Ein gutes erstes Börsenhalbjahr geht zu Ende

Verfasst von Stefan Wolpert | 7. Juli 2017

Laut einer Auswertung des Wall Street Journal der welt­weit 30 größten Aktienmärkte nach Börsenwert, verzeichneten 26 davon Gewinne in der ersten Jah­reshälfte 2017 (einzige Ausnahmen waren Kanada, China, Israel und Russland). Auf globaler Ebene war es die beste Halbjahres-Performance seit der anfäng­lichen Kurserholung von den Tiefen der Finanzkrise in 2008/2009. Rund die Hälfte der 30 Aktienmärk­te schlossen auf oder nahe ihren Rekordhochs.

Allerdings stellen sich die Ergebnisse für einen Euro Anleger deutlich schlechter da. Gegenüber dem Jahresstart hat der Dollar ca. 10%  an Wert gegenüber dem Euro verloren. Dies führt dazu, dass der Weltindex in Euro nur knapp 1% im Plus ist.

Zum Jahresstart war es noch die Hoffnung auf eine politische Veränderung (z.B. bei den Steuergesetzen) in den USA, was die Börsen beflügelte. Im weiteren Verlauf des ersten Halbjahres 2017 änderten sich die treibenden Kräfte im Markt allerdings grundsätzlich. Die Hoffnung auf eine Unterstützung der Wirtschaft durch eine veränderte Politik erfüllte sich nicht, wie unter anderem die Beispiele der gescheiterten US-Gesundheitsreform und der nicht umgesetzten US-Steuerreform zeigen. Die ge­genteiligen Auswirkungen auf die Märkte durch die Enttäuschung der Erwartungen wurden nur von einem Faktor ausgeglichen: Dem weiteren Aufpumpen der Märkte durch Liquidität. Die Notenbanken pumpten (hauptsächlich die EZB und die BoJ) allein in den ersten fünf Monaten umgerechnet 1,5 Billionen Dol­lar (300 Milliarden Euro pro Monat) über den Ankauf von Anleihen und Aktien in die Märkte – so viel wie noch nie zuvor. Damit wurde nicht nur der wirtschaft­liche Gegenwind kaschiert, sondern auch die politi­sche Enttäuschung und die aufkommenden geopolitische Krisen. Analytisch klar ist, dass die Abkopplung zwischen Bewertungen der Aktien und Realität historisch betrachtet selten so extrem war wie heute.

Laut US-Ökonom Robert Shiller waren die Aktienmärkte, rückblickend bis ins Jahr 1881, nur zweimal noch höher bewertet – 1929 und 1997. Allerdings hilft diese Bewertung nicht beim Finden des richtigen Verkaufszeitpunktes. Das Shiller KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) stieg auf über 30. Als es dieses Warnsignal 1929 zum ersten Mal gab, kam es zu einem fast 90%-igen Kursrückgang bis 1932. Als die 30er-Marke 1997 zum zweiten Mal überschritten wurde dauerte es drei Jahre bis die Kurse weltweit einbrachen. Bis zu diesem Zeitpunkt war von 1997-2000 noch einiges an Geld an den Börsen zu verdienen. Wir wissen aufgrund der Vergangenheit,  wie es nach diesen beiden Jahren jeweils endete. Allerdings kennen wir nicht den Ablauf, der aber extrem entscheidend ist, um sich in den nächsten Monaten richtig zu positionieren.

Bekanntlichermaßen lösen die Notenbanken sowohl Bullen- als auch Bärenmärkte aus, je nachdem, wieviel Liquidität sie dem System hinzufügen oder entziehen. Die Crashs in 2000 und 2008 haben eines gemeinsam: Sie wurden von der Fed, aufgrund einer Veränderung der Liquiditätssituation, ausgelöst. Auch diesmal wird es nicht anders sein. Noch scheint die Mehrheit der Marktteil­nehmer zu glauben, dass die Fed – wie in der Vergan­genheit – auch diesmal nur blufft. Vieles deutet darauf hin, dass die Fed diesmal die Blase in den Vermögenspreisen mit den Zinssteigerungen zum Platzen bringen wird. Sicher ist dies selbstverständlich nicht, da die FED in den vergangenen Jahren die Märkte immer wieder mit Kursänderungen überraschte.

Wir gehen davon aus, mit Hilfe der technischen Analyse, rechtzeitig Hinweise zu bekommen wie der weitere Ablauf aussehen wird. Ein spannendes und interessantes zweites Börsenhalbjahr dürfte auch in diesem Jahr wieder garantiert sein.

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