Konjunktur & Rentenmärkte
Die Straße von Hormus ist seit dem Wochenende erneut gesperrt. Der Iran übernahm wieder die Kontrolle über die strategisch wichtige Wasserstraße – wenige Tage vor dem Auslaufen der fragilen Waffenruhe mit den USA am Dienstag. Nach Angaben aus Schifffahrtskreisen untersagte die iranische Marine mehreren Schiffen per Funk die Durchfahrt. Mindestens zwei Handelsschiffe berichteten zudem von Beschuss beim Versuch der Passage und drehten daraufhin um. Der Iran hat zudem eine neue Runde von Friedensgesprächen mit den USA abgesagt und begründet diesen Schritt mit überzogenen Forderungen Washingtons, widersprüchlichen Signalen und der anhaltenden Seeblockade.
Die Aussicht auf ein Ende des Krieges mit dem Iran hatte die US-Börsen am Freitag auf neue Höchstwerte getrieben. Der S&P-500-Index und die Technologiebörse Nasdaq erreichten jeweils den dritten Tag in Folge einen Höchststand zum Handelsschluss. Der Dow-Jones-Index verbuchte den höchsten Schlussstand seit Ende Februar. Anleger hatten erfreut reagiert auf die Entscheidung der Regierung in Teheran, die Straße von Hormus für Handelsschiffe zu öffnen. Die erneute Sperrung der Straße von Hormus quittieren die Märkte heute mit entsprechenden Abschlägen. Gleichwohl zeigt sich zunehmend eine gewisse Abstumpfung gegenüber den schwankenden Verhandlungen im Nahostkonflikt. Vor dem Hintergrund eines derzeit stabil wirkenden Waffenstillstands fürchteten Investoren, bei einer schnellen Einigung an der Seitenlinie zu stehen und eine Markterholung zu verpassen.
China drängte vergangene Woche den Iran und die USA auf eine Entspannung. Außenminister Wang Yi forderte den Iran auf, die normale Schifffahrt in der Straße von Hormus wiederherzustellen. Zwar müssten Souveränität und Sicherheit des Iran respektiert werden, gleichzeitig müsse jedoch die Freiheit der internationalen Schifffahrt gewährleistet bleiben. China unterstütze den Waffenstillstand und weitere Verhandlungen und sei bereit, sich weiterhin für eine Stabilisierung der Lage einzusetzen.
Die US-Wirtschaft zeigte sich zuletzt robust. Das Beige Book der US-Notenbank skizziert eine moderat wachsende US-Wirtschaft, mit einem stabilen Arbeitsmarkt. Der Konflikt im Nahen Osten und steigende Energiepreise belasten aber die wirtschaftlichen Perspektiven. Viele Unternehmen agierten daher vorsichtig bei Investitionen und Neueinstellungen. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel zuletzt stärker als erwartet, was auf einen weiterhin stabilen Arbeitsmarkt hindeutet.
Die chinesische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal stärker als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte um 5,0 % gegenüber dem Vorjahr zu und übertraf damit die Prognosen (4,8 %). Gleichzeitig verlor der Export im März deutlich an Dynamik, während die Importe überraschend stark stiegen.
Die französische Wirtschaft wuchs im ersten Quartal moderat um 0,3 % laut ersten Schätzungen. Unternehmen zogen Bestellungen vor, da sie Sorgen vor instabilen Lieferketten und steigenden Preisen haben. Ähnliches dürfte auch für deutsche Unternehmen gelten. In Deutschland stiegen die Großhandelspreise im März deutlich. Laut Statistischem Bundesamt legten sie um 4,1 % im Vergleich zum Vorjahr zu. Treiber waren vor allem höhere Energie- und Rohstoffpreise infolge der geopolitischen Spannungen. Besonders Mineralölerzeugnisse verteuerten sich stark. Im Februar lag die Rate noch bei nur 1,2 %.
China stellte Taiwan nach politischen Gesprächen wirtschaftliche Erleichterungen in Aussicht. Geplant sind unter anderem gelockerte Reisebeschränkungen, zusätzliche Flugverbindungen sowie ein erleichterter Handel mit Lebensmitteln. Voraussetzung bleibt jedoch ein politisches Bekenntnis gegen eine Unabhängigkeit Taiwans. Dem Angebot vorausgegangen war der Besuch der taiwanesischen Oppositionsführerin Cheng von der chinafreundlichen Kuomintang-Partei.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius warnte davor, dass der Konflikt im Nahen Osten die Unterstützung für die Ukraine in den Hintergrund drängen könnte. Russland profitiere von der verlagerten Aufmerksamkeit. Daher müsse die Unterstützung insbesondere im Bereich der Luftverteidigung fortgesetzt werden.
Aktienmärkte
Die in der Tabelle unten ausgewiesenen Kursgewinne sind nach der erneuten Schließung der Seepassage bereits wieder obsolet. In der vergangenen Woche – bis Freitagabend – konnte der DAX um 3,8 % zulegen, der S&P 500 4,4 % und der NASDAQ sogar 6,3 %.
Die US-Regierung plant die Einführung eines Systems zur Rückerstattung unrechtmäßig erhobener Zölle. Insgesamt geht es um 166 Mrd. US-Dollar. Unternehmen sollen künftig gebündelte Rückzahlungen per elektronischer Überweisung erhalten. Bis Anfang April wurden bereits zehntausende Anträge mit einem Volumen von 127 Mrd. US-Dollar bearbeitet. Ein Gutteil der Rückzahlungen wird auch an deutsche Unternehmen gehen.
Die Stimmung in der Baustoffindustrie hat sich im März deutlich verschlechtert. Das Geschäftsklima bei Herstellern von Glas, Keramik, Steinen und Erden fiel laut ifo Institut auf minus 23,5 Punkte nach minus 17,9 Punkten im Februar. Belastend wirkten vor allem die hohen Energiepreise. Zugleich planen deutlich mehr Unternehmen Preiserhöhungen. Höhere Baustoffpreise dürften sich mittelfristig auf die Bauwirtschaft auswirken. Trotz der eingetrübten Stimmung bewerteten viele Firmen ihren Auftragsbestand besser als vor einem Jahr. Auch im Wohnungsbau hat sich die Stimmung verschlechtert. Die Sorge vor steigenden Zinsen belastet vor allem die Nachfrage nach Neubauten. Das Geschäftsklima sank im März von minus 17,7 auf minus 19,5 Punkte. Grund sind pessimistischere Erwartungen, während die aktuelle Lage etwas besser eingeschätzt wurde. Gleichzeitig zeigen sich erste Lichtblicke: Die Auftragslage verbessert sich langsam. Der Anteil der Unternehmen mit Auftragsmangel sank auf 43,4 Prozent – den niedrigsten Wert seit Juli 2023. Auch die Stornierungsquote ging zuletzt auf 10,8 Prozent zurück.
Einzelwerte
Bei Volkswagen wird zunehmend über mögliche Werksschließungen diskutiert. Dem Audi-Werk in Neckarsulm könnten Einsparungen drohen. Laut Handelsblatt stimmen sich Audi-Chef Gernot Döllner und Porsche-Chef Michael Leiters ab, um Audi vor härteren Sparmaßnahmen aus Wolfsburg zu schützen. Hintergrund ist die neue Strategie von Konzernchef Oliver Blume, die intern für Spannungen sorgt. Damit droht ein Konflikt zwischen den Marken, da unterschiedliche Interessen über Investitionen, Kapazitäten und Kostensenkungen aufeinandertreffen.
Bei Meta Platforms steht Insidern zufolge eine größere Entlassungsrunde bevor. Am 20. Mai sollen rund 10 % der Belegschaft oder etwa 8.000 Stellen gestrichen werden. Weitere Kürzungen in der zweiten Jahreshälfte sind geplant, deren Umfang noch offen ist. Die Maßnahmen könnten je nach Fortschritten im Bereich Künstliche Intelligenz angepasst werden.
Der Elektroautobauer Tesla erweitert seinen Robotaxi-Dienst auf die texanischen Städte Dallas und Houston. In veröffentlichten Videos waren fahrerlose Model-Y-Fahrzeuge ohne Sicherheitspersonal zu sehen. Firmenchef Elon Musk warb auf X für den Start. Angaben zur Flottengröße oder zu den Preisen machte Tesla zunächst nicht.
Eine unerwartet hohe Nachfrage nach Anlagen für die Optoelektronik stimmt Aixtron optimistischer. Für 2026 erwartet der Konzern nun einen Umsatz von rund 560 Mio. Euro plus/minus 30 Mio. Euro statt zuvor etwa 520 Mio. Euro. Der Auftragseingang stieg im zweiten Quartal auf rund 171 Mio. Euro nach 132,2 Mio. Euro im Vorjahr. Gleichzeitig fiel ein operativer Verlust von rund 22 Mio. Euro an, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 3,3 Mio. Euro erzielt wurde. Der Umsatz halbierte sich auf rund 59 Mio. Euro. Einmalaufwendungen für Personalmaßnahmen belasteten zusätzlich. Aixtron platzierte vergangene Woche eine Wandelanleihe über 450 Mio. Euro, um seine finanzielle Flexibilität für weiteres Wachstum zu sichern. Die Laufzeit beträgt fünf Jahre bis 2031. Der Umtausch lohnt sich bei einem Kursanstieg von rund 30 % auf über 51 Euro. Das Volumen entspricht knapp 8 % des Grundkapitals. Die Mittel sollen unter anderem für Investitionen, Übernahmen und Aktienrückkäufe verwendet werden, wobei Letzteres finanzpolitisch keinen Sinn ergibt.
Die geopolitischen Spannungen belasteten den Luxuskonzern Hermes zum Jahresauftakt. Vor allem in Frankreich ging der Tourismus zurück. Der Umsatz sank im zweiten Quartal um 1,4 % auf knapp 4,1 Mrd. Euro. Währungsbereinigt ergab sich ein Plus von 5,6 %. Analystenerwartungen wurden dennoch verfehlt. In Asien ohne Japan stieg der Umsatz nur um gut 2 %. Während das Uhrensegment schwächelte und das Geschäft mit Parfüm stagnierte, entwickelte sich das Lederwarengeschäft stabil. Produkte wie Birkin-Taschen sorgten für Unterstützung.
Nach einem starken ersten Quartal blickt ASML optimistischer auf 2026. Der Umsatz lag im ersten Quartal bei 8,8 Mrd. Euro. Erwartet wird ein Umsatz von 36 bis 40 Mrd. Euro statt 34 bis 39 Mrd. Euro. Der Nettogewinn betrug knapp 2,8 Mrd. Euro. Für das laufende Quartal erwartet der Konzern einen Umsatz von 8,4 bis 9 Mrd. Euro bei einer Bruttomarge von 51 bis 52 %. Die Nachfrage nach Halbleitern übersteigt weiterhin das Angebot.
Der starke Franken und die schwache Nachfrage u.a. in China belasteten den Schweizer Baustoffkonzern Sika. Der Umsatz sank um 7 % auf 2,49 Mrd. Franken. Währungseffekte drückten die Erlöse um knapp 8 %. In Lokalwährungen ergab sich ein Plus von 0,9 %. Das Unternehmen bestätigte dennoch seine Jahresziele und setzt auf ein Sparprogramm. Dieses soll 2026 Einsparungen von rund 80 Mio. Franken bringen. Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld angesichts geopolitischer Risiken schwierig. Der Konzern erwartet daher ein verhaltenes Wachstum.
Währungseffekte belasteten auch Givaudan. Der Umsatz sank um 5,2 % auf 1,88 Mrd. Franken. Organisch ergab sich ein Plus von 2,8 %. Das Duftstoffgeschäft entwickelte sich besser als das Aromensegment. Der neue Konzernchef zeigte sich dennoch zufrieden mit dem Jahresstart. Bis 2030 soll der Umsatz organisch um 4 bis 6 % pro Jahr steigen. Schwächere Jahre sollen durch stärkere Wachstumsphasen ausgeglichen werden. Damit hält der Konzern an seinen mittelfristigen Zielen fest.
Die Zahlen von Goldman Sachs wurden am Markt zurückhaltend aufgenommen. Zwar übertraf das Institut die Erwartungen, schwache Einnahmen im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen belasteten jedoch die Stimmung. Zuwächse im Investmentbanking und im Aktienhandel konnten die schwächeren Bereiche nicht vollständig kompensieren.
Leicht rückläufig entwickelte sich der Auftragseingang bei Nordex. In den ersten drei Monaten wurden Projekte über 1,869 Gigawatt verbucht nach 2,182 Gigawatt im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Verkaufspreis pro Megawatt auf 0,91 Mio. Euro.
Eine Übernahme meldete Nemetschek, das den US-Anbieter Heavy Construction Systems Specialists kauft. Finanzinvestor Thoma Bravo erhält 28 % an der Sparte und übernimmt 450 Mio. Euro Schulden. Damit stärkt der Konzern seine Position im Bau-Softwaremarkt.
Der spanische Energiekonzern Repsol plant laut einem Medienbericht, die Ölproduktion in Venezuela deutlich auszuweiten. Zudem will das Unternehmen die operative Kontrolle über seine dortigen Anlagen zurückgewinnen. Eine Vereinbarung mit der venezolanischen Regierung sieht vor, die Förderung innerhalb von drei Jahren zu verdreifachen. Zusätzlich soll ein Zahlungssystem etabliert werden, das Ausfallrisiken bei staatlichen Zahlungen reduziert und für mehr Planungssicherheit sorgt.
Netflix steht nach dem gescheiterten Bieterkampf um Warner Bros vor Herausforderungen, da Inhalte wie „Harry Potter“ oder „Game of Thrones“ fehlen. Das Management setzt auf eigene Produktionen wie „Bridgerton“ sowie eine Fortsetzung des erfolgreichen Animationsfilms „KPop Demon Hunters“. Operativ überzeugte Netflix mit Zahlen: Der Umsatz stieg um 16 % auf 12,25 Mrd. US-Dollar, der Gewinn verdoppelte sich auf 1,23 US-Dollar je Aktie, unterstützt durch eine Sondereinnahme von 2,8 Mrd. US-Dollar. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen ein währungsbereinigtes Wachstum von rund 12 %, für das Gesamtjahr einen Anstieg der Erlöse um 11 bis 13 % auf 50,7 bis 51,7 Mrd. US-Dollar.
Märkte in der vergangenen Woche:

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