Sola’s Meinung zum Schweizer Aktien-Markt (Episode 24)

Inhaltsverzeichnis

*** Plutos – Schweiz Fund Update ***

*** SKAN – warum weniger mehr ist ***

*** Sensirion – warum mehr mehr ist ***

*** DocMorris – Once in a Lifetime ***

*** Roche – Newsflow dreht ins Positive ***

Der Mai 2024 hat uns gezeigt, dass der Plutos – Schweiz Funds für unser ‚Play-Book‘ nun richtig positioniert ist: Der Plutos – Schweiz Fund beschließt den Berichtsmonat 5,4 % höher und damit gar besser als der SPI Small/Mid Cap Index, der fulminante 5 % zulegt. Der Large Cap-Index SMI legt derweil 6,5 % zu. Es entwickelt sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Small/Mid- und Large-Caps.

Auch im Berichtsmonat schienen die Investoren einzig auf die Zinsfrage in den USA zu blicken – obwohl es durchaus positive makroökomische Daten gab. So zeigten sich die PMI’s in Europa und Asien positiver, die Inflation ist rückgängig. Europäische Aktienfonds haben nach über einem Jahr wieder Zuflüsse erhalten – diese Kapitalströme ließen auch den EUR erstarken. Der IWF hat seine Wachstumsprognose für China angehoben und rechnet neu mit einem BIP in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt von 5 % im Jahr 2024 und 4,6 % im Jahr 2025. Beide Schätzungen liegen 0,5 % über der vorherigen Prognose. Insbesondere die Rückkehr China’s zu höherem Wachstum ist ein wichtiger Teil unserer positiven Markteinschätzung für die Schweizer Zykliker.

Der Plutos-Schweiz Fund hat eine Gewichtung von über 60% in zyklische Schweizer Werte, die zudem in die Segmente Value, Growth oder Quality eingeteilt werden.

Viele dieser Zykliker konnten im Mai deutlich zulegen: Sensirion. OC Oerlikon, ams OSRAM, Comet, SFS, u-blox, Bystronic und medmix gewannen im zweistelligen Prozent-Bereich.

Das Highlight des Monats kam jedoch von der R&S Group: erneut wurden die Prognosen für 2024 und darüber hinaus deutlich erhöht – der Wert findet endlich mehr Beachtung bei den Investoren.

Während dieser Wert nun erwacht ist, scheinen einige unserer Positionen noch etwas im Winterschlaf zu sein: Ascom, Belimo, Forbo, PIERER Mobility, Komax, Kühne + Nagel konnten noch zu wenig überzeugen.

Straumann verloren trotz einem starken Q1-Ausweis überproportional – die Aussichten wurden ‘nur’ bestätigt und das Wachstum kam vermehrt aus Asien und nicht aus Amerika, was als ‚Low Quality Growth‘ moniert wurde.

Einige der bisherigen Top-Performer wie Accelleron, Holcim, Rieter, Sandoz konsolidieren die starken Gewinne, was uns gesund erscheint. Sie alle bieten jedoch weiterhin viel Potenzial.

Nachdem sich bei Lonza die Analysten bis vor Kurzem noch mit Kursziel-Erhöhung überboten, kam es im Mai zu deutlichen Gewinnmitnahmen – wir haben diese Korrektur für einer leicht höhere Gewichtung genutzt.DocMorris standen ebenfalls unter Druck – hier fehlt den Investoren unserer Meinung nach der Weitblick.

SKAN – warum weniger mehr ist

Ich glaube mich hier zu wiederholen, wenn ich schreibe, dass SKAN ein qualitativ kaum zu überbietendes Schweizer Unternehmen ist – daher hat es mich natürlich sehr gefreut, letzthin in der Finanz & Wirtschaft den Titel ‘Mit SKAN in einen Weltmeister investieren’ zu lesen und meine Meinung insofern bestätigt zu sehen 😉

An der diesjährigen GV hatte ich die Ehre zwei Familien-Mitglieder der Gründer kennenzulernen. Mit der Firma aufgewachsen und mittlerweile selbst im Verwaltungsrat vertreten, war es eindrücklich, die Langfristigkeit der Strategie und die bescheidene Zufriedenheit mit dem Erreichten zu spüren. Das Vertrauen ins Management-Team um CEO Thomas Huber und CFO Burim Maraj ist hoch und natürlich verdient. Denn der klare Plan, wie SKAN zukünftig wächst, wird zunehmend wichtiger.

Einige Investoren, denen die Bewertung Mühe bereitet und die auf einen ‚günstigeren‘ Einstiegspunkt warten, sahen sich ob dem starken Rückgang des Auftragseingangs (-28%) und des Auftragsbestandes (-13%) für 2023 in ihren Annahmen vielleicht bestätigt. Natürlich will man immer mehr Aufträge, mehr Kunden, mehr Umsatz sehen – manchmal passiert das jedoch zu Lasten des Kundenerlebnisses, sprich der Lieferzeiten und des eigenen Unternehmens.

Doch diesen Fehler begeht SKAN eben genau nicht: die Book/Bill-Ratio war 2022 mit 1.5x schlicht zu hoch und obwohl keine Kunden verloren gingen, hat SKAN auf Grund der langen Lieferzeiten einige Projekte nicht erhalten. SKAN kann es sich erlauben, zu einem gewissen Masse ‚Cherry picking‘ zu betreiben, also weniger Projekte, jedoch strategisch bessere, auszuwählen. Die Book/Bill-Ratio betrug 2023 noch 0.9x und bietet gute Planungssicherheit für über ein Jahr. So ist weniger mehr 👍

Sensirion – warum mehr mehr ist

Auch an dieser GV hatte ich die Möglichkeit, mich mit einem der Gründer zu unterhalten – und auch hier überzeugten mich die Argumente für weiteres, profitableres Wachstum. Kurz zuvor hatte Sensirion die neue Sensorplattform für die subkutane Medikamentenabgabe vorgestellt, die einer höheren Patientensicherheit dienen, die Fehlererkennung zuverlässiger machen und für die Ausfallzeiten der Geräte reduzieren werden – aus meiner Sicht hat dieses neue Produkt die Fantasie in den letzten Wochen zurückgebracht. Sensirion war denn auch der stärkste Gewinner im Plutos-Schweiz Funds im Mai.

Insgesamt werden die Anwendungen von Sensirion’s Sensoren laufend breiter und in vielen Bereichen wie der Medizintechnik, in der Industrie und Logistik, bei Haushaltgeräten, in der Unterhaltungselektronik und natürlich in Fahrzeugen genutzt. Während Sensirion in der Pandemie mit Aufträgen für Beatmungsgeräte bzw. deren Flussmessung förmlich überrannt wurde, werden diese nun mit einer CO2-Messung aufgerüstet – da die installierte Basis hoch ist, werden daraus gute neue Aufträge geniert werden können. Kältemittelsensoren, die gesetzlich gefördert werden, da die neuen Kältemittel leichter enzündbar sind, ja sogar in EV’s, die mit einer Wärmepumpe ausgerüstet werden (war für mich auch neu 😉) kommen Sensoren von Sensirion zum Einsatz.

Und dann gibt es natürlich noch den grossen Nachbarn in Hinwil, die BELIMO, die laufend mehr Bedarf nach Sensoren hat, bisher aber eher ein kleiner Kunde von Sensirion war – hier hört man, dass sich die Nachfrage nach den Sensoren aus Stäfa merklich erhöht hat. Die Kapazität dazu hat Sensirion und so ist ‚mehr‘ vielleicht schon bald ‚viel mehr‘ 😊

DocMorris – Once in a Lifetime opportunity

DocMorris stand im Mai unter Druck – das mag mit dem Sell-Rating einer Schweizer Großbank, mit dem CFO-Wechsel oder mit der konstanten, irritierenden Kritik des Apotheker-Verbandes ABDA und dessen Sprachrohr ‚Apotheke Adhoc‘ zu tun haben – all das scheint mir jedoch wenig relevant, denn den Investoren fehlt meiner Meinung nach etwas der Weitblick. Lassen Sie uns also das grosse Ganze eruieren.

Wenn wir verschiedene Online-Segmente, deren Grösse, Anzahl Anbieter und die Marktpenetration in Deutschland vergleichen, wird schnell klar, wieso DocMorris von einer ‚once in a Lifetime opportunity‘ spricht:

‚Electronics‘ ist mit einer Marktgrösse von rund EUR 65 Mrd., vielen Anbietern und einer 25% Penetration ein sehr umkämpfter Markt.

‚Fashion‘ ist ein kaum wenig einfacherer Online-Markt: mit einer Marktgrösse von EUR 60 Mrd. ist die Penetration mit 27% gar höher als bei Electronics. Auch hier rangeln sich viele Anbieter um den deutschen Kunden.

Der Markt für e-Rezepte und rezeptfreie Medikamente ist nicht minder gross als die beiden erwähnten Segmente: rund EUR 65 Mrd. ist der adressierbare Markt in Deutschland. Doch bei den beiden anderen Parametern zeigt sich die Opportunität: die Penetration beträgt momentan lediglich magere 0.7%. Und gar aufschlussreicher scheint mir die Anzahl Anbieter – zwei. Neben DocMorris hat es natürlich auch noch Platz für den zweiten Online-Apotheker Redcare.

Wie war das noch mit Amazon vor über 25 Jahren? Verluste geschrieben, jedoch den Marktanteil konstant erhöht, den First-Mover Vorteil genutzt, um dann den Margen-Hebel umzulegen – erkennen Sie worauf ich hinaus will 😉?

Roche – Newsflow dreht ins Positive

Ist es Ihnen auch aufgefallen? Während Roche 2023 und im 1. Quartal 2024 mehrheitlich Schlagzeilen machte, weil die Aktie ständig tiefer glitt, scheint sich das Blatt, zumindest was den Newsflow anbetrifft in den letzten zwei Monaten zu wenden.

Hier einige Headlines seit Anfang April – Sie müssen nicht alles lesen, es soll lediglich veranschaulichen, wie oft Roche positive Neuigkeiten vermelden konnte:

10.04.24: Roche erhält in Europa eine CE-Kennzeichnung für ein Brustkrebs-Begleitdiagnostikum +++ 11.04.24: Roche erhält von der FDA den Status «Breakthrough Device» für seinen Bluttest zur Alzheimer-Diagnose – es ermöglicht eine beschleunigte Prüfung und Zulassung. +++ 15.04.24: Roche‘s Columvi-Studie erreicht die Ziele resp. den primären Endpunkt in einer Phase-III-Studie +++ 19.04.24: Roche erhält für sein Lungenkrebsmittel Alecensa in den USA die Zulassung +++ 24.04.24: Roche verfehlt mit den Q124-Zahlen zwar die Schätzungen, doch der Ausblick wird bestätigt -> einige Tage darauf fällt die Aktie auf ein neues 52-Wochen Tief von CHF 212.90 +++ 29.04.24: Roche kommt einer möglichen Zulassung der subkutanen Variante seines MS-Mittels Ocrevus einen wichtigen Schritt näher +++ 15.05.24: Roche erhält die Zulassung für eine Selbstdiagnose des humanen Papillomavirus (HPV)  +++ 16.05.24: Roche erreicht die Ziele mit dem GLP-1/GIP-Kandidaten CT-388 in der Phase-I-Studie. +++ 21.05.24: Das Brustkrebsmedikament Inavolisib erhält von der FDA den Status «Breakthrough Therapy». +++ 22.05.24: Roche erhält von der FDA den Status «Breakthrough Device Designation» für einen Bluttest +++ 29.05.24: Roche wird von der FDA ein vorrangiges Prüfverfahren für Inavolisib (Brustkrebs) gewährt.

Seit dem All time-High von über CHF 400 Anfang April 2022 hat die Aktie, die als defensiv und qualitativ hochstehend gilt, sage und schreibe 43% an Wert eingebüßt. Klar, damals ging der Covid19-Hype um, dessen Wegfall später zu deutlichen Umsatz- und Gewinnreduktionen führte. Doch für mich ist der Wert nun bei einer Bewertung angekommen, die kaum mehr nachvollziehbar ist:

Mit P/E 12x ist Roche im Moment selten günstig zu erwerben, die Konkurrenz handelt bei über 20x. Roche erreicht weiterhin hohe ROE/ROCE-Resultate von über 36% und hat eine tiefe Verschuldung – mit einem Eigenkapital von über CHF 33 Mrd. übersteigt es die Schulden von 29.3 Mrd. deutlich. Die Dividende liegt über 4%.

Auch wenn Roche momentan unter Druck steht, da die Anleger Schwierigkeiten haben, wichtige Pipeline-Treiber zu finden, um die bekannten mittelfristigen generischen Risiken für Actemra, Xolair, Perjeta und den zunehmenden Wettbewerbsdruck auf Hemlibra und Kadcyla zu negieren, bin ich überzeugt, dass Roche wieder mit großen Erfolgen – oder einer schlauen Akquisition – aufwarten wird.

Die Investorenveranstaltung von Diagnostics vom 22. Mai war ein Erfolg und am 20. September 2024 folgt eine solche zur Pharma-Sparte. Dies sind Gelegenheiten, um die strategische Ausrichtung von Roche den Investoren klarer darzustellen.

Bis demnächst,

Stephan

ZOOM-KÄFELI

Gerne können wir über die erwähnten Punkte in einem Zoom-Käfeli ins Detail gehen – ich freue mich, von Ihnen zu hören!

Stephan Sola

Stephan Sola

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