Dividenden 2018 auf neuem Rekordniveau

Verfasst von Stefan Wolpert | 18. Mai 2018
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Deutsche Unternehmen schütten auch dieses Jahr wieder so viel aus, wie noch nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr haben die deutschen, im HDAX gelisteten, Unternehmen ihre Ausschüttungen um ca. 14,5% auf ca. 48,7 Mrd. EUR gesteigert. So liegen die erwarteten Dividendenrenditen der DAX-Unternehmen aktuell bei knapp über 3%. Gerade in der noch anhaltenden Niedrigzinsperiode ist dies für viele Anleger ein willkommenes Geschenk, zumal sich die Aktionäre in den letzten Jahren nicht nur über stabile und laufend steigende Ausschüttungen freuen durften, sondern auch über satte Kursgewinne an den globalen Aktienmärkten. Die Aktie hat daher ihren Ruf als „besseres Zinspapier“ alle Ehre gemacht und das zusätzliche Risiko wurde durch einen ordentlichen Renditeaufschlag, im Vergleich zu Anleihen, mehr als entlohnt. Etwas anders zeigt sich das Bild in den USA. Hier sind die Dividendenrenditen gesunken und die Zinsen auf der anderen Seite deutlich gestiegen. Die Renditen für 10-jährige US-Treasury-Bonds liegen aktuell bei knapp über 3%.

Wie sensibel Aktien letztlich auf Zinsentscheidungen reagieren, hatten die letzten Monate gezeigt. Jede Äußerung eines Notenbankmitglieds wurde auf die Waagschale gelegt. Doch sind steigende Zinsen wirklich Gift für die Aktienmärkte? Gewiss ist es richtig über steigende Zinsen zu diskutieren und Überlegungen anzustellen, die ultralockere Geldpolitik zu verlassen. Gerade in einer Zeit, in der sich die Wirtschaft wieder sukzessive erholt, sind Zinserhöhungen zu diskutieren. Läuft die Wirtschaft nicht gut, ermöglichen es Zinssenkungen den Unternehmen oder auch den Konsumenten günstiger Kredite aufzunehmen, was wiederum zu Investitionen führt. Läuft die Wirtschaft auf der anderen Seite gut, können steigende Zinsen die Erholung bremsen, da Kredite teurer werden und somit die Investitionsnachfrage rückläufig ist. Zinserhöhungen sind sehr wichtig, um für die Stabilität der Währung zu sorgen. Denn verharren Zinsen zu lange auf sehr niedrigem Niveau, wird eine Kreditvergabe forciert, die Schulden steigen an, die Investitionen steigen weiter und die Gefahr deutlich steigender Inflationsraten besteht. Und genau in dieser Phase befinden wir uns derzeit. Die Schuldenberge sind immens, die Investitionen steigen, die Wirtschaft wächst, aber auch die Inflationsraten scheinen ihren Boden gefunden zu haben und steigen. Die Zwickmühle: steigen die Zinsen wird auch die Zinslast für Schuldner, insbesondere im hochverschuldeten Europa erdrückend. Es ist daher ein enorm gutes Fingerspitzengefühl der Notenbanken nötig, um wieder zu normalen geldpolitischen Verhältnissen zurückzufinden – falls dies überhaupt möglich ist. Die EZB hatte zuletzt ein Auslaufen des Anleihekaufprogramms angedeutet. Marktseitig wird im Mai nächsten Jahres mit einer ersten Leitzinserhöhung von Seiten der EZB gerechnet.

Doch müssen steigende Zinsen nicht immer zu schwachen Aktienmärkten führen. In der Vergangenheit gab es durchaus Phasen, in denen die Leitzinsen gestiegen sind und die Aktienmärkte ebenso. Die Auswirkungen einer Zinserhöhung schlagen sich meist zeitverzögert in der Wirtschaft nieder. Insbesondere die langfristigen Zinsen befinden sich noch immer auf einem historisch sehr niedrigen Niveau. Selbst ein leichtes Anziehen der Marktzinsen würde die Aktienmärkte vermutlich nur kurz zum Schwanken bringen. Das Umfeld ist und bleibt für die Unternehmen noch günstig. Gewiss befinden sich die Aktienmärkte nicht mehr auf einem günstigen Niveau und die Luft nach oben wird zunehmend dünner. Das „schnelle“ Geld scheint verdient zu sein und ein Großteil der konjunkturellen Erholung ist ebenfalls in den Aktienmärkten eingepreist. Im Vergleich zu den Anleihemärkten, spricht das Chance-Risiko-Verhältnis allerdings nach wie vor für die Aktie. Die Diskussionen um Zinserhöhungen, die mittlerweile moderaten Bewertungen der Aktien und vor allem die zunehmenden geopolitischen Brandherde sprechen für eine steigende Volatilität an den Aktienmärkten, insbesondere wenn Erwartungen verfehlt werden. Auch die Anleihemärkte befinden sich auf einem sehr hohen Niveau. Viele Fachleute sprechen beim Rentenmarkt von der größten Anlageblase der Welt. Die Renditen der Anleihen stellen keinen fairen Risikoausgleich dar. Nach den derzeitigen Erwartungen sollte, trotz zu erwartender zwischenzeitlicher Turbulenzen an den Aktienmärkten, auch im nächsten Jahr eine Steigerung der Unternehmensausschüttungen zu erwarten sein. Anleger sollten allerdings nicht blind Aktien mit einer hohen Dividendenrendite kaufen. Viel wichtiger ist es zu schauen, welche Unternehmen eine gewisse Beständigkeit in Ihrer Ausschüttungspolitik aufweisen, welche Unternehmen ein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell haben, welche Unternehmen eine saubere Bilanz haben und ihre Ausschüttungen wirklich durch erzielte Gewinne bedienen und dabei nicht die Substanz angreifen.

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