der den US-Aktienmarkt schlägt, weil der Aktienmarkt unvorhersehbar ist und die vergangene Entwicklung keine Garantie für die Zukunft ist. Zudem sollte die Erstellung eines ETF auf einer sorgfältigen Analyse des Marktes beruhen und auf einer Strategie zum Erreichen spezieller Investmentziele – über diese Informationen und Expertise verfüge ich nicht. Es ist wichtig, einen Finanzberater zu konsultieren, bevor man in einen ETF oder eine Aktie investiert, um die potentiellen Risiken und Erträge zu verstehen und sicherzustellen, dass diese mit den eigenen Investmentzielen und der Risikoneigung übereinstimmen“, zitiert Bloomberg ChatGPT.

Somit ist ChatGPT aktuell nicht in der Lage anlagespezifische Tipps oder Vorschläge zu geben. Dennoch eignet sich ChatGPT bereits heute als Informations-Tool, um beispielsweise Unterschiede zwischen diversen ETFs zu bekommen. Auf die Frage, ob sich der MSCI World oder doch der S&P 500 besser als ETF eignet erhielten wir folgende Antwort: 

„Ob MSCI World oder S&P 500 besser als ETF ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich Ihrer finanziellen Ziele, Risikotoleranz und Anlagestrategie. Beide sind bekannte Index-ETFs, die eine breite Diversifikation bieten, indem sie eine Auswahl an Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Regionen repräsentieren.

Der MSCI World Index umfasst Aktien von Unternehmen aus entwickelten Märkten weltweit, während der S&P 500 eine Auswahl der 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA darstellt.“

Auch auf spezifische Fragen wie Kosten eines MSCI World ETFs erhält man eine Antwort:

„Die Kosten für einen MSCI World ETF können variieren und hängen von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Anbieters, der Größe des ETFs und der Art der Verwaltung (z.B. passiv oder aktiv). Im Allgemeinen belaufen sich die Kosten für einen passiven MSCI World ETF auf 0,1 % bis 0,5 % des investierten Kapitals pro Jahr.“

Das Potenzial zur Vermögensverwaltung bleibt somit begrenzt. Dennoch eignet sich ChatGPT bereits heute als Applikation, um Informationen zu ETFs, Kapitalmärkten oder Unternehmen zu erhalten. 

Fazit

Angesichts der neusten Entwicklungen, bleibt ChatGPT nach wie vor in aller Munde. Immer mehr Anwendungsbeispiele werden vorgestellt und erlauben Einblicke in das Potenzial von ChatGPT. Dies hat auch Google zur Kenntnis genommen und hat ein Krisenmeeting mit den ehemaligen Gründern des Konzerns einberufen, um die aktuelle KI-Strategie und die Möglichkeit eines eigenen KI-Chatbot zu evaluieren.

Aber auch negative Schlagzeilen zu ChatGPT machten die Runde. Somit warnen Experten vermehrt vor den Risiken der Technologie. Der Datenschutz sei aktuell nicht gewährleistet. Des Weiteren eigne sich die Applikation für die Verbreitung von Falschinformationen oder Rassismus.

Bezüglich der Anlageberatung können Vermögensverwalter vorerst beruhigt sein. Aktuell ist ChatGPT lediglich in der Lage Informationen zu Unternehmen, ETFs und Kapitalmärkten zur Verfügung zu stellen. Eine Anlageberatung geschweige denn die Erstellung eines eigenen Portfolios ist momentan nicht möglich. Es bleibt abzuwarten, ob und wann dies der Fall ist.

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Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Unternehmenssteuerung, Bestandskundenbetreuung, Fondsmanagement und Organisation. Zusätzlich ist er Fondsmanager des Kana NEB Funds und agiert neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance.

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