GameStop-Aktie und die Folgen für den Markt

GameStop-Aktie Folgen für den Markt - Charts und Lupe auf Schreibtisch
Für die einen war es der Beginn einer überfälligen Rebellion, die anderen warnen vor einer unkontrollierten Spekulationswelle, die viele in den Abgrund reißen könnte.

Inhaltsverzeichnis

Ende Januar hatten sich über die Internetplattform Reddit zahlreiche Nutzer zum Kauf der GameStop-Aktie verabredet, um den angeblich bösen Hedgefonds eins auszuwischen. Einige dieser Hedgefonds hatten nämlich, wie sie es oft tun, mit Leerverkäufen auf das Papier der amerikanischen Spielekette gewettet. Offiziell, weil sie vom Geschäftsmodell nicht überzeugt waren und baldige Verluste befürchten würden. Tatsächlich aber wohl eher, weil sie mit ihren Wetten diesen Abwärtstrend zumindest vorübergehend beschleunigen wollten, um mit den Leerverkäufen gute Gewinne zu erzielen. Viele Marktbeobachter halten das Agieren von Hedgefonds für sinnvoll und schreiben ihnen sogar eine regulierende Funktion zu. Andere wiederum sehen in ihnen nur Spekulanten, die auf das tatsächliche Marktgeschehen keine Rücksicht nehmen würden.

Der Absturz der GameStop-Aktie

Die überwiegend jungen Internethändler, die via Reddit, Robinhood und anderen Onlineportalen GameStop mit ihren Käufen zu Hilfe eilten, wollten verhindern, dass das Unternehmen durch die Spekulation in Bedrängnis geraten könnte. Aber sie wollten auch Geld verdienen, denn ihre Gegenbewegung sorgte immerhin dafür, dass sich auch der Aktienkurs der GameStop-Papiere kräftig bewegte. Dem gewünschten Auf- folgte allerdings auch der Abstieg: Nach einem nur wenige Tage andauernden Höhenflug brach die GameStop-Aktie wieder ein und sackte von ihrem Hoch bei 482,95 US-Dollar auf um die 40 US-Dollar ab. Und während sich die professionellen Hedgefonds zur Vermeidung größerer Probleme untereinander mit Milliardensummen helfen konnten, blieben am Ende viele der Neu-Anleger auf ihren Verlusten sitzen.

GameStop Corp. Aktie 6 Monate – Quelle: vwd

Sollte man Leerverkäufe regulieren?

GameStop ist nur ein Beispiel dafür, wie am Finanzmarkt heute nicht nur die Profis Kurse bewegen können. Auch über das Internet können sich Gruppen von Kleinanlegern zusammentun, um gezielte Reaktionen hervorzurufen. Die Hedgefonds hätten mit ihrem Vorgehen übertrieben, meint Professor Hans-Peter Burghof vom Lehrstuhl für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim. Sie hätten mit ihren Leerverkäufen bei GameStop „mit aller Gewalt in eine Richtung gezogen“. Diese Leerverkäufe zumindest zu begrenzen, sei Aufgabe der Marktaufsicht. Das hätte sie auch „vorher schon tun können und sollen, hat sie offenbar nicht hinreichend getan“, sagt Burghof. Das sei ein Versagen des Finanzmarktes, ein systemisches Versagen, „das eingebaut ist in diese Konstruktion der Short Sales, der Leerverkäufe“.

Erste Ermittlungen im Fall GameStop haben begonnen

Die Wucht, mit der GameStop für Aufsehen sorgte, rief zumindest in den USA sofort die Aufsichtsbehörden und auch die Politik auf den Plan. In der vergangenen Woche beschäftigte sich der US-Kongress mit dem Thema, wollte mehr Hintergründe erfahren und darüber diskutieren, ob man neue Regeln für den Handel aufstellen müsste. „Es stinkt nach Korruption“, schimpfte dabei der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton. Er nahm wegen des Verdachts von Absprachen zwischen Hedgefonds und Online-Brokern sogar Ermittlungen auf. Die Börsenaufsicht SEC und das Finanzministerium untersuchen die Fakten ebenfalls. Verdächtig kam den Ermittlern vor allem vor, dass die Handelsplattform Robinhood auf dem Höhepunkt der Marktturbulenzen insgesamt 3,4 Milliarden Dollar bei Investoren eingeworben hatte, um die eigene Kapitaldecke zu stärken. Einen Einfluss von Hedgefonds habe es dabei aber nicht gegeben, betonte Robinhood-Chef Vlad Tenev. Das Thema ist aber noch nicht ausgestanden, es sind mehrere Kongressanhörungen geplant, die die Rollen von Social Media, Online-Brokern und professionellen Finanzmarktspekulanten im Fall GameStop beleuchten sollen. 

GameStop-Aktie – Anlageentscheidungen objektiv treffen

Auch hierzulande hat sich mittlerweile die Finanzaufsicht BaFin zu Wort gemeldet. Sie warnt Privatanleger vor Risiken, wenn sie zu Wertpapierkäufen in Sozialen Medien aufrufen, Internetforen und Apps folgen. „Es besteht ein erhebliches Verlustrisiko, da auf kurzfristige Kurssteigerungen, die infolge der Aufrufe und entsprechenden Spekulationen entstehen, starke Kursrückgänge folgen können“, fasst die Behörde zusammen, was einige Anleger jüngst erlebt haben. Die Empfehlung der Finanzaufsicht: Anlageentscheidungen sollten sich nicht auf Aufrufe wie beispielsweise auf der Onlineplattform Reddit oder im Messanging-Dienst Telegram stützen. Privatinvestoren sollten sich über das jeweilige Wertpapier aus möglichst objektiven Quellen informieren. Denn es bestehe die Gefahr, „dass in Sozialen Medien falsche oder irreführende Aussagen getroffen werden.“.

Fazit zum Fall rund um die GameStop-Aktie

Marktexperten dagegen sehen in den Vorgängen um GameStop auch eine positive Seite. Auch aus Verlusten könne man mehr über die Funktionsweise des Aktienmarktes und den Aktienhandel lernen, heißt es bei ihnen. Bisher ist das Interesse an Aktien zumindest in Deutschland noch eher unterentwickelt. Vor allem die Corona-Zeit mit den Lockdowns und den fehlenden Freizeitaktivitäten hätten immer mehr jungen Leute auf das Thema gebracht, stellt auch das Deutsche Aktieninstitut fest. Wie das Online-Magazin „MarketWatch“ unter Berufung auf Daten des Marktforschungsinstitutes Gallup schreibt, hätten im vergangenen Jahr nur 55 Prozent aller Amerikaner Aktien gehalten – in etwa so viele wie auch schon 2010. In Deutschland setzen laut Daten der Deutschen Bank sogar nur rund zwölf Prozent der Bevölkerung auf Wertpapiere. 

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Der verwendete Chart der GameStop Corp. A bezieht sich auf den Zeitraum 24.08.2020 bis 23.02.2021 und beruht auf Angaben von www.vwd.de. Die Darstellung erfolgte in Euro. Die Werteentwicklung ist in brutto unter Verwendung der BVI-Methode, sie berücksichtigt alle auf Fondsebene anfallenden Kosten (z.B. die Verwaltungsvergütung), die Nettowertentwicklung zusätzlich den Ausgabeaufschlag. Weitere Kosten können auf Kundenebene individuell anfallen (z.B. Depotgebühren, Provisionen und andere Entgelte). Eine Kurs- oder Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist kein verlässlichen Indikator für zukünftige Ergebnisse

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Michael Scholtis

Michael Scholtis

Michael Scholtis ist Senior Relationship Manager und Partner der Plutos Vermögensverwaltung AG. Er ist außerdem Fondsmanager unseres Kana NEB Fund, wo er sich auf trendstarke Qualitätsaktien fokussiert. Zuvor war Michael Scholtis Wertpapierspezialist der Commerzbank AG Region Taunus und später Geschäftsführer bei einer unabhängigen Vermögensverwaltung im Taunus tätig.

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