Konjunktur & Rentenmärkte
Ein Blick auf die Live-Karte, die den weltweiten Schiffsverkehr widerspiegelt, zeigt, dass sich der Stau vor der Straße von Hormus weitgehend aufgelöst hat. Innerhalb von 24 Stunden passierten nach Angaben der Marine der iranischen Revolutionsgarden 33 Schiffe die Straße von Hormus mit einer Genehmigung des Iran. Allerdings fahren kaum Schiffe in den Persischen Golf hinein. Gleichzeitig haben neue US-Angriffe im Nahen Osten am Dienstag die Hoffnungen auf ein schnelles Friedensabkommen mit dem Iran gedämpft. Nach eigenen Angaben haben die US-Streitkräfte in der Nacht zum Dienstag im Süden des Irans erneut militärische Ziele angegriffen. Das US-Zentralkommando erklärte, die Angriffe hätten sich gegen Boote zur Minenverlegung sowie gegen Raketenabschussrampen gerichtet. Nachdem US-Präsident Donald Trump am Samstag noch eine baldige Einigung in Aussicht gestellt hatte, dämpfte er am Sonntag die Erwartungen an einen schnellen Durchbruch. Auf der Plattform Truth Social erklärte Trump, er habe seine Unterhändler angewiesen, ein Abkommen nicht überstürzt abzuschließen.
Vor dem Pfingstwochenende hatten deutlich fallende Ölpreise für Entspannung an den Märkten gesorgt. Hintergrund war, dass mehrere Tanker die strategisch wichtige Straße von Hormus passieren konnten. Irans Oberster Führer Ajatollah Modschtaba Chamenei soll jedoch angeordnet haben, dass hochangereichertes Uran nicht ins Ausland gebracht werden dürfe. Dies hätte Teil einer Vereinbarung zwischen dem Iran und den USA sein sollen. Zeitweise stiegen die Ölpreise daher erneut an. Zudem warnte US-Außenminister Marco Rubio vor einem iranischen Mautsystem für die Straße von Hormus. Ob die USA und der Iran einer Einigung wirklich nähergekommen sind, ist mithin fraglich.
Die USA verlängern Insidern zufolge eine Ausnahme von Sanktionen gegen russisches Öl um weitere 30 Tage. Mehrere Länder hätten mehr Zeit für Käufe verlangt. Eigentlich sollen die Sanktionen Russlands Finanzierung des Ukraine-Kriegs erschweren. Im US-Senat wächst zugleich der Widerstand gegen einen längeren Militäreinsatz im Golf. Eine Resolution sieht vor, dass Präsident Donald Trump künftig die Zustimmung des Kongresses für militärische Einsätze einholen muss. Ohne Genehmigung müsste der Krieg beendet werden. Die Initiative gilt als ungewöhnlich deutliche Kritik am Präsidenten. Sollte der Präsident sein Veto gegen die Initiative einlegen, dann wäre eine Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Kongresses erforderlich.
Das Protokoll der US-Notenbank brachte kaum Überraschungen. Die Aussicht auf baldige Zinssenkungen gilt praktisch als vom Tisch. Am Markt für Zinsfutures wird eine Zinserhöhung bis zum Jahresende mit einer Wahrscheinlichkeit von 80 % eingepreist.
Auch aus Japan kamen Signale für eine straffere Geldpolitik. Notenbankerin Junko Koeda warnte, die Spannungen im Nahen Osten könnten die Inflation stärker anheizen als bislang erwartet. Daher sei es angemessen, die Zinsen schrittweise weiter anzuheben. Gleichzeitig überraschte die japanische Wirtschaft mit stärkerem Wachstum: Das Bruttoinlandsprodukt legte im ersten Quartal aufs Jahr gerechnet um 2,1 % zu und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Getragen wurde der Aufschwung vor allem vom privaten Konsum und der Auslandsnachfrage.
Die Europäische Union erzielte eine vorläufige Einigung über die Abschaffung von Einfuhrzöllen auf US-Waren. Damit setzt Brüssel einen zentralen Teil des Handelsabkommens mit Washington um und dürfte mithin höhere US-Zölle auf EU-Produkte verhindern. Offene Fragen bestehen allerdings weiterhin bei Stahl- und Aluminiumzöllen.
Bundeskanzler Friedrich Merz sagte nach einem Treffen mit Bulgariens Ministerpräsidenten, dass Europa intensiv an einer Friedenslösung für die Ukraine arbeite. Dazu gebe es enge Gespräche mit den europäischen Partnern sowie einen fortlaufenden Austausch mit US-Präsident Donald Trump.
Die deutsche Wirtschaft leidet weiter unter dem globalen Umfeld. Die energieintensiven Industriezweige leiden besonders. Ihre Produktion sank seit Februar 2022 um 15,2 % und damit deutlich stärker als die gesamte Industrieproduktion. Auch der Arbeitsmarkt zeigt Schwäche: Im ersten Quartal ging die Zahl der Erwerbstätigen leicht um 0,1 % zum Vorquartal zurück. Gleichzeitig stiegen die deutschen Erzeugerpreise im April infolge des Ölpreisschocks so stark wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Die Preise gewerblicher Produkte lagen 1,7 % über dem Vorjahresniveau. Alles andere als negativ ist die Entwicklung der Aufträge. Das Auftragspolster der deutschen Industrie erreichte einen Rekordwert. Die offenen Bestellungen stiegen im März um 1,6 % gegenüber dem Vormonat und lagen 8,4 % über dem Vorjahresniveau. Vorzieheffekte dürften maßgeblich für den Anstieg gewesen sein. Im Wohnungsbau verschlechterte sich die Stimmung dagegen massiv, vor allem die deutlich gestiegenen Kapitalmarktzinsen bremsen die Bauinvestitionen. Zum Wochenschluss bestärkte der Ifo-Geschäftsklimaindex das Bild. Der Index stieg zwar leicht an, verharrte aber insgesamt auf niedrigem Niveau. Es darf bereits als Lichtblick gewertet werden, dass der Index nicht weiter fiel.
China baut seine Investitionen in Europa unterdessen deutlich aus. Vor allem sogenannte Greenfield-Investitionen erreichten 2025 mit fast 9 Mrd. Euro einen Rekordwert. Dabei entstehen neue Produktionsstätten statt Firmenübernahmen. Besonders Industrie- und Technologieprojekte treiben die Entwicklung.
Die Sorge vor weiter steigenden Kapitalmarktzinsen könnte der Grund dafür sein, dass fast 40 Emittenten an einem einzigen Handelstag in der vergangenen Woche neue Anleihen emittiert haben – mit einem Volumen von rund 39 Mrd. Euro.
Russland und China demonstrierten beim Gipfeltreffen von Präsident Xi Jinping und Kremlchef Wladimir Putin ihre enge Partnerschaft. Beide Seiten betonten das gewachsene gegenseitige Vertrauen sowie die strategische Zusammenarbeit in Wirtschaft, Energie und Verteidigung. Für Russland bleibt China angesichts westlicher Sanktionen ein zentraler Handelspartner. Beobachter rechnen damit, dass bei dem Treffen auch über die geplante Gaspipeline „Power of Siberia 2“ gesprochen wurde.
Aktienmärkte
Die Aktienkurse profitierten in der vergangenen Woche von den Hoffnungen auf eine Lösung des Iran-Konflikts und den sinkenden Ölpreisen. Der DAX und der EuroSTOXX 50 legten kräftig um über 3 % zu.
Die geplanten Beteiligungen der US-Regierung an Quantencomputing-Firmen sorgten für Kursgewinne in der Branche. Insgesamt sollen 2 Mrd. US-Dollar in neun Unternehmen investiert werden, darunter ein neues Tochterunternehmen von IBM. Die IBM-Aktie sprang daraufhin um 12,4 % nach oben. Auch IonQ, Rigetti Computing und D-Wave Quantum legten zeitweilig zweistellig zu, teils um mehr als 30 %.
Mit weitreichenden Reformplänen will die US-Börsenaufsicht SEC Börsengänge erleichtern und die Kapitalmärkte stärken. Künftig sollen deutlich mehr Unternehmen schneller und günstiger Aktien ausgeben können. Zudem plant die Behörde gelockerte Berichtspflichten für viele Firmen. Branchenverbände begrüßten die Vorschläge, während Verbraucherschützer vor steigenden Risiken durch schwächere Transparenzregeln warnten.
Seit vergangener Woche kann die neue deutsche Förderung für Elektroautos beantragt werden. Für Kauf oder Leasing neuer E-Autos sind unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse von bis zu 6000 Euro möglich. Insgesamt stellt die Bundesregierung dafür 3 Mrd. Euro bereit, womit bis 2029 rund 800.000 Fahrzeuge gefördert werden könnten. Die Regelung gilt auch rückwirkend für Neuzulassungen seit dem 1. Januar 2026. Inwieweit eine rückwirkende Förderung zusätzliche Käufe bewirken kann, muss sich der politisch interessierte Beobachter selbst überlegen. Auch ohne Förderung treiben hohe Kraftstoffpreise den Absatz von Elektroautos in Europa an. Besonders deutlich wächst die Nachfrage inzwischen auch in Ländern wie Italien, Spanien oder Polen, in denen E-Autos bislang nur eine kleinere Rolle spielten. Nach Angaben von Branchenverbänden und Marktforschern stiegen die Neuzulassungen in den 15 wichtigsten europäischen Märkten im April um gut ein Drittel auf mehr als 200.000 Fahrzeuge. Damit lag der Anteil von Elektroautos an allen Neuzulassungen bereits bei über 20 %. Deutschland bleibt der größte Absatzmarkt, das stärkste Wachstum seit Jahresbeginn verzeichnet jedoch Italien.
Beim Treffen in Paris zwischen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron stand die seit Jahren geplante Kapitalmarktunion der EU im Mittelpunkt, die nach Ansicht beider Politiker dringend vorangetrieben werden müsse.
Einzelwerte
Nvidia meldete dank der boomenden Nachfrage nach Rechenzentren und KI-Agenten Rekordzahlen. Der Umsatz stieg in den drei Monaten Februar, März und April im Jahresvergleich um 85 % auf 81,6 Mrd. US-Dollar und übertraf die Analystenschätzung von 78,9 Mrd. US-Dollar. Der Jahresüberschuss sprang auf 58,3 Mrd. US-Dollar und lag damit mehr als dreimal so hoch wie ein Jahr zuvor. Gleichzeitig übertraf das Ergebnis die Markterwartung von 42,9 Mrd. US-Dollar deutlich. Die Bruttomarge blieb wie prognostiziert bei 75 % und entsprach damit dem Niveau des Vorquartals. Zudem hob der Konzern die Quartalsdividende auf 25 Cent an, genehmigte Aktienrückkäufe über 80 Mrd. US-Dollar und erwartet im laufenden Quartal 91 Mrd. US-Dollar Umsatz. Die Aktie lag im nachbörslichen US-Handel dennoch knapp 1 % im Minus.
Mit einem möglichen Börsengang über 75 Mrd. US-Dollar hat SpaceX die heiße Phase seines Börsengangs eingeläutet. Experten halten eine Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar für möglich. Parallel verschob das Unternehmen den Start einer "Starship"-Rakete wegen Problemen mit Treibstofftemperatur und -druck kurzfristig. Der Flug gilt kurz vor dem geplanten Börsengang als wichtiges Signal für Investoren. Nach mehreren Fehlschlägen im vergangenen Jahr hatte SpaceX monatelang an einer verbesserten Version der Rakete gearbeitet. Insidern zufolge könnte der Ausgabepreis bereits am 11. Juni festgelegt werden, während der Börsenstart schon für den 12. Juni vorgesehen ist. Das Debüt würde den bisherigen Rekordbörsengang von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um das Dreifache übertreffen.
Bis Ende der 2020er Jahre will TKMS thyssenkrupp Marine Systems angesichts der hohen Nachfrage neue Stellen im niedrigen vierstelligen Bereich schaffen. Laut einem Bericht des "Business Insider" soll der Großteil der Jobs in Deutschland entstehen. Allein am Standort Wismar könnten bis 2029 rund 1500 Arbeitsplätze hinzukommen. Hintergrund ist die starke Auftragslage des Kieler Rüstungskonzerns.
Auf einem Kapitalmarkttag in den USA will Stellantis seine langfristige Strategie vorstellen. Konzernchef Antonio Filosa soll dabei vor allem die schwachen Verkäufe in Nordamerika beleben. Erwartet wird eine stärkere Konzentration der Investitionen auf Jeep, Ram, Peugeot und Fiat statt auf alle 14 Konzernmarken. Zudem baut der Autobauer seine Präsenz in China aus: Gemeinsam mit Dongfeng wurde ein Joint Venture über 1 Mrd. Euro vereinbart. Der Anteil von Stellantis liegt bei rund 130 Mio. Euro. In Wuhan sollen ab 2027 neue Jeep- und Peugeot-Modelle mit alternativen Antrieben produziert werden. Die Partnerschaften mit Leapmotor und Dongfeng dürften ebenfalls Thema der Strategiepräsentation sein.
KNDS trennt sich teilweise von seinem Anteil am Getriebehersteller Renk und verkauft 5,8 Mio. Aktien. Das entspricht 5,8 % der Anteile; rund 10 % will der deutsch-französische Panzerbauer behalten. Die Aktien sollen institutionellen Investoren zu 45,10 Euro angeboten werden. Der Preis liegt leicht über den zunächst avisierten Konditionen und deutet auf eine robuste Nachfrage hin. Renk zählt zu den wichtigsten Lieferanten für KNDS-Panzer wie den "Leopard 2". KNDS war beim Börsengang von Renk als Ankeraktionär eingestiegen und reduziert nun seinen Anteil deutlich.
Für ein gemeinsames KI-Cloudunternehmen planen Google und Blackstone laut "Wall Street Journal" eine milliardenschwere Partnerschaft. Blackstone soll 5 Mrd. US-Dollar investieren und die Mehrheit halten. Google steuert Hardware wie TPU-Spezialchips sowie Software und Dienstleistungen bei. Ziel ist der Aufbau einer Infrastruktur für Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Das Projekt soll in den USA entstehen und bisher keinen offiziellen Namen tragen.
Neue Lastwagen im Wert von etwas mehr als 1 Mrd. Euro will die Bundeswehr bei Rheinmetall bestellen. Die Lieferung der Fahrzeuge durch die Tochter Rheinmetall MAN Military Vehicles soll bis November 2026 abgeschlossen werden. Zudem unterzeichnete Deutschland laut dem norwegischen Konzern Kongsberg einen Vertrag über luftgestützte Marschflugkörper im Wert von umgerechnet rund 324 Mio. Euro für F-35-Kampfflugzeuge. Deutschland ist damit das fünfte Land, das Joint Strike Missiles für diese Jets auswählt. Der Vertrag wurde als staatlicher Handel zwischen Deutschland und Norwegen vereinbart.
Mit einer neuen Finanzierungsrunde über 30 Mrd. US-Dollar könnte Anthropic mit 900 Mrd. US-Dollar bewertet werden. Beteiligt sein sollen unter anderem Greenoaks Capital, Sequoia Capital, Dragoneer und Altimeter Capital. Seit Anfang 2025 sammelte der KI-Entwickler damit mehr als 90 Mrd. US-Dollar ein. Zusätzliche Investitionen von Google und Amazon könnten bei bestimmten Meilensteinen weiter steigen. Die neue Finanzierungsrunde folgt nur drei Monate nach einer weiteren Kapitalaufnahme über ebenfalls 30 Mrd. US-Dollar.
Erstmals seit 2024 erhöhte Tesla die Preise für mehrere Model-Y-Versionen in den USA. Die Varianten mit Allrad- und Hinterradantrieb verteuerten sich jeweils um 1000 US-Dollar auf 49.990 beziehungsweise 45.990 US-Dollar. Die leistungsstärkere Performance-Version kostet nach dem Preisanstieg 57.990 US-Dollar und damit 500 US-Dollar mehr als zuvor. Die neuen Preise wurden auf der aktualisierten Internetseite des Unternehmens veröffentlicht.
Mit einem umfassenden Stellenabbau will Standard Chartered ihre Profitabilität steigern. Bis 2030 sollen mehr als 15 % der Arbeitsplätze wegfallen, was über 7000 Stellen entspricht. Die Eigenkapitalrendite soll bis 2028 auf mehr als 15 % und bis 2030 auf rund 18 % steigen. Laut Konzernchef Bill Winters sollen einfache Tätigkeiten zunehmend durch Automatisierung und KI ersetzt werden. Die Maßnahmen sind Teil einer neuen Strategie, mit der der langjährige Umbau der Bank abgeschlossen und stärkeres Wachstum erreicht werden soll. Analysten hatten zuvor niedrigere Erwartungen formuliert.
Märkte in der vergangenen Woche:

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