Konjunktur & Rentenmärkte
Weder zum Irankrieg noch zum Thema technologische Vorherrschaft oder Taiwan-Frage hat Trumps Besuch in China einen Fortschritt gebracht. Positive Konjunkturdaten dürften stärkeren Kursverlusten entgegengewirkt haben: So konnte die US-Industrieproduktion im April um 0,7 % zum Vormonat zulegen. Auch die Einzelhandelsumsätze und der Empire State Index überraschten positiv.
Die Spannungen im Nahen Osten und die Folgen des Iran-Kriegs prägen weiterhin Politik, Märkte und Konjunktur. Die Marktteilnehmer versuchen vorauszuschauen, enttäuschte Friedenshoffnungen führen aber regelmäßig zu Kursrückschlägen. Für die Weltwirtschaft ist, durch den Ausfall der Öllieferungen, ein nicht revidierbarer Schaden entstanden. Selbst wenn die USA und der Iran sich über eine Öffnung der Straße von Hormus einigen würden – es würde wohl mehrere Monate dauern, die fehlenden Lieferungen nachzuholen.
Bei den Verhandlungen über ein mögliches Ende des Krieges im Nahen Osten sieht die US-Regierung Fortschritte. Vizepräsident JD Vance erklärte, entscheidend sei, ob ausreichende Sicherheitsgarantien erreicht würden, damit der Iran keine Atomwaffe entwickeln könne. Die USA und China betonten laut US-Außenministerium in einem Gespräch zwischen Außenminister Marco Rubio und seinem chinesischen Kollegen Wang Yi ihr gemeinsames Interesse an einer freien Passage durch die Straße von Hormus. Gebühren oder Einschränkungen für die wichtige Handelsroute lehnen beide Seiten demnach ab.
Der zusätzliche Preisdruck, ausgelöst durch den Ölpreisanstieg, wurde in der vergangenen Woche u.a. deutlich in den US-Erzeugerpreisen für April – die kräftig um 1,4 % zum Vormonat zulegten. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Erzeugerpreise um 6 % gestiegen. Auch die Verbraucherpreise sind deutlich angestiegen und liegen deutlich, um 3,8 %, über dem Vorjahresniveau. An den Finanzmärkten wachsen deshalb die Erwartungen auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Eine Zinserhöhung bis zum Jahresende 2026 wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 % eingepreist.
Auch in Deutschland hinterließ der Iran-Krieg deutliche Spuren im Preisgefüge. Die Großhandelspreise stiegen im April um 6,3 % gegenüber dem Vorjahr. Mineralölerzeugnisse kosteten sogar 37,3 % mehr als ein Jahr zuvor.
Chinas Außenhandel zeigte sich trotz der globalen Belastungen robust. Die Exporte legten im April um 14,1 % zu, die Importe sogar um 25,3 %. Der Handelsüberschuss belief sich auf 84,82 Mrd. US-Dollar. Insbesondere der Export von Elektroautos und Plug-in-Hybriden boomt und hat sich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Gleichzeitig steigen aber auch in China die Inflationsrisiken. Die Erzeugerpreise erhöhten sich um 2,8 % und damit deutlich stärker als erwartet.
Während viele Länder Maßnahmen ergreifen, um Energie für die Käufer günstiger zu machen, reagiert die Regierung in Indien mit Sparappellen auf die gestiegenen Ölpreise. Ministerpräsident Narendra Modi rief die Bevölkerung dazu auf, unnötige Auslandsreisen zu vermeiden und stärker auf Homeoffice, Fahrgemeinschaften und öffentliche Verkehrsmittel zu setzen. Landwirte sollen den Einsatz von Düngemitteln deutlich reduzieren.
Die britische Wirtschaft ist gut ins Jahr gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal um 0,6 % und damit stärker als im Vorquartal. Die Folgen des Iran-Kriegs, der Ende Februar begann, spiegeln sich in den Daten noch nicht wider.
Aktienmärkte
Erneut enttäuschte Friedenshoffnungen führten zum Wochenschluss zu Verlusten vor allem bei europäischen Indizes. Der DAX verlor 1,6 % und der Euro Stoxx 50 1,4 %. Die US-Börsen gerieten am Freitag weniger unter Druck – vermutlich auch wegen überraschend positiven Konjunkturdaten. Der S&P 500 beschloss die Woche mit einem leichten Plus (0,13 %), die Nasdaq gab etwas nach (-0,38 %). Technologiewerte waren weiterhin gefragt: Der Kurs von Nvidia legte 4,7 % zu, jener von Apple 2,4 %.
Mehr als 85 % der Unternehmen in den USA haben nun ihre Ergebnisse für das erste Quartal veröffentlicht. Das Bild hat sich zuletzt nur noch wenig geändert: 62 Prozent der Unternehmen übertrafen die Erwartungen beim Umsatz und sogar 67 % beim Gewinn. Bei den Firmen in Westeuropa halten sich positive und negative Überraschungen in der Waage – bei den Umsatz- und bei den Gewinnschätzungen gleichermaßen. Hier haben 64 % der Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt.
Vor den Gesprächen in Peking hat die US-Autoindustrie zugleich vor Zugeständnissen an China gewarnt. Branchenverbände, Gewerkschaften und Politiker appellierten an Trump, chinesischen Herstellern keinen erleichterten Zugang zum US-Markt zu gewähren. Sie verweisen auf massive staatliche Unterstützung, technologische Vorteile bei Elektroautos und aggressive Preise chinesischer Anbieter. Trump hatte sich Anfang des Jahres noch offen dafür gezeigt, wenn chinesische Autobauer Werke in den USA errichten und dort Arbeitsplätze schaffen würden.
Auf einen künftigen Rund-um-die-Uhr-Handel stellt sich derweil die Technologiebörse Nasdaq ein. Europa-Chef Roland Chai sagte der „Börsen-Zeitung“, tokenisierte Aktien könnten den Weg für einen 24/7-Handel ebnen. Denkbar sei auch ein Modell mit kurzen Unterbrechungen zur Wartung der Systeme. Chai verantwortet bei Nasdaq den Bereich Digital Assets und treibt damit eines der wichtigsten Zukunftsprojekte des Börsenbetreibers voran.
Einzelwerte
Die amerikanische Volkswagen-Tochter Scout zieht zur Finanzierung auch einen Börsengang in Betracht. "Das gesamte Scout-Projekt war vom ersten Tag an so konzipiert, dass es strategische Investoren oder Partner finden oder an die Börse gehen könnte", sagte Konzernchef Scott Keogh. Er verwies in diesem Zusammenhang auf US-Investmentfonds, die auf eine industrielle Wiederbelebung der USA ausgerichtet seien. Scout ist bewusst als eigenständige Einheit innerhalb des Wolfsburger Konzerns aufgebaut worden. VW versucht, die klassische US-Geländewagenmarke Scout, die zwischen 1960 und 1980 produziert wurde, wiederzubeleben.
Von der steigenden Nachfrage nach Rüstungsgütern profitierte TKMS thyssenkrupp Marine Systems im ersten Halbjahr. Der bereinigte Betriebsgewinn stieg um 14 % auf 60 Mio. Euro, der Umsatz um 10 % auf 1,17 Mrd. Euro. Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Wachstumstreiber waren U-Boote und Sonartechnik. Der Auftragseingang lag bei 3,4 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand erreichte mit 20,6 Mrd. Euro einen Rekordwert. Zusammen mit Rheinmetall will TKMS zudem die Werft German Naval Yards Kiel übernehmen.
Mehrere Großprojekte haben dem Anlagenbauer Thyssenkrupp Nucera im ersten Quartal einen starken Auftragsschub gebracht. Der Auftragseingang vervierfachte sich nahezu auf 316 Mio. Euro. Dazu gehörten eine Anlage für das spanische Unternehmen Moeve sowie ein Rekordauftrag im Chlor-Alkali-Geschäft im Nahen Osten. Umsatz und Ergebnis gerieten im ersten Quartal wegen Sonderlasten jedoch deutlich unter Druck. Die Erlöse brachen um 77 % auf 50 Mio. Euro ein, der operative Verlust weitete sich auf 65 Mio. Euro aus.
Carl Zeiss Meditec hat Probleme im wichtigen China-Geschäft und will die Kosten senken. In den kommenden drei Jahren könnten weltweit bis zu 1000 Stellen wegfallen. Das Unternehmen aus Jena erwartet dadurch bis zum Geschäftsjahr 2028/29 eine jährliche Ergebnisverbesserung von mehr als 200 Mio. Euro gegenüber dem laufenden Berichtszeitraum.
Höhere Mieten haben TAG Immobilien im ersten Quartal die Erträge gestützt. Die Mieteinnahmen stiegen netto um 4,2 % auf 95,9 Mio. Euro. Auf vergleichbarer Basis erhöhten sich die Mieten in Deutschland um 3,3 % und in Polen um 3,2 %. Der operative Gewinn legte um fast 10 % auf 49,3 Mio. Euro zu. Der Jahresüberschuss sank dagegen von 39 Mio. auf 35 Mio. Euro, unter anderem wegen höherer nicht zahlungswirksamer Belastungen aus Währungsdifferenzen.
Mit einem langfristigen Vertrag sicherte sich DHL über die Tochter DHL Express nachhaltigen Flugkraftstoff aus dem Nahen Osten. Partner ist der in Dubai ansässige Entwickler SAF One. Ab dem geplanten Produktionsstart 2028 in Bahrain will der Konzern jährlich 25.000 Tonnen nachhaltigen Flugkraftstoff (Sustainable Aviation Fuel, SAF) beziehen, insgesamt 250.000 Tonnen über zehn Jahre. DHL integriert damit die erste Produktionsanlage für nachhaltigen Flugkraftstoff der Region in sein globales Netzwerk und verfolgt weiter das Ziel, den SAF-Anteil bis 2030 auf 30 % zu steigern.
Dank eines starken operativen Mittelzuflusses weitet Siemens Energy den Rückkauf eigener Aktien aus. Im Geschäftsjahr 2025/26 sollen bis zu einer Milliarde Euro zusätzlich eingesetzt werden. Das bisher angekündigte Programm über 2 Mrd. Euro ist fast vollständig genutzt. Am Gesamtvolumen von 6 Mrd. Euro bis 2028 ändert sich nichts. Rückenwind erhält Siemens Energy vom Boom bei KI-Rechenzentren und dem Ausbau der Stromnetze.
Hohe Abschreibungen auf die Beteiligung am Volkswagen-Konzern haben den Gewinn der Holding Porsche SE erneut belastet. Im ersten Quartal entstand ein Verlust von 923 Mio. Euro nach minus 1,08 Mrd. Euro ein Jahr zuvor. Die Holding nahm auf den Beteiligungswert der Volkswagen AG eine Wertberichtigung von 1,3 Mrd. Euro vor. Bereinigt um jene Abschreibungen erzielte Porsche SE jedoch einen Gewinn und stärkte nach eigenen Angaben die Finanzierungsstruktur. Für 2026 peilt die Holding weiter ein bereinigtes Konzernergebnis zwischen 1,5 und 3,5 Mrd. Euro an.
Schlechtes Wetter und die anhaltende Schwäche im Wohnungsbau haben Wienerberger mit roten Zahlen ins Jahr starten lassen. Der Umsatz sank im ersten Quartal um 7 % auf 1,03 Mrd. Euro. Der operative Gewinn fiel um 26 % auf 97 Mio. Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 30 Mio. Euro nach einem Gewinn von 5 Mio. Euro im Vorjahr. Das Unternehmen hält dennoch an seiner Prognose fest und erwartet für 2026 weiterhin einen operativen Gewinn von rund 810 Mio. Euro.
Den saisonal üblichen Verlust hat TUI im zweiten Quartal 2025/26 reduziert – auch ohne Anstieg der Einnahmen. Belastungen aus dem Iran-Krieg und einem Hurrikan in Jamaika summierten sich auf 45 Mio. Euro. Der Umsatz lag bei rund 3,7 Mrd. Euro. Der bereinigte operative Verlust verringerte sich auf 192,7 Mio. Euro, der Konzernverlust auf 239,9 Mio. Euro. Die Prognose für das operative Ergebnis bestätigte der Konzern. Der Konzern berücksichtigt dabei die Folgen des Iran-Kriegs.
Für umgerechnet 1,35 Mrd. US-Dollar kauft Großbritannien 72 moderne Geschütze vom Typ RCH 155. Der Auftrag geht an die Artec GmbH, ein Gemeinschaftsunternehmen von KNDS und Rheinmetall. Mehr als 500 Arbeitsplätze in Großbritannien sollen dadurch gesichert werden. Gebaut werden die Systeme im Rheinmetall-Werk in Mittelengland, Fahrgestell und Motor liefert KNDS UK. Die ersten Geschütze sollen 2028 ausgeliefert werden und Ziele in bis zu 70 Kilometern Entfernung treffen können.
Märkte in der vergangenen Woche:

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