Vom Kapitalmarkt in den Dschungel

Verfasst von Plutos AG | 4. Mai 2019

Aus der schönen Rhein-Main-Region zog es unsere frühere Mitstreiterin Susanne Woda ins ferne Nicaragua. Statt Aktien widmet sie sich heute dem „Gold der Maya“ und baut fernab von Börsenhektik und westlichem Komfort ihre eigene nachhaltige Kakaofarm auf. Wir von Plutos finden das spitze und haben gleich mal unser eigenes Kakaobäumchen adoptiert. Ganz uneigennützig sichern wir uns damit auch einen Vorrat an leckerer, handgemachter Schokolade. 

 

Wenn sich die sengende Sonne dem Horizont entgegen neigt, Papageienschwärme laut krakeelend aus den Baumwipfeln aufsteigen und die Brüllaffen aus ihrem trägen Mittagsschlaf erwachen, ist es für Susanne an der Zeit, zu ihrem täglichen Spaziergang aufzubrechen. Unweit von ihrem Domizil in Nicaragua, nahe dem Dörfchen „La Esperanza“, umgeben von Tropenwald und mit Blick auf den breitesten Fluss des Landes, den Río San Juan, entsteht auf einem 1,5 Hektar großen Gelände ihre Kakaoplantage. Hier hat Susanne bereits vor 3 Monaten eine Baumschule angelegt. Gut verborgen und vor unliebsamen Besuchern wie den Kühen und Schweinen der Nachbarn geschützt, wachsen 600 Setzlinge im schattenspendenden Dickicht des Grundstücks heran. Jeden Abend müssen sie gewässert werden, denn seit einem Monat ist kein Tropfen Regen mehr gefallen. Doch dicke Wolken am Horizont kündigen als Vorboten der Regenzeit bereits die das langersehnte Nass und damit auch die anstehende Pflanzung der Bäumchen in der Plantage an.

Rund um Susannes Holzhütte mit palmgedecktem Dach reihen sich dicht an dicht Pflanztüten, in denen Avocados, Guabas, Annonen, Wasseräpfel, Karambolen, Zitronen, Orangen und einige einheimische Nutzholzarten heranwachsen und auf ihren Einsatz auf der Plantage warten. Auf ihrem Grundstück soll ein vielfältiges Ökosystem entstehen, denn Kakao wächst am besten in Symbiose mit anderen Pflanzen. Auf diese Weise wird die Kakaofarm ganz ohne Chemie auskommen und nach dem Vorbild der Natur Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt bieten, den natürlichen Wasserkreislauf schützen und gleichzeitig ökonomische Lebensgrundlage sein. Das Projekt ist so angelegt, dass es Menschen der Region mit Nahrung und Arbeit versorgt und ihnen eine alternative Lebensweise aufzeigt. Exzessive Rinderhaltung, Monokulturen von Teakholz und Palmöl und nicht zuletzt auch der Goldabbau führen wie auch in vielen anderen Schwellenländern dazu, dass immer mehr Waldflächen abholzt werden, ganze Landstriche zu versteppen drohen und Wasserknappheit in der Trockenzeit traurige Realität geworden ist. Die Menschen zerstörten ihre eigene Lebensgrundlage und förderten damit langfristig ihre Armut, meint Susanne.

Gerade hat Selfmade-Farmerin zusammen mit einigen Einheimischen in tagelanger Arbeit mit Macheten das Grundstück vom Unterholz befreit. Von Brandrodung, welche unter der Bevölkerung eine beliebte und zeitsparende Technik ist, will sie nichts wissen: „Das Feuer tötet die für eine gesunde Erde wichtigen Mikroorganismen und zerstört die organische Schutzschicht, die den Boden mit Nährstoffen versorgt und vor Erosion schützt.“ Etwa 200 Bananenstauden, die für Schatten sorgen, während die langsamer wachsenden Bäume noch an Größe gewinnen müssen, hat sie gesetzt und angesichts der 3 Kubikmeter des vor einigen Wochen aus je 12 Säcken Kuhmist, Erde und Bananenstauden, je 3 Säcken Kohle, Sägespänen und getrockneten Blättern, einem Eimer Melasse und einem Kilogramm Hefe angesetzten „Bokashi-Komposts“ bemerkt Susanne schmunzelnd: „Ich musste mich schon erstmal daran gewöhnen, in anderen Größenordnungen zu denken, als im heimischen Garten.“

Das Wissen rund um den Anbau und Verarbeitung von Kakao hat die ehemalige Portfoliomanagerin erst in ihren Reisejahren erworben, denn bis zu ihrem 35. Lebensjahr war ihre Welt vom Geschehen an den Börsen bestimmt. Dann beschloss sie, den Kapitalmärkten den Rücken zu kehren und in die Welt hinauszuziehen. Ihr Glück meinte sie eigentlich in Panama zu finden, doch das Schicksal wollte es anders. Schon bei Ankunft in Guatemala, in der Kakao als „Speise der Götter“ wichtiger Bestandteil langer und bis heute andauernder Traditionen ist, war sie fasziniert von der einzigartigen Frucht, die so gar nichts mit dem zu tun hat, was wir in Deutschland als Schokolade kennen. Um an den bitteren Samen zu kommen, wird die Schale der dickschaligen, Football-förmigen Kakaoschote aufgebrochen. Zum Vorschein kommen, eingebettet in süßes, weißes Fruchtfleisch, dessen Geschmack an Lychee erinnert, lilafarbene und ungenießbare Kakaobohnen. Das typische Schokoladenaroma entsteht erst durch den komplexen Fermentationsprozess und das schließlich das Rösten der Bohnen.

Seit Beginn ihrer Reisen nutzte Susanne jede Gelegenheit, in allen zentralamerikanischen Ländern mehr über Geschichte und Traditionen, Anbau und Verarbeitung des Kakaos herauszufinden und dieser wurde bald selbst zum Zweck ihrer Unternehmungen. Sie lebte mit einer Maya-Familie in Belize und mit einem indigenen Volksstamm in Panama, arbeitete auf deren Kakaofarmen und stellte nach ihren traditionellen Rezepten Schokolade her. „Selbst in jener Zeit hätte mir nicht vorgestellt, dass ich einmal ein Wiederaufforstungsprojekt mit Kakao starten würde“, blickt die heute 38-jährige zurück. In Nicaragua nahm die Idee dann plötzlich Form an, und nach einem Sommer in Deutschland stand fest, dass sie es versuchen würde. Bis zum Projektstart verging dennoch mehr als ein weiteres Jahr, denn die Mühlen mahlen langsam in Nicaragua. Doch wenn in diesem Jahr nun endlich die Kakaobäume gesetzt sind, können in drei Jahren die ersten Früchte geerntet werden. Natur- und Kulturbegeisterte, die das Projekt unterstützen möchten, können eine Baumpatenschaft übernehmen und erhalten regelmäßig Informationen über ihr Bäumchen und Neuigkeiten von der Farm. Aus den Einnahmen werden die Anpflanzungen gepflegt und zukünftige Farm-Projekte finanziert. Für das kommende Jahr sind zum Beispiel eine Gerätehütte und ein eigener Brunnen geplant, denn bis jetzt wird das Wasser noch in Eimern von der einen Kilometer entfernten Quelle herangeschleppt und die Gerätschaften bei Bekannten ausgeborgt. Das Beste für uns ist jedoch: Die Ernte gibt es in Form von leckerer Schokolade, verarbeitet von den Mitgliedern der lokalen Kakao-Kooperative, nach Deutschland geliefert. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen – unser Bäumchen ist bereits in Produktion.

Ganz losgelassen haben die Kapitalmärkte Susanne aber doch nicht. Auch diesen Sommer ist sie wieder bei uns in Taunusstein tätig, während einige von uns eine Auszeit genießen und sich von der Sonne verwöhnen lassen. Vielleicht haben Sie sie beim nächsten Anruf ja sogar am Telefon. Und wer weiß, möglicherweise verbringen wir unseren nächsten Jahresurlaub sogar bei Susanne und unserem Bäumchen unter dem Himmel Nicaraguas.

In der Galerie haben wir ein paar Eindrücke für Sie zusammengetragen und hier gelangen Sie direkt zum Projekt.

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