Gold: Top oder Flop?

Verfasst von Stefan Wolpert | 8. Juli 2013

Im September 2011 markierte Gold sein bisheriges Allzeithoch bei über 1900 USD für eine Feinunze. Seither befindet sich das Gold in einer volatilen Konsolidierungsphase und in vielen Wirtschaftszeitungen ist spätestens seit den heftigen Korrekturtagen im April und Juni diesen Jahres vom Ende der Goldrally die Rede. Doch kann bei der besten Assetklasse des letzten Jahrzehnts wirklich vom Ende einer Bilderbuch-Hausse gesprochen werden?

Eines ist klar, die Anlegerschicht beim Gold hat sich in den letzten Jahren verändert. Während bislang die Investoren in erster Linie durch konservative Anleger repräsentiert wurden, die Gold als Versicherung ihres Geldes und als Krisenwährung angesehen haben, so traten zuletzt sukzessive immer mehr Spekulanten auf, die in diesem Jahr heftige Attacken auf das gelbe Metall starteten. Über die Hintergründe dieser Attacken können wir nur mutmaßen. Fakt ist, dass die hohen Umsätze beim Gold hauptsächlich vom Terminmarkt herrühren und an einem „Crash-Tag“ im April diesen Jahres mehr Gold über die Terminbörsen gehandelt wurde als die jährliche Goldproduktion. Haben die Spekulanten nun ihr Ziel erreicht oder ist mit weiteren Attacken auf den Goldpreis zu rechnen?

Belastend waren ferner die jüngsten Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke, der bei seiner letzten Rede vor dem US-Offenmarktausschuss eine baldige Drosselung der massiven Anleihekäufe der FED ankündigte. Voraussetzung ist aber eine stetige Verbesserung der US-Konjunktur, insbesondere des US-Arbeitsmarktes. Damit würde auch der inflationäre Druck vorerst ausbleiben. Die niedrigen Rohstoffpreise reflektieren aktuell diese Erwartung.

Vorerst sind dies keine guten Nachrichten für Gold, das sich jedoch ungeachtet dessen in einem intakten langfristigen Aufwärtstrend befindet. Die Nachfrage nach physischem Gold ist weiterhin hoch. Münzhändler haben teilweise Probleme, die hohe Nachfrage nach Goldmünzen zu bedienen. Hinzu kommt noch eine weiterhin starke Goldnachfrage aus dem asiatischen Raum, vor allem aus China. Laut einer Einschätzung des größten chinesischen Goldproduzenten, der staatlichen China National Gold, dürfte die Goldnachfrage erstmals die Marke von 1.000 Tonnen für ein Kalenderjahr übersteigen.

Mittlerweile hat der Goldpreis aber ein Niveau erreicht, bei dem für viele Minengesellschaften die Förderung von Gold nicht mehr langfristig lukrativ ist, da selbiger unter den Produktionskosten vieler Minen liegt. Kurzfristig kann ein Unternehmen dies sicherlich in Kauf nehmen. Mittel- bis langfristig wären beim derzeitigen Goldpreis viele Minen-Explorer gezwungen, die Produktion einzustellen.

Ob nun Gold seinen Boden gefunden hat, lässt sich schwer einschätzen. Dennoch haben anscheinend die jüngsten Kursabgaben und das negative Sentiment dazu geführt, dass sich etliche Spekulanten und viele institutionelle Anleger von ihren Edelmetall-ETFs getrennt haben. Die Anlegerschicht könnte sich demnach zunehmend bereinigt haben. Große internationale Banken, u.a. auch Goldman Sachs, haben ihren Ausblick für die Edelmetalle kürzlich gesenkt. Umso interessanter ist es, dass sich die Short-Positionen der Commercials derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau befinden. Sehr fragwürdig, wo doch viele Großbanken negativ geworden sind zur weiteren Goldpreisentwicklung. Auch die wirtschaftlichen Frühindikatoren aus den USA lassen noch keineswegs ein Ende der Rezession erahnen, so dass mittelfristig weiterhin mit expansiven geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken zu rechnen sein wird.

Wir sehen Gold auf diesem Niveau für einen mittel- bis langfristigen Anleger als sehr interessant an und befürchten, dass die expansive Geldpolitik der Notenbanken noch nicht ihr Ende gefunden hat. Die Verschuldung vieler Staaten ist weiterhin sehr hoch und auch spätestens mit dem jüngsten Rücktritt des portugiesischen Finanzministers Vitor Gaspar, sollte die Eurokrise langsam wieder in die Köpfe der Anleger zurückgekehrt sein. Die im Euroraum angegangen Reformen haben bislang kaum Wirkung gezeigt. Viele angeschlagene Banken und Staaten wären ohne die wohl künstlich niedrig gehaltenen Zinsen, kaum überlebensfähig. Gold sollte daher unseres Erachtens weiterhin einer gesunden Vermögensstruktur beigemischt werden. Für Anleger, die bislang über keine Goldbestände verfügen, ist der aktuelle Goldpreis nicht der ungünstigste Zeitpunkt für einen Einstieg.

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