Einstiegschancen im automobilen Wandel

Verfasst von Peter Meister | 1. Januar 2019

Bieten die niedrigen Kurse bei Autoaktien jetzt eine Einstiegschance? Die Zukunft des Automarktes liegt in der Digitalisierung und Elektrifizierung des Automobils, doch die Aussichten für Fahrzeughersteller und Zulieferer sind ungewiss. Mehr über den Wandel und welche Investitionschancen er bietet, lesen Sie in unserem aktuellen Beitrag, 

Günstige Automobilaktien?

Der Bewertungsabschlag der europäischen Automobilindustrie gegenüber dem Stoxx Europe 600 beträgt mittlerweile mehr als 50%. Gründe dafür gibt es viele, der prominente Abgasskandal war nur der Einstieg in eine langanhaltende Abwärtsspirale. Umweltauflagen und das neue Zulassungsverfahren WLTP, anstehende Investitionen in E-Mobilität, Währungsabwertung in den Emerging Markets, weniger Nachfrage in China und der schwelende Handelsstreit schweben wie ein Damoklesschwert über der Branche. Das größte Potenzial für die europäischen Autobauer dürfte im Jahr 2019 in einer Einigung im Handelsstreit liegen. Die Ankündigung Pekings, ab Januar die Importzölle für drei Monate von 40 auf 15 Prozent zu senken, eine der zentralen Forderungen Trumps im Handelsstreit an China, sorgte für Kurssprünge im Sektor. Der Euro Stoxx Automobiles & Parts stieg im Zuge der Nachricht um 5% an. Doch die Euphorie hielt nicht lange, der Index notierte zum Jahresende wegen aufkommender Rezessionsängste schon wieder im Minus.

Deutsche Autobauer im Hintertreffen

Wie die Zukunft der europäischen Automobilaktien aussehen wird, hängt wesentlich davon ab, ob die Hersteller es schaffen, bei der Digitalisierung und Elektrisierung des Automobils Marktanteile zu gewinnen. Wer heute in Shanghai unterwegs ist, wird feststellen, dass E-Autos dort Normalität und keine Seltenheit sind. Die Zahl der Elektrofahrzeuge im Jahr 2018 in China liegt bei über drei Millionen (Marktanteil derzeit 3,5%) und wächst mit zweistelligen Raten. Ab 2030 sollen in Indien und China nur noch Elektrofahrzeuge verkauft werden. Es ist kein Zufall, dass China und Indien führend in der Förderung von Elektrofahrzeugen sind. Die Eintrittsbarrieren für die Produktion von Elektrofahrzeugen sind deutlich geringer als bei Verbrennungsmotoren, so können sich einheimische Unternehmen früh im noch jungen Sektor positionieren und den Weltmarkt erschließen. Der chinesische Markt wird zu 90% von einheimischen Unternehmen dominiert, deutsche Hersteller spielen nur eine untergeordnete Rolle. Mit einem Marktanteil von gerade einmal 2% ist BWW nach Tesla (3%) am stärksten vertreten. Unternehmen wie Geely, der größte private chinesische Autohersteller, geben den Ton an und drängen nun auch auf den Weltmarkt.

Gewinner bei Herstellern und Zulieferern unklar

Um das Auto der Zukunft zum Massenprodukt zu machen, müssen noch viele Probleme gelöst werden: mangelnde Reichweite, schnellere Batterieaufladung, Lebensdauer und Gewicht der Batterien, Infrastruktur hinsichtlich Aufladung und Internetabdeckung. Dass die europäischen Marktführer den Einstieg verschlafen haben, könnten Sie zwar mit ihrer Markenstärke, Finanzkraft und Branchenkenntnis wieder wettmachen. Genauso gut könnten Behäbigkeit und Betriebsblindheit, mit der große Firmen oft zu kämpfen haben, sie ins Wanken bringen. Welche Hersteller und Zulieferer im wandelnden Automobilmarkt das Rennen machen werden, ist noch völlig offen. Der Vorteil liegt derzeit auf chinesischer Seite.

Halbleiterbranche als Gewinner des Wandels

Um sich als Investor in diesem wandelnden Umfeld zu positionieren, ist es zielführender, auf Unternehmen zu setzen, die von den wichtigsten Themen im Wandel der Automobilbranche profitieren: Elektromobilität, Vernetzung, autonomes Fahren sowie neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. Der Strom an Daten, die aus den Fahrzeugen übermittelt werden, wächst ständig und der Speicherbedarf wird im Zuge des Wandels im Automobilsektors stark zunehmen. Klarer Gewinner der Digitalisierung und Elektrifizierung des Automobils ist die Halbleiterbranche. Ganz nach der bekannten Weisheit von Kostolany: „Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln“ sehen wir hier große Wachstumschancen mit Zukunftspotenzial. Wenn nur 1% aller PKWs weltweit autonom fahren, wachsen die Märkte für Speicherchips bis 2020 um 8 bis 25 Prozent, schätzt das Unternehmen Applied Materials. Das allein setzt schon ein enormes Potenzial frei, doch das Wachstumspotenzial findet noch einen weiteren Katalysator: das Internet der Dinge.

Chiphersteller, die sich auf das Autosegment spezialisiert haben, sind zum Beispiel Infineon und Elmos. Aber auch Hersteller für Halbleitermaschinen wie Süß Microtec, ASML und AMS dürften vom weltweit steigenden Speicherbedarf profitieren. Die Digitalisierung des Automobilsektors ermöglicht auch völlig neue Nutzungskonzepte und Geschäftsmodelle. Innovative Unternehmen wie Zulieferer von Innenausstattung und Bedienelementen werden von der Entwicklung genauso profitieren wie App-Entwickler und Anbieter IT-Security. Für die Investition in die Zukunft des Automobilmarktes sollten Anleger nach Einstiegschancen bei diesen Themen suchen und nicht an den klassischen Herstellern und Zulieferern festhalten.

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