EZB senkt Leitzinsen trotz Inflationsrisiko

Inhaltsverzeichnis

Konjunktur & Aktienmärkte

Konjunktur & Rentenmärkte:

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der vergangenen Woche Mut bewiesen und die Leitzinsen gesenkt, obwohl die Inflation im Euroraum noch deutlich über der Zweiprozent-Zielmarke liegt. Damit geht sie zwar ein Risiko ein, doch eine Zentralbank sollte vorausschauend handeln und nicht verspätet. Der wichtigste Schritt war die Senkung des Einlagensatzes von 4 % auf 3,75 %.

Den Einlagensatz erhalten die Geschäftsbanken für ihre Einlagen bei der EZB. Der eigentliche Leitzins, der Refinanzierungssatz, hat dagegen derzeit nur wenig Bedeutung, da das Interesse der Banken an Refinanzierungsgeschäften gering ist. Hintergrund sind die Wertpapierkäufe der EZB, die das europäische Bankensystem mit reichlich Liquidität versorgt haben. Derzeit belaufen sich die Wertpapierbestände und damit die Guthaben der Geschäftsbanken bei der EZB noch auf knapp 5000 Mrd. Euro.

Diese Bestände wird die EZB, wie angekündigt, in den nächsten Jahren reduzieren (und somit geldpolitisch bremsen), zugleich dürfte sie die Leitzinsen weiter reduzieren (und geldpolitisch beschleunigen). Im Ergebnis wird sich der Überschuss zwischen dem Liquiditätsbestand und dem tatsächlichen Liquiditätsbedarf in den kommenden Quartalen schrittweise vermindern. Aus Sicht der Marktteilnehmer war die Entscheidung keine Überraschung. Die Marktbewegungen waren am Donnerstag entsprechend gering.

Daneben gab es auch einige interessante Konjunkturdaten in der vergangenen Woche. Die für die deutsche Industrie gemeldeten Auftragseingänge enttäuschten zwar auf den ersten Blick, da die Bestellungen zum Vormonat insgesamt um -0,2 % zurückgingen. Rechnet man jedoch die volatilen Großaufträge heraus, um eine bessere Schätzung für den Trend zu bekommen, dann ergibt sich für April ein Zuwachs von 2,9 % zum Vormonat.

Positiv überraschte auch der Anstieg der Exporte um 1,6 % gegenüber März, erwartet wurden 1,1 %. Die Hinweise auf eine sich verfestigende Erholung in Deutschland verstärken sich mithin. Die Industrieproduktion ist weiterhin schwach – sie lag im April 3,9 % unter dem Vorjahresniveau.

Die aus den USA gemeldeten Konjunkturdaten hinterließen ein unklares Konjunkturbild. Der ISM Index für die Industrie blieb mit 48,7 Punkten wie bereits im April zwar unter der Linie von 50 Punkten. Dagegen läuft die Konjunktur im Dienstleistungssektor weiter hoch – hier stieg der Index von 49,4 auf 53,8 Punkte an.

Nachdem der ADP-Bericht einen mageren Stellenzuwachs von 152.000 gezeigt hatte, übertraf am Freitag der amtliche Arbeitsmarktbericht mit einem fulminanten Stellenzuwachs von 272.000 die Erwartungen (180.000) deutlich. Die Hoffnung auf eine Abkühlung am Arbeitsmarkt wurde damit enttäuscht. Womit sich langsam in den USA die Tür für Zinssenkung vor der US-Wahl schließt.

Aktienmärkte

Die Zinssenkung der EZB führte zu keinen Kurssprüngen an den Aktienmärkten – zu deutlich waren die Signale im Vorfeld der Sitzung. Gleichwohl wirkt die Zinssenkung kursunterstützend. Zudem dürften weitere Zinssenkungen in den kommenden Quartalen folgen. Unternehmen, die sich in Erwartung künftig niedrigerer Refinanzierungskosten zurückgehalten haben, dürften nun eher geneigt sein, zu investieren.

Die konjunkturelle Erholung dürfte in den kommenden Quartalen im Euroraum weiter tritt fassen. In den hohen Kursständen an den Aktienmärkten spiegelt sich aber genau diese Erwartung bereits wider. Daher tendierte der Dax in den letzten vier Wochen seitwärts. Der Dow-Jones-Index konnte in der zurückliegenden Woche in etwa zwei Prozent der vorherigen Kursverluste wieder wettmachen, bevor die überraschend guten Arbeitsmarktdaten Hoffnungen auf schnelle Zinssenkungen zunichtemachte und die Aktienkurse unter Druck brachte.

Einzelwerte

Airbus-Chef Guillaume Faury hat mehr Rüstungskooperation in Europa angemahnt. Es gebe schon wichtige Kooperationsprojekte, aber der Handlungsbedarf sei noch größer. „Man braucht eine bestimmte Skalierung, damit sich die Investitionen rechnen und man wettbewerbsfähig ist“, sagte er. Airbus will ferner den Einfluss auf seine Lieferanten steigern, um Schwierigkeiten beim Hochfahren der Flugzeugproduktion besser in den Griff zu bekommen.

Es sei im Interesse des Unternehmens, eine höhere Fertigungstiefe zu haben. Zur neuen Airbusstrategie gehöre auch, bisherige Zulieferer ganz oder teilweise zu übernehmen. Dazu passend wird über einen Großauftrag spekuliert. Bloomberg meldete, Qatar Airways könnte bei der britischen Farnborough Airshow im Juli eine große Order von bis zu 200 Flugzeugen bekannt geben. Sowohl Airbus als auch Boeing dürften zum Zug kommen.

Hewlett Packard Enterprise stellte glänzende Geschäftszahlen vor. Das auf Server und Hybrid-Cloud spezialisierte Unternehmen meldete im Bereich KI-optimierter Server einen starken Erlöszuwachs. Der Quartalsumsatz wurde um 3,3 % auf 7,20 Mrd. USD stärker als erwartet gesteigert (Konsens: 6,83 Mrd. USD).

Der bereinigte Gewinn von 0,42 USD je Aktie hat die Konsenserwartungen ebenfalls übertroffen. Für das laufende Quartal erwartet Hewlett Packard Umsätze zwischen 7,4 und 7,8 Mrd. USD. Renault will den neuen E-Twingo mit einem chinesischen Partner entwickeln. Renaults Elektrotochter Ampere übernimmt die Führung bei dem Projekt. Der neue Twingo für unter 20.000 € soll in Europa produziert werden und 2026 auf den Markt kommen. Hohe Margen sind in dem Preissegment nicht zu erwarten.

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Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Unternehmenssteuerung, Bestandskundenbetreuung, Fondsmanagement und Organisation. Zusätzlich ist er Fondsmanager des Kana NEB Funds und agiert neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance.

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