Investieren in Aktien – so einfach geht’s

Investieren in Investmentfonds – so einfach gehtes - Charts Handy Frau
Aktien gehören zu den renditestärksten Anlageklassen. Gerade in Zeiten von Negativzinsen werfen Investoren vermehrt einen Blick auf die Börse. Dennoch ist die Aktienscheu in kaum einem Land so groß wie in Deutschland. Warum dies so ist, welche Chancen sowie Risiken bei Aktien zu erwarten sind und vieles mehr rund um das Thema Aktien lesen Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Haben Sie schon in Aktien investiert? Gerade in Deutschland hält sich die Aktienscheu hartnäckig. Warum dies so ist, werden wir unter anderem in diesem Beitrag behandeln. Viele Menschen fällt es schwer ihr Geld in Aktien zu investieren. Grund ist zumeist das fehlende Wissen zur Börsen- und Aktienthematik. In diesem Beitrag möchten wir Ihnen eine umfängliche Einführung in das Thema Aktien geben.

Was sind Aktien?

Eine Aktie repräsentiert einen Anteil an einem Unternehmen, genauer gesagt das Eigenkapital des Unternehmens. Durch den Kauf von Aktien beteiligt sich ein Investor an dem entsprechenden Unternehmen, wobei nicht alle die Rechtsform AG haben und an der Börse gehandelt werden. Jede Aktie, die an der Börse gehandelt wird, hat einen eigenen Aktienkurs. Dieser gibt den Preis der Aktie an und basiert auf dem Angebot und der Nachfrage. Wenn die Nachfrage nach einer bestimmten Aktie steigt, verteuert sich die Aktie dementsprechend. Der Kurs der Aktie sinkt, sofern das Angebot die Nachfrage übersteigt.

An der Börse werden Zukunftsaussichten gehandelt. Die Investoren versuchen also zu prognostizieren, was den Markt in Zukunft beeinflussen wird und wie die Preise reagieren. Verschiedene Faktoren spielen dabei eine Rolle. Dazu zählen unter anderem:

  • Gewinnerwartungen des Unternehmens
  • Politische Entscheidungen
  • Konjunkturentwicklungen
  • Brancheninnovationen
  • Geplante Übernahmen oder Fusionen

Als Aktienbesitzer ist es mithilfe dieser Informationen möglich, an den Erfolgsgeschichten entsprechender Unternehmen zu partizipieren. Allerdings werden die Aktionäre in schlechten Zeiten nicht verschont und können Verluste erleiden, bis hin zum Totalverlust im Falle einer Insolvenz des Unternehmens. Wird die Aktienanzahl mit dem Aktienpreis multipliziert, so ergibt sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens.

Ein Unternehmen geht an die Börse und gibt Aktien aus, damit es frisches Kapital für neue Investitionsprojekte einsammeln und wachsen kann.

Chancen und Risiken einer Aktienanlage

Eine Investition in Aktien ist risikobehaftet. Allerdings wurde das eingegangene Risiko in der Vergangenheit hoch vergütet. Die sogenannte Risikoprämie von Aktien, also der Renditeaufschlag im Vergleich zu risikoarmen Anlagen in beispielsweise deutsche Staatsanleihen, hat die Risiken stets kompensiert. Im Folgenden werden einige wesentliche Chancen und Risiken einer Anlage in Aktien beleuchtet und es wird erklärt, wieso Aktien gerade in Deutschland völlig zu Unrecht in Verruf geraten sind.

Chancen einer Aktienanlage

Hohe Renditen: Aktien gehören zu den renditestärksten Anlageklassen. Eine Investition in einen breitgestreuten Index, also in einen Korb an verschiedenen Aktien, generierte historisch betrachtet im Mittel rund 8 % Rendite pro Jahr. Gerade in Zeiten von Negativzinsen stellt dies eine beachtliche Performance dar. Schon mit verhältnismäßig kleinen Investitionen lässt sich bei solchen Renditen und dem Zinseszinseffekt ein langfristiger Vermögensaufbau betreiben.

Gewinnbeteiligung: Erwirtschaftet das Unternehmen Gewinne, kann es einen Teil davon an die Aktionäre ausschütten. Dabei handelt es sich um eine Dividende, worauf im Laufe des Artikels noch näher eingegangen wird. Gesagt sei, dass Aktionäre neben den reinen Kursgewinnen von Aktien zusätzlich von regelmäßigen Ausschüttungen profitieren können.

Liquidität: Aktien werden börsentäglich gehandelt. Dadurch sind die Preisstellungen in aller Regel fair. Das heißt, dass die Geld-Brief-Spanne eng ist und die Ausführung in Echtzeit verläuft. Die Geld-Brief-Spanne ist die Differenz, zu welcher eine Aktie gekauft und verkauft wird. Broker zeigen für eine Aktie immer zwei Preise an. Wenn Sie eine Aktie kaufen, zahlen Sie ein paar Cent mehr als Sie bei einem Verkauf im selben Moment erhalten würden. Diese Differenz entspricht dem Ertrag des Market Makers, welcher stets als Gegenpartei zur Verfügung steht und für Liquidität sorgt.

Risiken einer Aktienanlage

Wertverluste: Ein offensichtliches Risiko bei jeder Investition ist die Möglichkeit eines Wertverlustes oder im schlimmsten Fall eines Totalverlustes. Besitzt eine Aktie eine hohe Risikoprämie, so beruht dieser Preis auf erhöhten Risiken. Das Risiko einer Aktie lässt sich in das unternehmensspezifische Risiko und das Marktrisiko unterteilen. Das unternehmensspezifische Risiko bezeichnet das Risiko des einzelnen Unternehmens. Wenn ein spezifisches Unternehmen durch Fehlinvestitionen Verluste erleidet, dann betrifft es nur dieses eine Unternehmen. Die Konkurrenten haben eventuell besser gewirtschaftet und daher höhere Gewinne eingefahren. Dieses Risiko lässt sich durch Diversifikation, also einer Investition in verschiedene Aktien, minimieren. Das Marktrisiko lässt sich nicht „wegdiversifizieren“. Dieses Basisrisiko bleibt bei einer Investition in den Aktienmarkt immer erhalten und sorgt letztlich auch für die Risikoprämie.

Volatilität: Ein häufiges Argument von Menschen, die nicht in Aktien investieren, ist, dass sie die hohen Schwankungen – die hohe Volatilität – fürchten. In der Tat unterliegen Aktien in der kurzen Frist teils enormen Schwankungen. Eine Halbierung des Vermögens ist in Zeiten von Börsencrashs nicht unüblich. In der langen Frist tendieren die Aktienmärkte allerdings zu einem kontinuierlichen Wachstum. Daher gilt die Faustregel: Je kürzer die Anlage, desto risikoreicher ist sie.

Angst vor Aktien

Gerade in Deutschland ist die Abneigung gegenüber Aktien groß. Das Gerücht, dass Aktien nur etwas für Reiche oder Zocker seien, hält sich hartnäckig. Durch Erzählungen von Bekannten und deren Verlustgeschäften oder eigenen Fehlgriffen, trauen sich viele nicht an die Börse und halten ihr Geld lieber auf Sparkonten oder in wenig- bis negativverzinsten Anleihen. Während das Geld hier keine Rendite abwirft, reduziert eine anhaltende Inflation die tatsächliche Kaufkraft. Häufigstes Problem bei einer Geldanlage in Aktien ist das fehlende Wissen vieler Privatanleger. Diese folgen häufig blind Börsenbriefen oder anderen Erzählungen. Ebenso handeln sie oft emotional und nicht auf einem klaren Regelwerk oder einer Analyse basierend. Durch die geringen Barrieren beim Einstieg in den Aktienhandel lassen sich viele dazu verleiten „drauf los zu handeln“. Demnach gilt: Zunächst die finanzielle Bildung erlangen und anschließend anlegen.

Arten von Aktien

Nicht alle Aktien sind gleich. Je nach Branche und Größe des zugrundeliegenden Unternehmens verhalten sich die Aktienkurse unterschiedlich. Ebenso haben manche Aktien andere Bedingungen als andere. Dies wird im Folgenden genauer betrachtet.

Stamm- und Vorzugsaktien

Stammaktien: Die meisten Aktien sind Stammaktien. Neben der Dividende profitieren Investoren von einem Mitspracherecht in Form eines Stimmrechts auf der Hauptversammlung. Dort werden viele wichtige Themen behandelt. Unter anderem:

  • Bestimmung der Gewinnverwendung
  • Wahl des Aufsichtsrats
  • Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat

Der Vorstand übernimmt die strategische Leitung des Unternehmens und wird vom Aufsichtsrat kontrolliert.

Vorzugsaktien: Vorzugsaktien sind weitaus seltener und genießen in der Regel einen Dividendenvorzug. Dafür haben Investoren von Vorzugsaktien keine oder nur wenige Stimmrechte.

Größe des Unternehmens

Je nach Größe des Unternehmens werden seine Aktien verschiedenen begrifflichen Kategorien zugeordnet. 

Blue Chips/Large Caps: Dies sind Aktien von großen Konzernen, welche maßgeblich die Entwicklung des Indexes beeinflussen, in dem sie enthalten sind. Per Definition gehören hierzu alle Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens zehn Milliarden US-Dollar. In Deutschland gelten Unternehmen wie zum Beispiel SAP, VW und BASF als Large Caps.

Mid Caps: Mid Caps sind Aktien mittelgroßer Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von zwei bis zehn Milliarden US-Dollar.

Small Caps: Small Caps sind Aktien kleiner Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 2 Milliarden US-Dollar.

Pennystocks: Anders als bei den Cap-Bezeichnungen wird bei der Kategorisierung eines Pennystocks nicht die Marktkapitalisierung, sondern der Aktienpreis betrachtet. Aktien, welche unter 5 US-Dollar notieren, gelten als Pennystocks. Die Liquidität ist bei solchen Aktien aufgrund des niedrigeren Handelsvolumens meist geringer. Tendenziell höher ist hingegen die Volatilität, da schon Kursveränderungen in Höhe weniger Cents große prozentuale Unterschiede machen können. 

Value und Growth Aktien

Wer selbst aktiv an der Börse investiert, hat sicherlich von den Begriffen „Value“ und „Growth“ gehört. Jedes an der Börse gelistete Unternehmen kann mehr oder weniger einer dieser Kategorien zugeordnet werden. Im Folgenden werden die Unterschiede zwischen Value und Growth Aktien betrachtet.

Value Aktien

Value Aktien – häufig auch Substanzwerte genannt – sind Aktien von Unternehmen, welche ein solides und etabliertes Geschäftsmodell aufweisen. Das Wachstumspotenzial wurde weitestgehend ausgeschöpft, wodurch weitere signifikante Umsatzsteigerungen unwahrscheinlich sind. Das Umsatzwachstum liegt unter dem Marktdurchschnitt vergleichbarer Unternehmen, ist jedoch weniger volatil.

Investoren von Value Unternehmen schätzen also die Substanz der Aktien. Solche Unternehmen müssen nicht mehr viel Geld in Projekte investieren, um zu bestehen oder neue Marktanteile zu gewinnen, da sie bereits eine gute Position in dem operierenden Markt besitzen. Zudem zahlen sie verhältnismäßig hohe und verlässliche Dividenden.


Merkmale von Value-Aktien auf einen Blick:

  • Etabliertes Geschäftsmodell im eigenen Markt
  • Zuverlässige Umsätze und Dividenden
  • Kaum Reinvestitionsdruck

Growth Aktien


Growth Aktien – häufig auch Wachstumswerte genannt – sind Aktien von Unternehmen, welche ein erhöhtes Wachstumspotenzial aufweisen. Das Umsatzwachstum dieser Aktien ist überdurchschnittlich hoch, jedoch tendenziell volatiler.

Investoren von Growth Unternehmen zielen also auf das erhöhte Kurswachstum jener Aktien ab. Das Unternehmen reinvestiert (fast) alle Erträge, um neue Projekte zu realisieren und weiter zu wachsen. Aus diesem Grund werden kaum oder gar keine Dividenden gezahlt.

Merkmale von Growth-Aktien auf einen Blick:

  • Hohes Umsatzwachstum
  • Hohe Reinvestitionen/niedrige Cashflows
  • Niedrige/keine Dividenden

Welche Anlagestrategie besser ist, wird auch in Fachkreisen oft diskutiert. Klar ist, eine perfekte Strategie gibt es nicht. Warren Buffett, US-amerikanischer Großinvestor und einer der reichsten Menschen der Welt, baute den Großteil seines Vermögens durch die Value-Strategie auf. Buffett identifizierte mittels fundamentaler Analyse Unternehmen, welche zum Kaufzeitpunkt unter ihrem fairen Wert notierten. Was genau unter der Fundamentalanalyse zu verstehen ist und inwiefern solche Analysen umstritten sind, wird unten im Artikel genauer beleuchtet.

Zyklische und antizyklische Aktien

Je nach Geschäftsmodell eines Unternehmens, ist es mehr oder weniger stark von Konjunkturschwankungen betroffen. Entsprechend verhalten sich die Aktien jener Unternehmen zyklisch, wenn sie mit der Konjunktur verlaufen. Korreliert eine Aktie hingegen wenig bis gar nicht mit dem Konjunkturzyklus, so handelt es sich um eine antizyklische Aktie.


Anhand des Aktienkurses lässt sich leicht ablesen, um welche Art von Aktien es sich handelt. Verzeichnete eine Aktie in Krisenzeiten, wie in der Finanzkrise oder Dotcom Blase, starke Kurseinbrüche, so handelt es sich um eine zyklische Aktie – häufig auch nur Zykliker genannt. Dabei ist es nicht nötig, hunderte Charts zu durchforsten, um Aktien nach ihrer Konjunktursensibilität zu sortieren. Allgemein gilt, dass beispielsweise Unternehmen aus der Basiskonsumgutbranche, Pharmabranche und Energieversorger auch in Krisenzeiten relativ stabile Erträge generieren. Dies liegt daran, dass Menschen auch in Zeiten von Finanzkrisen selbstverständlich auf die Güter des täglichen Bedarfs angewiesen sind, im Krankheitsfall weiterhin Medikamente erwerben und ihre Häuser und Wohnungen beheizen müssen. Aktien, welche zyklisch verlaufen, sind zum Beispiel Unternehmen aus dem Technologiesektor oder aus der Luxusgutbranche zuzuordnen. Logischerweise werden die Menschen in Zeiten finanzieller Unsicherheit kein neues Handy oder Luxusuhren erwerben.

Zum Thema antizyklische Aktien haben wir auch einen detaillierteren Artikel veröffentlicht. Dort beleuchten wir die Hintergründe und Umsetzung der Strategie im eigenen Portfolio.

Aktien und Dividenden

In diesem Artikel wurde bereits mehrfach in verschiedenen Kontexten über Dividenden gesprochen. Aktieninvestoren profitieren neben potenziellen Kurssteigerungen auch von Dividendenausschüttungen. Erwirtschaftet ein Unternehmen Gewinne, kann es einen Anteil dieser Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Das Unternehmen ist aber keineswegs dazu verpflichtet, Dividenden an ihre Aktionäre auszuschütten. Einige sehr erfolgreiche Unternehmen haben nur sehr geringe Dividenden, wie zum Beispiel Apple. Andere hingegen haben bisher noch nie eine Dividende gezahlt, darunter beispielsweise Google. Diese Unternehmen argumentieren, dass das Geld in Form einer Reinvestition in unternehmensinterne Projekte besser angelegt ist und für Wachstum sorgt.

Dividendenaktien

Für die Investition in Aktien mit einer hohen Dividendenrendite existieren unzählige Strategien. Die Dividendenrendite ergibt sich dabei durch die Division von Dividendenbetrag und Aktienpreis. Einige Anleger investieren ausschließlich in Aktien mit einer Dividendenrendite, welche über einem selbstgewählten Mindestprozentsatz liegt. Andere Investoren bevorzugen Aktien mit einem hohen Dividendenwachstum. Viele langfristige Anleger schauen auf die Dividendenhistorie. Sogenannte „Dividendenaristokraten“ sind Aktientitel, welche seit mindestens 25 Jahren Dividenden ausschütten und diese jedes Jahr erhöhen. 

Allerdings ist es nicht ratsam, eine Aktie nur anhand der Dividendenrendite, dem Dividendenwachstum oder der Dividendenhistorie zu wählen. Zwar schütten finanziell stabile Unternehmen in der Tendenz eine Dividende aus, jedoch hat die Betrachtung der Growth Aktien gezeigt, dass sehr erfolgreiche Unternehmen wie Apple oder Google kaum oder keine Dividenden zahlen. Einige Dividendenaristokraten hingegen erhöhten auch in Zeiten nachlassender Gewinne ihre Dividende, um ihren Status als Aristokrat nicht zu verlieren.

Für Aktieninvestoren ist es essenziell zu verstehen, dass es für den Unternehmensertrag keinen Unterschied macht, ob der Unternehmensgewinn in Form einer Dividende ausgeschüttet oder reinvestiert wird. Der Aktienkurs verringert sich nämlich am Tag der Dividendenausschüttung um exakt die Höhe der Dividende.

Steuerliche Behandlung von Dividenden

Häufiger Kritikpunkt an einer Dividendenstrategie ist die Tatsache, dass beim Erhalt der Dividenden Steuern fällig werden. Wie bereits erwähnt, ist es für den Unternehmensertrag und somit die Aktienrendite irrelevant, ob eine Dividende ausgeschüttet wird oder nicht. Der Unterschied ist, dass der Aktieninvestor bei einer Ausschüttung der Dividende Steuern zahlen muss. Bei deutschen Aktien beispielsweise gilt eine pauschale Abgeltungssteuer in Höhe von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Um die Abführung der Steuern muss sich der Aktieninvestor nicht selbst kümmern, da dies vom Broker erledigt wird und der Aktieninvestor direkt den Nettobetrag ins Depot gebucht bekommt. Allerdings gilt für Alleinstehende ein Steuerfreibetrag von derzeit 801 €. Für Ehepaare liegt er bei 1.602 €.

Einen detaillierteren Einblick zur Steuerthematik im Kontext von Dividenden erhalten Sie in einem bereits veröffentlichten Artikel. Dort wird neben deutschen Aktien auch ein Blick auf internationale Aktien und die Verrechnung mit Kursverlusten geworfen.

Aktienanalyse

In diesem Artikel wurde das Wichtigste rund um das Thema Aktien erklärt, jedoch blieb eine Frage unbeantwortet: Woher weiß ein Investor, in welche Aktie konkret investiert werden soll? Die Aktienanalyse ist das wohl größte Diskussionsfeld an der Börse und so umfangreich, dass hier nur ein grober Einblick gegeben werden kann. Die einen schwören auf die Fundamentalanalyse im Stil von Buffett und die anderen auf die technische Analyse. Wieder andere behaupten, meist aus akademischen Fachkreisen, dass jegliche Analysemethoden zu keiner Überrendite einer Aktieninvestition führen würden. Was es mit der Fundamentalanalyse, der technischen Analyse und der Markteffizienzhypothese auf sich hat, wird im Folgenden erklärt.

Fundamentalanalyse von Aktien

Die Fundamentalanalyse versucht mittels betriebswirtschaftlicher Kennzahlen den fairen Wert einer Aktie zu bestimmen. Investoren, welche die Fundamentalanalyse zur Aktienbewertung heranziehen, schauen in die Quartals- und Jahresberichte der entsprechenden Unternehmen. Anschließend versuchen sie daraus abzuleiten, wie viel das Unternehmen anhand seiner Geschäftstätigkeiten wert ist und wie sich der Wert der Aktie entwickeln könnte. Zur Beurteilung von Aktien existieren unzählige Kennzahlen. Solche Kennzahlen eignen sich, um verschiedene Aktien miteinander zu vergleichen. Eine Fundamentalkennzahl haben wir bereits behandelt – die Dividendenrendite.

Zur Erinnerung: Um die Dividendenrendite einer Aktie zu ermitteln, wird der Dividendenbetrag durch den Aktienpreis dividiert. Anhand dieser Kennzahl können Investoren verschiedene Aktien anhand ihrer Dividendenhöhe vergleichen und entscheiden, in welche Aktie sie investieren. Die wohl bekannteste Fundamentalkennzahl ist das KGV – das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Dieses wird durch die Division von Kurs je Aktie und Gewinn je Aktie ermittelt. Je niedriger das KGV, desto besser. Grund hierfür ist, dass sich die Aktie früher mit den eigenen Gewinnen „abbezahlt“, wenn der Gewinn im Verhältnis zum Kurs der Aktie höher ist.

Technische Analyse von Aktien

Die Fundamentalanalyse ist tendenziell besser für langfristige Investoren geeignet, da die Zahlen lediglich von Quartal zu Quartal oder gar jährlich betrachtet werden. Kurzfristige Börsenhändler, sogenannte Trader, bedienen sich des Öfteren der technischen Analyse. Diese Analyse versucht Aktienkurse anhand des Kurscharts zu prognostizieren. Aus diesem Grund wird sie auch häufig als Chartanalyse bezeichnet. Verfechter der technischen Analyse nehmen an, dass jegliche Informationen bereits im Preis widergespiegelt werden. Demnach seien Analysen von Unternehmensberichten und volkswirtschaftlichen Daten nicht nötig. Technische Analysten verwenden oft mathematische Berechnungen, um mit den Preisdaten Modelle zur Prognose des Aktienkurses zu bauen. Solche Berechnungen werden im Fachjargon „Indikatoren“ genannt.

Der wohl bekannteste Indikator zur Aktienanalyse ist der „gleitende Durchschnitt“. Ein gleitender Durchschnitt mit 200 Perioden zeigt beispielsweise jeden Tag den Durchschnittskurs der Aktie auf Basis der letzten 200 Tage. Zusammenfassend gibt es eine schier unbegrenzte Menge an Indikatoren, um eine Aktie oder jedes weitere Wertpapier zu analysieren. Einige sind eher für Trendphasen, andere für Seitwärtsphasen geeignet. Neben den Indikatoren werden oft einfache Unterstützungs- und Widerstandslinien verwendet. Diese sollen Preislevel markieren, an die der Aktienpreis oft gestoßen und wieder umgekehrt ist. Technische Analysten nehmen an, dass bei dem Durchbruch eines solchen Levels eine nachhaltige Tendenz in die Ausbruchsrichtung besteht.

Markteffizienzhypothese

Ob Value versus Growth Aktie, Dividendenausschüttung versus Thesaurierung oder die Fundamental- versus technische Analyse: An der Börse gibt es viele umstrittene Themen. Demzufolge lässt sich nicht sagen, ob nun die Fundamentalanalyse oder die technische Analyse die bessere Herangehensweise zur Identifikation von profitablen Aktien ist. Eine Hypothese behauptet gar, dass kein Analyseverfahren zu einem Vorteil bei der Selektion von Aktien führe – die sogenannte Markteffizienzhypothese. Schließlich lässt sich zwischen verschiedenen Abstufungen der Markteffizienz unterscheiden.

Schwache Markteffizienz: Die schwache Markteffizienz nimmt an, dass alle historischen Preise einer Aktie bereits eingepreist sind, wodurch eine Prognose zukünftiger Kurse anhand vergangener Kurse nicht möglich ist. In dieser schwachen Form wäre die technische Analyse also nutzlos.

Mittelstrenge Markteffizienz: Hier wird angenommen, dass alle öffentlich zugänglichen Informationen bereits im Aktienkurs eingepreist sind. Demnach wäre nicht nur die technische Analyse, sondern auch die Fundamentalanalyse nutzlos. Insiderhandel durch Zugang zu privaten Informationen ist in dieser Form der Markteffizienz die einzige Möglichkeit auf eine Überrendite. Mit Insiderhandel ist gemeint, dass ein Investor durch Informationen, welche der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen, einen Vorteil erlangt.

Strenge Markteffizienz: Bei der strengen Markteffizienz wird davon ausgegangen, dass alle relevanten Informationen – öffentlich und privat – im Marktpreis enthalten sind. Unter dieser Annahme wäre selbst Insiderhandel nutzlos. 

Aktienindex und Diversifikation

Als die Chancen einer Aktienanlage betrachtet wurden, wurde von einem sogenannten „Aktienkorb“ gesprochen. Damit war gemeint, dass nicht nur in eine oder zwei Aktien investiert wird, sondern in viele Aktien aus verschiedenen Branchen, Ländern und Aktien von unterschiedlich großen Unternehmen. Dieses Vorgehen wird als Diversifikation bezeichnet. Wenn ein Investor das eigene Portfolio diversifiziert, kann sich die erwartete Rendite verbessern, ohne dass er dafür eine höhere Volatilität in Kauf nehmen muss. Im Fachjargon wird natürlich nicht von einem Aktienkorb gesprochen, sondern einem sogenannten Aktienindex. Der hierzulande wohl bekannteste Aktienindex, der DAX, spiegelt die 40 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands wider. Das amerikanische Pendant zum DAX ist der Dow Jones.

Wer einfach und effizient in einen Index investieren möchte, für den eigenen sich in der Regel Investmentfonds oder ETFs. Zu beiden Finanzprodukten haben wir bereits Artikel veröffentlicht.

Fazit: Aktien als sinnvolle Anlageklasse

Wer effektiven Vermögensaufbau betreiben möchte, kommt um Aktien nicht herum. Der kurzfristigen Volatilität stehen die langfristig außerordentlichen Renditen gegenüber. Ob Value oder Growth, zyklisch oder antizyklisch, Dividendenaristokrat oder Thesaurier, Fundamentalanalyse oder technische Analyse: Die Möglichkeiten an der Börse sind reichlich vorhanden. Wer sie nutzt, kann an den Erfolgsgeschichten der Unternehmen partizipieren. Neben einem klassischen Direktinvestment in Aktien bestehen viele weitere Möglichkeiten, beispielsweise durch Aktienfonds oder ETFs. Eines ist allerdings klar: Je früher Sie anfangen, desto mehr profitieren Sie vom langfristigen Börsenerfolg.

Sollten Sie noch Fragen haben, nehmen Sie gerne Kontakt auf!

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Wichtige Hinweise:

Die in der Rubrik zur Verfügung gestellten Informationen erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen. Informationen im Rahmen von Finanzanlagen unterliegen aber stetiger Veränderungen und wechselnder Einschätzungen. Eine Haftung wird ausgeschlossen.
Sofern in den Darstellungen Charts verwendet werden, beziehen sich diese auf den dort angegebenen vergangenen Zeitraum, die angegebene Währung und es ist angegeben, ob es sich um eine Betrachtung vor oder nach Kosten handelt. Eine Kurs- oder Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist kein verlässlichen Indikator für zukünftige Ergebnisse. Jede Finanzanlage hat bestimmte Risiken, bitte beachten Sie die Risikohinweise.

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Kai Heinrich

Kai Heinrich

Kai Heinrich ist seit 2012 im Vorstand der Plutos Vermögensverwaltung AG und verantwortet schwerpunktmäßig die Bereiche Unternehmenssteuerung, Bestandskundenbetreuung, Fondsmanagement und Organisation. Zusätzlich ist er Fondsmanager des Kana NEB Funds und agiert neben Thomas Käsdorf als Co-Fondsmanager des offensiven Mischfonds Plutos Multi Chance.

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