Episode #042

Inflation rund um den Globus | Kai Heinrich im Interview

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Die Inflation ist rund um den Globus kraftvoll zurück und die Zinsen steigen wieder. Daneben erlebt Europa einen Krieg, Corona ist noch immer da – und die Lieferengpässe weiten sich aus, was wiederum auf Wirtschaft & Konjunktur drückt. Sehen wir vor diesem Hintergrund eine Zeitenwende an den Kapitalmärkten? Mehr dazu hören Sie in dem Interview vom 07.04.2022 mit dem Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG Kai Heinrich und dem Börsenmoderator Andreas Franik. Viel Spaß beim Hören!

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Ist die Inflation nur eine temporäre Angelegenheit – oder ist sie gekommen, um zu bleiben, wie es so schön heißt?

Also zwischenzeitlich setzt sich ja durch: sie ist gekommen, um zu bleiben. Letztes Jahr haben die Notenbanken noch vollmundig erzählt, es ist nur temporär. Bei zwischenzeitlichen Inflationsraten in den USA bei fast acht Prozent, in Europa beziehungsweise Deutschland bei fast sieben und mit all den Problemen, die hinter den gestiegenen Inflationsraten stehen, glaube ich nicht, dass sie nur kurzfristig da ist, sondern auch wenn es für uns alle bedauerlich ist, sie ist gekommen, um zu bleiben.

Ist denn auch eine etwaige Stagflation – also Inflation bei einer konjunkturellen Delle – für Sie ein Thema?

Wir sehen erste Tendenzen dazu schon. Wir haben eine Abschwächung des Wachstums verbunden mit einer hohen Inflationsrate. Es deutet also Vieles darauf hin, dass wir eine Tendenz in Richtung Stagflation bekommen oder eine Stagflation kriegen werden. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch.

Viele Investoren sind in den vergangenen Jahren frei nach dem Motto „buy the dip“ schnell wieder an die Börse zurückgekehrt. Ist das auch diesmal wieder zu beobachten?

Wir haben in Teilen gesehen, dass bei den kräftigen Rückgängen, die wir im ersten Quartal hatten, es jetzt vom Tief eine kräftige Gegenbewegung gegeben hat, was schon darauf deutet, dass es Investoren gibt, die weiter „buy the dip“ spielen.
Die Stimmung ist aber insgesamt aus meiner Sicht eine andere. Zumal betrachtet werden muss, welche Aktien die Börse noch tragen. Es sind primär im Technologiebereich die großen Werte. Bei den kleinen Aktien haben wir zum Teil richtige Kurs-Desaster gesehen. Also da kann nicht von „buy the dip“ gesprochen werden. Ansonsten ist das Geld zwar noch an der Börse, aber es ist einfach in andere Segmente gegangen. Zum Beispiel in defensive Konsumaktien, in Rohstoffwerte. Wir haben hier eine deutliche Verschiebung der Branchenallokation gesehen.

Trotz der dramatischen Auswirkungen des Krieges auf alle Lebensbereiche hat die US-Notenbank FED die Zinsen bereits erhöht. Mit welchen weiteren Schritten ist im Jahresverlauf zu rechnen?

Die Notenbank hat sich aus meiner Sicht selbst in die Situation gebracht. Sie hat eingangs die ganze Zeit erzählt, es sei temporär, frei nach dem Motto, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Deswegen ist die Notenbank jetzt im Zugzwang, dazu gibt es politischen Druck in den USA, die Zwischenwahlen stehen an. Präsident Biden hat extrem schlechte Umfragewerte, die unter anderem auch aufgrund der Preissteigerung zu begründen sind. Gemäß gestrigen Aussagen der Notenbank in New York, ist es so, dass eigentlich eine höhere Zinserhöhung für den letzten Schritt vorgesehen war, der 25 Basispunkte war. Es hätten eigentlich 50 Basispunkte sein sollen, das wurde dann aber wegen des Konflikts in Europa zurückgestellt, um die Wirtschaft und die Börse nicht komplett kurzfristig abzuwürgen. Allerdings hat die Notenbank sich sehr klar geäußert, sie wird in den nächsten Sitzungen weitere Zinsschritte vornehmen verbunden mit einer Reduzierung der Anleihekäufe, was dazu führen wird, dass dem Markt Liquidität entzogen wird. So soll der Inflation entgegengewirkt werden. Wobei ich mir die Frage stelle, ob die Notenbank wirklich noch alleinige Kontrolle über die Geldmenge hat, weil die Inflation beruht ja zwischenzeitlich auf vielen Faktoren, nicht nur auf der Geldmenge, sondern auf gestörten Lieferketten und auf gestiegenen Rohstoffpreisen. Da sind viele Faktoren dabei, die kann die Notenbank zumindest kurz bis mittelfristig aus meiner Sicht nicht beeinflussen.

Fassen wir zusammen: Krieg, extrem hohe Energiepreise – und eine Inflation, die wohl so schnell nicht wieder verschwinden wird. Was bedeutet diese Gemengelange für Aktien?

Es kommt darauf an, müsste man antworten wie der Jurist. Es kommt darauf an, in welchem Zeitraum und für welche Aktien. Die Frage ist ja immer, was ist die Alternative. Generell ist es so, dass der Beginn eines Zinserhöhungszyklus normalerweise nicht die schlechteste Phase für die Börse ist, sondern eher wenn der Zinserhöhungszyklus fortgeschritten ist. Also sprich, wir hätten theoretisch unabhängig von den ganzen anderen Problemen, die auf die Börse einwirken, noch ein wenig Zeit. Dann ist auch die Frage, von welchen Werten wir reden. Denn nicht umsonst hat es am Stärksten die hoch verschuldeten Aktien getroffen, die keine hohen Cashflows oder Einnahmen haben, währenddessen andere Werte sogar nahe zu ihren Höchstkursen stehen, wenn Sie sich defensive Konsumwerte wie beispielsweise Pepsi Cola oder Walmart anschauen. Das heißt, man kann nicht generell sagen, es ist insgesamt schlecht für Aktien. Es ist ein schwierigeres Umfeld für den Gesamtmarkt. Trotzdem gibt es einzelne Branchen, die auch von diesem Umfeld profitieren können. Dies ist das, was wir durchaus auch in den letzten Monaten gesehen haben. Also um ein paar Stichworte zu nennen, ein bis zwei habe ich eben schon genannt, defensive Konsumwerte, Rohstoff-Aktien, Aktien aus dem Ölbereich oder aus dem Agrarbereich. Das sind durchaus Unternehmen, die in den letzten Monaten profitiert haben.

Wie stellen Sie sich mit Ihrem Fonds in diesem Umfeld auf?

Es gibt immer tolle Zitate, die an der Börse benutzt werden. Hier könnte, ich glaube, Twain hat es gesagt, zitiert werden: „Prognosen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen.“ Also wir haben natürlich unsere Anlagestrategie angepasst, wir haben einen höheren Anteil an Rohstoff-Aktien, an defensiven Konsumwerten, aber durchaus trotz allem ein breit gefächertes Portfolio, wir haben nur die Gewichte verschoben. Wir sind deutlich weg aus dem Technologiebereich und sind eher in defensiveren Branchen mit einer höheren Kassenquote investiert und sind toi toi toi bisher auch gut durch dieses Jahr gekommen.

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