Sola’s Meinung zum Schweizer Aktien-Markt (Episode 25)

Inhaltsverzeichnis

*** Plutos – Schweiz Fund Update ***

*** Sorgenkinder ***

Im Juni 2024 musste der Plutos-Schweiz Fund einen grossen Teil der Gewinne aus dem Vormonat wieder abgeben und beschließteinen von politischen Einflüssen geprägten Monat mit einem Rückgang von 5.17% – der SPI Small/Mid Cap Index verliert derweil 1.6%.

Insbesondere auf der politischen Bühne ist im Juni viel passiert, das die europäischen Börsen belastet hat: Europa-Wahlen, Neuwahlen in Frankreich, EU-Einfuhrzölle und der US-Wahlkampf ließen die Anleger vorsichtig bleiben. Leider werden uns diese Themen noch eine Weile begleiten.

Trotz der erneuten SNB-Zinssenkung tendiert der EUR weiterhin zu Schwäche gegenüber dem Schweizer Franken. Dies sagt viel zum Vertrauen in den EUR aus, der natürlich gerade momentan ebenfalls stark politisch beeinflusst ist. Insgesamt tendierten die US- und Europa-Märkte diametral verschieden: Trotz der eher verhaltenen Äußerungen der Fed powerten die US-Börsen weiter.

Positive Indikationen kamen aus China, wo der Caixin-PMI nicht in den Kontraktionsbereich gerutscht ist, sondern ein gesundes Wachstum signalisiert. Auch Chinas Ex- und Importe sind im Mai im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Den höchsten Wertanstieg konnte im Berichtsmonat der Schweizer Transformatoren-Produzent R&S Group verzeichnen – wir sind überzeugt, dass der Wert noch viel weiteres Potenzial hat. Ebenfalls gut im Markt lagen Roche GS, wo die Schlagzeilen nun konstant positiv sind, der Banken-Software Marktführer Temenos, der einen Aktienrückkauf angekündigt hat, der Semi-Zulieferer Comet, in deren Schlepptau die VAT Group, die Cembra Money Bank, auch Belimo wussten zu gefallen.

Bei Kühne + Nagel und Lonza scheint der Anleger-Fokus etwas verwirrt zu sein: während bei Kühne + Nagel eine Entspannung im Nahen Osten sowie der Angriffe der Huthi-Rebellen als schlecht für die Frachtraten angesehen wird, ist es bei Lonza die möglicherweise verzögerte Ratifizierung des «Biosecure Act», der einige «bedenkliche» Biotech-Anbieter ausschließen könnte, das die Titel unter Druck setzte.

Beide Unternehmen sind qualitativ derart gut aufgestellt, dass sie kurzfristiger Treiber wie diese, ja schon gar nicht kriegerische Auseinandersetzungen benötigen, um erfolgreich zu sein.

DocMorris litt auf Grund eines Analysten-Ratings unter Abgabedruck. Auch medmix, einer unserer Favoriten für das zweite Halbjahr und 2025,stehen noch nicht in der Anleger-Gunst – die H124-Publikation am 18. Juli dürfte hier mehr Klarheit schaffen.

Komax und die Pierer Mobility AG mussten im Juni Gewinnwarnungen aussprechen und die Marktreaktion war entsprechend, auch wenn beide Werte mittlerweile auf den Corona-Levels von März 2020 angelangt sind.

Im Berichtsmonat wurden im Plutos-Schweiz Fund keine neuen Positionen eingegangen oder gänzlich verkauft. Nachdem Aryzta, Accelleron, Lonza und DocMorris unter Gewinnmitnahmen litten, haben wir bei diesen Werten die Gewichtungen erhöht.

«Geduld ist das Vertrauen, dass alles dann passiert, wenn die Zeit reif dafür ist.»

Andreas Tenzer (*1954), deutscher Philosoph und Pädagoge

‚Sorgenkinder‘

Schon fast gebetsmühlenartig wiederhole ich in meinen Blogs unser ‚Playbook‘, das die folgenden Punkte voraussetzt: tiefere Inflationsraten, Zinssenkungen, steigende Einkaufsmanager-Indizes und ein erstarkendes China.

Viele der Puzzleteile beginnen sich zusammenzufügen:

  • Die Inflationsraten in den USA, der Eurozone, in China und natürlich in der Schweiz, wo sie kaum je ein Problem waren, sinken.

  • Die SNB und die EZB haben bereits mit Zinssenkungen auf diesen Umstand reagiert – in den USA wird weiterhin jede Makro-Indikation (Jobless Claims, Nonfarm Payrolls, PCE Core Price Index, GDP, Retail Sales, Consumer Confidence u.v.m.) daraufhin analysiert, ob es denn nun schon bald oder noch länger nicht zu einem Zinsschritt der Fed kommt. Im Moment bewegt sich der Konsens wohl bei zwei Zinssenkungen in diesem Jahr, mit weiteren Schritten im 2025. Wichtig scheint mir, zu erkennen, dass die US-Wirtschaft weiterhin sehr gut läuft, was einen Zinsschritt weiter hinausschiebt – in Europa jedoch bewegen wir uns weiterhin um ein Null-Wachstum.

  • Die PMIs oder Einkaufsmanager-Indizes steigen tendenziell – insbesondere in der Schweiz, China, der Eurozone – mit Ausnahme von Deutschland, unserem wichtigsten Handelspartner. In den USA sind sie eher stagnierend positiv. Doch auch in Deutschland gibt es positive Indikationen: Der deutsche Maschinen- und Anlagenbauverband VDMA musste Monat für Monat schlechte Auftragswerte für seine Branche verkünden. Nun aber, nach anderthalb Jahren durchgehender Minusraten, legen die Bestellungen wieder zu. Im April gab es im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von real 10 %. Aus dem Inland kamen 3 % mehr Aufträge, aus dem Ausland 13 %. Auch wenn der April in diesem Jahr drei Arbeitstage mehr hatte als 2023, sieht sich der Verband in der „Annahme bestärkt, dass die Talsohle im Auftragseingang erreicht ist“. Auch das deutsche Baugewerbe vermeldet für den Monat April einen Anstieg des realen, kalenderbereinigten Auftragseingangs um 2,3%.

  • Wie im Monatsbericht erwähnt, liefert der Caixin-PMI positive Nachrichten für die globale Konjunktur, da er nicht in den Kontraktionsbereich gerutscht ist, sondern ein gesundes Wachstum signalisiert. Chinesische Besucher fangen wieder an zu reisen, und diese Tendenz wird laut World Travel & Tourism Council weiter zunehmen. „China’s Tourists Splashing Cash Abroad to Exceed 2019 Frenzy„. Chinas Ex- und Importe sind im Mai im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Wie die Zolldaten zeigten, stiegen die Auslandslieferungen im vergangenen Monat im Jahresvergleich um 7,6 %, während die Importe nach einem Anstieg von 8,4 % im Vormonat um 1,8 % zunahmen. Eine Reuters-Umfrage unter Ökonomen hatte einen Anstieg der Exporte um 6,0 % und der Importe um 4,2 % prognostiziert. In den vergangenen Monaten haben Wirtschaftsdaten gezeigt, dass sich verschiedene Teile der 18,6 Billionen Dollar schweren Wirtschaft Chinas unterschiedlich schnell erholen. Die anhaltende Krise im Immobiliensektor ist nach wie vor die größte Belastung für die chinesische Wirtschaft.

Wenn also viele unserer Annahmen nun beginnen, an Substanz zu gewinnen, wieso verhält sich dann der Plutos-Schweiz Fund sehr volatil, legt im Mai 5.4% und verliert im Juni 5.2%?

Nun, das ist einerseits dem relativ hohen Beta des Funds geschuldet, sprich er verhält sich positiver in einem starken Markt und schwächer bei einem tieferen Markt.

Andererseits haben wir einige Sorgenkinder, bei denen der Anfang des Zyklusaufschwungs noch nicht angekommen ist – was übrigens noch immer für die meisten Schweizer Zykliker der Fall ist, doch bei vielen ist der Markt bereit, durch das Jahr 2024 durchzublicken.

Daher gehe ich in diesem Blog-Beitrag dezidiert auf unsere ‚Sorgenkinder‘ ein:

ams OSRAM

Den negativsten Einfluss auf die Fund-Performance, rund 1.8%, hat ams OSRAM, war die Aktie doch zu Jahresbeginn die größte Fundposition.

ams OSRAM leidet weiterhin enorm unter den News, dass Apple das Schlüsselprojekt microLED unerwartet storniert hat, denn damit scheint ein wichtiger Wachstumsbereich gänzlich weg zu fallen. Es ist die wohl letzte geplatzte Blase, die vom alten Management aufgebauscht worden ist.

Doch der 40%-Kurssturz ist für mich definitiv nicht nachvollziehbar – denn es stellen sich noch einige Fragen, auf die wir heute noch keine Antworten kennen: Zahlt Apple einen Schadensersatz? Verkauft ams OSRAM die Fab in Kulim oder findet sich ein neuer Kunde? Samsung hat microLED bereits im Angebot und produziert in Taiwan, doch nicht in Masse und zu kaum erschwinglichen Preisen der Endprodukte.

Meine Aussage in der Finanz und Wirtschaft vom Februar 2024 «Für mich ist die Aktie weiterhin ein klarer Kauf, denn AMS Osram könnte der Überflieger 2024 werden» bleibe ich treu, wenn auch nun von einer tieferen Basis aus.

GAM

Nach der erfolgreichen Generalversammlung vom September 2023, bei welcher der Verwaltungsrat neu besetzt und damit die Möglichkeit eines Turn-Arounds statt eines Verkaufes an Liontrust geschaffen wurde, ist es sehr ruhig um den Globalen Asset Manager geworden.

Hinter den Kulissen hat die Arbeit sofort begonnen, um GAM wieder an bessere Zeiten heranzuführen – noch spiegelt der Aktienkurs dies bei Weitem nicht, obwohl im Sektor viel höher bewertete M&A zu sehen ist. Klar, in den vergangenen Jahren wurde viel Geschirr zerbrochen, das Investoren-Vertrauen ist nahe Null und die wichtigste Frage bleibt, ob GAM den Assetabfluss stoppen kann.

Dazu kommt, dass wohl im Juli eine Kapitalerhöhung durchgeführt wird, um das Darlehen von Rock Investment in Eigenkapital zu wandeln. Der Markt spricht von CHF 100 Mio., doch meine Quellen sprechen von bisher CHF 30 Mio., die Rock zur Verfügung stellen musste. Wenn also moniert wird, dass für GAMs weiteren Umbau keine weiteren Mittel zur Verfügung stehen werden, so stimmt das meiner Meinung nach nicht. Möglicherweise wird der Titel im Moment leer verkauft, um den Preis der neuen Aktien zu drücken.

GAM ist kein kurzfristiger Turn-Around, sondern eine mehrjährige Arbeit – mit einem negativen Performance-Beitrag von 1.2% ist unser Preis jedoch hoch, um dereinst am Kurs-Potenzial partizipieren zu können.

Komax

Die Gewinnwarnung am 18. Juni 2024 vom Marktführer für Wire Processing-Lösungen hat auch uns überrascht und führt zu einem negativen Performance-Beitrag von 1.1%.

Ein schwieriges Marktumfeld, gekennzeichnet von Überkapazitäten und Verzögerungen bei Kundenprojekten, führte zu einem deutlichen Rückgang der Umsätze. Europa und Asien (mit Ausnahme von Indien) wurden als besonders schwierig bezeichnet. Der strukturelle Bedarf an Automatisierung bleibt für die Wire Processing-Industrie intakt und Projekte werden daher meist verschoben.

Für uns sind insbesondere die hohen Marktanteile von Komax, der konstant wachsende Automatisierungsdruck der Kunden, die angestrebte Erhöhung des Service-Anteiles und die tiefe Bewertung Grund genug, um investiert zu bleiben.

Mit einem EV/EBITDA von 7,4x 25E wird die Aktie mit einem Abschlag gegenüber dem Durchschnitt der mittelgroßen Schweizer Industrieunternehmen gehandelt. Die Aktie ist mittlerweile auf den Corona-Levels von März 2020 angelangt.

medmix

Kaum einen Wert im Plutos-Schweiz Fund sehe ich als so falsch bewertet wie medmix. Obwohl der negative Performance-Beitrag der Position in diesem Jahr rund 1.1% beträgt, werden wir an dieser festhalten. medmix ist für ein schnelles Wachstum gut gerüstet und 2024 ist ein Umsatzplus am oberen Rand der Guidance (+4-6%) bei einer EBITDA-Marge von mindestes 20% durchaus erreichbar.

Der Hauptproduktionsstandort für Industry in Polen, wo der Betrieb 2022 aufgeben werden musste, ist nun vollständig durch den neuen Standort in Valencia ersetzt worden. Valencia hat einen grossen Order-Backlog, der aber z.T. noch validiert werden musste. Der Lagerabbau, insbesondere im Dental-Bereich, dürfte im H124 begonnen haben und das Auftragsbuch ist gesund.

Der gewonnene Patent-Streit mit Kettenbach/Xinial dürfte zu Ersatzinvestitionen von Kunden führen, da sie die gefälschten, kopierten Produkte nicht mehr nutzen dürfen. Ein weiterer Rechtsstreit in den USA dürfte nächsten ebenfalls zu medmix‘ Gunsten beigelegt werden – mit denselben Nachholeffekten.

Medmix handelt derweil bei rund P/E 16x und einem EV/EBITDA von 8.8x – Werte, die im historischen Vergleich m.E. deutlich zu tief sind.

DocMorris

Nachdem DocMorris 2023 unsere beste Investition war, kostet die Position dieses Jahr rund 1.1% an Performance. Bereits im letzten Blog habe ich mich ausführlich zu DocMorris geäußert (DocMorris – Once in a Lifetime) und die enormen Chancen aufzuzeigen versucht. Daher bleibt mir heute lediglich zu bemerken, dass der e-Rezept-Kuchen in Deutschland nur einmal verteilt wird.

DocMorris hat den ‚First Mover‘-Vorteil und auch wenn die Analysten einer Schweizer Großbank Konkurrenz in Form der Krankenkassen sehen – was notabene auch von RedCare als unwahrscheinlich beurteilt wird – bleibe ich positiv für die weitere Entwicklung des Unternehmens und, wichtiger für den Plutos-Schweiz Fund, des Aktienpreises.

Meyer Burger

Frei nach dem Motto ‚Wer nicht will, der hat schon‘ setzt Meyer Burger den Umzug in die USA weiter um und dieser Tage tönt es endlich wieder etwas positiver: die Produktion von Solarmodulen in Arizona ist angelaufen und auch bei der geplanten Solarzellenproduktion seien Fortschritte erzielt worden.

Zudem strebt das Thuner Unternehmen eine strategische Partnerschaft mit einem amerikanischen Technologiekonzern an – die Verhandlungen seien weit fortgeschritten. Auch ein weiterer Abnahmevertrag mit einem Großkunden in den USA hat sich Meyer Burger gesichert.

Meyer Burger bleibt im Moment die kleinste Position im Plutos-Schweiz Fund und so war die negative Performance-Contribution mit 0.44% auch eher überschaubar.

Kleine Randnotiz: Obwohl es die europäische Politik verpasst hat, die lokale Solarbranche zu unterstützen und man nun mehr denn je von weniger effizienten und nicht nachhaltig hergestellten chinesischen Solarmodulen abhängig ist, führt die EU Einfuhrzölle gegen das Land der aufgehenden Sonne ein.

Wie soll denn so die grüne Energiewende geschafft werden? Intelligent ist das aus meiner Sicht nicht. Aber wenn es mit den Erneuerbaren nicht klappt, kann man zum Beispiel in Deutschland einfach weitere Kohlekraftwerke anwerfen, um ja die böse Atomkraft nicht nutzen zu müssen – obwohl gleich über der Grenze die Franzosen voll auf nukleare Power setzen.                                  

Nachhaltig ist das für mich definitiv nicht, sondern einfach nur wirr.

Zusammenfassend sehen Sie, dass die oben erwähnten ‚Sorgenkinder‘ rund 6.8% an Fund-Performance gekostet haben – ich gehe davon aus, das meine Argumente nachvollziehbar sind und sich die Werte erholen werden. Daher scheint ein Investment in den Plutos-Schweiz Fund gerade zum momentanen Zeitpunkt als prüfenswert.

Bis demnächst,

Stephan

ZOOM-KÄFELI

Gerne können wir über die erwähnten Punkte in einem Zoom-Käfeli ins Detail gehen – ich freue mich, von Ihnen zu hören!

Stephan Sola

Stephan Sola

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