30 Jahre nach dem Schwarzen Montag

Verfasst von Kai Heinrich | 18. Oktober 2017
Kai Heinrich

Kai Heinrich, Vorstand der Plutos AG

Am heutigen 19. Oktober jährt sich der in die Geschichte als „Schwarzer Montag“ eingegangene Börsencrash zum 30. Mal. An diesem besagten 19. Oktober 1987 verlor der Dow Jones Index fast ein Viertel seines Wertes. Nun sind langjährige Aktienanleger Börsencrashs durchaus gewöhnt, allerdings war dies bis heute der größte Tagesverlust seit Bestehen des Dow Jones Index.

An der Wall Street herrschte Panik. Diese Panik breitete sich auch schnell auf die internationalen Börsen aus: Bis Ende Oktober fielen die Börsenkurse in Australien um mehr als 40%, in Kanada um mehr als 20%, in Hong Kong um mehr als 45% und in Großbritannien um mehr als 25%. Die Händler waren absolut überfordert und kamen mit der Bearbeitung von Wertpapierorders nicht mehr hinterher. An vielen Börsen wurde daraufhin kurzfristig der Handel ausgesetzt. Dies gab der US-Zentralbank Zeit, Liquidität in den Markt zu pumpen und die Verluste etwas einzudämmen. Bis zum Ende der Woche erholte sich der Dow Jones wieder etwas. Knapp 15 Monate nach dem Crash erreichte der Index wieder das Vor-Crashniveau.

Bis heute ist umstritten, welche konkreten Gründe zu diesem Börsencrash führten. Und genau diese Tatsache macht es für Börsianer noch viel dramatischer, wenn einkehrende Ereignisse nicht rational erklärbar sind. Zwar begannen die Vorbeben des Schwarzen Montags bereits schon einige Tage zuvor mit einem leichten Abbröckeln der Kurse, die Heftigkeit dieses Crashs überraschte aber sämtliche Anleger auf dem falschen Fuß. Der damalige US-Präsident Reagan beteuerte vehement, dass es der Wirtschaft des Landes gut gehe. Von 1985 bis August 1987 hatte sich der Dow Jones Index fast verdoppelt. Gewiss waren Aktien nicht mehr billig. Es gelang nicht die Inflation und das hohe Handelsdefizit in den Griff zu bekommen. Die Unsicherheit nahm zu, als die US-Notenbank zum ersten Mal seit drei Jahren den Leitzins für kurzfristige Kredite anhob.  In Verdacht für den Börsencrash gerieten schließlich die, zu jener Zeit schon genutzten, Handelscomputer. Diese waren gewiss nicht zu vergleichen mit dem heutigen Hochfrequenzhandel, bei dem mittels komplexer Algorithmen binnen Sekunden Milliarden hin und her geschoben werden, allerdings dienten die damaligen Handelsprogramme durchaus für die Umsetzung von Portfoliostrategien und dynamische Absicherungen. Besonders brisant wird es gerade dann, wenn auf einmal alle den Ausgang nehmen wollen, die Tür aber nicht groß genug ist. Und genau darin liegen unseres Erachtens auch die Gefahren für Wiederholungen eines solchen Crashs. Insbesondere die enorm hohen Anlagegelder in Indexfonds (ETFs) können einen solchen Crash beschleunigen.

Wie die jüngste Vergangenheit zeigt, sind sogenannte Flash-Crashs keine Seltenheit und kommen immer wieder vor. Am 6. Mai 2010 sank der S&P 500 innerhalb von 6 Minuten um fast 6 Prozent, konnte sich aber innerhalb von 20 Minuten wieder etwas erholen. Jahre später ermittelten die Strafverfolgungsbehörden gegen einen Daytrader wegen Marktmanipulation. Ein weiterer Flash-Crash gab es am 7. Oktober 2016 an den asiatischen Devisenmärkten. Hier verlor das britische Pfund innerhalb von wenigen Minuten bis zu 10 Prozent gegenüber dem US-Dollar. Kurz darauf kam es aber auch bei diesem Flash-Crash zu einer schnellen Erholung.

Anleger sollten sich stets bewusst sein, dass so erfreulich die laufende Entwicklung den Aktienmärkten auch ist, diese keine Einbahnstraße sind. Gerade im noch erfreulichen Marktumfeld sollten einige gravierende Fakten kritisch betrachtet werden. Wie zum damaligen Zeitpunkt blicken wir heute ebenfalls auf enorm gestiegene Aktienmärkte in den letzten Jahren zurück. Viele Aktien sind de facto nicht mehr günstig bewertet. Die Notenbanken haben in den letzten Jahren enorme Summen an Liquidität in die Märkte gepumpt, oder zum Teil auch selbst Aktien gekauft. Die Industrieproduktion und die Aktienmarktentwicklung (S&P 500) gehen auseinander. War hier in der Vergangenheit ein Gleichlauf zu sehen, sehen wir nun mit der enormen Gelschwemme ein deutliches Auseinanderklaffen. Die Renditen von Euro-Junk-Bonds nähern sich denen der 10jährigen US-Treasury-Bonds an. Eine Schuldenrückführung ist nicht zu erkennen, im Gegenteil. Und: etliche geopolitische Brandherde sorgen derzeit für genügend Unruhe.

Noch sorgt die hohe Liquidität der Notenbank für Unterstützung an den Aktienmärkten. Zur Vorsicht mahnende Euphorie an den Börsen ist ebenfalls noch nicht zu erkennen. Die Volatilität ist auf einem historisch niedrigen Niveau. Dies war stets ein Indikator für einen Umschwung an den Börsen. Ein aktives Risikomanagement bleibt unumgänglich!

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