Süßes oder Saures an den Börsen

Verfasst von Stefan Wolpert | 7. Oktober 2016

Die langen Sommermonate an den Börsen sind nun zu Ende und nach dem sich der zwischenzeitliche Brexit-Schock wieder etwas normalisiert hat, beschäftigen derzeit neue Themen die Börsen und sorgen für Unsicherheit. Für alle, die sich nun getreu der alten Börsenweisheit „Sell in May and go away,…“ von den Aktienmärkten verabschiedet haben, stellt sich nun die Frage, ob man nun um die Börsenweisheit fortzuführen („…remember to come back in November“) Gewehr bei Fuß stehen muss und wieder optimistischer werden darf.

In der Tat gibt es am Kapitalmarkt Anomalien, nach denen statistisch gesehen  hervorragende Ergebnisse erzielt wurden. Glaubt man nun obiger Börsenweisheit, wäre es in der Vergangenheit in den meisten Fällen gut  gewesen, im April komplett seine Aktienbestände zu verkaufen. Der Halloween-Effekt läutet schließlich das Ende der langen Sommermonate ein. Wohingegen der Monat Oktober noch als der gefährlichste Börsenmonat gilt (siehe Börsencrash 1987), sind der November, Dezember und der Januar im Anschluss meist die besten Börsenmonate, an denen man wieder investiert sein sollte.

Sicherlich hat diese Börsenweisheit im laufenden Jahr noch keinen Mehrertrag gebracht, da das laufende Jahr mit den Sorgen um die chinesische Wirtschaft schon schlecht gestartet ist. Der Oktober könnte aber immer noch seinem Ruf als „gefährlichster“ Börsenmonat alle Ehre machen. Aktuell gibt es drei Themen, die die Marktteilnehmer besonders beschäftigen: die Sorgen um Europas Banken (besonders in den Schlagzeilen: die Deutsche Bank), die Angst vor weiteren Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank FED, sowie die im November anstehenden US-Präsidentschaftswahlen.

Die Sorgen um die Deutsche Bank scheinen sich nun vorerst zu verflüchtigen, falls man den Gerüchten glauben darf, dass das man sich mit der US-Justizbehörde auf eine Strafzahlung von weniger als 5 Mrd.USD geeinigt hat, anstelle der ursprünglich in den Raum geworfenen 14 Mrd. USD. An unserem gegenüber Bankaktien und Versicherungsaktien negativen Bild wird sich durch die nun kurzfristig einkehrende Ruhe nach wie vor nichts ändern. Die Finanzwelt ist im Umbruch und solange die Niedrigzinsphase anhält, wird es für die meisten Bank- und Versicherungsaktien schwierig werden nachhaltige Erträge zu erwirtschaften.

Doch wie lange hält die Niedrigzinsphase noch an? Aktuell mehren sich die Stimmen, dass die FED noch dieses Jahr den dortigen Leitzins anheben könnte. Immer wieder reagieren die Börsen daher ängstlich auf Daten über den dortigen Arbeitsmarkt oder die dortige konjunkturelle Entwicklung. Fakt ist: im Dezember 2015 hatte die FED ihren ersten Zinsschritt gemacht und zu dem damaligen Zeitpunkt hatte man noch mit drei weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr gerechnet. Bis heute gab es dieses Jahr noch keinen einzigen Zinsschritt von Seiten der FED. Selbst im Falle eines Zinsanstieges im Dezember, blieben die langfristigen Zinsen noch immer auf einem historisch niedrigen Niveau. Einer konjunkturellen Erholung würde ein Leitzinsanstieg daher nicht im Wege stehen.  Die Erwartungen des Großteils der Marktteilnehmer ist im Moment die, dass im Dezember, also erst nach der US-Präsidentschaftswahl, ein weiterer Zinsschritt erfolgen wird.

Mit der nun am 8. November stattfindenden US-Präsidentschaftswahl kommt nun ein weiterer Unsicherheitsfaktor näher, der voraussichtlich mit jedem neuen Umfrageergebnis und jeder stattfindenden TV-Debatte für Nervosität an den Börsen sorgen wird. Doch welches Ergebnis wäre hierbei wünschenswert? Grundsätzlich gibt es ein wichtiges Thema, was Börsianer überhaupt nicht mögen: Unsicherheit! Unsicherheit kann die erste Reaktion der Börse sein im Falle eines Wahlsiegs von Donald Trump. Unter einer Führung von Hillary Clinton wären voraussichtlich keine allzu großen Veränderungen zu erwarten. Unter Trump würden sicherlich größere Veränderungen einhergehen. Ist dies gut oder schlecht? Diese Frage kann final nicht beantwortet werden. Festzuhalten ist auch hier, dass ein Präsident Trump nicht zwangsläufig schlecht für die konjunkturelle Entwicklung sein muss. Viele mögen sich vielleicht noch an Ronald Reagan erinnern, der 1980 zum US Präsident gewählt worden ist und dem ebenso kaum jemand seine darauf folgenden (wirtschafts-) politischen Erfolge zugetraut hat.

Daher gibt es noch genügend Themen, die die Börsen im Monat Oktober beschäftigen werden und unserer Ansicht nach erst einmal abgearbeitet werden müssen. Die Chancen, dass die Börsen nach den US Wahlen zur Jahresendrally starten stehen gut. An der weiter expansiven Geldpolitik, die das Aktienmarktumfeld weiter antreiben sollte, wird sich unserer Meinung nach nichts ändern und das Niedrigzinsumfeld zwingt Anleger verstärkt in chancenreichere Anlagen zu investieren. Die Devise lautet daher: Abwarten und derzeit nur selektiv in relativ starke und stabile Aktien investieren. Auch bei den seit Jahresanfang stark gestiegenen Edelmetallen und Edelmetall-Aktien ist im Moment nur durchatmen angesagt.

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