DAX: Fundamentale Kennzahlen auf dem Prüfstand

Verfasst von Plutos AG | 27. März 2018
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Nicht völlig unerwartet hält die Korrektur beim Deutschen Aktienindex weiter an. Denn Charttechniker verweisen schon seit Wochen darauf, dass es dem wichtigsten deutschen Aktienbarometer nicht gelingen konnte, sich wieder über seine 200-Tage-Linie nach oben abzusetzen (blaue Linie).

DAX-daily

Diese vielbeachtete Durchschnittslinie hat bereits begonnen, unübersehbar nach unten einzudrehen. Zudem wurde sie erst jüngst klar vom 90-Tage-Durchschnitt (schwarze Linie) nach unten geschnitten (mit schwarzem Quadrat markiert), was für ein Fortdauern der Abwärtsbewegung spricht. Ein DAX-Schlusskurs merklich unterhalb der bis zuletzt zuverlässigen Unterstützungszone bei 11.820/70 Zählern (rot gekennzeichnete Zone), wäre Wasser auf den Mühlen der Bären und würde das Tor gen Süden ganz weit aufstoßen. Kursziel: 10.800/11.000 Punkte!

 

Chart: DAX-Tageschart

Dennoch gilt es für professionelle Akteure regelmäßig, eingehende Kundengelder zu investieren. Nach den deutlichen Verlusten seit dem Jahreswechsel drängt sich für diese nun die Frage auf, welche Einzeltitel aus Bewertungssicht derzeit attraktiv sind und sich zum Einstieg eignen. Lediglich drei DAX-Aktien liegen noch im Gewinn – der Rest weist zum Teil erhebliche Abschläge auf. Besonders das Minus in der Größenordnung von mehr als 15 Prozent, wie es die Anteileigner von Schwergewichten wie BASF, Bayer sowie SAP hinnehmen müssen, schlägt beim DAX ins Kontor. Mehr als ein Drittel der Index-Familie hat seit seinem 12-Monats-Hoch sogar mehr als 20 Prozent abgeben müssen, so dass sie sich per Definition bereits im Bärenmarkt befindet.

Dennoch lassen sich mithilfe klassischer Kennzahlen wie dem Kurs-/Gewinn-Verhältnis (KGV), dem Kurs-/Buchwert-Verhältnis (KBV) sowie der Dividendenrendite, DAX-Aktien identifizieren, die am ehesten zur Anlage geeignet sind.

Ausgangsbasis für das KGV sind die Gewinnschätzungen der Experten von Banken und Analyse-Häusern. Dabei erweist sich die richtige Interpretation des Verhältnisses von Aktienkurs zum geschätzten Gewinn als relativ schwierig. Denn ob eine Aktie „billig“ oder „teuer“ ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Der Vergleich von Einzelwert- zum DAX-KGV führt schnell zu falschen Schlussfolgerungen. Denn einige Branchen werden zum Beispiel aufgrund ihrer Wachstumsperspektiven oder den Gewinnmargen mit einem eher höheren oder niedrigeren Faktor bewertet. Grundsätzlich lässt sich jedoch sagen: Wachstumsstarke Unternehmen wie aus dem Technologiebereich sowie hochprofitablen Firmen wird ein höheres KGV zugestanden (z.B.: SAP). Wohingegen Konzerne, die in konjunkturabhängigen Branchen tätig sind (z.B.: Autobauer, Luftfahrtgesellschaften), meist ein niedrigeres KGV aufweisen. Defensive Sektoren wie Konsumgüterhersteller (z.B.: Henkel) sind aufgrund ihrer geringen Konjunkturabhängigkeit eher teurer, selbst wenn deren Wachstumsaussichten vergleichsweise gering ausfallen. Daneben spielen aber auch noch andere Faktoren wie zum Beispiel die allgemeine Wirtschaftslage, der Verschuldungsgrad, das Zinsniveau, die Besteuerungsgrundlage sowie die politischen Rahmenbedingungen für das KGV eine Rolle. Letztlich darf diese populäre Kennzahl keinesfalls überinterpretiert werden. Sie sagt schließlich „nur“ aus, mit wie vielen Jahresgewinnen ein Unternehmen an der Börse bewertet ist.

Das Kurs-/Buchwert-Verhältnis (KBV) liefert eine Orientierung  zur Betrachtung des Substanzwertes. Es wird errechnet, indem man den Börsenwert durch das Eigenkapital dividiert. Ist das Eigenkapital einer Firma größer als ihr Buchwert, ergibt sich ein Verhältnis von kleiner eins. Insbesondere Value-Investoren, aber auch Kleinanleger, favorisieren Titel mit einem möglichst niedrigen KBV. Ähnlich wie beim KGV muss man aber auch bei dieser Kennzahl genau hinschauen. Für den DAX selbst hat sich das KBV in Crash-Phasen durchaus bewährt: Sowohl beim Tief im Jahr 2009, als auch bei der Unterstützung in 2011 wurde ein KBV von eins gemessen. Aktuell würde das für den DAX übrigens einen Stand von rund 8.000 Punkten bedeuten. Angewandt bei Einzelwerten müssen Anleger jedoch berücksichtigen, dass bei der Berechnung des Buchwertes immaterielle Vermögenswerte, wie zum Beispiel Kundenstamm, Lizenzen, Patente, nicht mit einfließen und je nach Branche die Bewertung erheblich erschweren. Aktuell weisen die Anteilscheine von Volkswagen, der Commerzbank sowie der Deutsche Bank ein relativ niedriges KBV auf. Beide Finanztitel notieren mehr als 50 Prozent unter ihrem Buchwert und erscheinen daher besonders für Schnäppchenjäger attraktiv. Die Deutsche Bank weist jedoch eine geringe Rentabilität auf: In 2015 und 2016 war die Eigenkapitalrendite sogar negativ.

Mit der Dividendenrendite wird das fundamentale Bild abgerundet. Besonders in Zeiten anhaltend niedriger Zinsen spielt diese Kennzahl  eine große Rolle. Hier steht der DAX mit mehr als drei Prozent im internationalen Vergleich gut da – der S&P 500-Index wirft lediglich zwei Prozent ab. Die zehnjährigen deutschen Staatsanleihen rentieren aktuell gerade mal bei 0,52 Prozent. Doch auch hier gilt es, nicht blauäugig zu sein: Am Tag nach der Hauptversammlung fällt der Aktienkurs schließlich um die Höhe der Ausschüttung. Trotzdem ist dieser Investmentansatz sehr populär, besonders, wenn die Dividendenpolitik eines Unternehmens über viele Jahre hinweg konstant ist. Aktien wie ProSiebenSat.1 und Daimler bieten ihren Investoren derzeit mehr als fünf Prozent. Ob Anleger angesichts der kräftigen Kursverluste aber tatsächlich viel Freude mit ihren Investments haben, darf bezweifelt werden.

Fazit: Eine „eierlegende Wollmichsau, die fliegend den Pflug zieht“, gibt es bei den Fundamentaldaten nicht. Es kommt – wie so oft – auf die gesunde Mischung an: Die Allianz-Aktie bot zum Beispiel über einen langen Zeitraum hinweg eine überdurchschnittliche, und seit Jahren recht hohe Dividende. Das KGV liegt aktuell in etwa auf dem langfristigen Durchschnitt. Mit den tendenziell steigenden Zinsen ist durchaus mit einem anziehenden Gewinnwachstum zu rechnen. Bei Deutsche Bank sowie Bayer hingegen ist Vorsicht geboten: Die deutlichen Abschläge bei KGV und KBV spiegeln unübersehbar die negative Einschätzung der Unternehmensentwicklung wider.

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