Anlagestrategie Plutos

Verfasst von Stefan Wolpert | 14. September 2012

Wie kann man die derzeitige Situation an den Kapitalmärkten beschreiben? Sind wir alle in einer immer wiederkehrenden Eurokrise gefangen? Oder ist der gordische Knoten durch die EZB zerschlagen worden? Und wie reagiert man auf dieses Umfeld als Anleger bzw. Fondsmanager?

Wir sehen die momentanen Verwerfungen an den Kapitalmärkten als das Ergebnis einer Banken- und Schuldenkrise an, unter der viele Nationen (auch außerhalb der Eurozone) leiden. Die über viele Jahre fehlgeleiteten Konjunkturpakete zur Unterstützung der Nachfrage nach Produkten, die nicht wirklich benötigt werden  – bzw. die sich viele geleistet haben aber eigentlich nicht haben leisten können – haben zu einer Überschuldung geführt. Diese maroden Kredite, insb. aus dem Immobiliensektor, wurden über die sog. Bankenrettungen auf die Allgemeinheit übertragen. Das ist kein neues Phänomen sondern wurde in der Vergangenheit bereits öfters beobachtet.

Wie wird versucht, das Problem zu lösen? Über finanzielle Repression, d.h. durch künstlich niedrig gehaltene Zinsen werden die „Sparer“ gezwungen, das Geld zu investieren. Auch in niedrig verzinsliche Staatsanleihen. Zusätzlich kann der Staat die Abgaben und Steuern erhöhen, um seine Einnahmen zu steigern. Das führt auch dazu, dass die Inflationsraten immer positiv bleiben und der Staat sowie die (Bank-)Schuldner sich aus seinen Verbindlichkeiten „herausinflationiert“. Der Nominalwert der Anleihen bleibt gleich, die Kaufkraft bzw. der Realwert sinkt kontinuierlich.

Das ist ein sehr langwieriger Prozess an dessen Ende auch ein inflationäres Umfeld steht, wenn die Notenbanken die geschaffene überbordende Liquidität nicht rechtzeitig wieder einsammeln. Das ist ein Vorgang, der in der Vergangenheit nicht gut umgesetzt wurde. Es bleibt aber auch festzuhalten, dass wir hier nicht vor einem finanziellen „GAU“ stehen, sondern ein langfristiger Gesundungsprozess Richtung solide Finanzen bei allen Beteiligten einsetzt – leider hat der Prozess erst angefangen.

Jetzt kam es in den vergangenen Tagen und Wochen hier zu einer nahezu „Kehrtwendung“ an den Kapitalmärkten. Auslöser waren die Aussagen von EZB-Präsident Draghi, „alles für das Überleben des Euros zu tun was notwendig ist“. Damit sind fundamentale Bedenken von den Anlegern zur Seite gedrängt worden. Eine liquiditätsgetriebene Hausse an den Aktienbörsen hat eingesetzt. Zyklische Titel werden defensiven gegenüber stark bevorzugt. Auch die lange Zeit gemiedenen Finanztitel wurden wiederentdeckt.

Wie stellen wir uns in einem solchen Umfeld auf?

Wir sind der Meinung, dass auf den Anleihemärkten zu wenig Zinsen für die immensen innewohnenden Risiken bezahlt werden. Das ist ein „vermeintlich“ sicherer Hafen (rein aus der Vergangenheitsbetrachtung). Zukünftig erwarten wir hier vermehrt Zahlungsausfälle, auch von Staaten und Kommunen. Wohler fühlen wir uns bei Unternehmen, die solide Finanzen vorweisen können, Produkte produzieren die benötigt werden und dann auch noch eine Dividende auszahlen, die weit mehr Rendite bietet als Anleihen; Nestlé ist hier ein Beispiel. Also ein ganz klares Votum für Aktien. Hier wird „Risiko“ meist adäquat vergütet.

Wir glauben ferner, dass mehr Chancen in einzelnen Sektoren bestehen als im Gesamtmarkt. Sprich aktives Management ist gefordert. Als Beispiel mag hier der Gesundheitssektor dienen. Langfristig werden wir weiter Pharmazie- und  Medizintechnikprodukte benötigen. Hier sind zwar auch jederzeit staatliche Eingriffe möglich, jedoch greifen diese meist nur kurzfristig belastend in das eigentliche Marktgeschehen ein.

Auch muss man bereit sein, flexibel zu sein, gehaltene Bestände von Zeit zu Zeit abzusichern. Wir bewegen uns auf unsicherem Terrain, wo es immer wieder zu Belastungen der Investoren Zuversicht kommen kann und wird. Kurzfristige Überlagerungen des eigentlichen Marktgeschehens, ausgelöst durch politische Meldungen bzw. Interessenbekundungen und gezielte Notenbankeigriffe, werden auch zukünftig anhalten.

Und langfristig erwarten wir, wie bereits oben angemerkt, eine Zunahme der Inflation. Daher sind und wollen wir in Gold investiert sein. Das Edelmetall profitiert von einem solchen Umfeld. Zusätzlich wirkt Gold bei kurzfristigen Marktturbulenzen meist als eine Art Stabilisator.

Kurz- bis mittelfristig haben die oben genannten Eingriffe der Notenbanken den Fokus weg von der Finanz- und Liquiditätskrise gelenkt. Hoffnung besteht, dass sich die Marktteilnehmer durch die angekündigten Mittelbereitstellungen der Europäischen als auch der US-amerikanischen Notenbank beruhigen und ferner die Volkswirtschaften wiederbelebt werden können. Letzteres ist mehr Wunsch als Wirklichkeit, da Notenbanken keinen Wirtschaftsabschwung verhindern können. Aber dennoch rücken in den kommenden Wochen / Monaten mehr konjunktursensitive Werte zu Recht in den Vordergrund der Anlagephilosophie. Daher werden wir für Sie auch hier unsere Chancen unter Wahrung unserer Qualitäts-Grundsätze suchen.

Wir stehen langfristig vor sehr herausfordernden Zeiten, die eine flexible Anlagestrategie nötig machen. Durch unsere Aufstellung sehen wir uns diesen Herausforderungen gewachsen.

Für uns zählt der langfristige mehr als der kurzfristig Erfolg. Kapitalerhalt und die Erzielung einer stabilen Rendite auf das eingesetzte Kapital ist für uns wichtiger als die kurzfristige Optimierung des Anlageergebnisses, sofern dieses  gleichzeitig  mit hohen Risiken erkauft werden muss.

Kontaktieren Sie uns