Episode #057

Discount Zertifikate | Steffen Leditschke

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Was Discount-Zertifikate sind und wie mit diesen gehandelt werden kann, erklärt Portfoliomanager Steffen Leditschke. Mehr dazu hier.

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Was ist eigentlich ein Zertifikat?

Zertifikate sind sogenannte derivative Wertpapiere für Privatanleger und gehören zur Gruppe der strukturierten Produkte. Da Zertifikate im Gegensatz zu sonstigen Derivaten als Wertpapiere verbrieft sind, werden sie auch »verbriefte Derivate« genannt. Derivate sind demnach Finanzprodukte, deren Kursentwicklung sich von der Wertentwicklung eines anderen Produkts, des sogenannten Basiswerts, ableitet. Das kann beispielsweise die Aktie eines Unternehmens sein, ein Index wie etwa der DAX, ein Edelmetall wie Gold oder auch ein Rohstoff wie Öl. Von der Kursentwicklung des Basiswerts hängt die Wertentwicklung des jeweiligen Zertifikats ab. Zertifikate beinhalten stets eine oder mehrere Optionskomponenten. Sie bestimmen, welche Ausstattungsmerkmale ein Zertifikat hat. Dazu gehört, wie risikoreich ein Zertifikat ist und ob der Anleger mit dem Zertifikat auf steigende, fallende oder seitwärts laufende Kurse des Basiswerts setzt.

Zertifikate richten sich ausschließlich an Privatanleger, während Derivate wie Optionen, Futures und Swaps aufgrund der Investitionsgrößen eher von institutionellen Investoren gehandelt werden.

Zertifikate können viele Ausprägungen haben. Es gibt risikoreiche Hebelprodukte, bei denen ein Kursverlauf potenziert oder anders gesagt gehebelt wird. Diese Art von Papieren ist eher für offensiv ausgerichtete Anleger mit einem kurzfristigen Anlagehorizont geeignet. Es gibt Zertifikate, die wie ETFs Indizes abbilden. Andere Arten sind konservativere Zertifikate mit dem Fokus, Kursverläufe zu glätten bzw. Risiken zu reduzieren, wie z.B. die heute im Fokus stehenden Discount-Zertifikate.

Was ist ein Discount-Zertifikat?

Mit Discount-Zertifikaten investieren Anleger mit einem Preisabschlag oder Discount gegenüber dem aktuellen Börsenkurs in einen Basiswert. Für diesen Rabatt ist die maximale Gewinnchance des Discount-Zertifikats durch einen Höchstbetrag begrenzt. Dieser Höchstbetrag entspricht einem bestimmten Kurs des Basiswerts, dem Cap. Dabei gilt: Je niedriger der Höchstbetrag ist, desto höher ist der Rabatt, aber desto geringer ist auch die Rendite. Mehr Sicherheit kostet Rendite.
Der beim Kauf erzielte Rabatt gegenüber dem direkten Investment in z.B. Aktien, Indizes oder Rohstoffe baut sich bis zum Ende der Laufzeit des Discount-Zertifikats ab. Das bringt in einem Seitwärtsmarkt und sogar bei leicht sinkenden Kursen des Basiswertes Gewinne. Allerdings kann das Papier niemals über den sogenannten Cap-Preis steigen. Dieser Maximalkurs ermöglicht überhaupt erst den Rabatt gegenüber der Notierung des zugrundeliegenden Titels.

Wie funktioniert ein Discount-Zertifikat?

Der Cap-Preis kann auf, über oder unter dem aktuellen Kurs des Basiswertes liegen. Er definiert den Maximalwert des Discount-Zertifikats. Die Differenz zwischen dem Kaufpreis des Discount-Zertifikats und seinem möglichen Maximalwert bestimmt die Wertentwicklungs-Chance des Papiers. Hierzu ein Beispiel zum besseren Verständnis:

Eine Aktie als Basiswert notiert bei 115 Euro.
Der Anleger erwirbt ein Discount-Zertifikat mit einem Cap bei 110 Euro.
Daraus ergibt sich ein Maximalwert von 110 Euro. Der Kurs für das Zertifikat liegt bei 100 Euro, was einer Wertentwicklungs-Chance von ca. 10 % entspricht. Von hier an ergeben sich nun drei mögliche Szenarien für die Entwicklung bei Fälligkeit des Zertifikats:
1. Die Aktie notiert über dem Cap von 110 Euro. Das bedeutet, der Cap-Preis von 110 Euro greift und der Anleger kann eine Rendite von 10 % verbuchen.

2. Die Aktie notiert unter dem Cap bei 105 Euro, aber noch über dem Kaufpreis des Zertifikats. Der Wert des Zertifikats liegt bei 105 Euro. Dies würde einen Gewinn von 5 Euro oder 5 % bedeuten.

3. Die Aktie steht unter dem Kaufpreis des Zertifikats bei 95 Euro. Somit liegt der Wert des Zertifikats bei 95 Euro, was einen Verlust von 5 Euro oder ca. 5 % ausmacht. Der Basiswert selbst ist in diesem Szenario jedoch um ca. 20 % gefallen.

Wann lohnt sich der Kauf eines Discount-Zertifikats?

Aus dem vorherigen Beispiel wird der zu Grunde liegende Gedanke eines Discount-Zertifikats nochmal deutlich: Gewinne werden auf ein Maximum begrenzt und im Gegenzug fallen auch mögliche Verluste deutlich geringer aus, während bei gleichbleibenden Kursen Gewinne gemacht werden. Somit lohnt sich der Kauf eines Discount-Zertifikats besonders, wenn der Anleger davon ausgeht, dass sich der Kurs des Basiswertes über die Laufzeit nicht wesentlich verändert, sich also in einer sogenannten Seitwärtsphase befindet. Wer damit rechnet, dass der Kurs eines Basiswerts ein bestimmtes Niveau nicht übersteigt, findet in einem Discount-Zertifikat mit einem Cap auf eben diesem Kursniveau eine Alternative zum Direktinvestment mit deutlich defensiverem Risikoprofil, denn der rabattierte Einstiegspreis bietet einen begrenzten Schutz vor Kursverlusten.

Was ist beim Handel mit Discount-Zertifikaten noch zu beachten?

Discount-Zertifikate weisen ein paar Nachteile auf, die sie mit allen anderen Zertifikaten gemeinsam haben: Auch, wenn der Basiswert eine Aktie ist und diese dem Zertifikat-Besitzer zum Laufzeitende ins Depot gebucht wird, hat er während der Laufzeit des Discount-Zertifikats kein Stimmrecht und keinen Anspruch auf etwaige Dividendenzahlungen. Denn bei Discount-Zertifikaten handelt es sich lediglich um Inhaberschuldverschreibungen gegenüber dem Emittenten. Daher besteht auch ein Emittentenrisiko: Wird der Herausgeber des Discount-Zertifikats zahlungsunfähig, erleidet der Zertifikat-Halter einen Totalverlust seines eingesetzten Kapitals.
Beim Kauf eines Discount-Zertifikats sollte zudem auf die Faktoren geachtet werden, die sich zusätzlich zum Basiswert auf den Preis auswirken: Bei steigender Volatilität sowie bei steigenden Dividendenerwartungen sinkt der Preis des Zertifikats und umgekehrt. Durch ein Abnehmen der Restlaufzeit steigt es im Wert.

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