Kai Heinrich | 24. August 2026 |

Ölpreise, Anleiherenditen und die Angst vor neuer Inflation

Inhaltsverzeichnis

Konjunktur & Rentenmärkte

Auch in dieser Woche bestimmten die Unruhen im Nahen Osten das Geschehen an den Finanzmärkten. Weil zentrale Ölrouten wohl noch länger beeinträchtigt sein werden, verteuerte sich die Energie spürbar, ein Umstand, der die Angst vor anziehender Inflation erneut anfachte.

Rund sechs Monate nach Ausbruch des Konflikts setzt US-Präsident Donald Trump nun verstärkt auf wirtschaftlichen Druck, um den Iran zum Nachgeben zu bewegen. Er kündigte eine beispiellose Isolation des Landes an, an der sich nach seiner Vorstellung auch Verbündete der USA beteiligen sollen. Offen bleibt bislang jedoch, wie genau diese wirtschaftliche Kampagne ausgestaltet sein soll und vor allem, mit welchen Konsequenzen Partnerländer rechnen müssten, die sich dem nicht anschließen. Für die Finanzmärkte bleibt damit ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor bestehen, der die ohnehin schon angespannte Lage rund um Energiepreise und Öltransporte weiter verschärfen könnte.

Auch auf der Inflationsseite gab es zuletzt ein Warnsignal. Die Erzeugerpreise in Deutschland stiegen im Juli um 3,0 % zum Vorjahr, deutlich mehr, als Analysten im Schnitt erwartet hatten (2,5 %), und ein spürbarer Sprung gegenüber dem Vormonat, in dem die Rate noch bei 1,8 % gelegen hatte. Haupttreiber waren höhere Kosten für Vorleistungsgüter sowie für Energie. Da Erzeugerpreise häufig als Frühindikator für die Verbraucherpreise gelten, dürfte diese Entwicklung die Sorge vor einem breiteren Inflationsdruck in Deutschland zusätzlich nähren, passend zum Bild steigender Energiekosten, das sich derzeit durch mehrere Wirtschaftsmeldungen zieht.

Nach Einschätzung der Notenbank werden Dürre und Niedrigwasser die wirtschaftliche Belebung vorübergehend ausbremsen, ein Umstand, der insbesondere den Rhein als wichtige Transportader für die Industrie betrifft, da niedrige Pegelstände den Warentransport auf dem Wasserweg erschweren und verteuern können. Im aktuellen Monatsbericht August heißt es dazu, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal allenfalls noch leicht zulegen dürfte. Damit bestätigt sich ein Muster, das schon in den vergangenen Jahren wiederholt zu beobachten war. Niedrigwasserphasen im Sommer und Herbst belasten regelmäßig energieintensive und exportorientierte Branchen, die auf den Gütertransport per Schiff angewiesen sind. Für die ohnehin schon angeschlagene deutsche Konjunktur, die zusätzlich mit hohen Energiepreisen und geopolitischer Unsicherheit zu kämpfen hat, ist das ein weiterer Dämpfer auf dem Weg zu einer nachhaltigen Erholung.

Die weltweiten Anleihemärkte bewegten sich weiterhin im Spannungsfeld zwischen einer robusten Konjunktur und wachsenden Inflationserwartungen. Zu Wochenbeginn trieben die gestiegenen Energiepreise sowie die anhaltende Unsicherheit im Nahen Osten die Renditen langlaufender Staatsanleihen in den USA und Europa merklich nach oben, wobei besonders europäische Papiere unter Druck gerieten.

Zur Wochenmitte sorgte dann die Ankündigung zusätzlicher Rückkäufe langfristiger US-Staatsanleihen für eine spürbare Gegenbewegung: Die Renditen langer Laufzeiten fielen zunächst deutlich zurück. Diese Entlastung hielt jedoch nicht lange an, bereits am Tag darauf machten robuste US-Konjunkturdaten und weiter kletternde Energiepreise den Effekt größtenteils wieder zunichte, sodass die Furcht vor einer anhaltend hohen Teuerung erneut zunahm. Am Ende der Woche standen deutsche Bundesanleihen mit einem deutlichen Renditeanstieg da, während sich die Renditen vergleichbarer US-Titel nur leicht erhöhten. Der Renditeanstieg signalisiert, dass Investoren mit steigenden Zinsen rechnen und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Staatsverschuldung in vielen Ländern weiter zunimmt. Höhere Zinsen machen den Schuldendienst für die öffentliche Hand teurer, gleichzeitig verteuern sie aber auch Kredite für Privathaushalte und Unternehmen.

Auch an den Rohstoffmärkten standen die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten im Mittelpunkt des Geschehens. Weil wichtige Energie-Transportwege voraussichtlich länger eingeschränkt bleiben, verteuerte sich Öl im Wochenverlauf spürbar, was die Inflationsängste zusätzlich anheizte.

Gold hingegen profitierte gleich von zwei Seiten: von der allgemein gestiegenen Unsicherheit sowie von der anhaltenden Debatte über die langfristige Solidität der US-Staatsfinanzen. Entsprechend legte der Goldpreis merklich zu. Der US-Dollar gab im Gegenzug gegenüber dem Euro nach. Dafür verantwortlich waren unter anderem die Eingriffe des US-Finanzministeriums am Anleihemarkt sowie die Befürchtung, dass anhaltend hohe Haushaltsdefizite die amerikanische Währung künftig noch stärker belasten könnten.

 

Aktienmärkte

Die internationalen Aktienmärkte gerieten in der vergangenen Woche merklich unter Druck. Hauptursache waren die fortdauernden Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die die Befürchtung nährten, wichtige Ölrouten könnten noch längere Zeit beeinträchtigt bleiben. Der daraus resultierende kräftige Anstieg der Ölpreise weckte erneut Ängste vor steigender Inflation und dämpfte die Risikofreude der Investoren.

Diesem schwierigen Umfeld konnten sich auch die europäischen Börsen nicht entziehen. Hier rückten neben den geopolitischen Risiken vor allem die gestiegenen Energiekosten in den Vordergrund, die Sorgen um zusätzliche Belastungen für Unternehmen und Verbraucher schürten. Zwar fielen einzelne Frühindikatoren, insbesondere aus Deutschland, überraschend positiv aus, doch insgesamt überwog die Unsicherheit über den weiteren Konjunkturverlauf und die Folgen der teureren Energie. Entsprechend verzeichneten die wichtigsten Indizes in Europa und den USA auf Wochensicht Verluste, während Energiewerte von den gestiegenen Rohstoffpreisen profitieren konnten.

Vor Handelsbeginn an der Frankfurter Börse sieht der Broker IG den DAX kaum verändert. Mit einem minimalen Minus von 0,1 Punkten wird der deutsche Leitindex bei 26.105 Zählern erwartet. Zum Wochenschluss am Freitag hatte der Index noch mit einem Plus von 0,6 % bei 26.136 Punkten geschlossen. Für die gesamte Woche stand unter dem Strich dennoch ein Verlust von über einem Prozent zu Buche.

 

Einzelwerte

VW: Bei Volkswagen richtet sich der Blick auf die anstehenden Betriebsversammlungen. Bis Ende August stellt sich der Vorstand bundesweit neun Mal der Belegschaft, um die geplanten Sparmaßnahmen zu erläutern; den Auftakt machen an diesem Dienstag Wolfsburg und Braunschweig. Konzernchef Oliver Blume hatte die Lage zuvor als "mehr als kritisch" bezeichnet und die Beschäftigten zum Zusammenhalt aufgerufen. Im Raum stehen weiterhin die Schließung von bis zu vier Werken, darunter Emden und Hannover, sowie ein Abbau von bis zu 50.000 Stellen. Eine endgültige Entscheidung des Aufsichtsrats wird erst im September erwartet, nachdem im Juli noch kein Beschluss gefallen war. Die Aktie dürfte damit in den kommenden Wochen weiter im Fokus der Anleger stehen.

Amazon: Amazon hat mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal 2026 die Erwartungen der Analysten auf breiter Front übertroffen. Sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn fiel das Ergebnis deutlich besser aus als vorab prognostiziert. Besonders im Fokus stand dabei das Cloud-Geschäft AWS, das spürbar stärker wuchs als erwartet und gleichzeitig profitabler wurde. Konzernchef Andy Jassy bezeichnete das Wachstumstempo als das höchste seit viereinhalb Jahren. Der Markt honorierte das mit einem deutlichen Kurssprung im nachbörslichen Handel. Neben AWS lieferte auch das klassische Handelsgeschäft solide Ergebnisse und trug damit dazu bei, die enormen Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur mitzufinanzieren. Diese Investitionen hinterlassen allerdings Spuren in der Bilanz: Der freie Cashflow rutschte erstmals ins Minus, und die langfristigen Schulden des Konzerns wuchsen kräftig. Amazon setzt damit verstärkt auf Fremdkapital, um das Wachstum im KI-Bereich zu stemmen, ein Weg, den zuletzt auch andere große Technologiekonzerne eingeschlagen haben. Etwas gedämpfter fiel der Ausblick auf das laufende Quartal aus. Der in Aussicht gestellte Umsatz blieb zunächst hinter den Markterwartungen zurück. Amazon begründete dies jedoch mit einem Kalendereffekt, da der große Rabatttag Prime Day in diesem Jahr bereits ins zweite Quartal gefallen war und somit einen Teil der Umsätze vorgezogen hatte.

 

Märkte in der vergangenen Woche:

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