EZB: Wann kommt es zur Wende in der Geldpolitik?

Verfasst von Plutos AG | 30. Januar 2018

Es war zuletzt auch wieder ein Donnerstag, Punkt 14:30 Uhr, als Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt vor die versammelte Weltpresse trat. Und wieder einmal erläuterte er mit der ihm eigenen sonoren Stimme, warum man an der Nullzinspolitik festhalte und die milliardenschweren Anleihekäufe noch mindestens bis September fortsetze

Inflationsrate 98-18 (Quelle: MarketMaker)

Dabei wählt er seine Worte, wie schon immer zuvor, stets so, dass die Kapitalmärkte nicht zu voreiligen Schlüssen kommen respektive an diesen keine falschen Erwartungen geweckt werden. Bislang ist dies dem Italiener, der erst kürzlich seinen 70.Geburtstag feiern durfte, auch immer vortrefflich gelungen. Doch mit jedem Mal dürfte es von nun an für ihn schwerer werden, sich der – konjunkturellen – Realität zu entziehen. Noch liegt die Inflationsrate, wie zum Beispiel in Deutschland, unterhalb der von der EZB avisierte Marke von zwei Prozent.

Der Trend ist dabei jedoch klar aufwärts gerichtet – schon bald sollte die Preissteigerungsrate über diese Zielmarke hinausschießen.

Heizölpreisverlauf (Quelle: fastenergy.de)

Denn zum einen befindet sich die Weltkonjunktur auf einem robusten Wachstumspfad, zum anderen hat dabei zugleich der Rohölpreis kräftig angezogen. So hat sich der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent in den letzten zwei Jahren mehr als verdoppelt. Das blieb nicht nur an unseren heimischen Zapfsäulen ohne Auswirkungen, wo wir derzeit rund € 1,30 für den Liter Super zu berappen haben. Analog dazu zogen naturgemäß auch die Preise für Heizöl kräftig an.

Das blieb nicht nur für die Privathaushalte, sondern auch bei den deutschen Unternehmen nicht ohne Folgen. So lag der Anstieg der Produzentenpreise im Dezember vergangenen Jahres bei 2,1 Prozent. Es wird nur eine Frage der Zeit sein, wann diese Preissteigerungen an die Verbraucher weitergegeben werden (müssen). Das wiederum könnte schon bald dafür sorgen, dass die eingangs erwähnte, von der EZB vorgegebene, 2-Prozent-Marke mühelos übersprungen wird. Doch dann hat „Super-Mario“ keine triftigen Gründe mehr, die Geldschleusen geöffnet zu halten. Folglich müssten im ersten Schritt die Anleihekäufe reduziert und schließlich komplett beendet werden – im zweiten Schritt wäre eine Zinsanhebung durch die EZB nur mehr als logisch.

Was aber bedeutet diese Entwicklung für den einzelnen Verbraucher? Nun, wer zum Beispiel Festgelder hat, die demnächst neu anzulegen sind, sollte eine Laufzeit wählen, die nicht deutlich länger als ein Jahr ist. Bei wem hingegen die Zinsbindung für bestehende Hypothekendarlehen vor dem Ende steht, sollte für die Verlängerung tunlichst eine möglichst lange Laufzeit wählen.

Chart: Zins-10-Jahre (Quelle: Hypo Chart GmbH)

Andernfalls besteht die große Gefahr, dass Immobilienbesitzer in die wohlbekannte Zinsfalle geraten. Zurzeit liegt der Zins für Hypothekendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung bei etwa 1,25 Prozent, was einer monatlichen Tilgungsrate von circa 496 Euro entspricht (unter der Annahme, dass das Darlehen nach 10 Jahren zur Hälfte getilgt ist). Ziehen die Zinsen jedoch auf nur 2,5 Prozent an, also auf ein Niveau, wie wir es zuletzt im Sommer 2013 gesehen hatten, sind monatlich schon etwas mehr als 575 Euro zu berappen. Und zieht man den entsprechenden Zinssatz aus dem Jahr 2007 heran, als dieser bei etwa 5 Prozent stand, werden monatlich gleich ganze knapp 739 Euro zur Zahlung fällig. Somit ist man jetzt gut beraten, für seine Hypothekendarlehen eine möglichst lange Zinsbindung zu wählen und – wenn möglich – dabei zugleich einen möglichst hohen Tilgungssatz zu vereinbaren.

Auch wenn Mario Draghi die Geschicke der Europäischen Zentralbank noch bis zum 31.Oktober 2019 lenken wird, so ist das Ende der Nullzinsphase doch zum Greifen nah. Die geldpolitische Wende ist unabwendbar – die Zeit des „billigen Geldes“ neigt sich unausweichlich ihrem Ende zu. Sparer jedoch, die sich schon in Bälde ein Zinsniveau von 5 Prozent und mehr erhoffen, werden aber sicherlich bitter enttäuscht. Denn solange die Staatsverschuldung – vor allem der Südstaaten – nicht deutlich gesenkt ist, kann die EZB die Zinsschraube wohl lediglich bis in den Bereich von zwei bis drei Prozent anziehen. Wer hier für sich bei seinen Finanzangelegenheiten rechtzeitig und umsichtig agiert, wird sicherlich nicht auf dem falschen Fuße erwischt und ist bestens vorbereitet, wenn die EZB beginnt, es der US-Notenbank FED nachzutun und den ersten Zinsschritt nach oben macht.

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