Konjunktur & Rentenmärkte
Trotz der laufenden diplomatischen Bemühungen ist die Straße von Hormus weiter geschlossen. Gleichwohl erreichten mehrere Aktienindizes neue Höchststände, Anleger hoffen auf eine baldige Öffnung der Passage. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi kam pakistanischen Regierungskreisen zufolge am Freitag in Islamabad an. Verhandlungen mit den USA gab es aber wohl nicht. Heute wird berichtet, dass der Iran den USA einen neuen Vorschlag übermittelt hat: erst Deeskalation und Öffnung der Straße von Hormus – strittige Nuklearfragen später. Das deutet darauf hin, dass Gespräche weitergehen könnten, aber noch kein Durchbruch erreicht wurde.
Laut einer Analyse von Goldman Sachs dürfte sich die Ölproduktion am Golf nach einer vollständigen Öffnung der Straße von Hormus innerhalb weniger Monate weitgehend erholen. Im April waren infolge des Iran-Konflikts rund 14,5 Mio. Barrel pro Tag – etwa 57 % der Vorkriegsmenge – ausgefallen, vor allem aus Vorsichtsgründen und nicht wegen Schäden. Allerdings könnten knappe Tankerkapazitäten die Erholung bremsen. Zudem dürften Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre Förderung schneller steigern als Iran und Irak.
In den USA legten die Einzelhandelsumsätze im März nominal um 1,7 % zum Vormonat zu und übertrafen damit die Prognosen. Ein wesentlicher Faktor waren jedoch auch hier gestiegene Benzinpreise, die die Einnahmen an Tankstellen nach oben trieben. Insgesamt zeigen die Daten trotz höherer Energiekosten eine weiterhin robuste Konsumnachfrage.
In Japan bleibt der Inflationsdruck moderat: Die japanische Kerninflation lag im März zum zweiten Mal in Folge unter dem Ziel der Bank of Japan von 2 %. Die Preise ohne frische Lebensmittel stiegen um 1,8 % gegenüber dem Vorjahr und lagen damit im Rahmen der Erwartungen (Februar: 1,6 %). Staatliche Kraftstoffsubventionen dämpften die durch Energieknappheit verursachten Preisanstiege. Ein von der Zentralbank bevorzugter Index ohne frische Lebensmittel und Energie sank leicht von 2,5 % auf 2,4 %.
In Deutschland haben die Erzeugerpreise im März deutlich angezogen. Laut Statistischem Bundesamt lagen sie 2,5 % über dem Vormonat und damit stärker als erwartet. Haupttreiber waren – wenig überraschend – gestiegene Energiepreise, insbesondere Mineralölprodukte. Im Jahresvergleich ergibt sich gleichwohl weiterhin ein leichter Rückgang.
Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist im April stärker gefallen als erwartet und erreicht mit 84,4 Punkten den tiefsten Stand seit 2020. Besonders die Erwartungen der Unternehmen haben deutlich nachgegeben, doch auch die aktuelle Lage wird schwächer eingeschätzt. Der Einbruch erfolgte breit über alle Sektoren – Industrie, Dienstleistungen, Handel und Bau – gleichermaßen. Die befragten Unternehmen fürchten steigende Energiekosten, Lieferengpässe und sorgen sich um eine schwächere Nachfrage.
Aktienmärkte
Der Technologieindex Nasdaq-100 stieg im Wochenvergleich um 2,4 % auf 27.304 Punkte und der S&P 500 legte 0,55 % auf 7165 Punkte zu. Beide Indizes schlossen damit auf Rekordständen. Während die USA Öl exportieren und daher insgesamt von dem Ölpreisanstieg profitieren, muss Europa Öl importieren. Angesichts dieser Abhängigkeit reagierten die Aktienkurse in Europa empfindlicher auf den erneuten Ölpreisanstieg. Der DAX verlor im Wochenvergleich 2,3 %, der EuroStoxx 50 verlor 2,9 %.
Ein überzeugender Start in die Berichtssaison hat die Sorgen um die Konjunktur in den USA trotz gestiegener Energiepreise spürbar gedämpft. Die bisherigen Unternehmenszahlen zeigen eine bemerkenswerte Stärke: Von 48 berichtenden S&P-500-Unternehmen übertrafen rund 87,5 % die Analystenerwartungen.
Im Vorfeld des negativen Stimmungsbilds, das der Ifo-Geschäftsklima-Index lieferte, hatten Ifo-Umfragedaten gezeigt, dass die Unternehmen ihre Investitionspläne zuletzt angehoben haben. Die Erwartungen stiegen im März leicht ins Positive, nachdem sie zuvor deutlich im negativen Bereich lagen. Vor allem eine im März verbesserte Auftragslage in der Industrie trug zu dieser Entwicklung bei. Dennoch bleiben Risiken bestehen, da gestiegene Energiekosten infolge geopolitischer Spannungen und eine erhöhte Unsicherheit die Erholung bremsen könnten. Innerhalb der Industrie zeigt sich ein differenziertes Bild: Während nicht-energieintensive Branchen ihre Investitionspläne deutlich ausweiten, bleibt die Zurückhaltung in energieintensiven Sektoren hoch. In der Chemie haben sich die Erwartungen verschlechtert. Insgesamt deutet sich zwar eine Stabilisierung an, von einer kräftigen Erholung kann jedoch noch keine Rede sein.
Parallel dazu steht die europäische Verteidigungskooperation vor Herausforderungen. Beim deutsch-französischen Kampfflugzeugprojekt FCAS ist ein Einigungsversuch gescheitert, sodass nun politische Gespräche über das weitere Vorgehen folgen sollen. Gleichzeitig treiben europäische Staaten ihre strategische Unabhängigkeit voran: Frankreich und Polen planen gemeinsam einen Militärsatelliten im Rahmen eines EU-Projekts, um die Abhängigkeit von externen Anbietern wie Starlink zu reduzieren.
Einzelwerte
Die starke Auftragsdynamik zu Jahresbeginn verbessert den Ausblick bei Siemens Energy deutlich. Für 2025/26 wird nun ein Jahresüberschuss von 4 Mrd. Euro erwartet. Damit würde Siemens Energy das obere Ende der eigenen Prognosespanne erreichen. Gleichzeitig stellt sich der Konzern auf ein stärkeres Umsatzwachstum von 14–16 % sowie eine höhere operative Marge ein. Im zweiten Quartal überzeugte vor allem der Auftragseingang, der deutlich über den Erwartungen lag.
Renault profitiert von der Kooperation mit Nissan und Geely. Der Umsatz stieg um 7,3 % auf 12,53 Mrd. Euro und übertraf damit klar die Erwartungen der Analysten. Für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich Renault optimistisch, da die Auftragsbücher gut gefüllt sind und die Produktion für die kommenden Monate abgesichert ist. Besonders Elektrofahrzeuge entwickeln sich dynamisch und tragen zunehmend zum Wachstum bei. Insgesamt deutet vieles auf eine stabile Nachfrage in den europäischen Kernmärkten und darüber hinaus hin.
Ein stärkerer Schweizer Franken belastete Roche im zweiten Quartal spürbar und führte zu einem Umsatzrückgang von 5 % auf 14,72 Mrd. Franken. Ohne Währungseffekte hätte sich hingegen ein Wachstum von 6 % ergeben. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen und erwartet weiterhin ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Zudem soll der Gewinn je Aktie im hohen einstelligen Bereich zulegen. Damit bleibt der Ausblick trotz der negativen Währungseinflüsse insgesamt stabil.
Getragen von starken Medikamentenverkäufen und Übernahmen verzeichnete Sanofi einen gelungenen Start in das Jahr. Der Umsatz stieg um 6,2 % auf 10,5 Mrd. Euro und lag über den Erwartungen. Währungsbereinigt hätte das Wachstum sogar deutlich höher gelegen. Der Gewinn (Ebitda) erhöhte sich leicht, während der Jahresüberschuss aufgrund höherer Abschreibungen auf 1,6 Mrd. Euro zurückging. Das Management zeigte sich zufrieden mit der Entwicklung und bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr. Die Pipeline neuer Medikamente bleibt ein wichtiger Wachstumstreiber für die kommenden Jahre.
Eine steigende Nachfrage nach Flugzeugtriebwerken bescherte Safran ein starkes zweites Quartal. Der Umsatz legte um nahezu 19 % auf 8,6 Mrd. Euro zu. Besonders gefragt waren Triebwerke für Mittelstreckenflugzeuge, die bei wichtigen Modellen von Airbus und Boeing zum Einsatz kommen und die Produktion antreiben. Auch die anderen Geschäftsbereiche entwickelten sich positiv, aber mit geringerer Dynamik. Insgesamt sieht sich das Unternehmen auf Kurs, seine Jahresziele zu erreichen. Die anhaltende Erholung der Luftfahrtbranche wirkt sich dabei unterstützend auf die Nachfrage und die Auslastung der Produktionskapazitäten aus.
Aktuell bestehen für Hapag-Lloyd kaum Möglichkeiten, im Persischen Golf festgesetzte Frachter zu bewegen. Die Versorgung der Besatzungen ist gesichert, dennoch bleibt die Lage angespannt. Das Unternehmen wartet auf ein geeignetes Zeitfenster, um die Schiffe sicher aus der Region herauszuführen und Risiken zu minimieren. Sechs Frachter mit rund 150 Seeleuten sind betroffen, was die operative Flexibilität einschränkt.
Nach einem schwächeren Vorjahr meldete Tesla wieder steigende Erlöse von 22,4 Mrd. US-Dollar, was einem Plus von 16 % entspricht. Die Nachfrage entwickelt sich regional unterschiedlich, bleibt insgesamt aber robust. Der Jahresüberschuss kletterte deutlich auf rund 1,5 Mrd. US-Dollar und übertraf die Erwartungen. Besonders in internationalen Märkten zeigt sich eine zunehmende Nachfrage nach den Fahrzeugen. Wachstumspotenzial sieht das Unternehmen vor allem in neuen Technologien wie Robotaxis, die langfristig eine zentrale Rolle spielen könnten. Für den geplanten Ausbau im Chipbereich setzt Tesla künftig auf Technologien von Intel. Damit gewinnt Intel einen bedeutenden Kunden für seine neue Fertigungstechnologie. Die Kooperation könnte beiden Unternehmen strategische Vorteile verschaffen und die Position im Wettbewerb stärken.
Ein kräftiger Auftragseingang treibt das Geschäft von ABB, dessen Bestellungen auf 11,3 Mrd. US-Dollar stiegen und damit einen Rekordwert erreichten. Besonders stark entwickelte sich der Bereich Elektrifizierung, der von Investitionen in Infrastruktur und Rechenzentren profitiert und die Nachfrage antreibt. Der Jahresüberschuss lag bei 1,32 Mrd. US-Dollar. Aufgrund der positiven Entwicklung hob das Unternehmen seine Prognosen an und erwartet nun ein stärkeres Wachstum sowie steigende Margen im Gesamtjahr.
Ein robuster Absatz sorgte bei Heineken für ein Umsatzplus von 2,8 % auf 6,7 Mrd. Euro und übertraf damit die Erwartungen. Das Absatzvolumen zeigt eine stabile Nachfrage in wichtigen Märkten. Dennoch blickt der Konzern vorsichtig auf den weiteren Jahresverlauf, da steigende Energiepreise und Inflation die Nachfrage beeinträchtigen könnten. Trotz dieser Unsicherheiten bestätigte das Unternehmen seine Prognose und erwartet weiterhin ein moderates Wachstum im operativen Geschäft.
Währungseffekte belasteten Nestlé, sodass der Umsatz auf 21,3 Mrd. Franken zurückging. Organisch konnte jedoch ein Wachstum von 3,5 % erzielt werden, was über den Erwartungen lag und die Stärke der Marken sowie der Preissetzung unterstreicht. Besonders der Absatz von Kaffee sowie Lebensmitteln und Snacks entwickelte sich positiv. Das Unternehmen hält an seinen Jahreszielen fest und erwartet weiterhin ein organisches Wachstum zwischen 3 und 4 %. Effizienzmaßnahmen sollen die Margen weiter verbessern und die Profitabilität stärken.
Nokia profitiert von der steigenden Nachfrage nach Cloud- und KI-Lösungen. Die zunehmende Bedeutung von Rechenzentren und Dateninfrastruktur sorgt für zusätzliche Nachfrage. Die Erlöse in diesem Bereich wachsen dynamisch und gewinnen an Bedeutung innerhalb des Konzerns. Insgesamt erreichte der Umsatz 4,5 Mrd. Euro, während neue Aufträge zusätzliche Impulse liefern. Auch der Gewinn (Ebitda) entwickelte sich positiv, und das Unternehmen hob seine langfristigen Wachstumsziele an.
Steigende Treibstoffkosten belasten United Airlines, weshalb die Gewinnprognose für das Gesamtjahr gesenkt wurde. Im ersten Quartal stieg der Umsatz dennoch um 10,6 % zum Vorjahr auf 14,6 Mrd. US-Dollar, während der Jahresüberschuss deutlich zulegte. Gleichzeitig reagiert das Unternehmen mit Anpassungen bei den Kapazitäten, um die Auswirkungen höherer Kosten abzufedern und die Profitabilität zu sichern.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies regt an, chinesische Autos in VW-Werken in Deutschland bauen zu lassen, um Beschäftigung zu sichern und auf den wachsenden Wettbewerb aus China zu reagieren.
Von vorgezogenen Bestellungen im Zuge des Iran-Konflikts profitierte Wacker Chemie im ersten Quartal überraschend und erwartet ein höheres operatives Ergebnis. Die Jahresprognose für den Umsatz wurde leicht angehoben, der Gewinnausblick bleibt jedoch unverändert.
Apple kündigt einen Führungswechsel an: John Ternus wird ab 1. September neuer CEO, Tim Cook wechselt in den Aufsichtsrat.
Zur Kostensenkung streicht Lufthansa bis Oktober 20.000 Kurzstreckenflüge.
Fraport eröffnete das neue Terminal 3 am Flughafen Frankfurt nach rund zehn Jahren Bauzeit. Es erhöht die Kapazität deutlich und verschiebt große Teile des Flugbetriebs innerhalb des Flughafens.
Märkte in der vergangenen Woche:

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