Kai Heinrich | 16. März 2026 |

Die Woche der Notenbanken

EZB-Europäische Zentralbank
Inhaltsverzeichnis

Konjunktur & Rentenmärkte

In der nächsten Woche ergibt sich für die bedeutendsten Notenbanken der Welt erstmals die Möglichkeit, offiziell auf die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts zu reagieren. Innerhalb einer Woche tagen gleich fünf Währungshüter: die amerikanische Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BoE), die Schweizerische Nationalbank (SNB) sowie die Bank of Japan (BoJ). Sie alle müssen nun ihren weiteren geldpolitischen Kurs festlegen – zu einem Zeitpunkt, an dem ihre Bemühungen, die Inflation beharrlich auf den Zielwert zurückzuführen, durch äußere Ereignisse empfindlich gestört wurden. Theoretisch kommt diesen Sitzungen eine außergewöhnlich hohe Signalwirkung zu. In der Praxis dürften die Notenbanken die Leitzinsen jedoch unangetastet lassen, ausgesprochen zurückhaltend kommunizieren und sich auf künftige Schritte nicht festlegen.

Unter normalen Umständen hätten die meisten Zentralbanken einen unvorhergesehenen Angebotsschock bei den Energiepreisen kaum als hinreichenden Grund für eine geldpolitische Kursänderung betrachtet. Solange die Inflationserwartungen fest verankert waren, lautete das Argument: Es wäre wirtschaftlich zu kostspielig, eine vorübergehende Inflationsspitze durch Zinserhöhungen zu bekämpfen. Der Inflationsschub nach der Corona-Pandemie hat die Risikoeinschätzung der Notenbanken jedoch grundlegend verändert. Seinerzeit unterschätzten sie die Hartnäckigkeit des Preisauftriebs, reagierten mit Zinserhöhungen zu spät und mussten diese anschließend über einen deutlich längeren Zeitraum aufrechterhalten.

Vor diesem Hintergrund stehen alle fünf Zentralbanken nun vor der Aufgabe, Ausmaß und mögliche Dauer des neuerlichen Inflationsschubs zu beurteilen. Besonders komplex ist die Lage in den Vereinigten Staaten. Die schwachen Beschäftigungsdaten vom Februar zeigen, dass der US-Arbeitsmarkt weiterhin unter Druck steht und die konjunkturelle Belebung bislang nicht in Stellenzuwächse mündet. Da die Fed einem doppelten Mandat verpflichtet ist – Preisstabilität einerseits, maximale Beschäftigung andererseits, muss sie Risiken von beiden Seiten abwägen. Angesichts der hohen Energiepreise hat sie nachvollziehbare Gründe, die Zinsen vorerst stabil zu halten und zunächst eine breitere Datenbasis abzuwarten. Die Marktteilnehmer rechnen zwar weiterhin mit Zinssenkungen der Fed im laufenden Jahr – allerdings zu einem späteren Zeitpunkt und in geringerem Umfang als bisher angenommen.

Im Euroraum hat sich die Gesamtinflation zuletzt in Richtung Zielwert bewegt, wenngleich dieser Rückgang alles andere als geradlinig verlief. Offen bleibt insbesondere, ob sich die Dienstleistungsinflation ausreichend abkühlt, damit die Gesamtrate dauerhaft beim angestrebten Niveau verharrt. Bei stabilen Energiepreisen konnte sich die EZB Geduld leisten. Sollten die Energiepreise hingegen nachhaltig steigen, könnte sie veranlasst sein, ein deutliches Signal an die Tarifparteien zu senden, um zu verhindern, dass der Weg zurück zur Preisstabilität weitere Umwege nimmt. Die Marktteilnehmer sehen dieses Risiko und haben eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte für den Herbst eingepreist.

Abschließend ein Blick auf die Bank of Japan, die unter den betrachteten Notenbanken einer Zinsanhebung zuletzt am nächsten kam. Ein erneuter Inflationsanstieg könnte zwar prinzipiell als Argument für einen Zinsschritt ins Feld geführt werden. Die BoJ ist jüngsten Schocks jedoch mit großer Vorsicht begegnet, aus Sorge, die realwirtschaftliche Dynamik könnte nachlassen und das nachhaltige Erreichen des Inflationsziels dadurch gefährdet werden. Im Vergleich zu den anderen Notenbanken hat die BoJ wohl den geringsten Grund, diese Woche abzuwarten. Dennoch dürfte auch in Japan kein Zinsschritt fallen – zu stark ist der politische Gegenwind, der ihrer Handlungsfähigkeit enge Grenzen setzt.

Die globalen Rentenmärkte stehen derzeit im Zeichen inflationsgetriebener Verluste. Der durch den Nahost-Konflikt ausgelöste Ölpreisschock hat die Renditen zuletzt merklich nach oben gedrückt – besonders am kurzen Ende der Zinskurve. Bei länger laufenden Anleihen fiel der Renditeanstieg hingegen moderater aus, da Wachstumssorgen als dämpfender Gegenpol wirkten.

Unter den Investoren dominieren angesichts der gestiegenen Energiepreise klar die Inflationsbedenken, was sich in steigenden Renditen sowohl bei kurz- als auch bei langlaufenden Papieren weltweit niederschlägt. Auch in Japan sind die Marktzinsen geklettert, verbleiben jedoch noch unterhalb der Jahreshöchststände. Da der Konflikt gleichzeitig inflationäre und konjunkturelle Risiken birgt, erscheinen ausgeprägte Renditeanstiege in nächster Zeit weniger wahrscheinlich.

 

Aktienmärkte

Die anhaltende Eskalation rund um den Iran sorgte über die gesamte Woche für ausgeprägte Schwankungen an den weltweiten Aktienmärkten. Zur bereits bestehenden Verunsicherung im Technologiesektor und den fortdauernden Handelsstreitigkeiten gesellen sich nun weitere Belastungsfaktoren: steigende Ölpreise, zunehmender Inflationsdruck und sich verschiebende Zinserwartungen. Zinssenkungen der Fed werden an den Märkten inzwischen immer seltener eingepreist, während die Sorge vor einem Stagflations-Szenario wächst – für den Fall, dass Energie bei gleichzeitig nachlassendem Wachstum dauerhaft teuer bleibt.

 

Einzelwerte

Bei Adobe steht ein Führungswechsel an: Langzeit-Chef Shantanu Narayen wird seinen Posten räumen, sobald ein geeigneter Nachfolger gefunden ist. Das gab der US-Softwarekonzern bekannt. Narayen, der das Unternehmen seit 18 Jahren leitet und Produkte wie Photoshop und InDesign zu globalen Branchenstandards geformt hat, soll dem Konzern künftig als Verwaltungsratsvorsitzender erhalten bleiben. Die Ankündigung verunsicherte die Anleger: Im nachbörslichen Handel verlor die Adobe-Aktie rund sieben Prozent.

Operativ lieferte der Konzern zum Jahresauftakt stärkere Zahlen als erwartet. Der Quartalsumsatz stieg im Jahresvergleich um zwölf Prozent auf 6,40 Milliarden US-Dollar – die Analystenerwartung von 6,28 Milliarden US-Dollar wurde damit übertroffen. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie übertraf Adobe mit 6,06 US-Dollar die Konsensschätzung von 5,87 US-Dollar. Als Wachstumstreiber nennt das Unternehmen die rege Nachfrage nach KI-gestützten Funktionen. Gleichwohl steht Adobe vor strukturellen Herausforderungen: Der durch Künstliche Intelligenz getriebene Wandel in der Softwarebranche senkt die Markteintrittsbarrieren für Design-Anwendungen und ebnet neuen Wettbewerbern den Weg.

Rio Tinto hat eine Finanzierung von knapp 1,2 Milliarden US-Dollar für die Erschließung eines Lithiumprojekts in Argentinien gesichert und stärkt damit seine Wachstumspipeline in einem Rohstoff, der für Batteriespeicher und Elektrofahrzeuge unverzichtbar ist. Das Finanzierungspaket wurde laut dem Bergbaukonzern von vier internationalen Geldgebern bereitgestellt. Die Mittel fließen in das Rincon-Projekt in der argentinischen Provinz Salta, dessen Gesamtkosten auf 2,5 Milliarden US-Dollar veranschlagt werden. Die geplante Anlage soll eine Jahreskapazität von rund 60.000 Tonnen Lithiumcarbonat in Batteriequalität erreichen.

Wacker Chemie hat ein schwieriges Jahr 2025 hinter sich: Das trübe Konjunkturumfeld, hohe Energiekosten sowie die anhaltende Schwäche im Polysilizium-Segment – dem zentralen Rohstoff für die Solarindustrie – haben den Münchner Chemiekonzern spürbar belastet. Als direkte Folge fällt die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 aus; im Vorjahr hatten die Aktionäre noch 2,50 Euro je Aktie erhalten.

Auch der Ausblick fällt verhalten aus. Für das erste Quartal erwartet Wacker Chemie einen Umsatz von rund 1,35 Milliarden Euro – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Beim EBITDA peilt das Unternehmen 140 bis 160 Millionen Euro an; dank eingeleiteter Kostensenkungsmaßnahmen läge dieser Wert dennoch über dem Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet der MDAX-Konzern mit einem Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich sowie einem EBITDA zwischen 550 und 700 Millionen Euro. Die jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten sind in dieser Prognose allerdings noch nicht berücksichtigt.

Märkte in der vergangenen Woche:

KW12 Tabelle

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