Kai Heinrich | 16. Januar 2026 |

Plutos: Konjunkturausblick 2026

Würfel 2026
Inhaltsverzeichnis

 


 

Überblick

Die Weltwirtschaft 2026 bewegt sich in einem Umfeld moderater, aber stabiler Expansion. Globale Wachstumsimpulse sind gedämpft durch hohe Staatsverschuldung, geopolitische Unsicherheiten und strukturelle Engpässe. Geldpolitisch bleiben viele Zentralbanken flexibel: Die US-Notenbank senkt den Leitzins auf rund 3 %, die EZB hält ihn bei 2 % und Japan normalisiert nur behutsam. Insgesamt stützen lockere Geldpolitik und fiskalische Impulse das Wachstum, während Inflationsrisiken regional unterschiedlich bestehen.

Die globalen Aktienmärkte entwickeln sich moderat positiv, getragen von Technologie, KI und robusten Unternehmensgewinnen. Die Renditen langfristiger Anleihen steigen leicht, kurzlaufende bleiben stabil. Währungen spiegeln divergierende Zinserwartungen wider, der US-Dollar stabilisiert sich nach Abwertung, Yen und Pfund reagieren unterschiedlich.

Regionale Unterschiede prägen das Wachstum: Die USA zeigen robuste Binnenwirtschaft, jedoch politisch bedingte Volatilität; China wächst moderat, gestützt durch staatliche Infrastruktur- und Industriepolitik; Indien bleibt dynamischer Wachstumstreiber; Europa erholt sich langsam und Japan stabilisiert sich vorsichtig.

Kryptowährungen konsolidieren nach Rekordwerten, bleiben spekulativ und volatil. Die zunehmende Regulierung und Entwicklung digitaler Zentralbankwährungen beeinflussen langfristig ihre Rolle. Insgesamt steht die Weltwirtschaft vor einem Jahr stabiler, aber gedämpfter Dynamik – getragen von Technologie, staatlicher Steuerung und selektiven Wachstumstreibern.

Vor diesem globalen Hintergrund lohnt sich ein detaillierter Blick auf einzelne Wirtschaftsräume. Unterschiede in Geldpolitik, Fiskalmaßnahmen, Strukturproblemen und Wachstumstreibern prägen die regionale Entwicklung und wir erläutern, warum USA, Europa, China, Japan und Indien jeweils spezifische Herausforderungen und Chancen erleben.

Auf Basis dieser regional differenzierten Wirtschaftsperspektiven lassen sich nun die globalen Finanzmärkte analysieren. Aktien, Anleihen, Währungen und Kryptowährungen reagieren auf Zinspolitik, fiskalische Impulse und geopolitische Risiken, wobei Chancen und Volatilität je nach Region und Anlageklasse unterschiedlich ausfallen.

 

USA

Die US-Wirtschaft steht 2026 vor einer Phase moderater Abschwächung nach Jahren robuster, politisch stimulierter Expansion. Das konjunkturelle Umfeld bleibt durch Trumps unberechenbare Wirtschafts- und Handelspolitik fragil. Die Kombination aus fiskalischer Expansion, anhaltenden Belastungen durch die Zollpolitik und einer eher zögerlich reagierenden Geldpolitik schafft ein Spannungsfeld zwischen kurzfristiger Wachstumsstütze und strukturellen Belastungen.

Mit Blick auf die Midterm-Elections dürfte Präsident Trump versuchen, die Konjunktur durch neue Steuersenkungen und konsumfreundlichen Maßnahmen zu beleben. Diese Politik dürfte zwar für zusätzliche Impulse sorgen, verschärft aber das ohnehin hohe Haushaltsdefizit, das 2026 voraussichtlich bei rund 6 % des BIP liegen wird. Die US-Notenbank reagiert vermutlich auf die nachlassende Dynamik mit weiteren Zinssenkungen. Bis Ende 2026 dürfte der Leitzinskorridor auf 3,0 % bis 3,25 % sinken. Damit bleibt die Geldpolitik zu wenig expansiv, um ein stärkeres Wachstumsmomentum – freilich auf Kosten höherer Inflationsrisiken – zu entfachen.

Die Inflation, die sich in der zweiten Hälfte 2025 hartnäckig über dem Zielwert hielt, dürfte 2026 nur allmählich zurückgehen. Zölle und Lieferkettenanpassungen führen zu erhöhten Importkosten, während die Inlandsnachfrage robust bleibt. Erst 2027 ist mit einer deutlicheren Entspannung der Preisentwicklung zu rechnen. Das reale Wachstum wird 2026 voraussichtlich bei etwa 2,2 % liegen und sich 2027 nur leicht erhöhen.

An den Finanzmärkten zeigt sich ein gemischtes Bild: Während die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen aufgrund des hohen staatlichen Defizits tendenziell steigen könnten, stützen die Zinssenkungen der US-Notenbank den Aktienmarkt. Technologie- und KI-Titel bleiben Wachstumstreiber, doch die überzogenen Erwartungen der letzten Jahre begrenzen die Kursfantasie. Der US-Dollar hat gegenüber dem Euro stark an Wert verloren; eine nachhaltige Trendwende erscheint angesichts politischer Unsicherheiten und Kapitalabflüssen aus China unwahrscheinlich.

Insgesamt dürfte die US-Wirtschaft 2026 und 2027 in eine Phase verlangsamter, aber stabiler Entwicklung eintreten. Politische Eingriffe, strukturelle Handelshemmnisse und das hohe Defizit belasten die Perspektiven, doch die robuste Binnenwirtschaft, eine flexible Geldpolitik und der technologische Vorsprung der USA verhindern einen konjunkturellen Einbruch.

 

Euroraum 

Der Euroraum steht 2026 vor einer allmählichen konjunkturellen Erholung, die sich nach Jahren schwacher Dynamik zunehmend verfestigen dürfte. Getragen wird sie von einer Kombination aus geldpolitischer Lockerung, expansiver Fiskalpolitik und einer langsam verbesserten Stimmung in der Industrie. Nach einer Phase enttäuschender Wachstumszahlen im Jahr 2025 beginnen die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und die höheren staatlichen Ausgaben nun schrittweise zu wirken. Gleichwohl bleibt das Wachstum moderat und anfällig für externe Schocks.

Die EZB hat ihren Leitzins 2025 auf 2 % gesenkt und könnte bei anhaltender wirtschaftlicher Schwäche nochmals leicht nachjustieren. Mit einer Inflation, die sich im Zielkorridor stabilisiert hat, besteht hierfür geldpolitischer Spielraum. Während die Geldpolitik inzwischen neutral wirkt, sorgt die Fiskalpolitik vieler Mitgliedstaaten für zusätzliche Impulse. Insbesondere in Deutschland fließen erhebliche Mittel in Infrastruktur und Rüstung, was der Industrie Aufträge und den Arbeitsmärkten Stabilität verleiht. Allerdings droht die Wirkung durch bürokratische Verzögerungen und ineffiziente Mittelverwendung abgeschwächt zu werden.

Besonders im Fall eines Waffenstillstands in der Ukraine könnten umfangreiche Wiederaufbauprogramme und verstärkte Handelsverflechtungen mit osteuropäischen Staaten einen zusätzlichen Wachstumsschub bringen. Auch die verbesserte Anpassung europäischer Unternehmen an die US-Zollpolitik dürfte 2026 exportseitig für Entlastung sorgen.

Dennoch bleiben vor allem in Deutschland strukturelle Schwächen bestehen: Der Mangel an Reformen, schleppende Genehmigungsverfahren und geringe Investitionen in Digitalisierung und Energieeffizienz bremsen das Potenzialwachstum.

An den Kapitalmärkten könnten die Renditen langfristiger Staatsanleihen angesichts steigender Defizite und eines wachsenden Anleiheangebots leicht zulegen, während die kurzen Laufzeiten durch die EZB-Politik stabil bleiben. Die Aktienmärkte profitieren von der verbesserten Zinslandschaft und allmählich steigender Unternehmensgewinne, auch wenn die Kursdynamik hinter der des Vorjahres zurückbleibt.

Fazit: Insgesamt dürfte sich die wirtschaftliche Lage im Euroraum schrittweise verbessern. Die expansive Fiskalpolitik und eine unterstützende Geldpolitik verhindern ein Abgleiten in die Stagnation, doch echte Wachstumsimpulse bleiben rar. Die Erholung ist breit angelegt, aber fragil – getragen mehr von politischer Stabilisierung als von struktureller Stärke.

 

China

Die chinesische Wirtschaft bleibt 2026 in einem Spannungsfeld zwischen Stabilisierung und strukturellem Anpassungsdruck. Nach den globalen Turbulenzen der Vorjahre hat sich das Wachstum auf einem moderaten, aber stetigen Niveau eingependelt. Mit rund 4 bis 4,5 % BIP-Zuwachs bleibt China hinter früheren Hochphasen zurück, zeigt jedoch im internationalen Vergleich weiterhin solide Dynamik. Die Regierung in Peking verfolgt eine Politik gezielter Nachfrageanreize, um die schwache Binnennachfrage und die anhaltend niedrige Inflation zu bekämpfen.

Das Hauptproblem bleibt die Nachwirkung der Immobilienkrise, die weiterhin große Teile des Finanzsystems belastet. Viele Bauträger kämpfen mit Liquiditätsengpässen, und die Konsumenten zeigen sich zurückhaltend. Die Regierung reagiert mit fiskalischen Impulsen, steuerlichen Entlastungen und Investitionen in Infrastruktur, Technologie und erneuerbare Energien. Dabei gewinnt die Industriepolitik neue Bedeutung: China versucht, seine Position in strategischen Zukunftssektoren wie Halbleitern, Elektromobilität und Batterietechnik zu sichern und gleichzeitig die Abhängigkeit vom Export zu verringern.

Der Außenhandel steht vor einer Neuorientierung. Angesichts der protektionistischen Tendenzen in den USA und Europa verstärkt China seine wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb Asiens, zu Afrika und zu Staaten der „Neuen Seidenstraße“. Das Ziel ist eine resilientere, multipolare Handelsstruktur. Die Inflation bleibt mit unter 2 % niedrig, was der Zentralbank Spielraum für eine lockere Geldpolitik lässt.

An den Finanzmärkten ist die Stimmung verhalten optimistisch. Der Renminbi bleibt gegenüber dem US-Dollar relativ stabil, Kapitalabflüsse haben sich verringert. Die Stabilität der Staatsfinanzen gilt trotz hoher Verschuldung auf lokaler Ebene als gewährleistet. Insgesamt zeigt sich China als Wachstumsanker in einer schwachen Weltkonjunktur – jedoch mit zunehmend staatlich gesteuerter Dynamik und geringerer Markteffizienz. Die Phase zweistelliger Wachstumsraten bleibt Vergangenheit; das neue Normal ist kontrolliertes, strategisch ausgerichtetes Wachstum. 

 

Japan

Japan erlebt 2026 eine Phase vorsichtiger Normalisierung nach Jahren ultralockerer Geldpolitik und schleichender Inflation. Die Bank of Japan hat begonnen, ihre expansive Politik zu justieren, bleibt jedoch weit von einem restriktiven Kurs entfernt. Die Inflation ist aktuell – trotz einer leichten Entspannung – weiterhin unerwünscht hoch, damit bleiben die Realzinsen negativ – ein Zeichen, dass die geldpolitische Wende nur behutsam erfolgt.

Die Konjunktur zeigt ein gemischtes Bild. Der private Konsum profitiert von steigenden Löhnen und einer stabilen Beschäftigungslage, während der Exportsektor unter der globalen Nachfrageschwäche leidet. Die Unternehmen stehen vor dem Spagat zwischen Preisdruck, Fachkräftemangel und der Notwendigkeit, in Automatisierung und Digitalisierung zu investieren. Gleichwohl sichert der Technologiesektor, Investitionen in Robotik und die Energiewende der japanischen Industrie ein solides Fundament.

Fiskalpolitisch bleibt die Regierung expansiv. Hohe Schuldenstände werden bewusst in Kauf genommen, um die Transformation zu beschleunigen und die alternde Bevölkerung sozial abzusichern.

Die Kapitalmärkte reagieren auf die geldpolitische Neuausrichtung mit steigenden Renditen. Die Verzinsung zehnjähriger Staatsanleihen hat sich bis Ende 2025 bereits auf rund 2,0 % erhöht und dürfte weiter leicht zulegen. Damit gewinnt der Yen tendenziell an Attraktivität, auch wenn internationale Anleger Japan weiterhin eher als sicheren Hafen, denn als Renditemarkt sehen.

Insgesamt bleibt Japans Konjunktur ohne größere Dynamik. Der demografische Wandel und die hohe Staatsverschuldung begrenzen das Wachstumspotenzial, während Innovation und technologische Führungspositionen wichtige Stabilisatoren bilden. 

 

Indien

Indien bleibt auch 2026 einer der wichtigsten Wachstumstreiber der Weltwirtschaft. Mit einem erwarteten BIP-Zuwachs von rund 6 % behauptet sich das Land als dynamischster großer Wirtschaftsraum. Getragen wird das Wachstum von einer jungen Bevölkerung, steigender Urbanisierung und massiven Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung.

Die Regierung setzt ihre Strategie der wirtschaftlichen Öffnung und Standortförderung fort. Programme wie „Make in India“ und „Digital India“ zeigen zunehmend Wirkung, insbesondere im Industrie- und Technologiesektor. Zugleich profitiert Indien von der globalen Neuordnung der Lieferketten: Zahlreiche westliche Unternehmen verlagern Produktionskapazitäten aus China nach Südasien.

Die Inflation ist unter ein Prozent gesunken; die indische Notenbank verfolgt jedoch nur eine vorsichtige Zinspolitik. Herausforderungen ergeben sich aus strukturellen Defiziten: unzureichende Energieversorgung, geringe Produktivität im Agrarsektor und ungleiche Einkommensverteilung.

Im Außenhandel stärkt Indien seine Rolle als Exporteur von Dienstleistungen, Software und Pharmazeutika. Zugleich werden neue Partnerschaften in Asien und Afrika aufgebaut. Die Rupie zeigt sich stabil, die Kapitalzuflüsse bleiben hoch. Insgesamt steht Indien für ein nachhaltiges, breitenwirksames Wachstum – noch nicht ohne Risiken, aber zunehmend mit globaler Bedeutung.

 

Aktienmärkte

Nach den starken Kursgewinnen des Jahres 2025 stehen die globalen Aktienmärkte 2026 vor einem Übergang in eine Phase moderaterer, aber breiter abgestützter Entwicklung. Das außergewöhnliche Momentum des Vorjahres, das vor allem durch Technologie- und KI-Titel getragen war, lässt sich kaum wiederholen. Dennoch spricht vieles dafür, dass das Aktienumfeld grundsätzlich positiv bleibt – getragen von sinkenden Zinsen, vorsichtiger konjunktureller Erholung und weiterhin hoher Liquidität im globalen Finanzsystem.

In den USA haben sich die Aktienbörsen – nach dem Schock im April 2025 durch Trumps Zollpolitik – im zweiten Halbjahr 2025 wieder gefestigt. Die erwarteten Zinssenkungen der Federal Reserve stützen die Bewertungen, während die Unternehmensgewinne in wichtigen Sektoren solide bleiben. Die Bewertungen im Technologiesektor sind hoch, teilweise ambitioniert, doch bisher von fundamentaler Ertragskraft unterlegt. Unternehmen wie Nvidia, Microsoft oder Alphabet profitieren weiterhin von der anhaltend hohen Nachfrage nach Rechenleistung und KI-Anwendungen. Gleichwohl hat sich die Anlegerstimmung normalisiert: Die Euphorie der Vorjahre weicht einer realistischeren Einschätzung zukünftiger Gewinnpotenziale. Der Vergleich mit der New-Economy-Blase bleibt unangebracht – zu stark ist die tatsächliche Wertschöpfung der führenden Unternehmen, zu solide ihre Marktstellung.

Im Euroraum verlief die Kursentwicklung 2025 nach einer starken ersten Jahreshälfte im weiteren Jahresverlauf nur seitwärts. 2026 dürfte die Region wie beschrieben vom nachlassenden Zinsdruck, fiskalischen Impulsen und einer sich allmählich aufhellenden Konjunktur profitieren. Besonders zyklische Branchen – Industrie, Konsum, Rohstoffe – könnten in der zweiten Jahreshälfte überdurchschnittlich performen. Die Bewertung europäischer Aktien bleibt im historischen Vergleich moderat und bietet daher Aufholpotenzial gegenüber den USA.

In Asien bleibt das Bild differenziert. Während chinesische Titel von staatlicher Unterstützung profitieren, belastet die anhaltende Unsicherheit über Regulierung und Immobiliensektor das Anlegervertrauen. Der japanische Markt zeigt sich stabil: Steigende Löhne, moderate Inflation und eine vorsichtige geldpolitische Normalisierung schaffen ein Umfeld, das Qualitätstitel mit solider Dividendenrendite begünstigt. Indische Aktien setzen ihren langfristigen Aufwärtstrend fort, getragen von robustem Wachstum und Kapitalzuflüssen internationaler Investoren.

Global betrachtet bleibt der Bewertungsrahmen anspruchsvoll. Die Gewinnschätzungen für 2026 wurden vielerorts bereits nach oben angepasst, was Raum für Enttäuschungen schafft. Dennoch spricht die Kombination aus lockerer Geldpolitik, rückläufiger Inflation und stabilen Margen für ein günstiges Aktienjahr – vor allem dann, wenn geopolitische Risiken nicht erneut eskalieren.

Insgesamt deutet sich für 2026 und 2027 eine Phase geringerer, aber stabiler Erträge an. Nach Jahren der Überrenditen an den US-Börsen dürfte Europa leicht aufholen, während Asien ein wichtiger Performancebeitrag bleibt. Die Zeit der spektakulären Kursrallys ist vorerst vorbei – an ihre Stelle tritt ein reifer, von Fundamentaldaten getragener Aufschwung.

 

Renten- und Devisenmärkte

Global schwankten die Renditen 2025 in zumeist engen Bahnen. Die Inflationsraten haben sich gegenüber 2023 weltweit deutlich zurückgebildet, und viele Zentralbanken befinden sich in einer Phase der Feinsteuerung.

In den USA hat die Federal Reserve ihre Lockerungspolitik fortgesetzt. Der Leitzinskorridor dürfte bis Ende 2026 mit zwei weiteren Senkungen auf 3,0 bis 3,25 % sinken. Diese Zinssenkungen soll den rückläufigen Wachstumsdynamiken und der leicht steigenden Arbeitslosigkeit entgegenwirken. Kurzfristige Renditen bleiben dadurch gut verankert, während die längerfristigen Laufzeiten stärker auf fiskalische Risiken reagieren. Die hohe Staatsverschuldung und ein anhaltend großes Anleiheangebot könnten das lange Ende der Zinskurve belasten. Gleichwohl bleibt das Umfeld für Staatsanleihen insgesamt konstruktiv: Bei nachlassendem Inflationsdruck rücken die realen Erträge wieder in den positiven Bereich.

Im Euroraum hält die Europäische Zentralbank an ihrer moderat lockeren Linie fest. Mit einem Leitzins von rund 2 % befindet sich die Geldpolitik nahe am neutralen Niveau. In Fall weiterhin schwacher Konjunkturdaten ist eine weitere Zinssenkung im Laufe des Jahres 2026 nicht ausgeschlossen. Der Markt rechnet mit einer Versteilerung der Zinskurve, da die Renditen langlaufender Bundesanleihen angesichts wachsender staatlicher Defizite leicht steigen könnten. Zehnjährige Bundesanleihen dürften bis Ende 2026 gut 3,0 % erreichen – und können zwischenzeitlich auch höher liegen. Kurzläufer hingegen bleiben durch die EZB-Politik stabil und bieten kaum Renditepotenzial. Unternehmensanleihen zeigen sich robust: Die Risikoaufschläge sind historisch niedrig, könnten aber kurzfristig steigen, bevor sie mit fortschreitender Konjunkturaufhellung wieder zurückgehen.

In Japan setzt sich der Prozess vorsichtiger geldpolitischer Normalisierung fort. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen könnten deutlich über 2 % steigen – ein für japanische Verhältnisse markanter Schritt.

Die Devisenmärkte spiegeln die divergierenden Zins- und Wachstumserwartungen wider. Der US-Dollar hat nach seiner deutlichen Abwertung 2025 eine Phase der Stabilisierung erreicht. Mit einem Kurs von rund 1,16 USD je Euro ist ein Gleichgewichtsniveau erreicht, das die Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Euroraum widerspiegelt. Weitere Verluste sind möglich, falls die US-Notenbank stärker lockert, als erwartet oder das Vertrauen internationaler Investoren in die US-Fiskalpolitik schwindet. Gleichzeitig bleibt der Dollar durch seine Rolle als Weltreservewährung und die Tiefe der US-Kapitalmärkte strukturell gestützt.

Das britische Pfund hat im Sog des schwächeren US-Dollar ebenfalls an Wert verloren, bleibt aber durch das höhere Zinsniveau im Vereinigten Königreich relativ stabil. Der Yen neigt weiterhin zur Schwäche, da trotz steigender Renditen die Realzinsen negativ bleiben. Der Schweizer Franken zeigt sich stark – getragen von geopolitischer Unsicherheit und seinem Status als sicherer Hafen. 

 

Bitcoin und Kryptowährungen 

Nach dem sprunghaften Anstieg des Bitcoin-Preises im zweiten Halbjahr 2025 auf ein neues Rekordniveau von über 100.000 US-Dollar befindet sich der Kryptomarkt 2026 in einer Phase der Konsolidierung. Die massive Rallye war von Spekulationen über die begrenzte Angebotsstruktur, aber auch von Inflationssorgen und geopolitischer Unsicherheit getrieben. Nun richtet sich der Blick zunehmend auf die strukturellen und regulatorischen Rahmenbedingungen, die über die weitere Entwicklung entscheiden dürften.

Fundamental bleibt das Narrativ der Knappheit intakt: Das Angebot an Bitcoin ist technisch begrenzt, und das nächste „Halving“, also die erneute Halbierung der Schürfungsrate, wird voraussichtlich 2028 erfolgen. Dennoch hat sich gezeigt, dass Preisbewegungen stärker von Kapitalströmen und Marktstimmung als von fundamentalen Nutzungsfaktoren abhängen. Die reale Transaktionsnutzung bleibt gering, Bitcoin fungiert weiterhin primär als spekulatives Anlageinstrument und – in Krisenzeiten – als digitales Gegenstück zu Gold.

2026 dürfte sich die Marktstruktur weiter professionalisieren. Institutionelle Investoren bleiben präsent, allerdings mit disziplinierterem Risikomanagement. Die zunehmende Verbreitung von börsengehandelten Krypto-Produkten und die Einbindung in traditionelle Investmentportfolios führen zu einer höheren Korrelation mit anderen Anlageklassen. Bitcoin verliert damit etwas von seiner früheren Eigenständigkeit als „unkorrelierter“ Vermögenswert.

Auf regulatorischer Ebene schreitet die staatliche Kontrolle voran. In den USA wird die Einführung klarer Steuer- und Offenlegungspflichten erwartet, während die EU mit der MiCA-Verordnung bereits einheitliche Standards geschaffen hat. Parallel treiben Notenbanken weltweit die Entwicklung eigener digitaler Währungen voran – der digitale Euro und der digitale Yuan könnten ab 2027 marktreif sein. Diese Entwicklung dürfte den Handlungsspielraum privater Kryptowährungen langfristig einschränken.

Insgesamt spricht vieles für ein Umfeld erhöhter Volatilität. Der Bitcoin dürfte sich 2026 in einer breiten Handelsspanne zwischen 75.000 und 110.000 US-Dollar bewegen. Eine nachhaltige Trendrichtung hängt davon ab, ob er sich als langfristiger Wertspeicher etabliert oder zunehmend als spekulatives Hochrisiko-Asset wahrgenommen wird. 

 

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