Gefahr im Verzug – Verzerrungen am Aktienmarkt

Verfasst von Stefan Wolpert | 24. Oktober 2018

Die Hausse an den Aktienmärkten wird seit einigen Monaten nur noch von einigen wenigen Werten getrieben. Das sorgt für Sorgenfalten bei vielen Analysten, denn dieses Phänomen ist oft in der Endphase eines Bullenmarktes zu beobachten und endete in der Vergangenheit schon oft in heftigen Markteinbrüchen. So zum Beispiel in 2001 (Telekom-Hype) und beim Ausbruch der Finanzkrise (Banken-Hype). Auf einen möglichen Einbruch am Aktienmarkt wollen wir an dieser Stelle aber gar nicht hinaus, sondern auf mögliche Gefahren der Indexberechnung.

Im S&P 500 sind die Kursanstiege des Jahres 2018 im Wesentlichen auf Apple, Amazon, Microsoft, Google, Visa und Mastercard zurückzuführen. Dass die restlichen 494 Indexwerte underperformen, ist wirtschaftlich bedenklich, aber wir möchten Ihr Augenmerk an dieser Stelle auf die Indexberechnung lenken. Der S&P 500 ist (übrigens genau wie der DAX) ein kapitalgewichteter Index, die Unternehmen werden also nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Die ergibt sich aus dem Börsenkurs multipliziert mit der  gesamten Aktienanzahl. Für den S&P bedeutet das, dass heute jene Aktien einen großen Indexanteil einnehmen, die in der Vergangenheit bereits gut gelaufen sind – und andersherum solche untergewichtet sind, die schlechter liefen. Verstärkt wird das Phänomen noch durch die Konkurrenz in der Fondsbranche. Wenn Fondsmanager ihren Vergleichsindex und Konkurrenten schlagen wollen, müssen sie wider besseren Wissens auf dem fahrenden Zug aufspringen und verstärken die Übergewichtung damit noch. Wer antizyklisch investiert, verliert wichtige Performance und Marktanteile.

In der aktuellen Situation reichen bereits kleine Kurssteigerungen bei den Schwergewichten, um den Index überproportional nach oben zu treiben. Kursgewinne oder -verluste geringer gewichteter Aktien rücken damit immer mehr in den Hintergrund, obwohl sie möglicherweise richtungsweisend für die Konjunkturentwicklung sind. Wie stark die Verzerrungen aktuell sind, zeigen folgende Analystenberechnungen: Der Anstieg der NASDAQ (auch das ist ein nach Marktkapitalisierung gewichteter Index) liegt bei plus 7% von Juni bis Oktober. Sie hätte ohne Apple und Amazon minus 9% betragen. Dreht sich also der Wind für die Börsenstars, stehen schon allein wegen der Berechnungslogik heftige Kursstürze im Index an, die durch die Not der Fondsmanager schnell auszusteigen, dann noch einmal verstärkt wird. Wie das ganze aussieht, darauf bekommen wir gerade „wieder“ einen Vorgeschmack. Denn neu ist das alles eigentlich nicht, doch in einer jahrelang andauernden Hausse werden schmerzhafte Erfahrungen aus der Vergangenheit ja gerne mal verdrängt.

Wer den Verzerrungen aus dem Weg gehen, aber trotzdem am Aktienmarkt investiert bleiben möchte, für den ist Risikostreuung ist als das Gebot der Stunde. Da scheint auf der sicheren Seite, wer breit gestreut in Investmentfonds investiert, am besten gleich in mehrere. Oder? Wir haben mal einen Blick auf die besten internationalen Aktienfonds (hinsichtlich Rating und Wertentwicklung) geworfen und – welch Überraschung – erhebliche Überschneidungen in den Top 5 Positionen gefunden. Amazon, Google, Apple sind bei vielen Top-Fonds mit von der Partie. Wer auf Indexfonds setzt, ist übrigens nur bedingt besser dran. Denn ETFs bilden ja, natürlich nur im Fall von kapitalgewichteten Indizes, den verzerrten Index nach und hängen somit voll im übersteuerten System mit drin.

Für Selbstdisponenten ist also es höchste Zeit, die Fondszusammenstellung im Portfolio auf ungewollte Klumpenrisiken zu überprüfen und die Anlage, wenn nötig, auf breitere Beine zu stellen. Vorsicht ist natürlich auch bei vermeintlich gut diversifizierten Anlagevorschlägen geboten. Ein Blick auf die größten Positionen der angebotenen Fonds hilft dabei.

 

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