Kai Heinrich | 02. März 2026 |

Gekippt und neu verpackt: Trumps Zollkrieg geht weiter

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Inhaltsverzeichnis

Konjunktur & Rentenmärkte

Das prägende Ereignis der vergangenen Woche war das Urteil des US Supreme Court vom 20. Februar: Mit sechs zu drei Stimmen erklärte das Gericht die auf Basis des Notstandsgesetzes IEEPA verhängten Trump-Zölle für rechtswidrig. Die Richter befanden, dass die Erhebung von Zöllen gemäß US-Verfassung beim Kongress liegt. Noch am selben Wochenende reagierte das Weiße Haus und verhängte auf Basis des Handelsgesetzes von 1974 einen pauschalen Importzuschlag von 10 % – vorerst für 150 Tage. Die EU setzte daraufhin die Ratifizierung ihres Handelsabkommens mit den USA aus. Für die Weltwirtschaft bedeutet das Urteil damit keinen Befreiungsschlag, sondern den Beginn einer neuen, noch unberechenbareren Phase des Handelskonflikts. Unternehmen drohen zudem mögliche Rückforderungen bereits gezahlter Zölle in Höhe von bis zu 175 Mrd. US-Dollar, deren rechtliche Abwicklung vollständig offen ist.

Im Fokus stand auch die Frage, wie es um die deutsche Konjunktur steht. Die jüngste Fiskalwende unter Kanzler Friedrich Merz – die größte haushaltspolitische Kurskorrektur seit der Wiedervereinigung – dürfte das Bruttoinlandsprodukt laut Berenberg um rund 0,3 Prozentpunkte im Jahr 2026 und 0,4 Prozentpunkte 2027 zusätzlich heben. Dennoch bleibt das Wachstum mit 0,8 % für 2026 verhalten; ein zyklischer Höhepunkt von 1,3 % wird erst 2027 erwartet. Wichtig dabei: Das eigentliche Problem der deutschen Wirtschaft ist nicht die Binnennachfrage – die ist seit 2016 kontinuierlich gewachsen – sondern die einbrechenden Nettoexporte. Der Rückgang des Exportanteils am realen BIP von 7,2 % (2016) auf nur noch 2,6 % (2025) zeigt, dass Deutschland als Investitionsstandort und im internationalen Wettbewerb an Boden verliert. Der Fiskalimpuls kann Nachfrage stimulieren und Infrastrukturengpässe lindern, ersetzt aber keine Angebotsreformen: Steuer- und Bürokratieentlastungen sowie strukturelle Wettbewerbsverbesserungen bleiben unverzichtbar, will Deutschland seinen Wachstumstrend dauerhaft anheben.

An den Rentenmärkten suchten Anleger angesichts der erhöhten Unsicherheit Schutz in Staatsanleihen, was die Renditen im Wochenverlauf leicht nach unten drückte. Die Rendite 10-jähriger US-Treasuries lag zur Wochenmitte bei rund 4,1 %, 10-jährige Bundesanleihen rentierten bei etwa 2,9 %. Das Supreme-Court-Urteil könnte mittelfristig entlastend auf die Inflationserwartungen wirken – weniger Zölle bedeuten tendenziell weniger Preisdruck, was der Fed mehr geldpolitischen Spielraum verschaffen könnte. Die EZB hat ihre Leitzinsen seit Juni 2025 unverändert bei 2,0 % (Einlagezins) belassen; die nächste Sitzung findet am 19. März statt. Weitere Zinssenkungen gelten kurzfristig als unwahrscheinlich, solange sich die Inflation nahe dem 2 %-Ziel bewegt und der Arbeitsmarkt stabil bleibt. Grundsätzlich bleibt das Umfeld für Anleihen konstruktiv: Bei positiven Realrenditen bieten sowohl Treasuries als auch Bundesanleihen wieder eine echte Ertragsperspektive – ein deutlicher Unterschied zur Nullzinsära.

 

Aktienmärkte

Unter Druck gerieten in der letzten Woche neben Technologietiteln vor allem Aktien aus dem Finanzsektor. Auslöser waren Berichte, wonach mehrere Großbanken durch den Zusammenbruch des britischen Hypothekenanbieters Market Financial Solutions Verluste erleiden könnten. Dies schürte Ängste vor Ansteckungseffekten in der Branche. Die Aktien von Wells Fargo, Jefferies und die in den USA notierten Titel der britischen Barclays gaben teils deutlich nach.

MFS war einer der bekanntesten britischen Spezialfinanzierer für Immobilien mit Sitz in Londoner Mayfair – und beantragte am 20. Februar 2026 die Insolvenzverwaltung, obwohl das Unternehmen noch kurz zuvor Rekordumsätze ausgewiesen hatte und die Wirtschaftsprüfer Ende März 2025 ein uneingeschränktes Testat erteilt hatten. Als das Unternehmen in die Insolvenz schlitterte, behaupteten Gläubiger in Gerichtsunterlagen „schwerwiegende Unregelmäßigkeiten“ und einen „erheblichen Fehlbetrag“ bei den Sicherheiten – während MFS selbst zunächst lediglich von einem „Verfahrensproblem mit seinem Hauptbankdienstleister“ gesprochen hatte. Kern des Vorwurfs ist die sogenannte Doppelverpfändung: MFS soll dieselben Vermögenswerte als Sicherheit für mehrere verschiedene Kredite verwendet haben – mit einem möglichen Fehlbetrag von bis zu 930 Mio. Pfund.

Der Fall erinnert in seiner Mechanik an frühere Kreditschocks: Ein Nicht-Banken-Finanzierer füllt eine Nische, die Großbanken meiden – und refinanziert sich mit deren Kapital. Solange die Sicherheiten halten, funktioniert das Modell. Wenn nicht, sitzt die Rechnung bei eben jenen Banken.

 

Einzelwerte

Nvidia meldete für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 (Ende Januar 2026) einen Rekordumsatz von 68,1 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 20 % gegenüber dem Vorquartal und 73 % gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr lag der Umsatz bei 215,9 Mrd. US-Dollar, ein Anstieg von 65 %. Damit legte Nvidia das zehnte Rekordquartal in Folge vor und brach die eigene Umsatzprognose von 65 Mrd. US-Dollar deutlich. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartet Nvidia einen Umsatz von rund 78 Mrd. US-Dollar. Das beeindruckende Zahlenwerk ließ die Anleger dennoch nicht in Euphorie verfallen: Angesichts der schier unerschöpflich scheinenden KI-Nachfrage waren die Erwartungen bereits derart hochgesteckt, dass ein erneuter Rekord kaum noch für Überraschung sorgt. Bleibt zu beobachten, ob Nvidia auch in der zweiten Jahreshälfte zulegen kann, wenn die neue „Rubin“-Chip-Generation ausgeliefert wird.

PayPal erlebte diese Woche eine Achterbahnfahrt: Am Dienstag schoss die Aktie um fast 7 % nach oben, nachdem Bloomberg berichtete, dass der private Zahlungsriese Stripe eine mögliche Übernahme von PayPal – ganz oder in Teilen – sondiere. Schon tags darauf folgten Dementis laufender Gespräche, und der Kurs gab einen Teil der Gewinne wieder ab. Zusätzlich belastet werden Anleger durch eine Welle von Sammelklagen: Den Führungskräften wird vorgeworfen, zwischen Februar 2025 und Februar 2026 bewusst falsche Aussagen zu den Geschäftsaussichten – insbesondere beim margenstarken „Branded Checkout“ – getätigt zu haben. Ab dem 1. März übernimmt Enrique Lores als neuer CEO das Ruder. Die Übernahmefantasie rund um Stripe zeigt jedoch: Der Markt traut PayPal alleine offenbar wenig zu – und testet bereits, wer die Zukunft des angeschlagenen Fintech-Pioniers gestalten wird.

First Solar legte für das vierte Quartal 2025 solide Zahlen vor: Der Umsatz stieg um 11 % auf 1,68 Mrd. US-Dollar, der Gewinn verbesserte sich auf 4,84 US-Dollar je Aktie. Für das Gesamtjahr 2025 meldete das Unternehmen Nettoumsätze von 5,2 Mrd. US-Dollar. Die eigentliche Enttäuschung kam mit dem Ausblick: Für 2026 rechnet First Solar mit Erlösen zwischen 4,9 und 5,2 Mrd. US-Dollar – rund 18 % unter dem Analystenkonsens. Verantwortlich sind vor allem Produktionskürzungen in den südostasiatischen Werken. Das sechste Werk in South Carolina soll in der zweiten Jahreshälfte 2026 den Betrieb aufnehmen und die Kapazität auf rund 18 Gigawatt steigern. Parallel schloss First Solar eine Lizenzvereinbarung mit dem britischen Perowskit-Spezialisten Oxford PV ab, um die nächste Technologiegeneration weiterzuentwickeln. Die Aktie verlor nach den Zahlen rund 15 %. Analysten bezeichnen 2026 als Übergangsjahr – die mittelfristigen Wachstumsperspektiven bleiben intakt, sofern die politischen Rahmenbedingungen in den USA stabil bleiben.

Netflix zog sich diese Woche aus dem monatelangen Bieterstreit um Warner Bros. Discovery zurück: Nachdem der WBD-Verwaltungsrat das erhöhte Angebot von Paramount als überlegen bewertet hatte, erklärte Netflix, das eigene Gebot nicht weiter anzuheben. Paramount hatte seinen Preis auf 31 US-Dollar je Aktie erhöht und übernahm zudem die Kündigungsgebühr von 2,8 Mrd. US-Dollar, die Warner an Netflix hätte zahlen müssen. Insgesamt bietet Paramount für den gesamten Konzern einschließlich der TV-Sender – darunter CNN – rund 111 Mrd. US-Dollar. Netflix zieht sich damit aus einem teuren Bieterkampf zurück und überlässt einem Konkurrenten die Last hoher Schulden und eines langen regulatorischen Genehmigungsprozesses. Die Netflix-Aktie stieg nach der Ankündigung um rund 10 %. Das Unternehmen will stattdessen rund 20 Mrd. US-Dollar in Eigenproduktionen investieren und ein Aktienrückkaufprogramm wiederaufnehmen. Pikant an der Übernahme durch Paramount ist die Frage, ob CNN unter dem Dach der Ellison-Familie – die gute Verbindungen zu Präsident Trump unterhält – seine redaktionelle Unabhängigkeit bewahren wird.  

 

Märkte in der vergangenen Woche

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