Konjunktur & Rentenmärkte
Nach rund vier Wochen relativer Beruhigung ist der Iran-Konflikt erneut aufgeflammt. Das US-Militär griff nahe der Straße von Hormus iranische Stellungen an. Betroffen waren offenbar Abschlussvorrichtungen der Revolutionsgarden, denen vorgeworfen wird, Seeminen in der strategischen wichtigen Meerenge platzieren zu wollen. Teheran reagierte darauf mit Vergeltungsschlägen auf US-Stützpunkte in Jordanien sowie auf eine US-Basis in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Zusätzlich soll ein Tanker in der Straße von Hormus nach einem Minenkontakt in Brand geraten sein. Gleichzeitig verschärfen die USA zunehmend den wirtschaftlichen Druck auf Teheran. Finanzminister Bessent kündigte neue Sanktionen gegen eine weitere Bank an und wirbt beim G20-Finanzministertreffen für eine stärkere wirtschaftliche Isolation des Landes.
Der überraschende Moskau-Besuch von CIA-Chef John Ratcliff am vergangenen Dienstag sorgte für erhöhte Aufmerksamkeit in der Welt. Berichten zufolge sei er als Warnung an Russland zu interpretieren, keinen Angriff auf ein NATO-Land zu wagen. Hintergrund waren Meldungen, wonach Russland eine „begrenzte Aktion“ gegen ein baltisches Land erwägen soll. Litauens Präsident Nauseda bestätigte, von dem Treffen gewusst zu haben. Sicherheitskreise in Tallinn werteten den Besuch zwar als nicht ungewöhnlich, betonten aber, die grundsätzliche Bedrohungslage habe sich nicht verändert. Das deckt sich mit einer neuen Einschätzung US-amerikanischer Nachrichtendienste. Statt wie bisher anzunehmen, Russland bleibe durch die Ukraine gebunden, gilt nun besagter „begrenzter Angriff" zur Testung des NATO-Bündnisfalls bereits ab Herbst 2026 als möglich. Polnische und baltische Geheimdienste warnen zwar nicht vor einer klassischen Großinvasion, halten aber gezielte Provokationen, Sabotageakte oder ein Krim-artiges Vorgehen mit nicht gekennzeichneten Truppen für realistisch.
Auf Konjunkturseite kamen positive Signale aus Deutschland: Das BIP-Wachstum im zweiten Quartal fiel mit 0,3 % gegenüber dem Vorquartal etwas stärker aus als vorläufig geschätzt. In den USA stieg der von der Fed bevorzugte Inflationsindikator (Core-PCE) im Jahresvergleich um 3,3 %, im Rahmen der Erwartungen und ohne neue Impulse für die Zinserwartungen. Die US-Wirtschaft zeigte sich mit einem BIP-Wachstum von 1,5 % im zweiten Quartal weiterhin robust. Fed-Chef Kevin Warsh gab bei seiner ersten Jackson-Hole-Rede keine konkreten Hinweise zur Zinsentscheidung im September, sondern kündigte an, dass die Notenbank künftig generell zurückhaltender mit Signalen zum Zinskurs sein werde, zu viel Festlegung im Voraus berge mehr Risiken als Nutzen. Klar positionierte er sich beim Inflationsziel von zwei Prozent, das er als unverrückbar bezeichnete, bei aktuell 3,7 % Teuerung sieht er noch keinen überzeugenden Abwärtstrend und damit weiteren Handlungsbedarf. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September blieb dadurch unverändert. Zudem sprach er die Künstliche Intelligenz an, die kurzfristig inflationär wirke, langfristig aber Produktivität und Wachstum steigern könnte.
Der Ölpreis geriet jüngst mal wieder unter Druck. Hoffnungen auf eine Wiederöffnung wichtiger Transportwege sowie die verstärkte Nutzung wirtschaftlicher Sanktionen anstelle einer weiteren militärischen Eskalation im Nahen Osten führten zu rückläufigen Notierungen.
Der Goldpreis bewegte sich über die Woche kaum vom Fleck, profitierte zeitweise aber von sinkenden Anleiherenditen und der Unsicherheit über die langfristigen US-Staatsfinanzen. Der US-Dollar zeigte sich gegenüber dem Euro weitgehend stabil, gestützt von der Erwartung eines vorerst restriktiven geldpolitischen Kurses der Fed.
Aktienmärkte
Die Aktienmärkte entwickelten sich insgesamt freundlich, angeführt von den USA. Zu Wochenbeginn belasteten noch Sorgen über die hohe US-Staatsverschuldung, gestiegene Anleiherenditen und die Lage im Nahen Osten. Im Wochenverlauf hellte sich die Stimmung jedoch auf, da die Anleiherenditen nachgaben und der Druck auf zinssensible Marktsegmente sank. Auch robuste, wenn auch teils gemischte Konjunkturdaten stützten das Bild einer stabilen US-Wirtschaft.
Den entscheidenden Impuls lieferte zum Wochenschluss der Technologiesektor: Unternehmenszahlen bestätigten die anhaltend hohe Nachfrage im Bereich Künstliche Intelligenz und zerstreuten Zweifel an der Nachhaltigkeit der laufenden Investitionen. Höhepunkt der Berichtssaison waren dabei die besser als erwartet ausgefallenen Nvidia-Zahlen, die als wichtiger Gradmesser für den gesamten KI-Sektor gelten. Während US-Technologiewerte besonders gefragt waren, entwickelten sich die europäischen Börsen verhaltener, gestützt von Anzeichen einer Stabilisierung der deutschen Wirtschaft und einer stärkeren Nachfrage nach zyklischen Aktien.
Nach der Rekordjagd der Vorwoche kam es beim DAX zunächst zu Gewinnmitnahmen, -0,4 % auf 26.455 Punkte. In den USA hingegen behaupteten sich die Indizes trotz leichter Schwäche am Freitag und schlossen die Woche im Plus: S&P 500 (+0,49 %), Nasdaq 100 (+0,43 %) und Dow Jones (+0,53 %).
Einzelwerte
Allianz: Die Allianz-Aktie rückte am Montag leicht von ihrem Freitags-Rekordhoch ab, nachdem ein britischer Medienbericht Übernahmespekulationen befeuerte. Laut Sky News erwägt der Versicherer eine Übernahme des britischen Pannenhilfe-Unternehmens AA Ltd für umgerechnet rund 5,8 Milliarden Euro. Demnach beschäftigt sich die Allianz bereits seit mehreren Monaten mit einem möglichen Angebot und gehört zu einer kleinen Gruppe potenzieller Käufer, die mit AA-Beratern im Gespräch stehen. Ob und wann es tatsächlich zu einem Abschluss kommt, bleibt aber offen. Weder Allianz noch AA oder der AA-Eigentümer Towerbrook äußerten sich zu den Gesprächen. Der DAX-Konzern ist bereits stark in Großbritannien positioniert und hatte sein dortiges Geschäft zuletzt unter anderem durch die Übernahme des Sachversicherungsgeschäfts von Legal & General ausgebaut.
Anthropic: Das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude hat einen ersten formalen Schritt in Richtung Börsengang gemacht und entsprechende Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Insidern zufolge könnte das Listing im Herbst erfolgen. Anders als der Hauptkonkurrent OpenAI, dessen ChatGPT vor allem von Privatnutzern verwendet wird, setzt Anthropic stärker auf zahlende Geschäftskunden und ist besonders für KI-gestützte Codegenerierung bekannt. Daneben entwickelt das Unternehmen mit "Mythos" ein Modell, das Schwachstellen in Cybersicherheitssystemen aufspüren soll, woran neben US-Behörden auch die EU testweise Interesse zeigt. Erst in der Vorwoche hatte eine neue Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar Aufsehen erregt, in deren Zuge Anthropic mit 965 Milliarden Dollar bewertet wurde und damit sogar OpenAI überholte. Angesichts dieser Bewertung könnte der Börsengang zu einem der größten der Geschichte werden, auch wenn Details zu Aktienzahl und Ausgabepreis noch offen sind. Auch OpenAI bereitet Berichten zufolge parallel einen eigenen, zunächst vertraulichen Börsengangsantrag vor. Beobachter äußern indes Zweifel, ob die milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur branchenweit tatsächlich wieder eingespielt werden können.
Märkte in der vergangenen Woche:

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