Was ist eine nachhaltige Kapitalanlage?

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges gesellschaftliches Thema und spielt auch bei der Geldanlage eine immer größere Rolle. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten nachhaltig zu investieren. Erfahren Sie, welche Produkte existieren und was Sie bei der Auswahl der Anlagen beachten müssen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine nachhaltige Kapitalanlage?

Nachhaltigkeit ist heute so präsent wie selten zuvor. Einen guten Umgang mit Mensch und Natur zu fördern, ist längst zum Leitbild für politisches und wirtschaftliches Handeln geworden. Wer nachhaltig investieren möchte, findet am Kapitalmarkt ein breites Angebot an nachhaltigen Anlageprodukten. Wie Sie nachhaltig investieren und was Sie bei der Auswahl beachten müssen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was bedeutet Nachhaltigkeit überhaupt?

Nachhaltigkeit ist nicht erst seit Greta Thunberg oder Fridays For Future ein Thema. Die Wurzeln gehen auf den Bergoberhauptmann Carl von Carlowitz zurück, der 1713 seine Gedanken zur Nachhaltigkeit auf die Waldwirtschaft übertrug. Dieser beobachtete die zunehmende Holzknappheit im Zuge des Silberbergbaus und schlug statt des vorherrschenden Raubbaus eine kontinuierliche, beständige und nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes vor, um die Holzressourcen langfristig zu erhalten.

Ende des 20. Jahrhunderts entwickelte sich das Verständnis von Nachhaltigkeit rasant weiter. 1972 übernahm der „Club of Rome“ die Idee in seinen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ und wendete sie auch auf andere endliche Ressourcen an. Die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung formulierte 1987 erstmals ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung und zog damit die weltweite öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Dieses beschreibt Nachhaltigkeit als Entwicklung, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne künftige Generationen zu gefährden. 1992 entwickelte die UN ein Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, das als „Agenda 21“ bekannt ist. Darin sind konkrete ökologische, soziale und wirtschaftliche Handlungsaufträge enthalten, welche die negativen Folgen verantwortungslosen und kurzgedachten Handelns auf die Umwelt eindämmen und die nachhaltige Entwicklung beschleunigen sollen.

Nachhaltigkeit betrifft also nicht nur den Umwelt- und Klimaschutz, sondern bezieht ebenfalls soziale und wirtschaftliche Aspekte mit ein, um verantwortungsvoll mit der Erde, ihren Ressourcen und den Menschen umzugehen. Unternehmen müssen sich heute nicht mehr nur für ihren wirtschaftlichen Erfolg verantworten, sondern auch für ihr nachhaltiges Handeln. Ökologische und soziale Komponenten der Nachhaltigkeit in der Realwirtschaft zu verankern, ist für den dauerhaften Erfolg notwendig. In modernen Nachhaltigkeitskonzepten ist deswegen eine verantwortungsvolle Unternehmensführung ein unverzichtbarer Bestandteil von Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit in der Geldanlage

Nicht nur die Wirtschaft, auch die Finanzwelt hat sich des populären Themas angenommen. Privaten Investoren ist es zunehmend wichtiger, nachhaltige Aspekte bei der Geldanlage zu berücksichtigen und verantwortlich zu investieren. Das klassische Dreieck der Kapitalanlage aus Rendite, Risiko und Liquidität wird somit um eine weitere Dimension ergänzt – Nachhaltigkeit.

Die Nachfrage nach Kapitalanlagen, die den Grundsatz der Nachhaltigkeit berücksichtigen, explodiert. Das Angebot steigt ebenfalls und es gibt eine Vielzahl von Produkten, die ökologische, ethische und soziale Ziele verfolgen. Ob die Kapitalanlage damit nachhaltig ist, ist damit aber nicht garantiert. Das Problem: Es mangelt an einer einheitlichen Definition für nachhaltige Kapitalanlagen. Jeder Anbieter kann das Konzept nach seinen eigenen Vorstellungen auslegen. Begriffe wie „grüne Investments“, „ethische Anlagen“ oder „Social Impact“ sind rechtlich nicht geschützt.

Wer nachhaltig investieren will, muss sich genau informieren und sich mit den einzelnen Produkten, in die er investieren möchte, tiefgründiger auseinandersetzen.

Wie können Anleger nachhaltig investieren?

In den Bereichen des täglichen Lebens haben wir uns längst daran gewöhnt: Wer Wert auf eine nachhaltige Lebensweise legt, spart Wasser, reduziert seinen Fleischkonsum oder greift auf Produkte aus ökologischem Anbau zurück. Doch wie können Anleger ihr Vermögen nachhaltig investieren? Investoren haben im Wesentlichen verschiedene Möglichkeiten, Nachhaltigkeit direkt oder indirekt zu unterstützen. Anleger können

  1. nicht in Unternehmen kritischer Branchen wie die Waffen-, Alkohol- oder Tabakindustrie investieren,
  2. nur in Unternehmen investieren, die nachhaltige Geschäftspraktiken umsetzen,
  3. in Unternehmen, die nachhaltige Technologien wie Wasserstoffantriebe erforschen und bereitstellen, investieren oder
  4. in konkrete ökologische oder soziale Projekte wie z. B. den Bau von Solaranlagen in Entwicklungsländern investieren.

Diese Ziele können Anleger mit unterschiedlichen Anlageformen erreichen. Jede von ihnen hat andere Vorzüge und Nachteile und eine unterschiedlich starke Wirkung auf die nachhaltige Entwicklung.

Formen nachhaltiger Kapitalanlagen

Bankkonten & Sparanlagen

Ob nachhaltiges Girokonto, Sparbuch oder Sparpläne, einige Banken gehen verantwortungsvoller mit Einlagen um als andere. Beispielsweise schließen sie Unternehmen mit umweltschädlichen Geschäftsmodellen von der Kreditvergabe aus oder finanzieren sogar ganz gezielt ökologische und soziale Projekte mit dem Guthaben ihrer Kunden. Bei einigen Banken können Kunden sogar mitbestimmen, welche konkreten Projekte sie mit ihren Einlagen unterstützen möchten.

Green-Bonds & ESG-Anleihen

Wenn Anleger Anleihen eines Unternehmens oder Landes kaufen, wird ihnen Kapital in Form eines verzinsten Kredites zur Verfügung gestellt. Bei Green Bonds muss dieses Kapital für Aktivitäten im Klima- oder Umweltschutz verwendet werden. Bei ESG-Anleihen ist die Mittelverwendung an die Einhaltung bestimmter Nachhaltigkeitskriterien gebunden. Mit nachhaltigen Anleihen können Anleger die Finanzierung nachhaltiger Unternehmensaktivitäten vereinfachen und fördern. Die Idee dahinter: Unternehmen, die beispielsweise der Umwelt schaden, können nicht auf diese Kapitalquelle zurückgreifen und haben es bei der Refinanzierung etwas schwerer.

Aktien

Aktionäre stellen einem Unternehmen als Investoren Eigenkapital zur Verfügung. Damit haben sie zuerst nur einmal mittelbaren Einfluss darauf, wie und in was das Unternehmen dieses Kapital investiert. Mit ihrem Stimmrecht auf der Hauptversammlung haben sie jedoch die Möglichkeit, die Ausrichtung des Unternehmens zu beeinflussen.

Aktive Nachhaltigkeitsfonds

Aktiv gemanagte Investmentfonds bieten je nach Anlageschwerpunkt vielfältige Investitionsmöglichkeiten. Diese können in Aktien, Anleihen oder verschiedene Finanzinstrumente investieren. Die nachhaltige Ausrichtung eines Fonds lässt sich an Bezeichnungen wie SRI (Social Responsible Investing), ESG, Impact, Öko oder Ethik erkennen. Durch das aktive Management kann ein hoher Nachhaltigkeitsanspruch erfüllt werden, da Experten im Fondsmanagement die einzelnen Unternehmen ganz gezielt nach bestimmten Kriterien auswählen. Welche Ansätze jeder einzelne Fonds verfolgt, müssen Anleger jedoch genau recherchieren.

Nachhaltigkeits-ETFs

Als passives Investment investieren ETFs in einen Index und bilden diesen exakt ab. Nachhaltige ETFs basieren meist auf speziellen Nachhaltigkeitsindizes. Diese können beispielsweise Unternehmen ausschließen, welche ohne Rücksicht auf Umwelt und Menschen wirtschaften. Stattdessen können beispielweise nur Unternehmen gewählt werden, die die nachhaltigsten einer Branche sind. ETFs sind eine einfache und günstige Option, breit gestreut in ökologische und sozial verantwortungsvolle Unternehmen zu investieren.

Crowd Investing

Hierbei handelt es sich um eine moderne Methode, kleine oder große nachhaltige Projekte direkt zu finanzieren. Das Prinzip: Über eine große Menge von Menschen soll möglichst viel Kapital eingesammelt werden. Meist geschieht das über spezielle Crowd-Investing-Plattformen, auf denen Projekte, ihre Macher und Ziele transparent dargestellt und die Ergebnisse nachverfolgt werden können. Für jedes einzelne Projekt kann es ein ganz anderes Finanzierungsmodell geben: Anleger können Projekte als Miteigentümer oder Kreditgeber finanzieren. Die Verzinsung sowie die Rückzahlungsmodalitäten sind hier unterschiedlich geregelt.

Impact Investing

Das Impact Investing verbindet die Anlage mit einem ganz konkreten Ziel mit sozialen oder ökologischen Schwerpunkten. Zum Beispiel kann das Anlegervermögen für Mikrokredite in Schwellenländern, Bildungsprojekte, die Wiederaufforstung oder erneuerbare Energien verwendet werden. Die Finanzierungsform hat eine direktere Wirkung als Aktien oder Anleihen, da das Geld gezielt für nachhaltige Zwecke in die Realwirtschaft fließt.

Nachhaltige Produkte erkennen

Von nachhaltigen Anlageprodukten ist die Rede, wenn diese das Geld der Anleger ausschließlich in Unternehmen, Projekte oder Länder investieren, die anerkannte Nachhaltigkeitsziele verfolgen oder feste Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Am Finanzmarkt gibt es jedoch bisher keine einheitlichen Richtlinien für nachhaltige Kapitalanlagen. Produktbezeichnungen wie „ESG“, „Öko“ oder „Klima“ sind nicht geschützt oder reguliert.

Eine Hilfestellung für den Erwerb von Aktien und Anleihen geben die sogenannten ESG-Kriterien. Diese basieren auf verschiedenen internationalen Normen und stehen für ökologische („Environmental“), soziale („Social“) und unternehmerische („Government“) Aspekte, die eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Unternehmensführung berücksichtigen sollten. Anhand des ESG-Ratings eines Unternehmens erkennen Investoren auf einen Blick, wie gut diese die ESG-Kriterien erfüllen.

Ein solches Rating gibt es jedoch nur für Unternehmen und nicht für einzelne Anlageprodukte. Jeder Anbieter nachhaltiger Produkte kann seine Vorstellungen einer nachhaltigen Anlage individuell umsetzen. Ein einheitliches Nachhaltigkeitssiegel gibt es ebenfalls nicht. Anleger müssen sich also selbst informieren, welche Ziele das Management verfolgt, welche Kriterien sie für die Investition heranziehen, wie nachhaltig die Anlage tatsächlich ist und welche reale Wirkung sie am Ende erzielen kann.

Fazit: Nachhaltige Kapitalanlagen sorgfältig auswählen

Nachhaltige Anlagen sollten ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte vereinen, um eine möglichst hohe und dauerhafte Wirkung auf die Umwelt zu erzielen. Die Auswahl an nachhaltigen Kapitalanlagen ist groß. Von Einzelaktien und Öko-Anleihen über breit gestreute Fonds bis hin zu Direktbeteiligungen an sozialen und ökologischen Projekten finden Anleger eine Vielzahl von Angeboten. Einen Anhaltspunkt für die Beurteilung der Nachhaltigkeit geben die ESG-Kriterien. Weil ein einheitlicher gesetzlicher Rahmen für nachhaltige Kapitalanlagen bisher fehlt, müssen Anleger selbst prüfen, welche Produkte tatsächlich nachhaltig sind, welche Ziele sie verfolgen und ob sie eher ökologische oder soziale Schwerpunkte setzen.

Sollten Sie noch Fragen haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf!

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Wichtige Hinweise:

Die in der Rubrik zur Verfügung gestellten Informationen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen. Informationen im Rahmen von Finanzanlagen unterliegen aber stetiger Veränderungen und wechselnder Einschätzungen. Eine Haftung wird ausgeschlossen.
Sofern in den Darstellungen Charts verwendet werden, beziehen sich diese auf den dort angegebenen vergangenen Zeitraum, die angegebene Währung und es ist angegeben, ob es sich um eine Betrachtung vor oder nach Kosten handelt. Eine Kurs- oder Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist kein verlässlichen Indikator für zukünftige Ergebnisse. Jede Finanzanlage hat bestimmte Risiken, bitte beachten Sie die Risikohinweise.

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Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Unternehmenssteuerung, Bestandskundenbetreuung, Fondsmanagement und Organisation. Zusätzlich ist er Fondsmanager des Kana NEB Funds und agiert neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance.

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