26.04.2013
Gold: Ausgeglänzt oder Verschnaufpause?
Der Freitag und der darauffolgende Montag waren heftige Tage für Edelmetallliebhaber. Der Goldpreis verzeichnete den höchsten prozentualen Tagesverlust seit 1983. Mit Unterschreiten wichtiger Chartmarken wurden weitere Anschlussverkäufe ausgeführt. Auf den Titelblättern bekannter Börsenzeitschriften ist nun schon vom Ende des Goldrausches die Rede. Doch ist dieser drastische Absturz gerechtfertigt? Was waren die Gründe dieses heftigen Absturzes?
Als mögliche Erklärungen werden einige Gründe angeführt. China enttäuschte mit seinen Wachstumsdaten, Zypern muss zur Deckung seines Kapitalbedarfs auch einen Teil seiner Goldbestände verkaufen, Gewinnmitnahmen und niedrige Inflationsraten. Alles Gründe, die einen Rückgang des Goldpreises rechtfertigen. Aber auch in dieser Höhe?
Diskutiert man über einen Goldverkauf Zyperns, ist es wichtig zu wissen, dass Zypern nach offiziellen Angaben lediglich 14 Tonnen Gold hält. Vergleichsweise wenig, wenn man den Goldbestand der Bundesrepublik Deutschland betrachtet, der sich auf knapp 3.300 Tonnen beläuft. Nun kann darüber nachgedacht werden, ob es Zufall war, dass die Diskussion über einen Goldverkauf der Krisenländer wenige Tage vor dem Rückschlag von Herrn Draghi (ehemaliger Goldman Sachs-Funktionär) angestoßen wurde. Goldman Sachs selbst empfahl kurz davor auch noch das „Short“-gehen (auf fallende Kurse zu spekulieren) im Gold. Auch der Hedgefonds-Manager George Soros gab kurz davor bekannt, dass er seine Goldbestände verkauft habe. Ob derartige Leute wie Soros oder Institute wie Goldman Sachs den jüngsten Crash wieder für Zukäufe nutzen, darüber können wir allerdings nur spekulieren. Den Anstoß und die Verkaufswelle bei den Edelmetallen löste schließlich auch eine Verkaufsorder von Merrill Lynch am Freitag zur Börseneröffnung aus. Merrill Lynch verkaufte Gold im Wert von knapp 6,3 Mrd. USD. Die Hintergründe für diesen Verkauf sind unbekannt. Auf jeden Fall wurde der Verkauf nicht marktschonend durchgeführt und ein Reißen wichtiger Stop-Marken war die Folge.
Verkauft haben beim Gold schließlich vorwiegend die Anleger, die relativ spät auf den Goldtrend aufgesprungen sind, die vermeintlich „schwachen Hände“. Zentralbanken der Schwellenländer könnten nun auf diesem Niveau wieder als Käufer auftreten. Ob Spekulanten die Kursschwäche zum Wiedereinstieg genutzt haben, darüber kann man ebenfalls nur spekulieren.
Wir halten kurzfristig nochmals weitere Abgaben und einen Test des noch immer intakten Goldtrends bei ca. 1.200 USD für möglich. Auf diesem Niveau sollte die Negativstimmung ihren Höhepunkt haben, so dass die vermeintlich „schwachen Hände“ bereits nicht mehr als Verkäufer auftreten können. Ferner lohnt sich für viele Goldminen mittelfristig bei einem Goldpreis zwischen 1.000-1.300 USD die Förderung des gelben Metalls nicht mehr. Somit dürften einige Minen gezwungen sein, ihre Produktion zurückzufahren. Das Angebot würde wieder knapper werden. Der mittelfristig orientierte Anleger, in dessen Portfolio Gold einen Beimischungscharakter aufweist, sollte daher kurzfristig gute Nerven beweisen. Bei einem erfolgreichen Test des langfristigen Aufwärtstrends bei rund 1.200 USD könnte wieder über eine Aufstockung der Goldpositionen nachgedacht werden. Wir bleiben mittelfristig weiterhin sehr optimistisch für den Goldpreis aufgrund der uns noch immer begleitenden und bekannten Probleme (u.a. überhöhte Staatsverschuldung).
Stefan Wolpert
26.04.2013
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