Kai Heinrich sagt ein spannendes Börsenjahr 2018 voraus

Aktientipps - Depotauszug
Die meisten Anleger blicken auf ein sehr erfreuliches Börsenjahr 2017 zurück. Noch zu Beginn des Börsenjahres herrschte jede Menge Unsicherheit.

Inhaltsverzeichnis

So startete das Börsenjahr 2017 gleich mit der Amtsübernahme des umstrittenen US-Präsidenten Donald Trump, der auch im Jahresverlauf nicht mit provozierenden Twitter-Tweets sparte. Hinzu kamen Sorgen um eine restriktivere Geldpolitik, Brexit-Verhandlungen, wichtige Wahltermine in Europa und geopolitische Krisen, wie der Nord-Korea-Konflikt. All diesen Ereignissen zum Trotz, zeigten sich der DAX, aber auch die internationalen Aktienmärkte sehr freundlich. Und irgendwie beschleicht so manchen Anleger auch dieses Jahr wieder das Gefühl, dass die Börsen, nach der Rallye der letzten Jahre und den weiter bestehenden Unsicherheitsfaktoren, reif sind für eine Korrektur. Doch meist kommt es anders, als man denkt. Stellt sich nur die Frage, was denn „alle“ denken?

Mit Blick auf eine vom Handelsblatt erhobene Kapitalmarktprognose von 32 in- und ausländischen Banken erwarten die Analysten im Durchschnitt beim DAX ein Gewinnplus von 7,5% und somit einen Anstieg auf etwa 14.000 Punkte zum Jahresende 2018. Mit dieser Entwicklung würden sich wohl die meisten Anleger zufrieden geben. Lediglich die Helaba sieht den DAX im Jahr 2018 als einziges Institut schwächeln und prophezeit ein Minus von etwas mehr als 5% auf 12.300 Punkte. Am optimistischsten ist das Bankhaus J. Safra Sarasin. Hier erwartet man einen Anstieg beim DAX auf 15.000 Punkte zum Jahresende. Also kein überwältigender Optimismus, aber auch alles andere als Pessimismus. Es scheint, als ob sich bei den eher vorsichtigen Prognosen, viele Analysten über die weitere Entwicklungunsicher sind.

Die Rahmenbedingungen in diesem Jahr sind ähnlich wie im vergangenen Jahr. Auch dieses Jahr stehen wichtige Wahlen an, geopolitische Themen sorgen für Verunsicherung, die Entscheidungen der Notenbanken über eine etwaige Straffung der Geldpolitik werden eng beobachtet und die Bewertungen der Aktien sind nach dem erneuten Börsenanstieg des letzten Jahres noch teurer geworden. Die Weltwirtschaft dürfte allerdings ein robustes Wachstum über dem 2017er Niveau erreichen. Die nun beschlossene US-Steuerreform dürfte ebenfalls einen positiven Anteil am Wirtschaftswachstum haben. In Deutschland und in Europa scheint die Konjunktur zu brummen. Es stellt sich nun die kritische Frage, inwieweit die Börsen bereits die Wachstumserwartungen eingepreist haben? Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, aber vermutlich sind diese Erwartungen schon sehr stark in den aktuellen Aktienkursen eingepreist. Ein Blick auf das Shiller-KGV, das beim S&P 500 bei über 30 liegt, verdeutlicht dies. Nur zweimal in der Geschichte des S&P 500 wurde ein ähnliches Niveau erreicht: Vor dem schwarzen Freitag 1929 und vor dem Platzen der Internet-Blase zur Jahrtausendwende.

Im Kontext der Fundamentalanalyse darf ferner ein wichtiger Faktor nicht verdrängt werden: die Geldpolitik. Auch in 2018 werden, trotz zunehmender Straffung der Geldpolitik, noch immer gigantische Summen an Liquidität in die Märkte gepumpt. Allem voran die Bank of Japan und die EZB. Ein Ende der Nullzinspolitik ist daher noch immer nicht zu erwarten. Die Inflationsentwicklung sollte besonders beobachtet werden. Denn aktuell sind bereits Lohnsteigerungen und steigende Rohstoffpreise festzustellen. Der Anleihemarkt, sowohl in Europa, als auch in den USA, birgt hohe Risiken. Die Anleihekurse befinden sich, wie die Aktienmärkte auch, auf einem Rekordniveau. Bei Staatsanleihen kann sicherlich nicht mehr von risikolosen Renditen, sondern vielmehr von renditelosen Risiken gesprochen werden. Im Vergleich zu den Anleihen scheint die Aktie dann noch das attraktivere Investment zu sein.

Wir glauben nicht, dass das Börsenjahr 2018 ein einfaches Börsenjahr wird, im Gegenteil. Wir glauben allerdings auch nicht, dass es im Jahr 2018 kein Geld mit Aktien zu verdienen gibt. Den positiven Schwung der Börsen zum Jahresstart nehmen wir mit. Ab dem zweiten Quartal sehen wir höhere Schwankungen auf die Börsen zukommen, denn für weiter steigende Börsen bedarf es positiver Überraschungen. Die Indizes werden hierbei eine weniger bedeutsame Rolle spielen. Vielmehr sollte der Fokus auf einzelne Aktien gerichtet sein. Im vergangenen Jahr waren Dividenden-Aktien nicht sonderlich gefragt, eher zyklische Aktien und Technologie-Aktien. Bedeutsam kann es daher werden sogenannte „Nachzügler“ ausfindig zu machen, bzw. sich defensivere Branchen wieder anzuschauen. Ergänzend sollten selektiv auch Aktien von Profiteuren des digitalen Wandels im Fokus stehen. Hier liegt die Betonung aber wirklich auf „selektiv“, da es mittlerweile einige Unternehmen in diesem Bereich gibt, die schlichtweg hohe Wachstumsraten bereits in ihren Aktienkursen eingepreist haben. Die Stabilisierung der Rohstoffpreise und daraus abgeleitet Rohstoffaktien nehmen wir mit Freude wahr. Ebenso die Stabilisierung des Goldpreises und der Goldminen-Aktien. Auch wenn die Konsolidierung des Goldpreises noch nicht abgeschlossen ist, stehen die Chancen auf eine weitere Stabilisierung des Goldpreises im laufenden Jahr sehr gut. Gold sollte im Umfeld volatiler Börsen, aber auch wieder anziehender Inflationsraten profitieren. Dem Bitcoin-Hype um Kryptowährungen schließen wir uns nicht an. Zu sehr scheinen Bitcoins derzeit als Spekulationsobjekte gehandelt zu werden, als dass wir hier eine vernünftige Fundamentalanalyse durchführen können.

Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Fondsmanagement, Personal und Compliance. Er agiert außerdem seit 2020 neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance. Zuvor war Kai Heinrich Leiter des Wertpapiergeschäftes der Commerzbank AG Region Taunus und Direktor des Wealth Managements bei der Commerzbank AG Region Rhein Saar.

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