Überblick: Struktureller Bedeutungsgewinn außerhalb des Bankensystems
Private Credit hat sich in den vergangenen Jahren von einer spezialisierten Nischenstrategie institutioneller Investoren zu einer global bedeutenden Assetklasse entwickelt. Mit „Private Credit“ ist die direkte Vergabe von Krediten durch nicht-börsennotierte Finanzintermediäre gemeint. Kreditgeber sind typischerweise spezialisierte Fonds oder Asset Manager, außerhalb des klassischen Bankensystems. Als Synonym wird manchmal der Begriff „Private Debt“ verwendet.
Private Credit eröffnet Unternehmen eine zusätzliche Finanzierungsquelle außerhalb des Bankensystems und stärkt so die wirtschaftliche Dynamik. Besonders kleinere, risikoreichere und innovative Unternehmen – etwa in Business Services, Gesundheitswesen und Technologie – profitieren davon. Damit leistet Private Credit auch einen wichtigen Beitrag z. B. zur digitalen Transformation.
Private-Credit-Fonds, die zentralen Akteure dieses Marktes, verwalten weltweit rund 2,5 Billionen US-Dollar. Im Vergleich zum globalen Finanzsystem mit etwa 486 Billionen US-Dollar ist das Volumen gering, das Wachstum ist jedoch hoch: Über ein Jahrzehnt hinweg lagen die Zuwächse zwischen 10 % und 15 %. Rund 90 Prozent des Private-Credit-Kreditvolumens entfallen bislang auf US-Fonds, gefolgt von europäischen Fonds.
In Deutschland hingegen ist der Markt noch klein: Das Vermögen deutscher Kreditfonds entspricht weniger als 0,5 % des von Banken vergebenen Kreditvolumens. Ein Grund dürfte sein, dass Kreditvergabe durch Fonds hierzulande erst seit rund zehn Jahren möglich ist. Unternehmen im Euroraum erhalten zudem den Großteil ihrer Private-Credit-Finanzierungen von außereuropäischen Fonds.
Schaubild: Private-Credit-Fonds leiten Kapital von institutionellen Investoren in die Realwirtschaft weiter.

Quelle: EZB. Hinweise: PE steht für Private Equity; PC steht für Private Credit; CLO steht für Collateralised Loan Obligation (besicherte Kreditverbriefung).
Das Marktwachstum ist strukturell getrieben: Banken ziehen sich aufgrund regulatorischer Kapitalanforderungen zunehmend aus bestimmten Kreditsegmenten zurück. Diese Lücke nutzen die Private-Credit-Fonds institutionelle Investoren, die stabile Cashflows suchen und an überdurchschnittlichen Renditen interessiert sind. Mit anderen Worten: Insbesondere in den USA ersetzt Private Credit zunehmend traditionelle Bankkredite. Dabei sind Investmentgesellschaften wie Blackstone und Apollo Global Management die aktivsten Akteure.
Schaubild: Weltweites Anlagevolumen in Private Credit

Quelle: Preqin Global Report: Private Debt 2025.
Marktmechanik und Funktionsweise von Private Credit
Im Kern handelt es sich bei Private Credit um bilateral oder syndiziert strukturierte Fremdfinanzierungen, die nicht über öffentliche Kapitalmärkte emittiert werden. Daher ist der Markt vergleichsweise intransparent.
Anders als z.B. bei Unternehmensanleihen erfolgt keine Standardisierung in Form handelbarer Wertpapiere. Die individuellen Kredite werden entlang der jeweiligen Bonität, der Cashflow-Stabilität und Besicherung des jeweiligen Kreditnehmers strukturiert.
Typische Formen sind:
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Direct Lending: klassische Unternehmenskredite an mittelständische oder größere Firmen
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Mezzanine-Kapital: Mischform aus Eigen- und Fremdkapital mit höherem Risiko und Rendite
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Venture Debt: Kredite für wachstumsstarke Start-ups
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Distressed Debt: Finanzierung oder Kauf von Krediten notleidender Unternehmen
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Asset-backed Lending: Kredite, die durch Vermögenswerte besichert sind.
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Charakteristisch ist dabei die aktive Rolle des Kreditgebers, der häufig weitreichende Covenants, Reportingpflichten und Kontrollrechte durchsetzt.
Da keine täglichen Preise gebildet werden, entsteht ein Bewertungsrisiko. Verluste werden bestenfalls zeitlich verzögert sichtbar. Entsprechend wichtig ist die initiale Kreditprüfung.
Viele Schuldner erhalten nur ein Sub-Investment-Grade (B/CCC) Rating. Manchen Unternehmen ist der Weg zu klassischen Bankkrediten damit versperrt. Die Kreditrisiken im Private-Credit-Markt sind entsprechend erhöht. Die jährlichen Ausfälle in normalen Zeiten liegen bei 2 bis 5 % jährlich.
Übersicht: Vergleich Unternehmensanleihen, Collateralized Loan Obligation und Private Debt
Quelle: Lupus alpha.
Zwischen dem sehr intransparenten Private-Credit-Markt und dem überdurchschnittlich transparenten Markt für Unternehmensanleihen, lässt sich zum einen noch der Markt für Collateralized Loan Obligations (CLO) einordnen. Der CLO-Markt ist zwar transparenter, in dem Sinne, dass eine tägliche Preisbildung stattfindet, andererseits führt die Wasserfallstruktur bzw. die Tranchierung zu unerwünschten Risiken. Nicht zuletzt waren CLOs mitverantwortlich für die Finanzkrise 2008.
Wollte man des Weiteren in der Liste die deutschen Schuldscheine noch ergänzen, so könnte man diese dem Private-Credit-Markt zurechnen oder eine weitere Kategorie bilden. Grund-sätzlich entsprechen Schuldscheine der Definition von Private Credit (direkte Investments zwi-schen Investoren und Unternehmen, keine öffentliche Anleiheemission, keine Börsennotie-rung). Im Vergleich zu anderen Private-Credit-Formen sind Schuldscheine jedoch liquider.
Treiber des Wachstums: Bankenregulierung und Kapitalnachfrage
Um den Private-Credit-Markt zu bewerten und einzuschätzen, welche Risiken dieses Segment trägt, ist es sinnvoll, einen genaueren Blick auf Wachstumstreiber zu werfen:
Der zentrale strukturelle Treiber ist die Veränderung der Kreditintermediation im Zuge verschärfter Bankenregulierung. Seit der Finanzkrise 2008 wurden Eigenkapitalanforderungen und Risikogewichtungen im Bankensektor signifikant erhöht, wodurch insbesondere risikoärmere Margensegmente für Banken weniger attraktiv wurden. Parallel dazu hat sich der Finanzierungsbedarf auf Unternehmensseite ausgeweitet.
Die Kombination aus regulatorischem Rückzug der Banken und erhöhter Kapitalnachfrage im Unternehmenssektor hat somit eine strukturelle Finanzierungslücke geschaffen, die Private-Credit-Fonds zunehmend füllen.
Aus Anlegersicht kommt aktuell ein makroökonomisches Zinsumfeld hinzu, das Private-Credit-Fonds attraktiv macht: Variable Verzinsungsstrukturen ermöglichen es Anlegern, unmittelbar von steigenden Leitzinsen zu profitieren, während klassische Anleiheportfolios in solchen Phasen Kursverluste erleiden.
Schaubild: Risikoaufschläge in Basispunkten, Euro zum 12/2025 und Veränderung seit Jahresbeginn

Quelle: Lupus alpha.
Wie in Private Credit investieren?
Privatanleger können über verschiedene Wege in den boomenden Private-Credit-Markt investieren:
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- Private-Credit-Fonds
- börsennotierte Business Development Companies (BDCs, vor allem USA)
- Multi-Asset- oder Alternativfonds mit Private-Credit-Anteil
- Und in Europa in spezialisierte ELTIF-Strukturen (European Long-Term Investment Fonds)
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Bei der Auswahl von Private-Credit-Fonds sollten Anleger mehrere zentrale Kriterien berücksichtigen. Dazu zählen insbesondere der Track Record des Managers, die bisherige Ausfallhistorie, eine ausreichende Diversifikation des Portfolios sowie die Gebührenstruktur. Darüber hinaus spielt auch das Transparenzniveau des Fonds eine wichtige Rolle, da die Anlageklasse als solche durch eine vergleichsweise geringe Transparenz gekennzeichnet ist.
Weniger geeignet ist die Anlageklasse für kurzfristig orientierte Anleger, Investoren mit hohem Liquiditätsbedarf sowie sehr risikoaverse Anleger. Typisch sind Mindestanlagesummen und lange Lock-up-Perioden.
Systematische Einordnung und Vergleich zur Finanzkrise 2008
Private Credit ist mithin mit Risiken behaftet, die sich sowohl auf Emittenten- als auch auf Fondsebene manifestieren. Zentrale Risikofaktoren sind Kreditrisiken im Sinne steigender Default Rates in konjunkturellen Abschwüngen sowie lliquiditätsrisiken aufgrund langfristiger Kapitalbindungen.
Besonders relevant ist auf Fondsebene das sogenannte Manager-Risiko, da Kreditentscheidungen aktiv getroffen werden und die Performance stark von der Underwriting-Kompetenz des jeweiligen Fondsmanagers abhängt. Darüber hinaus bestehen Konzentrationsrisiken in bestimmten Marktsegmenten, insbesondere im Mid-Market-Buyout-Segment, das häufig von Private Equity getrieben ist.
Zwar tragen Investoren in Private-Credit-Fonds Verluste aus Kreditausfällen direkt, da der Wert ihrer Anteile mit den zugrunde liegenden Krediten sinkt. Bei offenen Fonds mit kurzfristigen Rückgabemöglichkeiten können Anleger jedoch schnell aussteigen. Kommt es zu breiteren Mittelabflüssen und schränken Fonds daraufhin ihre Kreditvergabe ein, kann dies Unternehmen treffen, die auf diese Finanzierung angewiesen sind – mit Folgen für Investitionen, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum.
Mit dem starken Wachstum von Private Credit stellt sich daher die Frage nach potenziellen systemischen Risiken auch für den globalen Finanzmarkt. Das Marktvolumen von rund 1,5 bis 2 Billionen US-Dollar ist dabei relevant.
Verglichen mit dem US-Hypothekenmarkt ist die Größenordnung deutlich kleiner. Das Volumen des US-Hypothekenmarkt dürfte 2008 bei etwa 8 Billionen US-Dollar gelegen haben.
Zudem lag damals das Problem weniger im reinen Kreditvolumen, sondern in der starken Verbriefung, Hebelung und Intransparenz des Systems. Mortgage-Backed Securities (MBS) und Collateralized Debt Obligations (CDOs) führten zu einer mehrfachen Risikotransformation desselben Underlyings, was die systemische Fragilität massiv erhöhte.
Im Gegensatz dazu ist Private Credit heute überwiegend direkt bilanzierte Fremdfinanzierung ohne vergleichbare Sekundärverbriefung. Die Struktur ist dadurch grundsätzlich weniger komplex und weniger stark gehebelt. Dennoch entstehen Risiken, insbesondere durch die Verflechtung mit Banken über Kreditlinien, Co-Investments und Refinanzierungsstrukturen sowie durch die Intransparenz des Schattenbankensektor zu dem Private-Credit-Fonds zählen.
Fazit
Private Credit hat sich insbesondere in den USA als Säule der Unternehmensfinanzierung außerhalb des Bankensektors etabliert. Für Investoren bietet die Anlageklasse attraktive laufende Erträge und Diversifikationsmöglichkeiten.
Gleichzeitig ist der Markt nicht frei von strukturellen Risiken, während aber die Mechanik weniger komplex und weniger derivativ geprägt ist als im Vorfeld der Finanzkrise 2008. Entscheidend für die Stabilität des Systems wird daher nicht nur die Entwicklung einzelner Kreditportfolios sein, sondern die Frage, wie sich Private Credit in einer tiefen konjunkturellen Rezession verhält und ob Liquiditäts- und Bewertungsmechanismen in Stressphasen robust bleiben.
Damit steht Private Credit exemplarisch für eine Verschiebung im globalen Finanzsystem: weg von hochliquiden, marktbasierten Finanzierungsstrukturen hin zu stärker intermediär geprägten, illiquiden, aber ertragsstabilen Kreditmodellen.
Quellen:
Private markets, public risk? Financial stability implications of alternative funding sources
Private Debt – eine aktuelle Einordnung | Lupus alpha
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