Unternehmensspezifische Risiken: All-In oder diversifizieren?

Jedes Unternehmen unterliegt gewissen Risiken. Solche unternehmensspezifischen Risiken gehören schlichtweg dazu: Sei es die teure Gründungsphase oder das Risiko einer gescheiterten Marktexpansion. Was genau unternehmensspezifische Risiken sind und wie Sie sich als Investor am besten davor schützen, lesen Sie hier. Eines vorweg: Als Investor können Sie die unternehmensspezifischen Risiken vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind unternehmensspezifische Risiken?

Die Investition in Aktien ist mit Risiken verbunden, das ist kein Geheimnis. Was genau die Risiken bei einzelnen Aktien sind und wie vielfältig die Risiken sein können, ist jedoch nicht allen Anlegern bewusst. Einige unternehmensspezifische Risiken möchten wir im Folgenden aufzeigen:

Fehlentscheidungen: Der häufigste Grund für sinkende Aktienkurse bei einzelnen Aktien liegt in schlechten Entscheidungen des Vorstands. Selbstverständlich ist zum Zeitpunkt der Entscheidung unklar, ob diese tatsächlich gut oder schlecht für das Unternehmen ist. Im Nachhinein sehen die Investoren und der Vorstand, ob sich die Mühen und Ressourceneinsätze in bestimmte Projekte ausgezahlt haben. Ein unternehmensspezifisches Risiko, welches aus Fehlentscheidungen der Unternehmensführung resultiert, ist also besonders präsent.

Disruptionsrisiko: Unter einer Disruption ist in der Wirtschaft zu verstehen, dass durch neue Technologien oder Entwicklungen bereits bestehende Systeme signifikant verändert oder vollständig ersetzt werden. Die Disruption trägt allerdings ebenso unternehmensspezifische Risiken. Im Rahmen einer Porters Five Forces Analyse werden disruptive Risiken im Zuge der Konkurrenzanalyse ermittelt. Versäumt es ein Unternehmen, sich neuen Bedingungen anzupassen, droht die Verdrängung durch innovativere Konkurrenten. Dieses unternehmensspezifische Risiko sollte sehr ernst genommen werden. Anders als bei einzelnen Projektentscheidungen droht hier das gesamte Geschäftsmodell zu scheitern.

Personal: Sei es ein neuer CEO oder ein systematischer Mangel an qualifizierten Fachkräften in einem Unternehmen – ein Kernelement erfolgreicher Unternehmen ist das Personal. Während der Wechsel in der Chefetage sprunghafte Kursänderungen verursachen kann, verläuft das Risiko in den anderen Personalbereichen schleichend. 

Dies sind nur einige unternehmensspezifische Risiken. In der Realität gibt es unzählige unternehmensspezifische Risiken, welche idealerweise vorher zumindest annähernd ermittelt und bewertet werden. Lesen Sie in unseren Artikeln zur SWOT-Analyse und zum Porters Five Forces Modell, wie Sie solche Analysen einfach und systematisch durchführen können.

Abgrenzung: Unternehmensspezifische Risiken versus Marktrisiko

An der Börse werden Sie als Investor allerdings nicht nur mit unternehmensspezifischen Risiken konfrontiert, sondern auch mit Marktrisiken. Die gute Nachricht: Unternehmensspezifische Risiken lassen sich „weg-diversifizieren“. Das Marktrisiko hingegen tragen Sie immer, sobald Sie in Aktien investieren.

Risikomodell mit Abgrenzung von systematischem und unsystematischem Risiko, Quelle: https://www.finanzmonitor.com/geld-anlegen/aktien-risiko-diversifikation/

Das Marktrisiko (systematisches Risiko) gehört beim Investieren in Aktien schlichtweg dazu. Die Rendite einer Aktieninvestition wird nicht ohne Grund als Risikoprämie bezeichnet, denn sie ist nichts anderes als ihre Prämie für das Eingehen des systematischen Risikos. Solche Risiken sind allgemeine konjunkturelle Bedingungen, Zinssätze und politische Reformen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Unternehmensspezifische Risiken (unsystematisches Risiko) sind besonders präsent in Depots mit wenigen Einzeltiteln. Je mehr das Portfolio diversifiziert wird, desto insignifikanter wird das Risiko eines einzelnen Titels. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen soll ein optimal diversifiziertes Portfolio 15-30 Einzelwerte enthalten, um unternehmensspezifische Risiken weitestgehend zu eliminieren. Dies ist beispielsweise bei den meisten Fonds der Fall, auf die wir detailliert in einem separaten Artikel eingehen.

Allerdings sollten Sie beachten, dass diese Angabe stark schwankt und davon abhängt, wie stark die einzelnen Titel miteinander korrelieren, ob sie demselben Sektor entstammen und wie sie gewichtet werden.

Beispiele zu unternehmensspezifischen Risiken

Unternehmensspezifisches Risiko durch Disruption – Kodak

Ein sehr bekannter und häufig herangezogener Fall von Disruption ist Kodak. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs Kodak zum Weltmarktführer im Bereich der Fotografie auf. Kodak machte allerdings einen leichtsinnigen Fehler und verpasste den Wandel zur digitalen Fotografie. Die Folge war, dass Konkurrenten Kodak den Platz streitig machten und sich Kodak seit jeher nicht mehr erholt hat. Das unternehmensspezifische Risiko der Disruption ist also verantwortlich für den Fall von Kodak gewesen.

Aktienkurs von Kodak

Unternehmensspezifisches Risiko durch Betrug – Wirecard

Ein relativ junger und zugleich immenser Skandal verdeutlicht die Omnipräsenz von unternehmensspezifischen Risiken: Der Fall Wirecard. Das Unternehmen wurde als innovativer Bluechip „Made in Germany“ gefeiert und stieg bis in den DAX auf. Dass ein solches Unternehmen Bilanzen fälschen und Reporter bedrohen würde, hielten viele für ausgeschlossen. Der Fall zeigt: Unternehmensspezifische Risiken sind überall, auch wenn Sie in DAX Konzerne investieren. 

Aktienkurs von Wirecard

Fazit: Diversifikation als einziges Free Lunch an der Börse

Viele Investoren setzen auf einige wenige Aktien, an die sie glauben. Häufig werden Stop-Loss Marken oder Put-Optionen verwendet, um sich vor fallenden Kursen aufgrund unternehmensspezifischer Risiken zu schützen. Zum Thema Stop-Loss und Optionen haben wir bereits ausführliche Artikel veröffentlicht, welche detailliert die Funktionsweise sowie Vor- und Nachteile beleuchten.

Das beste Mittel gegen unternehmensspezifische Risiken ist und bleibt eine ausreichende Diversifikation. Nicht ohne Grund wird die Diversifikation als „only free lunch“ bezeichnet. Damit ist gemeint, dass beim Investieren normalerweise eine höhere Rendite immer mit einem höheren Risiko einhergeht. Allerdings lässt sich durch eine geeignete Diversifikation die Rendite steigern, ohne dabei höhere Risiken eingehen zu müssen. Ebenso lässt sich die gleiche Rendite bei geringerem Risiko erzielen. Sie sollten dieses „free lunch“ also dankend annehmen, sprich: diversifizieren.

Sollten Sie noch Fragen haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf!

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Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Unternehmenssteuerung, Bestandskundenbetreuung, Fondsmanagement und Organisation. Zusätzlich ist er Fondsmanager des Kana NEB Funds und agiert neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance.

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